Allgemeiner Marktkommentar und Anlagestrategie Nr. 3


Beitrag von Herrn Ottmar Beck, Vermögensverwalter Schweiz

Wilen, den 5. März 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Hoffnung auf ein Ende des Handelsstreits zwischen China und den USA ist gestiegen, die endgültige Entscheidung wird bei einem Treffen zwischen Trump und Xi im März fallen. Beide Parteien können sich ein Scheitern der Gespräche nicht erlauben. Daher wird es einen Kompromiss geben. Die Frage ist nur, inwieweit die Märkte diese Einigung nicht schon deutlich überbewertet haben.

Dieses Bild spricht eine eindeutige Sprache. Wenn die Zentralbanken die Geldmenge zurückführen, reagieren die Börsen negativ. Die USA haben im letzten Jahr die Geldmenge zurückgeführt und die Auswirkungen konnten wir im Dezember beobachten.

Überrascht von der Reaktion hat die amerikanische Zentralbank, so wie es im Moment aussieht, die weitere Rückführung der Bilanz gestoppt. Es kann durchaus sein, dass die Zentralbanken weltweit die Schleusen für das weitere Geld drucken wieder öffnen, um den Märkten weiterhin die Droge Geld zur Verfügung zu stellen. Aufgrund des Protokolls der letzten Fed-Sitzung, kann man durchaus der Meinung sein, dass der Fed-Put wieder zurück im Spiel ist, dass die Fed also alles tun wird, um einen Absturz des Aktienmarkts zu verhindern. Noch steht das endgültige Ergebnis aus.

Allerdings ist die Zinsentwicklung kein kurzfristiges Timingmodell. Es ist gut möglich, so wie im Moment, dass eine Flut guter Nachrichten die Börsen noch ein paar Monate weiter trägt. Glück hat, wer dabei ist. Er sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass ein Trendwechsel abrupt und drastisch ausfallen kann. Einen definitiven Umschwung erkennt man leider immer erst im Nachhinein. Wie sagt der Börsenex- perte Thomas Gebert? „Haussen sterben nicht an Altersschwäche, sondern sie werden von den Notenbanken ermordet.“ Wir werden es erleben.

Festverzinsliche Wertpapiere

In einem aktuellen Strategiepapier schlägt der Internationale Währungsfonds (IWF) vor, Strafzinsen auf Bargeld zu erheben. Zentralbanken und Regierungen sollten in Zukunft also negative Zinsen auf Bargeld erheben können. Diese Initiative zielt darauf ab, den Notenbanken im Falle eines Wirtschaftsabschwungs mehr Spielraum für neue monetäre Stimulierungsmaßnahmen zu geben. Letztendlich ist das eine Fort- setzung des Gelddruckens mit anderen Mitteln. Man will den Verbraucher zum Konsum zwingen und den Sparer partiell enteignen. Damit verstößt der IWF gegen die Eigentumsrechte von Vermögensinhabern und unterstützt eine Politik der finanziellen Repression. Man sollte in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen, dass der IWF schon 2013 eine generelle Zwangsabgabe auf Vermögen befürwortet hat. Die Richtung der Politik und Zentralbanken dürfte klar sein: Vermögensbesitzer sollen die Zeche für eine fehlgeleitete Finanzpolitik zahlen. Zurzeit haben beinahe 25 Prozent der global ausgegebenen festverzinslichen Wertpapiere eine negative Rendite.

Die weiterhin sehr niedrigen Zinsen bleiben ein Problem für festverzinsliche Wertpapiere, die man allerdings wegen der steigenden Volatilität auf der Aktienseite weiterhin bei der Anlage braucht. Im Ergebnis führt diese Politik zukünftig zwangsweise zu viel stärkeren Bewegungen bei der Investition in verschiedene Gattungsarten.

Wenn die italienischen Staatsanleihen weiter im Rating herabgesetzt werden, kann das weitreichende Folgen – zumindest für die europäischen Märkte – haben. Die Risiken einer weiteren Herabstufung der italienischen Anleihen liegen auf der Hand, da in meinen Augen die wirtschaftlichen Prognosen für Italien zurzeit immer noch zu optimistisch sind. Sollte das Bruttoinlandsprodukt 2019 erneut sinken, dürfte es angesichts der weiter steigenden Verschuldung bald so weit sein. Italien hat derzeit noch ein Rating von BBB bis Baa3 bei den verschiedenen Ratingagenturen.

Rating der italienischen Staatsanleihen
S&P Moodys Fitch
Sichere Anlage AAA bis BBB- AAA bis Baa3 AAA bis BBB-
ITALIEN BBB Baa3 BBB
Spekulative Anlage BB+ bis D Ba1 bis C BB+ bis D

Die italienischen Staatstitel werden von vielen Fonds und Banken gehalten, die zum einen mit ihren Anlagebedingungen garantieren und zum anderen regulatorisch gezwungen sind, nur in sichere Anlagen zu investieren. Sobald Italien auf der untersten Stufe der sicheren Anlagen angekommen ist oder sogar in den spekulativen Bereich fällt, wird es an den Märkten zu Turbulenzen kommen.

Aktien

Dividendenzahlungen sind wichtig für die Performance eines Portfolios. Für den DAX gehen die Analysten davon aus, dass 2018 ein Rekordwert von 38 Milliarden Euro an die Aktionäre ausgeschüttet wird. Die Fondsgesellschaft Allianz Global Investors geht sogar davon aus, dass Dividendenzahlungen von rund 350 Milliarden Euro in ganz Europa an die Anleger ausgeschüttet werden. Wird ein Teil dieses Geldes zur Wiederanlage in Aktien genutzt, was bei Fonds wahrscheinlich ist, dann können wir auf eine gute Entwicklung der Märkte im Mai und Juni hoffen. In dieser Zeit schütten eine Vielzahl von Gesellschaften ihre Dividende aus.

Historisch gesehen war es selten erfolgreich Aktien zu kaufen, wenn es der Wirtschaft gut ging. Am günstigsten waren Aktien immer während oder unmittelbar nach einer Rezession. Denn das ist die Zeit, in der die Bewertungen niedrig sind. Seit 2010 sind in den USA die Unternehmensschulden von 6 auf 9,6 Billionen US-Dollar und die Gewinne um 27 Prozent gestiegen. Und der einzige Grund, der erklärt, warum in dieser Zeit der S&P 500 um 60 Prozent stieg, ist, dass mit dem geliehenen Geld Aktienrückkäufe und Übernahmen finanziert wurden. Langfristig bestimmt aber die Gewinnentwicklung die Kurse.

