Capital Group Festgeldanlagen


Anfang Mai wurde ich wieder mal von einer freundlichen Dame telefonisch auf eine Festgeldanlage angesprochen, welche mir Zinssätze von 4,9% für Festgeldanlagen mit einer Laufzeit von 12 Monaten angeboten hatte. Diese weit über dem Markt liegenden Festgeldkonditionen regten meine Neugier an; ich wollte feststellen, welcher Anbieter dahintersteckt.

Prompt kam ein E-Mail von der Capital Consulting, einer „Agentur, die keine Fragen offen lässt“ (damit wird auf der homepage der Capital Consulting geworben), was sich aber bald als eine falsche Aussage herausstellte.

Kapitalnehmer des Festgeldes sollte gemäß den zuerst übersandten Unterlagen die „Capital Group“ sein, welche damit  das Tochterunternehmen „GovtechTM , Bethesda/Maryland/USA“ finanzieren würde. Die „GovtechTM“ wäre das einzige Versicherungsunternehmen, das sich auf staatliche IT-Auftragnehmer spezialisiert hat und würde somit Versicherungslösungen anbieten, die ausschließlich  auf IT-Auftragnehmer von Regierungsbehörden  und Technologieunternehmen abzielt und sich hauptsächlich auf Verträge des Bundes und der Länder konzentriert.

Diese Aussage klang zunächst nicht schlecht, obwohl der vergangene shut-down des Herrn Trump mich hierbei etwas skeptisch werden ließ, so dass ich die freundliche Dame bat, mir den entsprechenden Festgeldvertrag zukommen zu lassen.

Daraus konnte ich dann entnehmen, dass der Kapitalnehmer des Festgeldes die „Capital Group (ohne Rechtsbezeichnung) in Warschau/Polen wäre. Angabe gemäß wäre das eine selbstständige Zweigniederlassung der Capital Group Inc., welche speziell für die Kunden und Investoren aus dem europäischen Raum aufgebaut worden wäre.

Da somit der Kapitalnehmer keine europäische Bank ist, wodurch € 100.000 grundsätzlich abgesichert wären, verlangte ich nach einem Bonitätsurteil dieser Zweigniederlassung oder – da naheliegend – eine Garantie der Konzernmutter bzw. auch dann eine Bonitätsaussage zur Konzernmutter, welche naturgemäß auch eine Übersicht zur Konzern-Struktur, wie sich die Capital-Group zusammensetzt, enthalten müsste.

Diese Anfragen wurden bisher nicht beantwortet, auch auf meine E-Mail –Erinnerung vor knapp 14 Tagen nicht (siehe oben).

Bonitätsaussagen zur Capital Group Inc. sind äußerst mager, ein Rating der bekannten Ratinggesellschaften konnte ich nicht finden. Somit ist meines Erachtens Vorsicht angesagt.

Der geneigte Investor, welcher bei der Capital Group sein Erspartes u.a. in Form von Festgeld und dann noch in Warschau anlegen möchte, sollte ebenfalls diese Bonitätsfragen stellen und bei unbefriedigenden Antworten lieber darauf verzichten.  Im worst-case Gelder aus dem Ausland wieder zurück zu bekommen ist zudem sehr mühsam, zeitintensiv und fraglich.

Ich erinnere hierbei wiederholt an den von vielen nicht wahrgenommenen Umstand, dass der Festgeldgeber ein Kreditgeber und der Festgeldnehmer der Kreditnehmer ist. Somit ist das ein reines Kreditgeschäft und der Kreditgeber sollte sich über die Bonität des Kreditnehmers in Kenntnis setzen, um das Risiko seiner Anlage feststellen zu können.

Die Capital Group ist eine US-amerikanische Investmentgesellschaft und diese sind grundsätzlich risikoreichen Engagements nicht abgeneigt.

19. Juni 2019

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”




Deutsche Bank Fake Eigenkapitalquote


Eigentlich ging ich bis dato davon ausgegangen, dass Wirtschaftsredakteure den Unterschied zwischen Eigenkapitalquote und Kernkapitalquote kennen. Dem ist aber anscheinend nicht so!

Erst kürzlich erschien in dem von mir sehr geschätzten Handelsblatt ein Presseartikel unter der Überschrift „Bloß keine Kapitalerhöhung“ und berichtete über die Absicht der Deutsche Bank, ihren Kapitalpuffer zu reduzieren.

Dabei wurde von einer Eigenkapitalquote von 13,7% berichtet und in einem Diagramm sogar noch groß und in Farbe herausgestellt.

Analysiert man dagegen die Konzernbilanz der Deutsche Bank per 31.12.2018, ergibt sich aber ein völlig anderes Bild und zwar wie folgt:

Bilanzsumme: T€ 1.348.137

Eigenkapital:  T€ 68.737 (inkl. zusätzlicher EK-Bestandteile von T€ 4.675!), daraus ergibt sich eine

Eigenkapitalquote von 5,098%.

Bei einer Eigenkapitalquote von 13,7% bei einem Eigenkapital von T€ 68.737 müsste die Bilanzsumme der Deutsche Bank T€ 501.730 betragen.

Somit stellen die 13,7% nur die so genannte Kernkapitalquote dar, welche hier aus einer um das risikolose Vermögen in Höhe von T€ 846.407 reduzierten Bilanzsumme von T€ 501.730  errechnet wird.

Ob diese T€ 846.407 Vermögenswerte oder anders ausgedrückt 62,78% der originären Bilanzsumme wirklich risikolos sind, mag glauben wer will, dürfte aber nicht der Realität entsprechen. Somit wird der Deutsche Bank eine Kapitalstärke zugemessen, welche nicht vorhanden ist.

Auf Basis dieses – sagen wir mal Buchungstricks –  will die Deutsche Bank jetzt  sogar noch den Kapitalpuffer reduzieren, vermutlich zu Gunsten meiner „Freunde“, den Investmentbankern, die mit hohen Abfindungen oder Bleibegeldern abgefunden werden (müssen oder sollen). In den früheren Jahren hatte man für die Investmentbanker stets das Kapital erhöht und wenige Wochen danach größtenteils an diese Herren wieder ausgeschüttet. Bei dem jetzt sehr niedrigen Kurs = Ergebnis der Ausbeutung durch die Investmentbanker, funktioniert eine Kapitalerhöhung nicht mehr, so dass man aus der noch vorhandenen Substanz die Investmentbanker bedienen will. Das ist keine seriöse Vorgehensweise einer Bank.