Berkshire Hathaway verfügt zum Jahresende 2018 über 112 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln. Warren Buffet hält sich zurück. Henry Asher , Präsident der Northstar Group, die zu Berkshire gehört, bemerkte dazu: „Wenn der Markt das nächste Mal 30 bis 40 Prozent einbricht, wird Berkshire wieder viele Deals zu machen haben.“

Eine der großen Beteiligungen von Warren Buffets Berkshire Hathaway ist Kraft Heinz. Die Gesellschaft hat mit ihrem letzten Quartalsbericht einen Verlust von 10,3 Milliarden US-Dollar nach 16 Milliarden US- Dollar Abschreibungen bekannt gegeben. Daraufhin fielen die Aktien des Unternehmens binnen eines Tages um 28 Prozent. Darüber hinaus gab die Gesellschaft bekannt, dass die amerikanische Börsenaufsicht SEC gemeinsam mit externen Prüfern die Rechnungslegungspraktiken der Gesellschaft überprüft. Soll man die Aktie nun, da Ketchup in den Straßen fließt, kaufen? Der Aktienkurs der Gesellschaft hat sich seit mehr als fünf Jahren gegenläufig zum Markt verhalten, also wesentlich an Wert verloren. Und dies könnte nun der Schlussstrich sein. Aber schauen wir genauer hin:

Kraft Heinz ist eine bekannte Marke und verspricht nach wie vor ein Wachstum in der Größenordnung von 1 bis 2 Prozent per anno und eine Dividendenrendite von ca. 5 Prozent. Hinzu kommt, dass Kraft Heinz aufgrund seiner vielen ausländischen Tochtergesellschaften für den Fall, dass der Dollar schwächer wird, in Zukunft höhere Gewinne erzielen kann. Auf der anderen Seite stehen die hohe Schuldenquote und die durch die Abschreibungen weiter geschwächte Eigenkapitalstruktur.

Das Unternehmen entstand aus dem Zusammenschluss von Kraftfutter und der H. J. Heinz Co. im Jahre 2015. Die Fusion wurde von Warren Buffet und dem brasilianischen Finanzinvestor 3G Capital initiiert. Berkshire Hathaway hält jetzt 27 Prozent und 3G Capital 22 Prozent der Anteile an der Gesellschaft. Beide Investoren kontrollieren damit das Unternehmen.

Die folgende Grafik zeigt, dass sich die Gesellschaft mittelfristig, bis auf zu teure Übernahmen, stabil entwickelt hat.

Allerdings braucht man bei der zukünftigen Entwicklung der Gesellschaft Geduld. Ein idealer Übernahmekandidat für die Philosophie von Warren Buffets Berkshire Hathaway. Ich wäre daher nicht überrascht, wenn Berkshire Hathaway gemeinsam mit den Partnern von 3G Capital die Gesellschaft privatisieren würde. Dies sollte dann den Aktienkurs bei einem Aufgeld von 20 bis 30 Prozent von seinem jetzigen Niveau von 33 US-Dollar auf einen Anteilswert von circa 40 US-Dollar führen. Ich würde daher empfehlen, die Aktie bis um die 35 US-Dollar zu kaufen. Da dieses Engagement jedoch nicht ohne Risiko ist, sollte bei einem Rückgang des Kurses auf 30 US- Dollar je Aktie auf jeden Fall die Reißleine gezogen werden.

Schwellenländer

Eine Chance ergibt sich vielleicht in den nächsten Jahren bei festverzinslichen Anlagen. Ab April 2019 werden lokale chinesische Anleihen über einen Zeitraum von 20 Monaten schrittweise in den Index Bloomberg Barclays Global Aggregate aufgenommen. Das wird einem Anteil von 5,5 Prozent am Index mit einem Zufluss von 150 Milliarden US-Dollar entsprechen. Dies führt zu einer weiteren Liberalisierung des Handels mit chinesischen Anlagen. Im Moment halten ausländische Kapitalanleger nur 2 Prozent am chinesischen Anleihemarkt. Für die Jahre 2019/2020 ist mit einer Aufnahme chinesischer Anleihen auch in andere Indizes zu rechnen. Damit dürften weitere Gelder in den chinesischen Anleihemarkt fließen. Obwohl China von vielen Ratingagenturen und den globalen Finanzmärkten schon längst nicht mehr als Schwellenland betrachtet wird, gibt es immer noch einen kräftigen Renditeaufschlag von etwa 60 Basispunkten gegenüber US-Treasuries mit gleicher Laufzeit. In der Vergangenheit war auch die Korrelation zu Staatsanleihen der Industriestaaten niedrig. Hinzu kommt, dass Amerika mit Sicherheit weiterhin Druck auf China hinsichtlich einer Aufwertung des Renminbi gegenüber dem Dollar ausüben wird.

Rohstoffe

Ein Blick auf die jüngsten Goldtransaktionen der Zentralbanken zeigt, in welch unruhigen Zeiten wir leben. Der Kauf von Gold durch die Zentralbanken ist 2018 im Vergleich zu 2017 um 74 Prozent auf 652 Tonnen gestiegen. (Eine wirklich lohnende Lektüre ist in diesem Zusammenhang der letzte Bericht des World Gold Council: „Gold Demand Trends Full Year and Q4 2018“.)

Die größten Käufer von Gold waren Russland, die Türkei und Kasachstan. Über China liegen keine aussagekräftigen Daten vor. Allerdings muss alles in China geschürfte Gold im Land bleiben und darüber hinaus kauft China Gold aus dem Ausland zu. Diese Zahlen beweisen eindeutig, dass das Vertrauen in den US-Dollar und Amerika zu schwindet. Stellen Sie sich vor, wohin sich der Goldpreis bewegen wird, wenn die traditionelle vermögensverwaltende Industrie Gold kauft, in dem verzweifelten Versuch noch eine kleinen Anteil an Gold in ihre Portfolios aufzunehmen.

Rohstoffe tendieren dazu, Staatsanleihen und Aktien in Perioden strafferer monetärer Bedingungen zu übertreffen. Das werden wir in der nächsten Zeit wahrscheinlich nicht beobachten können. Daher haben wir dazu geraten, die gute Aktienkursentwicklung der letzten acht Wochen bei Chevron und BHP dazu zu nutzen, die Gewinne mitzunehmen.

Portfoliostrategie

Wir raten, im Portfolio bei einem Goldanteil von circa 10 Prozent zu bleiben, da Gold in der Vergangenheit immer in wirtschaftlich schwachen Zeiten an Wert gewonnen hat. Darüber hinaus haben wir damit eine Diversifizierung gegenüber den bestehenden Risiken an den Märkten.