Eine solche Nachricht bezogen auf die Kapitalstärke der Deutsche Bank kann man nur als Fake-Nachricht bewerten. Da ich das Handelsblatt aber für seriös halte, gehe ich davon aus, dass dieser Fauxpas nicht absichtlich, sondern der Hektik des täglichen Journalismus geschuldet ist. Nobody is perfect!

Man sieht aber, wie schnell falsche Meldungen/Fakten in die Köpfe renommierter Journalisten Eingang finden, man muss diese falschen Fakten nur oft wiederholen. Ein beliebtes Mittel des Fake Präsidenten Trump.

5. Juni 2019

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”




Allgemeiner Marktkommentar und Anlagestrategie Nr. 6


Gastbeitrag von Herrn Ottmar Beck, Vermögensverwalter /Schweiz

Wilen, den 3. Juni 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

Das Ergebnis der Europawahl ist deutlich gegen Europa gerichtet. Das ist ein Problem denn international hat nur Europa eine Stimme und die Stimme der einzelnen Staaten sind bei internationalen Verhandlungen immer mehr irrelevant. Das Ergebnis kann in der Zukunft zu einer stärkeren Schwankung bei den Aktien und zu einem fallenden Eurokurs gegenüber dem Dollar führen. Ein fallender Eurokurs liefert Präsident Trump zusätzliche Argumente für seine Handelsgespräche mit Europa. Rechnen Sie mit steigenden amerikanischen Auto Zöllen. In Deutschland hat die Wahl den Klimaschutz in den Vordergrund gerückt. Dies ist aber ein deutsches Phänomen, denn außerhalb Deutschlands war der Erfolg der Grünen überschaubar.

Geld ist der Treibstoff der Wirtschaft und Geld wird in erster Linie von den Zentralbanken gesteuert.

Diese sehen heute ihre wichtigste Aufgabe darin einen wirtschaftlichen Zusammenbruch wie 1930 und 2008, als die amerikanische Zentralbank Lehmann Brothers in den Bankrott gehen ließ, zu verhindern. Dies zeigt sich im folgenden Chart der über die letzten Jahre den Kurs für Europas Banken aufzeigt.

Hier sieht man deutlich, dass die Zentralbanken immer interveniert haben, wenn dieser Index in den Bereich von 90 gefallen ist.

In 1992 als Deutschland vereinigt und politisch gewollt die Ostmark sehr großzügig in die deutsche Mark getauscht wurde, hat die Bundesbank, die Realzinsen auf ein sehr hohes Niveau steigen lassen. Dies hatte zur Folge, dass Schweden, Großbritannien und Italien den fixierten Wechselkursmechanismus, einen Vorgänger des Euro, verließen. Damals fiel der Index von 120 auf 90.

In 2008 als der Index von 450 auf 90 fiel hat die amerikanische Zentralbank das Quantitative Easing Programm eingeführt und China hat die Wirtschaft massiv mit Krediten angestoßen. In der Folge sind europäische Bankaktien deutlich gestiegen.

Ein wenige Jahre später war Griechenland bankrott und in der Eurokrise ging es um das Überleben des Systems. Der europäische Bankenindex ist damals von ca. 220 auf 70 Punkte gefallen. Der berühmte Satz: „what ever it takes“ von Mario Draghi rettete das System. Danach stieg der Index der auf 150. Als in 2015 die chinesische Wirtschaft schwächere Zahlen lieferte und von einer Abwertung des Renminbi geredet wurde, witterte der Markt die Gefahr einer weltweiten deflationären Krise. Wiederum fiel der europäische Bankindex unter 90. Als Folge davon wurde im Februar 2016 bei dem G 20 Treffen ein Währungs-Agreement beschlossen und die EZB teilte mit, dass sie in Zukunft auch europäische Unternehmensanleihen kaufen wird. Auch daraufhin erholte sich der Index wieder.

Bis Ende 2018 fiel der Index von 140 auf 86. Zu diesem Zeitpunkt beendete die amerikanische Zentralbank die Zinssteigerungsphase und der Bankenindex erholte sich auf 103.

Allerdings ist er jetzt schon wieder mit einem Index- stand von 89 in der Gefahrenzone. Bemerkenswerter Weise werden die Erholungsphase sowohl immer kleiner und als auch kürzer. Geht den Zentralbanken die Munition aus? Sollte der Index in den kommenden Monaten weiter unter 90 bleiben, wird uns mit hoher Wahrscheinlichkeit eine neue Rezession treffen.

Sollte dieses Szenario eintreffen zeigt der folgende Chart von Gluskon Sheff bei welcher Anlagegattung Sie in einer Rezession am besten aufgehoben sind.

Aktien

Die gute Kursentwicklung bei Aktien in den letzten Jahren und die Erholung bei den Immobilienpreisen haben dazu geführt, dass die US-Haushalte ihr Vermögen deutlich gesteigert haben. Dies trifft jedoch nur für einen Teil der Bevölkerung zu. Wichtig sind für die amerikanische Wirtschaft die Ausgaben der Konsumenten. 1967 betrug der Anteil des Privatkonsums an der amerikanischen Wirtschaft 59 %. Jetzt macht er bereits 68 % aus. Er hat damit einen Anteil von zwei Drittel des Bruttoinlandsproduktes. Allerdings trügt der Schein etwas. Denn die Mehrausgaben betreffen einzig die Gesundheitsvorsorge. Werden diese ständig steigenden Kosten herausgerechnet, bleibt der Anteil des Privatkonsums an der Wirtschaftsleistung bei ca. 54 %.

Da das Bruttosozialprodukt insgesamt gestiegen ist,haben sich in Dollar gerechnet die Ausgaben der Verbraucher natürlich deutlich erhöht. Die Zahlen zeigen allerdings deutlich, wie attraktiv die Gesundheitsbranche ist und wahrscheinlich auch in der Zukunft bleibt.

Auf diesen Brief komme ich noch einmal auf den langfristigen Erfolg in Aktien zurück. Der folgende Chart kombiniert das Kursgewinnverhältnis (P/E) mit der folgenden annualisierten zehn Jahresrendite. Die letzte Zahl auf diesem Diagramm betrifft die Periode von 2009-2018. Der Chart zeigt deutlich das inverse Verhältnis zwischen Kurs- Gewinn-Verhältnis und den Anlageerfolg über die nächsten zehn Jahre. Ein diversifiziertes Portfolio, das in einem Jahr mit einem tiefen Kurs-Gewinn Verhältnis gestartet wurde, hat ein Portfolio, das in einem Jahr mit hohen Kurs- Gewinn-Verhältnis gestartet wurde, im Anlageerfolg deutlich übertroffen. Startet eine Dekade mit einer hohen Bewertung, zurzeit liegen wir bei einem Kursgewinnverhältnis von der X, können wir einen Erfolg in der Nähe der historischen Tiefs erwarten.

Allerdings sagt die Bewertung nichts über kurzfristige Bewegungen aus.

Festverzinsliche Wertpapiere

Ein Witz besagt: Man kann die Richtung der Zinsentwicklung über die Größe des Vorsitzenden der amerikanischen Zentralbank voraussagen. Was mich bei dieser Bemerkung überrascht, ist, dass Präsident Trump, der niedrige Zinsen will, den über 1,80 m großen Jay Powell zum Präsidenten der Federal Reserve ernannt hat.

Aufgrund der Zinserhöhungen der amerikanischen Zentralbank hatten wir im letzten Jahr einen Punkt erreicht an dem der Zins auf eine einmonatige amerikanische Staatsanleihe grösser war, wie die Dividendenrendite des S&P500. An diesem Punkt an hat niemand mehr von TINA (There Is No Alternativ) geredet. Zinsanlagen wurden wieder attraktiv.

Wenn wir die Reduzierung der Bilanzsumme der Fed und die neun Zinserhöhungen zusammenfassen, kommen die Analysten auf eine rechnerische gesamte Belastung des Marktes von 3,5 Prozent durch die Fed. Davon haben wir bisher in der Wirtschaft noch nichts gespürt. In der Vergangenheit ist aber auf einen solchen Straffungskurs der Fed immer eine Rezession (grau) gefolgt.

Zu diesem Zinsumfeld kommt, dass die veröffentlichten Konjunktur- und Vorlaufindikatoren auf dem niedrigsten Stand seit 2009 sind.

 

Da der Wirtschaftszyklus dem Fed-Zyklus folgt werden wieder sinkende Zinsen in Amerika und eine Rezession (grau) immer wahrscheinlicher.

Die Rendite zehnjähriger deutscher festverzinslicher Wertpapiere hat inzwischen schon wieder ein neues Tief erreicht. Vielleicht folgt diesmal Amerika Europa.

Langfristige Zinspapiere sind solange sie noch einen positiven Zins abwerfen und die Bonität stimmt nach wie vor interessant.

Schwellenländer

Der Ölpreisanstieg und die Entscheidung von Präsident Trump, die Sanktionen gegen Teheran auszuweiten, schaden vor allem der stark vom Öl-Import abhängigen Türkei. Die Türkei bezieht 27 % ihres Öls und 17 % des Erdgases aus dem Iran. Daher hat sich die Türkei auch sofort gegen das Embargo ausgesprochen. In der Vergangenheit war es auf Sicht von fünf Jahren immer erfolgreich, in der Türkei zu investieren, wenn Sie sich einer Rezession befand und die Lira schwach war. Wir empfehlen daher weiterhin dabei zu bleiben.

Wenn die chinesische Wirtschaft nicht wieder belebt wird, können die Probleme um die finanzielle Stabilität in China wieder in den Vordergrund rücken. Dies trifft besonders die zweitrangigen Banken, da Not leidende Kredite in ihren Büchern besonders weiter zunehmen würden. Der Handelskrieg zwischen den USA und China könnte einen Rückgang des Wachstums in China noch beschleunigt. Dies würde den chinesischen Aktienmarkt nach der Erholung in den ersten drei Monaten dieses Jahres stark treffen

Währungen

Im letzten Brief hatte ich noch geschrieben, dass der US Dollar im Sommer oft zur Schwäche neigt. Doch die politischen Risikofaktoren und der deutlich in die Zukunft verlagerte der Zeitpunkt einer europäischen Zinswende werdenden den US-Dollar auch in den kommenden Monaten unterstützen. Hierzu kommt das zurzeit immer noch bestehende Wachstumsgefälle zu Gunsten der USA. Der Dollar könnte im Verhältnis zum Euro durchaus 1,10 erreichen.

Der SNB-Präsident Thomas Jordan hat kürzlich gesagt, dass die Negativzinsen von heute -0,75 % bei Bedarf noch weiter gesenkt werden könnten. Diese explizite Erwähnung einer möglichen Verschärfung des Negativzins-Regimes kam sehr überraschend. Der Franken ist nach Ansicht der SNB immer noch zu hoch bewertet und notiert handelsgewichtet rund 5 % höher als unmittelbar vor der Aufhebung des Euro Mindestkurses im Januar 2015. Doch die Schweiz braucht keinen zusätzlichen Konjunkturstimulus in Form noch tieferer Zinsen. Daher dürfte die Bemerkung von Thomas Jordan unter dem Begriff verbale Intervention „wir können, wenn wir wollen“ abgelegt werden. Die SNB wird die Zinsen im Moment nicht weiter senken. Allerdings wird sie die Zinsen auch nicht vor der EZB erhöhen.

Rohstoffwerte

Obwohl die Zentralbanken weiterhin Gold kaufen, hat dies dem Preis nicht genutzt. Im ersten Quartal 2019 haben die Notenbanken 145 Tonnen Gold erworben. Das waren 59 t mehr als in den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres. Der Ausbau der Notenbank Reserven macht über 80 % des Anstiegs der gesamten Goldnachfrage aus . Dieser Trend wird sich weiter fortsetzen. Im Vergleich der Währungsre- serven haben viele Zentralbanken der Schwellenländer im Vergleich zu den Industrieländern noch eine hohe Untergewichtung in Gold. Zusätzlich stellt Gold eine Diversifikation aus dem US-Dollar da. Gold und Goldminenaktien sind nach wie vor eine interessante Anlage.

Die Gazprom Aktie hat im Mai an einem einzigen Tag über 20 Prozent auf 5,83 Euro zugelegt. Dies war die Reaktion auf die deutlich von 10,43 Rubel auf 16,61 Rubel (circa 23 Cent) angehobene Dividende. in diesem Fall hat sich ausgezahlt, dass wir immer empfohlen hatten, die Aktie aufgrund ihrer niedrigen Bewertungen auch in der schlechten Phase 2016 (2,9 Euro) weiter zu halten(Empfehlung 4,70 Euro 03/ 2014). Bleibt die Dividende auch in Zukunft auf diesem Niveau, wovon wir ausgehen, sollte die Aktie des weltgrößten Erdgasproduzenten, der nach wie vor günstig bewertet ist, auch weiter im Depot verbleiben.