Für die Aktienempfehlung hoffe ich, dass der Zusammenschluss zwischen Barrick und Newmont Mining nicht zustande kommt, da er in meinen Augen keine Vorteile für die Newmont-Aktionäre bietet. Barrick hat mit dem Aktientausch ein Angebot im Wert von 33,50 US-Dollar unterbreitet. Das liegt unter dem Aktienkurs von Newmont, der bei 36,10 US-Dollar liegt. Sollte die Fusion doch zustande kommen, wäre es allerdings für die Position in Goldcorp. ein Gewinn. In diesem Fall bleibt Goldcorp., die Newmont übernehmen wollte, selbstständig und wird darüber hinaus wegen des Abbruchs der Fusion einen Betrag von 650 Millionen US-Dollar erhalten.

Da ich in diesen Märkten gerne Gewinne mitnehmen werden wir morgen Anheuser -Busch Inbev wieder verkaufen. Heute stehen die Aktien bei 73,38 Euro. Dafür werde ich Kraft Heinz hinzukaufen.

Kurs/Kauf Kurs/Ist Wert- Wert- Wertzuwachs
Euro Euro zuwachs zuwachs Kurs/Verk. nach Realisation
28. Feb in Euro in Prozent Euro in Prozent
Dignity PLC Montag 5.Feb. 18 8,59 Montag 4. Juni 18 11,87 38,26%
General Electric 12,30 Montag 4. Juni 18 11,95 -2,85%
Agnico-Eagle Mines 36,00 37,19 1,19 3,31%
Shire PLC 35,52 Montag 3. Dez. 18 51,40 44,71%
Transocean LTD Montag 9.April 18 8,00 Montag 30. April 18 10,20 27,50%
ANHEUSER-BUSCH INBEV N.V. Montag 4. Juni 18 82,32 Montag 6. Aug. 18 86,73 5,36%
Goldcorp 11,88 9,28 -2,60 -21,89%
Agnico-Eagle Mines Dienstag 14.Aug. 18 33,68 37,19 3,51 10,42%
ANHEUSER-BUSCH INBEV N.V. Montag 3. Dez. 18 66,99 68,55 1,56 2,33%
Kraft Heinz Company Mittwoch 6. März 19
Totaler Wertzuwachs bei gleich großer Anlage in jedem Titel 22,60%

Mit freundlichen Grüßen

Ottmar Beck

Dax: 9,06% – Euro Stoxx 50 P: 10,16% – SMI: 11,38% – RexP: 0,19% – SBI: 0,63% – Gold(in US$): 3,%

per 28.02.2019

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Deutsche Commerzbank - Fusions-Idiotie!


Auf den von mir verfassten Beitrag vom 13. September 2018 unter dem Titel „Deutsche Commerzbank ??“ wird Bezug genommen.

Da haben wir sie wieder, meine Freunde die Investmentbanker, die nichts unversucht lassen, um das idiotische Fusionskarusell Deutsche Bank / Commerzbank wieder aufleben zu lassen.

Wie das Handelsblatt am 27. Februar 2017 mit dem Titel „Schwindender Widerstand „ berichtete, haben einige mächtige Aktionäre/Investoren eine Übernahme  der Commerzbank durch den größeren Frankfurter Nachbarn, die Deutsche Bank, neu bewertet.

Am deutlichsten fällt die Neubewertung nach Informationen des Handelsblattes beim US-Finanzinvestor Cerberus, einem Hort von Investmentbankern, aus, welcher zu den größten Anteilseigner bei beiden Häusern zählt.

Größter Aktionär der Commerzbank ist der Bund mit gut 15%. Die Bundesregierung hat Insidern (?) zufolge bereits mehrfach deutlich gemacht, dass Sie einer Fusion der beiden Institute positiv gegenüber steht.

Eigentlich ist diese Einstellung der Bundesregierung nicht verwunderlich, hat doch der Sozialdemokrat und Bundesfinanzminister Scholz einen Investmentbanker erster Güte, Herrn Dr. Jörg Kukies, zu seinem Staatssekretär ernannt. Herr Dr. Kukies hat nach seinem Studium von 2001 bis April 2018 nur bei Goldman Sachs gearbeitet und war zuletzt Co-Vorsitzender des Vorstands, Goldman Sachs AG und Leiter der Zweigniederlassung Frankfurt der Goldman Sachs International. Mit Herrn Dr. Kukies haben nun auch die Goldmänner einen unbezahlbaren Einblick in die Finanzdispositionen des Finanzministeriums und damit sehr großen Einfluss auf den Bundesfinanzminister Scholz, dem man in Sachen Banken und Wertpapieranlagen keine allzu große Expertise nachsagen kann.

Aber hat Goldman Sachs nicht den Griechen geholfen, ihre Schulden in die Zukunft zu verlagern, sie einfach verschwinden zu lassen zu Lasten des Euro-Finanzsystems? War Goldman Sachs nicht einer der wichtigsten Vorbereiter und Akteure der Finanzkrise in 2008, welche weltweit einen zweistelligen Billionenschaden angerichtet und den Steuerzahlern weltweit in die Taschen gegriffen hat?  Und  nun mischt Goldman Sachs auch in der Bundespolitik mit!

Aber zurück zur Fusions-Iidiotie. Beim Studium dieses Presseartikels des Handelsblattes  wird man nicht das Gefühl los, dass es Cerberus und den übrigen Investoren – letztlich nur eine winzig kleine Gruppe –  nur darum geht, die Aktienkurse beider Häuser zu puschen, da Fusionen mit den aberwitzigsten Begründungen stets zu einer Kurs – Rallye geführt haben und damit zu allerlei Nebengeschäften (Wetten!) solcher Hedgefonds. Jetzt werden vor allem der rasante technologische Wandel und deren hohe Kosten ins Feld geführt und man übersieht dabei geflissentlich, dass eine solche Umsetzung bei großen Häusern, die zudem auf Jahre hinaus durch eine Fusion gelähmt wären, vielfach schwieriger ist als bei kleinen und dynamischen Häuser. Ganz zu schweigen von der äußerst schwierigen Integration der beiden IT-Systeme.

Verwunderlich ist auch, dass der Sozialdemokrat Scholz nicht die Menge der hohen Sozialkosten durch die Freisetzung von Bankpersonal sieht, die uns Steuerzahlern wieder auf die Füße fallen würden und das nur, damit nur wenige Investoren ihre kurzfristigen Renditewünsche erfüllt bekommen. Wie sich diese Fusion aber auf den Wettbewerb und damit auf die Volkswirtschaft insgesamt auswirken werden,  ganz zu schweigen von der  dahinsiechenden Dynamik des fusionierten Instituts, ist diesen Hedgefonds-Geiern völlig schnuppe.

Der letzte Absatz in diesem Handelsblatt-Artikel bringt diese Fusions-Idiotie wieder auf den richtigen Boden zurück. Gemäß Aussage der Fondsmanagerin Alexandra Annecke von der Union Investment käme aus einer Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank derzeit eine im internationalen Vergleich  relative kleine Bank heraus – mit einer nach wie vor recht geringen Profitabilität und einem Berg von unerledigten Problemen aus der Vergangenheit.