Portfoliostrategie

Da Verluste das langfristige Ergebnis überproportional belasten, sind diese möglichst zu vermeiden. Der nächste Chart zeigt welchen Erfolg wir brauchen um einen Verlust auszugleichen. Je größer der Verlust ist desto höher muss der folgende Gewinn sein um den Ausgleich zu erreichen

Das System funktioniert in beiden Richtungen. Ein Verlust von 30 Prozent kann einen Gewinn von 43 Prozent wieder vernichten. Andersherum benötigt ein Verlust von 30 Prozent einen Erfolg von 43 Prozent, um das Ergebnis wieder auszugleichen.

Wir haben die Kraft Heinz Company am 5. März mit einem Stop Loss Limit von 30 US $ empfohlen. Dieses Limit wurde am 28. Mai mit einem Schlusskurs von 29,06 US $ unterschritten. Dem zufolge haben wir den Wert am 29. Mai mit einem Kurs von 25,77 Euro verkauft.

Die Hornbach Holding AG wird bei der Hauptversammlung am 5. Juli eine Dividende von 1,50 Euro vorschlagen. Die Aktie ist seit Oktober 2017 um bei- nahe 50 Prozent gefallen. Der Umsatz stieg im letzten Geschäftsjahr um 5,3 Prozent. Allerdings stiegen die Personal- und Sachkosten überproportional. Ich traue der immer noch mehrheitlich im Familienbesitz befindlich Gesellschaft zu, dass sie durch Kos- tendisziplin ihre Profitabilität wieder auf das alte Niveau verbessern wird. Die Gesellschaft hat einen umfangreichen Immobilienbesitz und ein Eigenkapital von 50 Prozent. Wir legen ein Abstauber Limit von 40,50 an die Börse.

Es bleibt aber dabei, Vorsicht ist angesagt.

Kurs/Kauf Kurs/Ist Wert- Wert- Wertzuwachs
Euro Euro zuwachs zuwachs Kurs/Verk. nach Realisation
31. Mai in Euro in Prozent Euro in Prozent
Dignity PLC Montag 5.Feb. 18 8,59 Montag 4. Juni 18 11,87 38,26%
General Electric 12,30 Montag 4. Juni 18 11,95 -2,85%
Agnico-Eagle Mines 36,00 39,15 3,15 8,74%
Shire PLC 35,52 Montag 3. Dez. 18 51,40 44,71%
Transocean LTD Montag 9.April 18 8,00 Montag 30. April 18 10,20 27,50%
ANHEUSER-BUSCH INBEV N.V. Montag 4. Juni 18 82,32 Montag 6. Aug. 18 86,73 5,36%
Goldcorp 11,88 Mittwoch 17. April 19 9,92 -16,52%
Agnico-Eagle Mines Dienstag 14.Aug. 18 33,68 39,15 5,47 16,23%
ANHEUSER-BUSCH INBEV N.V. Montag 3. Dez. 18 66,99 Mittwoch 6. März 19 72,47 8,18%
Kraft Heinz Company Mittwoch 6. März 19 29,06 Mittwoch 29. Mai 19 25,77 -11,32%
Newmont Mining Mittwoch 17. April 19 30,26 29,63 -0,63 -2,07%
Hornbach Holding AG Limit 40,50
Totaler Wertzuwachs bei gleich großer Anlage in jedem Titel 11,67%

Mit freundlichen Grüßen

Ottmar Beck

Dax: 11,06% – Euro Stoxx 50 P: 9,30% – SMI: 12,99% – RexP: 1,71% – SBI: 1,43% – Gold(in US$): 3,42%

per 31.05.2019

 Informationen: www.axxion.de

Diese Veröffentlichung dient ausschließlich der Information und stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zur Abgabe von Kauf-, Verkaufs- oder Zeichnungsaufträgen dar. Sie sind auch keine Entscheidungshilfen in rechtlichen, steuerlichen, wirtschaftlichen oder anderen Belangen. Alle Informationen beruhen auf Quellen, die wir als zuverlässig erachten. Sie dienen lediglich der Information und begründen kein Haftungsobligo. Anlagen können plötzlichen und erheblichen Wertverlusten unterworfen sein, mit der Folge, dass der Anleger möglicherweise nicht den investierten Gesamtbetrag zurückerhält. Bei Aktien bestehen gegenüber festverzinslichen Wertpapieren neben höheren Renditechancen auch wesentlich größere Risiken; ein Totalverlust kann nicht ausgeschlossen werden. Die individuellen Anlageziele, die Finanzlage oder die besonderen Bedürfnisse einzelner Empfänger wurden nicht berücksichtigt. Nutzer, die den Kauf der auf diesen Seiten beschriebenen Wertpapiere in Erwägung ziehen, sollten im Hinblick auf die Ausstattung der Wertpapiere und Risiken, die mit diesen Wertpapieren verbunden sind, vor Erwerb der Wertpapiere die allein rechtlich verbindlichen endgültigen Angebotsbedingungen lesen, die in den endgültigen, offiziellen Verkaufsprospekt, gegebenenfalls aktualisiert durch Nachträge, einbezogen sind. Alleinige Grundlage für den Anteilerwerb sind die Verkaufsunterlagen zu den Sondervermögen. Verkaufsunterlagen zu allen Sondervermögen sind kostenlos bei der Kapitalverwaltungsgesellschaft und der zuständigen Depotbank erhältlich.

Datenschutzerklärung

Die zum Bezug unseres Informationsbriefs anzugebenden Daten (Name, E-Mail-Adresse) werden bei uns gespeichert und zur elektronischen Versendung unseres Newsletters an Ihre E-Mail Adresse verwendet. Die gespeicherten persönlichen Daten unterliegen den datenschutzrechtlichen Bestimmungen und dienen nur der Aufrechterhaltung des Service. Sie werden nicht ohne Ihre Einwilligung an Dritte weitergegeben. Sollten Sie sich vom Bezug unseres Informationsbriefs abgemeldet haben, werden Ihre Daten gelöscht.




Minus Investoren


Es ist doch  erstaunlich bzw. nicht nachvollziehbar, wie die absurden Höhen von  Unternehmensbewertungen zustande kommen, obwohl diese Unternehmen in der Vergangenheit – und das schon jahrelang –  gezeigt haben, dass sie nicht fähig sind, Gewinne zu erwirtschaften, sondern nur hohe Verluste.