Hier kann man die Bilanzsummen beider Häuser nicht einfach zusammen zählen, da viele Überschneidungen u.a. in der Kundenstruktur  (viele Unternehmen unterhalten in beiden Häusern Konten) zu einer massiven Reduzierungen  der Bilanzsummen und damit der Größe führen würden.

Kürzlich ließ mich ein Vorstandsvorsitzender einer Volksbank wissen, dass er eine solche Fusion mit Freude sieht, da er dann mit einem weiteren Zulauf von Kunden aus beiden Häusern rechnet, Ebenso werden es auch die Sparkassen sehen.

4. März 2019

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”




Allgemeiner Marktkommentar und Anlagestrategie Nr. 2


Beitrag von Herr Ottmar Beck, Vermögensverwalter /Schweiz

Wilen, den 3. Februar 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

der bevorstehende und wahrscheinlich ungeordnete Brexit sowie die globalen Handelskonflikte haben die Zuversicht der Unternehmen nachhaltig erschüttert. So hat sich die Stimmung laut ifo- Geschäftsklimaindex im Januar weiter eingetrübt.

Der Frühindikator steht jetzt auf dem niedrigsten Stand seit drei Jahren. Und auch der Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung sagt für 2019 nur noch ein Wachstum von 1 Prozent für das Bruttoinlandsprodukt voraus. Die fetten Jahre dürften vorbei sein. Aber die Anleger haben seit 2008 gelernt, dass die Notenbanken die Börsen aus allen Schwierigkeiten herausholen. Entweder stellen sie Liquidität zur Verfügung oder sie senken die Zinsen. In den letzten Jahren hatte die Anlageform Aktie infolge dieser Politik keine Konkurrenz. Dieses Ver- trauen wird derzeit von den Anlegern getestet und dabei hoffen sie auch auf Donald Trump. Dieser riet während der Weihnachtsfeiertage Aktien zu kaufen – und prompt stiegen die Kurse. Donald Trump schaut auf seine Wiederwahl in zwei Jahren und wird daher alles versuchen, damit die Kurse auf einem hohen Niveau bleiben. Am besten für ihn wäre eine Hausse mit neuen Höchstständen. Das halte ich je- doch für wenig wahrscheinlich.

Nach dem Entwurf dieses Briefs ging ich ins Bett, um am folgenden Tag mit der Nachricht: „Fed- Zurückhaltung gibt Börsen Schub“ wieder aufzuwachen. Was ich im nächsten Absatz als mögliche Entwicklung skizzierte, ist also schon jetzt Realität. Die jüngsten Aussagen der Notenbank deuten darauf hin, dass möglicherweise sogar die beiden im Dezember angekündigten Zinserhöhungen infrage gestellt werden. Es geht also munter weiter wie gehabt. Jeglicher Versuch, die Ströme günstigen Spekulationskapitals dem Markt zu entziehen, könnte zu einem (Mini-)Crash führen. Wie Drogensüchtige nicht ohne ihren Stoff können, so kann der Markt nicht ohne günstiges Spekulationskapital leben, weil mittlerweile das ganze Wirtschaftsmodell und seine Gewinne darauf beruhen. Die Fed ist praktisch gezwungen, die Pipelines offen zu halten, bis das System von selbst kollabiert.

Festverzinsliche Wertpapiere

Die Fed hat im Dezember bekannt gegeben, dass sie Ende September 2018 einen unrealisierten Verlust von 66 Milliarden Dollar auf ihre langfristigen festverzinslichen Wertpapiere erlitten hat. Dies sind ca. 170 Prozent ihres Kapitals. Das heißt, die Fed hat einen negativen Wert von 20 Milliarden US-Dollar. Eine normale Geschäftsbank wäre bei diesen Zahlen insolvent. Weiter steigende Zinsen würden diesen Verlust nochmals vergrößern. Aber hier macht es nichts, da eine Zentralbank nicht pleite gehen kann. Allerdings hat Janet Yellen, als sie noch Präsidentin der Fed war, im Kongress zu Protokoll gegeben, dass das Kapital der Fed die Kredibilität und das Vertrauen in die Zentralbank fördert. Im Umkehrschluss würde ein negatives Kapital dazu führen, die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in die Fed zu untergraben.

Für die zukünftige Zinspolitik der Fed wird auch die Besetzung von zwei der sieben noch offenen Positionen im Direktorium entscheidend sein. Donald Trump wird sein Vorschlagsrecht wahrscheinlich dafür nutzen, Kandidaten zu finden, die mit Blick auf seine Wiederwahl eine lockere Geldpolitik vertreten. Schließlich hat er den Notenbankern nach den letzten Zinserhöhungen Ahnungslosigkeit, Gefährlichkeit und Verrücktheit vorgeworfen.

Die Zeit der Zinserhöhungen dürfte in Amerika zu Ende gehen und in Europa gar nicht erst beginnen.

Aktien

Die Börsen geben wieder Gas. Nach dem schlechten Börsenjahr 2018 zieht 2019 wieder Optimismus ein. Viele Marktteilnehmer konzentrieren sich auf eine gute Konjunktur- und Gewinnentwicklung. Von der US-Notenbank kamen Signale, die zumindest für eine Verlangsamung der Zinserhöhung sprechen und auf der  politischen  Ebene  (Handelskonflikt  USA/China) zeichnet sich eine Entspannung ab. Haben es wir hier mit einer Fortsetzung des positiven Trends der letzten Jahre oder nur mit einer Gegenbewegung nach dem drastischen Fall der Aktienpreise zu tun? Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung von allen 20 unterbrechungsfreien Rückgängen der Nachkriegszeit. Mit „unterbrechungsfrei“ meine ich einen Rückgang der Kurse von über 15 Prozent ohne eine Gegenbewegung von mindestens 5 Prozent.

Zumindest können wir, auf Grundlage der historischen Werte, sagen: Weiter steigende Kurse sind sowohl in der der Laufzeit als auch im Ausmaß begrenzt. Die Daten deuten außerdem darauf hin, dass zumindest die Tiefstkurse vom Dezember noch einmal getestet werden. Höchstwahrscheinlich werden wir sogar niedrigere Kurse sehen. Wie immer gilt: So muss es nicht kommen, aber aufgrund der Vergan- genheit kann man diese Möglichkeit nicht ausschließen. Ein treibender Faktor für die Entwicklung der Börsenkurse war die außergewöhnlich große Liquidität der Marktteilnehmer. Diese wird aber vor allem von der amerikanischen Zentralbank deutlich zurückgeführt, damit fehlt der Treibstoff. Denn um die Blase weiter zu füttern, genügt es nicht, die Liquidität auf dem zuletzt hohen Niveau zu halten, sondern wir brauchen ein anhaltendes Liquiditätswachstum.