Bestes Beispiel ist der Fahrdienstleister Uber, welcher in den vergangenen Jahren folgende EBITDA`s  – und das ist schon ein geschönter Ertragsparameter, da dies der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ist  – ausgewiesen hat:

Jahr

EBITDA in Mio. US$ *)
2014  -633
2015  -1.262
2016 -2.676
2017 -3.570
2018 -2.607

*)Quelle Bloomberg

Ob diese hohen Defizite nur mit den über eine Plattform angebotenen Fahrdienstleistungen in Gewinne umgewandelt werden können, ist fraglich. Entweder man erhöht deutlich die Fahrpreise oder verringert die Honorare der Fahrer, was beides so gut wie nicht möglich ist, so dass die hohen Defizite weiter Bestand haben werden.

Andererseits sucht das Unternehmen noch Produkte/ Dienstleistungen, welche den Gewinn künftig bringen sollen. Das bedeutet, dass Uber bis dato kein schlüssiges Konzept vorweisen kann bzw.immer noch nicht weiß, wo der prognostizierte Gewinn herkommen soll.

Und dieses hoch defizitäre Unternehmen ist nun an die Börse gegangen und wurde am ersten Börsentag mit US$ 82 Milliarden bewertet, musste aber am ersten Börsentag etwa 7,6% Kursverlust hinnehmen. Damit ist Uber mit seiner Plattform- Dienstleistung in etwa so viel wert wie der weltgrößte Autohersteller VW.

Das ist irgendwie irrational, ein schlechter Witz und ein Ergebnis einer Marketingstory meiner „Freunde“ der Investmentbanker, hinter der alle Investoren wie Lemminge hergelaufen sind. Eine Meute der Hoffnungsvollen und von Gier Zerfressenen.

Ein noch krasseres Beispiel ist die We Company, der neue Name des Coworking-Anbieters WeWork und des Apartement-Vermieters WeLive. In 2018 erwirtschaftete die We Compnay einen Verlust von US$ 1,9 Milliarden bei einem Umsatz – jetzt halten Sie sich fest – von US$ 1,8 Milliarden, also um US$ 100 Mio weniger. In 2017 war der EBITDA bei US$ -769 und in 2016 bei US$ -307. Bei einer kürzlich stattgefundenen Finanzierungsrunde wurde dieses megadefizitäre Dienstleistungs-Unternehmen mit US$ 47 Milliarden bewertet.

Hatten wir solche Hypes nicht schon einmal. Richtig, die dotcom-Blase oder der dotcom-crash hatte ebenfalls diese irrationalen Gebilde in die Welt gesetzt, lösten sich aber, nachdem die Investoren vernünftig geworden waren, wieder in Luft auf.

Warum begeben sich die Investoren auf ein solch spiegelglattes Eis? Anscheinend hoffen sie auf eine erneute Erfolgsstory wie bei amazon, Facebook oder Google, welche anfangs auch hochdefizitäre Unternehmen waren und sich dadurch eine hohe Marktmacht eingekauft haben. Damit spielen vor allem die Verkäufer dieser Risiken, die Investmentbanker, und stellen somit jedes hochdefizitäre Unternehmen auf deren Stufe.

Somit erleben wir immer mehr eine Minus-Wirtschaft, Herr Draghi hat es mit den Minus-Zinsen ja vorgemacht, in der Hoffnung, dass daraus eine Plus-Wirtschaft entsteht.  Ich fürchte, dass diese Rechnung nicht aufgehen wird.

Uber und We-Company sind somit die Vorboten einer gesellschaftsfähigen Minus-Wirtschaft zum Zwecke der weiteren Ausbeutung.

4. Juni 2019

Ergänzung 9.Juni 2019.

In diese Reihe der Minus Investments lässt sich auch Tesla einsortieren.

Obwohl der Umsatz von Tesla  gerade ein Zehntel von BMW ausmacht,  ist Tesla aufgrund des unverständlichen hohen Aktienkurses (derzeit ca. das Siebenfache des Kurses  der BMW-Aktie) mehr wert als BMW. Zudem hat Tesla seit Eintritt in den Automobilmarkt vor ca. 6 Jahren US$ 4,2 Milliarden verbrannt (WAMS 9.6.2019) und ob sich dies ändern wird, bleibt fraglich ob der festgestellten Qualitätsmängel.

Weiteres Beispiel  ist die Öko-Aktie Beyond Meat (Herstellung von Fleischalternativen):

Bei einem  Umsatz von rd. € 100 Mio. wird davon fast die Hälfte als Verlust eingefahren und dafür mit € 8,4 Milliarden bewertet. Zum Vergleich der Wert der Lufthansa. Umsatz € 35 Milliarden, durchschnittlicher Jahresgewinn € 1,5 Milliarden, Wert derzeit € 8 Milliarden.

Es scheint, dass sich die Bewertungsmaßstäbe total den defizitären Unternehmen  zugewandt und dabei die “Minus-Investoren” die finanzphysikalischen Gesetze völlig aus den Augen verloren.

Das späte Erwachen wird grausam werden.

 

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”




Allgemeiner Marktkommentar und Anlagestrategie Nr. 5


Wilen, den 6. Mai 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit Jahresbeginn sind die Aktienmärkte stark gestiegen: Allein der DAX konnte in den ersten vier Monaten 2019 einen Gewinn von über 16 Prozent erzielen. Allerdings stellt dieser Kursgewinn eine Gegenbewegung zum Rückgang von rund 20 Prozent im vergangenen Jahr dar. Viele Anleger hielten 2018 den Absturz für übertrieben und kauften billig ein.

Nach der deutlichen Steigerung könnte demnächst wieder Kasse gemacht werden, denn die Perspektiven für die Weltwirtschaft trüben sich weiter ein. Die World Trade Organization (WTO) hat ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum deutlich von 3,7 auf 2,6 Prozent gesenkt. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumserwartungen reduziert. Grund sind die enormen Handelsspannungen und der Brexit. Vor allem die Hindernisse im Welthandel bekommt der Exportweltmeister Deutschland zu spüren. Allerdings konnten sich die Anleger in den ersten vier Monaten einmal wieder auf die Notenbanker verlassen. Sie haben wegen der aktuellen Entwicklung ihre Zinserhöhungen abgeblasen und deuteten sogar an, die Geldpolitik notfalls wieder zu lockern. Damit haben sie bis jetzt die Märkte im Gleichgewicht gehalten.

Wenn die Wirtschaft läuft, floriert die Transportindustrie. Vielleicht ist das ein Einzelfall, aber JB Hunt, ein großes Speditionsunternehmen in den USA, hat im Rahmen einer Pressekonferenz folgendes Bild gezeigt.

Es ist nicht wohl mehr so einfach, den Laster voll zu bekommen.

Aktien

„Aktien hatten den besten Viermonatsstart der Dekade“: eine Überschrift des Wall Street Journals vor einigen Tagen. Hightech-Aktien haben den Markt mit einem Gewinn von 27 Prozent im S&P 500 angeführt. In diesem Sektor verzeichneten vor allem die Aktien von Halbleiterherstellern die beste Entwicklung. So stieg der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) in den ersten vier Monaten um 35 Prozent. Da Halbleiter heute beinahe in jedes Produkt eingebaut werden, ist es nicht ungewöhnlich, dass diese Aktien den Markt sowohl in der Auf- als auch in der Abwärtsbewegung anführen. Was allerdings unverständlich – oder zumindest ungewöhnlich – ist, ist, dass diese Wertsteigerung gleichzeitig mit dem stärksten Absatzrückgang in Jahrzehnten einhergeht:

             Quelle: Meritocracy Capital Partners

Wie Sie der Grafik entnehmen können, sind sowohl in der Rezession 2001/2002 als auch in der von 2008/2009 die Verkäufe von Halbleitern im Quartalsvergleich (gleitender 2-Monats-Durchschnitt) um mindestens 20 Prozent gefallen. In den ersten vier Monaten 2019 fielen die globalen Halbleiterverkäufe um 15,5 Prozent im Vergleich zum vierten Quartal 2018. Dieser Rückgang betraf alle Märkte weltweit:

Amerika:                        –29,2 Prozent

China:                             –14,5 Prozent

Japan:                             –13,8 Prozent

Asien/Pazifik/andere: –10,4 Prozent

Europa:                           –3,15 Prozent

Der 3-Monats-Durchschnitt ist, gemäß der World Semiconductor Trade Statistics (WSTS), im Vergleich zum Höchststand von Oktober 2018 im März um 25 Prozent gefallen.

Diese Zahlen passen zu den Ergebnissen, die in den letzten Wochen von den größten Halbleitergesellschaften veröffentlicht wurden. Sie passen allerdings nicht zur Kursentwicklung der Halbleiteraktien, die wie gesagt während des zweitschlimmsten Umsatzrückgangs in ihrer Geschichte weiter zulegten.

Neben den Zentralbanken sind nach wie vor die Rückkaufsaktivitäten ein Kurstreiber für Aktien.

Gleichzeitig steigt das Schuldenrisiko, da diese Rückkäufe zumeist über Kredite finanziert werden.

Allein in diesem Jahr haben börsennotierte Gesellschaften in den USA Aktien im Wert von 273 Milliarden US-Dollar zurückgekauft und sind dabei, den Rekord von 2018 (1,085 Billionen US-Dollar) zu brechen.

Auch in Deutschland bekommen die Firmen die ab- flauende Konjunktur zu spüren. Im Falle von BASF musste der Vorstand einen Gewinneinbruch (Betriebsergebnis –22 Prozent, Nettogewinn –16 Prozent) für das erste Quartal bekannt geben. Er bleibt aber in seinem Kommentar weiterhin zuversichtlich und geht für 2019 davon aus, den Betriebsgewinn leicht zu steigern. Viel Glück!

Auch die Automobilindustrie übt sich in Optimismus. Olaf Berlien, der Vorstandsvorsitzende der Osram AG, glaubt den offiziellen Statistiken der Autohersteller jedoch nicht. Er rechnet mit einem unerwartet starken Einbruch der Autonachfrage und möglichen längeren Werksferien bei seinen Kunden, den Autoherstellern. Die Prognose der Autoindustrie gibt Juli und August als die stärksten Wachstumsmonate an. Er zweifelt, dass ausgerechnet in der Zeit der Sommerferien die meisten Autos verkauft werden sollen. Er geht für 2019 von einem Rückgang der Automobilproduktion von über 6 Prozent aus. Wegen des sinkenden Autoabsatzes und einer schwächeren Smartphone-Nachfrage hat er die Prognose für 2019 für Osram scharf nach unten korrigiert. Im Ergebnis werden Investitionen gestrichen und Reise- kosten, Mieten und Dienstwagenregelungen in der Firma überprüft. Sollten mehr Firmen diesem Trend folgen, wird sich dies für die Konjunktur negativ auswirken.

So wie die Halbleiterindustrie weltweit eine Schlüsselbranche ist, so ist die Automobilindustrie für Deutschland eine der wichtigsten Branchen. Von einem immer gut informierten Partner habe ich gehört, dass die Auftragseingänge eines großen Automobilzulieferers um 15 Prozent zurückgegangen sind. Die börsennotierte PWO (auch Automobilzulieferer) hat ihre Dividende gekürzt. Insofern wird die Prognose von Herrn Berlien bestärkt. Auch müssen die Autobauer aufgrund des politischen Drucks Milliarden in die E-Mobilität stecken, obwohl immer noch nicht geklärt ist, ob dies die endgültige Lösung ist. Allerdings ist China inzwischen der wichtigste Produzent für Batterien. Der Handelskrieg ist in vollem Gange.

Festverzinsliche Wertpapiere

Im Moment gehen die Marktteilnehmer davon aus, dass die amerikanische Zentralbank für die nächsten Monate die Zinsen nicht weiter erhöhen wird. Dieses Szenario hatten wir in den vergangenen 64 Jahren schon viermal. In der folgenden Grafik sind diese Perioden rot umrandet.

In diesen Perioden hat die Fed nach mehreren Zinserhöhungen die US-Leitzinsen für einige Zeit auf gleichem Niveau gehalten und dann die Zinsen zu Beginn der Rezession (grau) oft dramatisch gesenkt. Dieses Szenario könnte auch in das politische Bild passen. Donald Trump will die nächste Wahl gewinnen. Daher muss die US-Wirtschaft 2020 in guter Verfassung sein. Neue Zinssenkungen durch die Fed wären da hilfreich. Dieses Szenario trifft aber nicht immer zu: So hat die Fed in den 70er und 80er Jahren trotz Rezession die Zinsen nicht erhöht. Und in den grün umrandeten Perioden hat die Fed die Zinsen beibehalten, ohne dass es zu einer Rezession kam.