Hinzu kommt die Gefahr von deutlich zurückgehenden Unternehmensgewinnen. Im Moment sind viele Wachstumsindikatoren negativer als im Vorjahr und die Lohnkosten steigen weiter. Weniger Umsatz und höhere Löhne ergeben weniger Gewinn. Damit besteht bei einer dünnen Eigenkapitaldecke auch ein höheres Konkursrisiko. Die Profis fahren jetzt schon ihr Risiko zurück. So hat die auf Private Equity spezialisierte amerikanische Investmentfirma KKR ihre Investments auf Leveraged Loans (riskante Kredite) auf null gesetzt.

Ein wichtiges Verhältnis, das ich mir immer anschaue, ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis. Und dieses lässt bisher auch keine Anzeichen für eine Entwarnung erkennen.

Es kann immer später oder anders kommen, als wir denken, aber ich halte mich an die historischen Zahlen. Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von über 1,5 hat nach den Aufzeichnungen von Ned Davis Research die Bäume mit einem jährlichen Gewinn von 1,76 Prozent nicht in den Himmel wachsen lassen.

Schwellenländer

Eine Abschwächung des US-Dollar ist für die Schwellenländer vorteilhaft. Sie sind so hoch wie noch nie in US-Dollar verschuldet. Fällt der US-Dollar wieder, was im Zuge einer Rezession und infolge einer Abkehr der US-Notenbank von der Politik der Liquiditätsverknappung durchaus möglich ist, werden die Schwellenländer entlastet. Gleichzeitig würden in diesem Szenario auch die Zinsen wieder sinken und damit könnten die Schwellenländer 2019 zu den (relativen) Gewinnern zählen.

Währung

Kommt es entgegen der Meinung vieler Analysten 2019 zu einer Rezession, werden die Aktienkurse weiter fallen. Wie immer dürfte der US-Dollar in Zeiten der Panik an Wert gewinnen. Allerdings erwarte ich in diesem Szenario, dass die US-Notenbank die Zinsen wieder senkt oder auf dem derzeitigen Niveau hält und gleichzeitig neue Liquidität in den Markt pumpt. Dies wird 2019 der Zeitpunkt sein, ab dem man seine US-Dollar-Bestände entweder absichert (was im Moment sehr teuer ist) oder aber die entsprechenden Bestände verkauft.

Rohstoffe

Wenn der Goldpreis weiter steigen soll, muss die Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung in den Industrieländern und muss der Wohlstand in den Schwellenländern wachsen. Industrieländer nutzen Gold zur Absicherung und in vielen Schwellenländern wird es zur Anlage und Schmuckproduktion verwendet. Sollte der US-Dollar (siehe Währung) nach einer kurzen Stärkephase im Laufe des Jahres zur Schwäche neigen und sollten die Zinsen weiter so niedrig bleiben, ist das gut für das zinslose und meist in US- Dollar gehandelte Gold.

Portfoliostrategie

Im Ergebnis zeigen die Märkte nach wie vor ein völlig unbefriedigendes Risiko-Ertrags-Verhältnis. Im Moment hege ich noch keine Hoffnung auf Besserung. Die Argumente für weiter fallende Kurse bleiben stärker als die für eine nachhaltige Wende hin zu wieder steigenden Kursen. Es sind weiter eine defensive Anlagepolitik und Vorsicht geboten.

Mit dem Kauf von Goldcorp. hat Newmont Mining ein gutes Geschäft gemacht. Leider trifft das nicht für die Aktionäre von Goldcorp. zu. Die Gesellschaft wollte, nachdem die Vorlaufkosten in den letzten Jahren angefallen sind, 2019 deutlich mehr Gold fördern. Treffen die Annahmen der Gesellschaft zu, hätte dies 2019, bei einem entsprechenden Marktpreis für Gold, zu einem deutlichen Kursgewinn für die Aktie geführt. Die in der Vergangenheit geleistete Vorarbeit von Goldcorp. wird jetzt wohl Newmont Mining zugutekommen. Da wir empfohlen hatten, Bestände in beiden Werten aufzubauen, halten wir daran fest und empfehlen, die Bestände von Goldcorp. entsprechend dem Angebot in Newmont Mining zu tauschen.

Kurs/Kauf Kurs/Ist Wert- Wert- Wertzuwachs
Euro Euro zuwachs zuwachs Kurs/Verk. nach Realisation
31. Jan in Euro in Prozent Euro in Prozent
Dignity PLC Montag 5.Feb. 17 8,59 Montag 4. Juni 17 11,87 38,26%
General Electric 12,30 Montag 4. Juni 17 11,95 -2,85%
Agnico-Eagle Mines 36,00 37,72 1,72 4,78%
Shire PLC 35,52 Montag 3. Dez. 17 51,40 44,71%
Transocean LTD Montag 9.April 17 8,00 Montag 30. April 17 10,20 27,50%
ANHEUSER-BUSCH INBEV N.V. Montag 4. Juni 17 82,32 Montag 6. Aug. 17 86,73 5,36%
Goldcorp 11,88 9,54 -2,34 -19,70%
Agnico-Eagle Mines Dienstag 14.Aug. 1 7           33,68 37,72 4,04 12,00%
ANHEUSER-BUSCH INBEV N.V. Montag 3. Dez. 17 66,99 66,61 -0,38 -0,57%
Totaler Wertzuwachs bei gleich großer Anlage in jedem Titel 22,60%

Mit freundlichen Grüßen

Ottmar Beck

Dax: 5,82% – Euro Stoxx 50 P: 5,50% – SMI: 6,41% – RexP: 0,24% – SBI: 0,85% – Gold(in US$): 4,68%

per 31.01.2019

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BREXIT - purer Nationalismus


Der BREXIT in Groß-Britannien ist ein Ergebnis von falscher und populistischer Propaganda der britischen Nationalisten, die sich wieder das alte Kolonialreich damit zurück wünschen. Das ist eine rückwärts  gerichtete Denke des 18-ten Jahrhunderts.

Letztlich ist der BREXIT ein gutes Beispiel dafür, was ein purer Nationalismus anrichtet, nämlich Chaos. Dieses haben wir im letzten Jahrhundert – angezettelt von Deutschland – schon mehrmals erlebt.

Andererseits müssen sich die Brüsseler Europapolitiker fragen, wie es zu diesen sich in Europa ausbreitenden Nationalismus kommen konnte? War es nicht vielleicht die übermäßige  Gleichschaltung der unterschiedlichen Kulturen in Europa, welche von der Geldpolitik der EZB noch gefördert wurde?

Ein großes Feld.

Ohlsbach, den 31.1.2019

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

 




Allgemeiner Marktkommentar und Anlagestrategie Nr. 1


Kommentar von Ottmar Beck, Vermögensverwalter / Schweiz

Wilen, den 8. Januar 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

2018 musste der DAX nach sechs Gewinnjahren erstmals wieder einen Verlust von mehr als 18 Prozent hinnehmen. Der Swiss Market Index (SMI) verlor circa 10 Prozent. Im sonnigen Spanien bei 24 Grad die Sonne genießend, hatte ich eigentlich auch einen sonnigen Börsenstart erwartet. Nachdem die steuerlich getriebenen Verkaufsprogramme in den USA im alten Jahr beendet wurden, kommt es in den ersten Tagen eigentlich immer zu einem Rückkauf der Aktien und damit zu steigenden Kursen. Welt- weit starten die Börsen dank der fällig gewordenen Gelder und Zinsen sowie der Anlage liquider Mittel beinah immer stark positiv ins neue Jahr. Aber die neuen Konjunkturdaten aus China haben für einen schwachen Start am ersten Tag gesorgt. Die Sorgen um die Weltkonjunktur belasten die Börsen weiter. Kein gutes Omen, denn wenn in der Vergangenheit der erste Börsentag, die ersten fünf Börsentage und der Januar insgesamt schlecht liefen, war dies meist der Auftakt für ein ebenso schlechtes Börsenjahr.

Nun hat auch der fünfte Börsentag deutlich im Plus geendet. Am vierten Januar wurden deutlich höhere Beschäftigungszahlen aus den USA gemeldet. Auch sind die Löhne auf Jahresbasis um 3,2 Prozent gestiegen und bei der Beilegung im Handelskonflikt werden jetzt Lösungen erwartet. Zusätzlich zeigte sich der Vorsitzende der Notenbank Fed, Jerome Powell, auf einer Veranstaltung verständnisvoll für die Sorgen der Finanzmärkte vor einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. Die Fed höre den Teilnehmern an den Finanzmärkten genau zu, versicherte Powell. Daraufhin schossen die Börsen nach oben (siehe aber Bild unter Aktien). Nun ist der Dezember in einem guten Umfeld immer durch die Einstellung von Aushilfskräften für das Weihnachtsgeschäft geprägt, warten wir die Januarzahlen ab.

Eine niedrige Arbeitslosenrate und Lohnwachstum führen zu steigender Inflation und damit zu weitere Zinserhöhungen. Das könnte die Fed in Zukunft wieder härter wie kürzlich erwartet reagieren lassen.

Die Vermögensverwaltungsfirma GMO aus Boston hat letztes Jahr ihre zukünftigen Renditeerwartungen für die nächsten sieben Jahre gesenkt. Auf diese Zahlen sollten wir achten, da die Prognosen GMOs in der Vergangenheit hervorragend waren, auch wenn sie oft ihrer Zeit etwas voraus waren. Die folgende Grafik zeigt die inflationsbereinigten Prognosen bis 2025. Das Ergebnis ist erschreckend. Für ein US- Dollar-Portfolio mit einer Aufteilung von je 50 Prozent Aktien und Anleihen erwartet GMO eine reale Rendite (inflationsbereinigt) von –2,5 Prozent pro Jahr.

 Wie ich schon mehrmals geschrieben habe, ist es nicht der Konjunkturzyklus, sondern der Kreditzyklus der mir Sorgen macht. Kredit ist per se nichts Schlechtes. Man borgt sich Geld von seiner Zukunft. In der Zukunft wird man dann weniger ausgeben, damit man den Kredit zurückzahlen kann. Das ist der Zyklus. Man gibt also mehr Geld aus, als man hat, und dann gibt man weniger aus, als man hat, um den Kredit zurückzuzahlen. Das gilt sowohl für jeden Einzelnen wie für Unternehmen und Staaten.

  1. Am Anfang leiht man sich etwas Geld, um die Produktivität zu erhöhen, damit wächst die Wirtschaft und die Anlagepreise
  2. Weil alles so gut läuft, werden neue Kredite Anlagepreise und Konsum steigen weiter. Niemand weiß jedoch, wann der Verschuldungsgrad zu hoch ist.
  3. Die Zentralbanken und Regulatoren sehen Probleme und versuchen, das Wachstum in moderate Bahnen zu Die Zinsen steigen und Kredite sind schwieriger zu bekommen.
  4. Rezession oder Depression sind die Das Wachstum schrumpft und das Gelddrucken bzw. Null- oder Negativzinsen erzielen keine positiven Effekte mehr. Die Zentral banken haben ihre Munition verschossen (wie zum Beispiel zur Zeit der Großen Depression 1926 bis 1936).
  5. Der Verschuldungsgrad wird abgebaut. Staat, Unternehmen und Familien fahren ihre Ausgaben zurück und reduzieren ihre Bis alle ihre Schulden wieder auf einem ausgeglichenem Niveau haben und sich die Wirtschaft langsam zu erholen beginnt, vergeht allerdings mehr Zeit als für Phase 1 und 2.
  6. Die Normalität hat begonnen und wir können wieder mit Phase 1 starten.

Im Moment dürften wir uns am Ende von Phase 3 befinden. Ob wir Phase 4 direkt (weiteres Gelddrucken und erneute Zinssenkung) oder aber noch länger Phase 3 durchlaufen, wird die Zukunft zeigen. Eins scheint mir aber sicher zu sein: Wir sind am Ende des Zyklus angekommen.

Festverzinsliche Wertpapiere

Was immer mit der Entwicklung der Zinsen in den nächsten Jahren passiert: Langfristig werden sie niedrig bleiben. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft bestätigt, dass die Realzinsen (= nominaler Zinssatz abzüglich Inflationsrate) aufgrund der demografischen Faktoren niedrig bleiben wer- den. Allerdings liegen die Zinsen zurzeit bei einem Zinssatz von 0,25 Prozent und einer Inflationsrate von 2 Prozent deutlich im Minus. Das Institut rechnet mit Realzinsen von 0,5 bis 1,3 Prozent. Wegen der steigenden Lebenserwartung legen die Menschen mehr Geld für das Alter zurück und sorgen daher für ein großes Angebot. Im Ergebnis müssen sie länger von ihrem Geld leben, aber leider vermehrt es sich langsamer.

Die Schweizer Nationalbank (SNB) wird weiter an den Negativzinsen festhalten. Ein starker Franken ist negativ für die exportorientierte Wirtschaft. Daher hält die SNB an ihrer ultralockeren Geldpolitik fest, auch weil sie glaubt, dass die Inflationsrate bis 2021 unter 2 Prozent bleiben wird und damit noch viel Zeit für eine Zinserhöhung ist.