Das Bild verschlechtert sich allerdings, wenn wir die Differenz (rote Linie) zwischen den Zinssätzen von US-Schatzpapieren mit zehnjähriger und dreimonatiger Laufzeit betrachten. Zumindest hier ist festzustellen, dass in den letzten 50 Jahren jedes Mal, wenn die Differenz negativ wurde, eine Rezession folgte. Ende März haben wir dieses Niveau erreicht. Statistisch hat die Rezession im Durchschnitt zehn Monate nach dem Erreichen des Inversionspunkts begonnen. Daraus kann man schließen, dass die Rezession in den Vereinigten Staaten Anfang 2020 beginnen wird.

Viele Unternehmen haben inzwischen einen hohen Schuldenberg angehäuft und müssen um ihre Bonität fürchten. Viele Anleihefonds dürfen festverzinsliche Wertpapiere nur mit einem Investment-Rating halten. Kommt es zu einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf Ramsch-Niveau, müssen sie diese Papiere also verkaufen. Das kann den Markt für festverzinsliche Wertpapiere in diesem Jahr unter Druck setzen. So hat Moody`s Ford im letzten Jahr auf Baa3 heruntergestuft. Das ist nur eine Stufe über dem sogenannten Ramsch-Niveau. Das hat vor allem Deutschland zu spüren bekommen: Hierzulande sollen 5.000 Stellen im Rahmen eines Sparprogramms abgebaut werden. Der Markt für Hochzinsanleihen ist vom Volumen her wesentlich kleiner als der Investment-Grade-Markt. Die Herabstufung mehrere großer Unternehmen könnte den Markt also überfordern. Das Investmenthaus Janus Henderson hat eine Liste mit Wackelkandidaten zusammengestellt, unter anderem AT&T, Verizon, GM, Ford und AbbVie. Allein davon hat AT&T mit Anleihen in Höhe von 156 Milliarden US-Dollar mehr als 10 Prozent des gesamten Marktvolumens für US- Hochzinsanleihen ausstehen. Einige der hoch verschuldeten Unternehmen haben erkannt, dass sie sich eine Herabstufung nicht leisten können. Diese Unternehmen verkaufen Unternehmensteile und stecken die Gelder in den Schuldenabbau. Ein Bei- spiel hierfür ist General Electric. Der Schuldenabbau zwingt also einige Unternehmen dazu, Geschäftsbereiche abzustoßen, Mitarbeiter zu entlassen und Standorte zu schließen. Sinkende Investitionen und Entlassungen sind für die Märkte jedoch schlechte Vorzeichen.

Während die Unternehmen versuchen, die Verschuldung in den Griff zu bekommen, macht sich unter den Zentralbankern eine neue Heilslehre breit. Diese moderne Geldtheorie stößt vor allem bei den Linken auf Begeisterung. Denn diese Lehre vertritt die Meinung, dass sich Staaten unbegrenzt bei ihrer eigenen Zentralbank verschulden können. Da Zentralbanken nicht pleite gehen können, können sie alles finanzieren und das ohne Inflation. Voraussetzung ist allerdings: die Verschuldung in der eigenen Währung. Denn ein Staat kann nur bei einer Verschuldung in seiner eigenen Währung nicht pleite- gehen. Sollte sich diese Lehre durchsetzen, werden die Anlagegüter weiter im Preis steigen, aber der soziale Frieden immer mehr infrage gestellt werden. Bereiten Sie sich im Zuge der nächsten Rezession auch in den USA auf negative Zinsen vor.

Wir empfehlen daher, vor allem lang laufende Anleihen wie den ETF auf dreißigjährige US-Treasuries weiter im Portfolio zu halten.

Schwellenländer

Für die Schwellenländer sind im Moment fünf Risikoszenarien denkbar, die die Entwicklung stark negativ prägen würden:

  1. Die US-Konjunktur wächst stärker als erwartet und die US-Notenbank erhöht die Zinsen
  2. US-Präsident Trump löst eine protektionistische Spirale
  3. Innenpolitisch steigt die Enttäuschung in den USA und die Wirtschaft driftet in eine Rezession
  4. Chinas Realwirtschaft geht in einen Abwärtstrend über.
  5. Wegen der hohen Verschuldung kommt es zu einer erneuten Bankenkrise

Die Investition in Schwellenländer ist eine langfristige. Die deutliche Ungleichheit in der Verteilung des Lebensstandards zwischen Industrie- und Schwellenländern muss, sofern wir nicht noch größere Wanderungsbewegungen erleben wollen, zu einer Angleichung der Lebensstandards führen. Das wird zwangsläufig zu einer besseren Wertentwicklung von in Schwellenländern beheimateten Unternehmen führen, da diese Länder nur durch den Export in die Industrieländer ihre langfristige Benachteiligung ausgleichen können. Eine zentrale Rolle wird China spielen, da das Land inzwischen über den größten Auto- und Smartphone-Markt der Welt verfügt und der Renminbi auf dem Weg zur Leitwährung ist. So hat die Bundesbank ihn 2018 in ihre Währungsreserven aufgenommen. 2008 wurden nur 0,5 Prozent des chinesischen Außenhandels in Renminbi abgewickelt. 2012 waren es bereits 15 Prozent. Dieser Anteil soll in den nächsten Jahren auf 50 Prozent steigen. Die Aufnahme und höhere Gewichtung von chinesischen Aktien in diversen Indizes dürfte die Nachfrage nach Aktien aus China also weiter steigern. Das sind zwar nicht mehr als plausible Vermutungen, aber Unternehmen in Schwellenländern und Unternehmen aus Industrieländern mit Produktionsschwerpunkt in Schwellenländern sollte man übergewichten.

Währungen

Noch kurz eine Bemerkung zum US-Dollar. Obwohl ich der Meinung bin, dass der Dollar in einer Krisenzeit, so sie denn kommen sollte, zur Stärke neigt, beginnt jetzt eine saisonal bedingte 6-monatige Schwächephase für ihn:

Aus folgenden Gründen: Viele Investoren sind im US- Dollar übergewichtet und versprühen einen extremen Optimismus. Am wichtigsten ist jedoch die Änderung der Fed-Politik. Kommt es in den USA zu einer Zinssenkung und beendet die Zentralbank ihr Quantitative-Tightening-Programm endgültig, könnte der US-Dollar schwächer notieren.

Rohstoffe

Ähnlich wie im Jahr 2000 halten sich amerikanische Investoren bei Gold und Goldminenaktien merklich zurück und das, obwohl Zentralbanken und Privatinvestoren weltweit am kaufen sind. Ich darf darin erinnern, dass nach dem Platzen der Dot-Com-Blase im Jahr 2000 der Goldpreis um 650 Prozent stieg.

Aufgrund der seit Jahresbeginn steigenden Halbleiter- und FANG-Aktien (Facebook, Amazon, Netflix, Google) haben US-Investoren Gold verkauft (keine Furcht, also braucht man kein Gold), das sie im vierten Quartal 2018 noch über den GLD ETF gekauft hatten (über 80 Tonnen). Auch wurden im Markt in den letzten Monaten wieder hohe Short-Positionen aufgebaut. Kurzfristig haben der Auf- oder Abbau von Short-Positionen im Future-Markt großen Einfluss auf den Goldpreis. Inzwischen halten Spekulanten eine größere Netto-Short-Position als sie im Dezember 2015 bei einem Goldpreis von 1.050 US- Dollar pro Unze gehalten haben. Dieses Mal ist der Goldpreis allerdings nur auf 1.275 US-Dollar pro Unze gefallen. Das heißt für mich: Sollten amerikanische Investoren ihre Goldpositionen wieder aufbauen und die substanziellen Short-Positionen eingedeckt werden müssen (vielleicht bei einem Abverkauf von Aktien), ist es sehr wahrscheinlich, dass die für den Goldpreis wichtige Schwelle von 1.365 US- Dollar pro Unze überwunden wird.

Portfoliostrategie

Historisch betrachtet endeten beinahe alle Zinserhöhungsperioden der Fed in einer Finanzmarktkrise.

Auch das folgende Bild mahnt langfristig zur Vorsicht. Betrachten wir die rollierende 10-Jahres- Wertentwicklung für den S&P500, sind wir laut Goldman Sachs bereits im oberen 94. Perzentil angekommen. Denn auf die Spitzen im Bild (1959 und 2000) folgte eine dreijährige Wertentwicklung von 0 bzw. –27 Prozent. Mit Blick auf die Grafik fällt auf, dass nach langfristigen Anstiegen generell ebenso langfristig niedrigere Wertsteigerungen über die nächsten Jahre folgen.

Es bleibt dabei: Vorsicht empfiehlt sich auch weiterhin.

Kurs/Kauf
Kurs/Ist
Wert-
Wert-
Wertzuwachs
Euro
Euro
zuwachs
zuwachs
Kurs/Verk.
nach Realisation
30. Apr
in Euro
in Prozent
Euro
in Prozent
Dignity PLC
Montag 5.Feb. 18
8,59
Montag 4. Juni 18
11,87
38,26%
General Electric
12,30
Montag 4. Juni 18
11,95
-2,85%
Agnico-Eagle Mines
36,00
36,91
0,91
2,53%
Shire PLC
35,52
Montag 3. Dez. 18
51,40
44,71%
Transocean LTD
Montag 9.April 18
8,00
Montag 30. April 18
10,20
27,50%
ANHEUSER-BUSCH INBEV N.V.
Montag 4. Juni 18
82,32
Montag 6. Aug. 18
86,73
5,36%
Goldcorp
11,88
Mittwoch 17. April 19
9,92
-16,52%
Agnico-Eagle Mines
Dienstag 14.Aug. 18
33,68
36,91
3,23
9,59%
ANHEUSER-BUSCH INBEV N.V.
Montag 3. Dez. 18
66,99
Mittwoch 6. März 19
72,47
8,18%
Kraft Heinz Company
Mittwoch 6. März 19
29,06
29,62
0,56
1,93%
Newmont Mining
Mittwoch 17. April 19
30,26
27,65
-2,61
-8,61%
Totaler Wertzuwachs bei gleich großer Anlage in jedem Titel
14,95%

Mit freundlichen Grüßen

Ottmar Beck

Dax: 16,91% – Euro Stoxx 50 P: 18,15% – SMI: 15,90% – RexP: 0,59% – SBI: 1,43% – Gold(in US$): 1,39%

per 30.04.2019

Diese Veröffentlichung dient ausschließlich der Information und stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zur Abgabe von Kauf-, Verkaufs- oder Zeichnungsaufträgen dar. Sie sind auch keine Entscheidungshilfen in rechtlichen, steuerlichen, wirtschaftlichen oder anderen Belangen. Alle Informationen beruhen auf Quellen, die wir als zuverlässig erachten. Sie dienen lediglich der Information und begründen kein Haftungsobligo. Anlagen können plötzlichen und erheblichen Wertverlusten unterworfen sein, mit der Folge, dass der Anleger möglicherweise nicht den investierten Gesamtbetrag zurückerhält. Bei Aktien bestehen gegenüber festverzinslichen Wertpapieren neben höheren Renditechancen auch wesentlich größere Risiken; ein Totalverlust kann nicht ausgeschlossen werden. Die individuellen Anlageziele, die Finanzlage oder die besonderen Bedürfnisse einzelner Empfänger wurden nicht berücksichtigt. Nutzer, die den Kauf der auf diesen Seiten beschriebenen Wertpapiere in Erwägung ziehen, sollten im Hinblick auf die Ausstattung der Wertpapiere und Risiken, die mit diesen Wertpapieren verbunden sind, vor Erwerb der Wertpapiere die allein rechtlich verbindlichen endgültigen Angebotsbedingungen lesen, die in den endgültigen, offiziellen Verkaufsprospekt, gegebenenfalls aktualisiert durch Nachträge, einbezogen sind. Alleinige Grundlage für den Anteilerwerb sind die Verkaufsunterlagen zu den Sondervermögen. Verkaufsunterlagen zu allen Sondervermögen sind kostenlos bei der Kapitalverwaltungsgesell- schaft und der zuständigen Depotbank erhältlich.

Datenschutzerklärung

Die zum Bezug unseres Informationsbriefs anzugebenden Daten (Name, E-Mail-Adresse) werden bei uns gespeichert und zur elektronischen Versendung unseres Newsletters an Ihre E-Mail Adresse verwendet. Die gespeicherten persönlichen Daten unterliegen den datenschutzrechtlichen Bestimmungen und dienen nur der Aufrechterhaltung des Service. Sie werden nicht ohne Ihre Einwilligung an Dritte weitergegeben. Sollten Sie sich vom Bezug unseres Informationsbriefs abgemeldet haben, werden Ihre Daten gelöscht.