2019 muss das US-Schatzamt mehr Schuldentitel emittieren, da das US-Haushaltsdefizit auf 1 Billion US-Dollar steigt. Diese Emissionen müssen zur Zeit zu höheren Zinsen als in den vergangenen Jahren finanziert werden. Hinzu kommt, dass in den nächsten fünf Jahren circa zwei Drittel der bestehenden Staatanleihen ebenfalls zu einem höheren Zins refinanziert werden müssen. Aufgrund der hohen Kurz- fristzinsen sind die Absicherungskosten für ausländische Anleger hoch und dürften zu einer nachlassen- den Nachfrage führen. Allerdings haben einige Mitglieder des Fed-Komitees bereits erwähnt, dass sie eine inverse Zinskurve unbedingt vermeiden wollen. Die USA können keine steigenden Zinsen gebrauchen.

 Das dürfte bei einer sich abschwächenden weltweiten Konjunktur, die ich erwarte, zu einer Stabilisierung des gegenwärtigen Niveaus oder sogar zu einer erneuten Zinssenkung führen. Zeit genug dazu hat die Fed, denn eine Rezession beginnt statistisch gesehen erst einige Monate, nachdem die meisten Renditedifferenzen negativ geworden sind.

Nun hat es die erste Pensionskasse in Deutschland getroffen. Die BaFin untersagt der Caritas- Pensionskasse das Neugeschäft. Auch hat die Pensionskasse ihre Mitglieder informiert, dass die Gesell- schaft wegen der wirtschaftlichen Lage eine Herabsetzung ihrer Leistungen erwägen muss. Nun hält auch noch die BaFin den Sanierungsplan des Versicherers für unzureichend. Viele Pensionskassen leiden unter dem andauernden Niedrigzinsumfeld und ihren in besseren Zeiten zugesagten Leistungen. Die BaFin hat bei 45 der 137 in Deutschland tätigen Pensionskassen finanzielle Probleme ausgemacht.

Aktien

Toll, ein Gewinn von 5 Prozent an einen Tag ist un- glaublich. Aber vergessen wir nicht: 14 der 15 Tage mit dem höchsten Tagesgewinn im S&P 500 lagen unter dem Durchschnitt der 200-Tages-Linie. Diese Schwankungen ereignen sich meist in Bärenmärkten. Händler lieben zwar diese Bewegungen, aber Investoren werden oft von ihnen abgeschreckt.

Laut einem Bericht von Ernst & Young ist der Umsatz der 100 umsatzstärksten börsennotierten deutschen Unternehmen in den ersten neun Monaten um 1 Prozent gestiegen. Aber der Gewinn (Ebit) ist gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 7 Prozent gesunken. Der Handel ist wegen der Digitalisierung am stärksten betroffen.

Alle Unternehmen investieren in eine stärkere Digitalisierung ihrer Prozesse, was anfangs zu höheren Aufwendungen führt. Langfristig sollte damit aber wieder – so die einhellige Meinung der Vorstände – ein Produktivitätsgewinn erzielt werden. Da aber alle das Gleiche tun, dürften sich die zukünftigen Margen bei einem schärferen Wettbewerb eher auf einem niedrigeren Niveau einpendeln.

Schwellenländer

Zwei Drittel der Nachfrage für Rohstoffe kommt aus Asien, der größte Teil davon aus China. Der Index Shanghai Stock Composite ist in diesem Jahr um 28 Prozent gefallen. Da China der größte Käufer von Rohstoffen ist, folgt der Rohstoffindex dem der chinesischen Börse.

Das reflektiert die Schwäche der Wirtschaft, die die zweitgrößte der Welt ist. Die beiden schwächsten Gütergruppen im letzten Jahr waren Energie und Industriemetalle. Beide werden als Leithammel der globalen Konjunktur angesehen und beide weisen auf eine globale Wirtschaftsschwäche hin. Das hätten vielleicht einige Wirtschaftsweise in ihre rosigen Wachstumsprognosen für dieses Jahr mit einbezie- hen sollen.

Währung

Die meisten Analysten gehen wegen einer schwächeren Konjunktur, weniger ausgeprägten Steigerungen der Zinsen durch die Fed und einer schwächeren Nachfrage für den US-Dollar von fallenden Kursen gegenüber dem Euro aus. Sie erwarten in diesem Jahr einen Kurs von 1,17 Dollar für den Euro. Die höchsten Schätzungen liegen sogar bei 1,24 Dollar. Auch wenn ich natürlich nicht weiß, wie sich der US-Dollar tatsächlich entwickeln wird, vertrete ich eine andere Meinung. Meines Erachtens sind die Probleme in Europa so groß und vielfältig, dass der US-Dollar eine gute Chance hat, sein Kursniveau zu halten oder gar weiter zu steigen. Denn die Kurse werden von Menschen gemacht und diese folgen Mustern der Vergangenheit. In Zeiten der Krise hat der US-Dollar immer an Wert gewonnen. Ich orientiere mich daher weiter an dieser Grafik, da sie für die berücksichtigten Jahre langfristig (grüne Linie) oft die Entwicklung des US-Dollars im Trend richtig aufgezeigt hat. Im Moment deutet sie immer noch auf eine weitete Stärkung des Dollars hin.

Rohstoffe

Im Frühjahr und Sommer 2018 hatten wir einen schwachen Goldpreis, während die Fed die Zinsen erhöht hat und der US-Aktienmarkt lief besser als im Rest der Welt. Mit den fallenden Aktienkursen im letzten Quartal hat sich der Goldpreis erholt. Vor uns liegen nun zwei Möglichkeiten: Zum einen kann die Fed die Zinserhöhungen beenden und die Anlagepreise werden in der Hoffnung auf billiges Geld wieder steigen. Zum anderen wird die nachlassende wirtschaftliche Entwicklung weiter für fallende Aktienmärkte sorgen. In beiden Szenarien wird Gold als sicherer Hafen gefragt sein. In den vergangenen Baissemärkten entwickelte sich Gold wie folgt:

  • August 2007 bis 2009: 650 bis 200 US- Dollar
  • Januar 2001 bis 2003: 260 bis 425 US-Dollar
  • Januar 1987 bis Dezember 1987: 390 bis 500 US-Dollar
  • Januar 1973 bis Dezember 1974: 50 bis 110 US-Dollar

In der Vergangenheit hat die Fed die Zinsen dann meist erhöht, um eine steigende Inflation und höhere Rohstoffpreise zu bekämpfen. Die folgende Grafik zeigt die Differenz zwischen zehn- und zweijährigen US-Treasuries und dem CRB-Index (Rohstoffindex). In den Phasen der Inversion 2000 und 2006/2007 sind die Rohstoffpreise immer stark gestiegen.

Gestiegene Rohstoffpreise haben zu der inversen Zinsstruktur geführt. Dieses Mal sieht die Sache bisher noch anders aus. Zuerst einmal ist die Zinsdifferenzkurve bisher nicht invers. Zweitens sind die Rohstoffpreise immer noch im Sinkflug. Das ist das erste Mal, soweit ich mich erinnern kann, dass die Fed angesichts sinkender Rohstoffpreise die Zinsen erhöht.

Über mehr als ein Jahrzehnt haben die Fed und andere Zentralbanken die Zinsen niedrig gehalten, um die globale Konjunktur aus einer Deflationsphase zu inflationieren. Weitere Zinserhöhungen schaden der Wirtschaft (hier liegt sogar Donald Trump richtig), schwächen die Rohstoffpreise und gefährden das Ziel einer maximal 2-prozentigen Inflation. Ein steigender US-Dollar als Resultat weiter steigender Zin- sen hätte auf Inflation und Rohstoffpreise auch einen negativen Effekt. Ich bleibe dabei: Wir befinden uns nicht in einem normalen Konjunkturzyklus, sondern am Ende eines Kreditzyklus.

Obwohl die meisten Analysten ein sinkendes Angebot bei steigender Nachfrage für Kupfer prognostizieren, konnte der Preis 2018 nicht über 3 US-Dollar pro Pfund steigen. Dr. Copper (Kupfer) prognostiziert eine Konjunkturschwäche und Rezession, die mit einer schwachen Nachfrage und niedrigen Kupferpreisen einhergeht. In der Vergangenheit war die Realwirtschaft (Dr. Copper) oft klüger als die Analys- ten.

Portfoliostrategie

Der DAX schloss 2018 mit –18,26 Prozent, der SMI mit –10,15 Prozent, der S&P 500 mit –7,0 Prozent. Auf der anderen Seite schloss der Index Rex Performance mit 0,88 Prozent, der SBI 96 Dom GVT TOTRET mit 0,72 Prozent und der US Treasury Current 5Yr LOC mit 1,48 Prozent. Warum ich das erwähne? Die Welt hat sich doch nicht geändert.

Wenn die Aktienkurse fallen, gehen die Zinsen nach unten und festverzinsliche Wertpapiere erholen sich. Allerdings können sie auf dem niedrigen Niveau der Zinsen nicht die Verluste bei Aktien ausgleichen. 2018 war die Enthaltsamkeit bei Aktien erfolgreich.

Goldminenaktien und Gold haben sich trotz der Turbulenzen an den Aktienmärkten noch nicht als Schutz erwiesen. So hat sich zum Beispiel der Index XAU PHLX Gold und Silber 2018 13,5 Prozent (in Euro) und 17,1 Prozent (in US-Dollar) verloren. Allerdings hat er sich im Dezember 2018 um 9,6 Prozent erholt. Ich gehe von einer Fortsetzung dieser Entwicklung aus.

Bei den festverzinslichen Wertpapieren hat die Hybrid-Anleihe von Südzucker International Finance einen überproportionalen Kursrückgang nach der Rückstufung auf Baa3/p-3 durch Moody’s durchlaufen. Die Anleihe verzinst sich vierteljährlich variabel mit 3-Monats-Euribor plus 3,10 Prozent p.a. Bis zum 31.Dezember 2018 war der Zins auf 2,781 Prozent p.a. fixiert. Trotz des schwierigen Marktumfelds im Zuckergeschäft aufgrund der globalen Überproduktion sehe ich weder das Unternehmen noch die für die Zinszahlung wichtige Cashflow-Klausel (Cash- flow/Umsatz > 5 Prozent) für 2018/19 gefährdet. Wir kaufen am Montag die Anleihe für 5 Prozent in das Portfolio.

Auf folgende Faktoren werden wir 2019 achten:

Handelskrieg

Der Handelskrieg zwischen China und den USA kann 2019 zu einem stärkeren US-Dollar, einem schwächeren Renminbi, geopolitischen Spannungen und einem niedrigeren globalen Wachstum führen. Außerdem wird die Einführung von weiteren Zöllen eine höhere Inflationsrate mit sich bringen und anschließend zu fallenden Aktienmärkten führen. Ein Handelskrieg wird auch das Wirtschaftswachstum in China nach Angaben des Internationalen Währungsfonds um 2 Prozent schmälern. Nach der Finanzkrise von 2008 war China die Wachstumslokomotive. Es ist fraglich, ob China in einem Handelskrieg noch einmal diese Mittel aufbringen will oder kann. Ich gehe davon aus, dass der Krieg offiziell mit einem faulen Kompromiss beendet wird, aber im Stillen weitergeht.

Zinsen

Die USA und Europa haben das Ende des billigen Geldes und der überschäumenden Liquidität eingeläutet. Das größte Risiko ist ein überraschendes Ansteigen der Inflation. Bei einem solchen Anstieg würden die US-Zinsen und der US-Dollar steigen und es käme wohl zu einer Korrektur an den Aktienmärkten. Die Schwellenländer hätten dann Probleme ihre in US-Dollar denominierten Schulden zurückzuzahlen. Der Protektionismus würde sich verschärfen. Da ein weiteres Anheben des Zinssatzes aber von einer guten Konjunktur in den Industrieländern abhängt, gehe ich davon aus, dass die wirtschaftliche Entwicklung an Tempo verliert und Anleihen ein besseres Jahr als Aktien haben werden. Auch Schwellenländeranleihen sollten von diesem Szenario profitieren.

 Brexit, Italien, Zuwanderungsfeindlichkeit, separatistische Bewegungen

Europa hat eine Reihe von speziellen Problemen. Kommt noch eine Abkühlung der Wirtschaft hinzu, werden sich alle Probleme verschärfen. Obwohl es heißt, dass politische Börsen kurze Beine haben, kann die Vielzahl der Probleme zu einer Konsumreduzierung mit entsprechend negativen Auswirkungen an den Börsen führen. Können die Politiker allerdings Lösungen erzielen, kann – da in Europa das Ertragswachstum schwächer war als das Wirtschaftswachstum – eine Erholung der Unternehmensgewinne kombiniert mit Optimismus zu steigenden Aktienkursen führen. Ich sehe hierfür allerdings keine große Chance.

Lassen Sie uns dennoch weiter optimistisch in die Zukunft schauen, denn wir leben in Deutschland und der Schweiz auf einem weltweit hohen Niveau. Des wegen wollen so viele Menschen verständlicher weise an diesem Wohlstand partizipieren.

Mit freundlichen Grüßen

Ottmar Beck

 Dax: -18,26% – Euro Stoxx 50 P: -12,03% – SMI: -10,15% – RexP: 1,46% – SBI: 0,72% – Gold(in US$): -3,11%

per 31.12.2018

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