Deutsche Commerzbank - Fusions-Idiotie!


Auf den von mir verfassten Beitrag vom 13. September 2018 unter dem Titel „Deutsche Commerzbank ??“ wird Bezug genommen.

Da haben wir sie wieder, meine Freunde die Investmentbanker, die nichts unversucht lassen, um das idiotische Fusionskarusell Deutsche Bank / Commerzbank wieder aufleben zu lassen.

Wie das Handelsblatt am 27. Februar 2017 mit dem Titel „Schwindender Widerstand „ berichtete, haben einige mächtige Aktionäre/Investoren eine Übernahme  der Commerzbank durch den größeren Frankfurter Nachbarn, die Deutsche Bank, neu bewertet.

Am deutlichsten fällt die Neubewertung nach Informationen des Handelsblattes beim US-Finanzinvestor Cerberus, einem Hort von Investmentbankern, aus, welcher zu den größten Anteilseigner bei beiden Häusern zählt.

Größter Aktionär der Commerzbank ist der Bund mit gut 15%. Die Bundesregierung hat Insidern (?) zufolge bereits mehrfach deutlich gemacht, dass Sie einer Fusion der beiden Institute positiv gegenüber steht.

Eigentlich ist diese Einstellung der Bundesregierung nicht verwunderlich, hat doch der Sozialdemokrat und Bundesfinanzminister Scholz einen Investmentbanker erster Güte, Herrn Dr. Jörg Kukies, zu seinem Staatssekretär ernannt. Herr Dr. Kukies hat nach seinem Studium von 2001 bis April 2018 nur bei Goldman Sachs gearbeitet und war zuletzt Co-Vorsitzender des Vorstands, Goldman Sachs AG und Leiter der Zweigniederlassung Frankfurt der Goldman Sachs International. Mit Herrn Dr. Kukies haben nun auch die Goldmänner einen unbezahlbaren Einblick in die Finanzdispositionen des Finanzministeriums und damit sehr großen Einfluss auf den Bundesfinanzminister Scholz, dem man in Sachen Banken und Wertpapieranlagen keine allzu große Expertise nachsagen kann.

Aber hat Goldman Sachs nicht den Griechen geholfen, ihre Schulden in die Zukunft zu verlagern, sie einfach verschwinden zu lassen zu Lasten des Euro-Finanzsystems? War Goldman Sachs nicht einer der wichtigsten Vorbereiter und Akteure der Finanzkrise in 2008, welche weltweit einen zweistelligen Billionenschaden angerichtet und den Steuerzahlern weltweit in die Taschen gegriffen hat?  Und  nun mischt Goldman Sachs auch in der Bundespolitik mit!

Aber zurück zur Fusions-Iidiotie. Beim Studium dieses Presseartikels des Handelsblattes  wird man nicht das Gefühl los, dass es Cerberus und den übrigen Investoren – letztlich nur eine winzig kleine Gruppe –  nur darum geht, die Aktienkurse beider Häuser zu puschen, da Fusionen mit den aberwitzigsten Begründungen stets zu einer Kurs – Rallye geführt haben und damit zu allerlei Nebengeschäften (Wetten!) solcher Hedgefonds. Jetzt werden vor allem der rasante technologische Wandel und deren hohe Kosten ins Feld geführt und man übersieht dabei geflissentlich, dass eine solche Umsetzung bei großen Häusern, die zudem auf Jahre hinaus durch eine Fusion gelähmt wären, vielfach schwieriger ist als bei kleinen und dynamischen Häuser. Ganz zu schweigen von der äußerst schwierigen Integration der beiden IT-Systeme.

Verwunderlich ist auch, dass der Sozialdemokrat Scholz nicht die Menge der hohen Sozialkosten durch die Freisetzung von Bankpersonal sieht, die uns Steuerzahlern wieder auf die Füße fallen würden und das nur, damit nur wenige Investoren ihre kurzfristigen Renditewünsche erfüllt bekommen. Wie sich diese Fusion aber auf den Wettbewerb und damit auf die Volkswirtschaft insgesamt auswirken werden,  ganz zu schweigen von der  dahinsiechenden Dynamik des fusionierten Instituts, ist diesen Hedgefonds-Geiern völlig schnuppe.

Der letzte Absatz in diesem Handelsblatt-Artikel bringt diese Fusions-Idiotie wieder auf den richtigen Boden zurück. Gemäß Aussage der Fondsmanagerin Alexandra Annecke von der Union Investment käme aus einer Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank derzeit eine im internationalen Vergleich  relative kleine Bank heraus – mit einer nach wie vor recht geringen Profitabilität und einem Berg von unerledigten Problemen aus der Vergangenheit.

Hier kann man die Bilanzsummen beider Häuser nicht einfach zusammen zählen, da viele Überschneidungen u.a. in der Kundenstruktur  (viele Unternehmen unterhalten in beiden Häusern Konten) zu einer massiven Reduzierungen  der Bilanzsummen und damit der Größe führen würden.

Kürzlich ließ mich ein Vorstandsvorsitzender einer Volksbank wissen, dass er eine solche Fusion mit Freude sieht, da er dann mit einem weiteren Zulauf von Kunden aus beiden Häusern rechnet, Ebenso werden es auch die Sparkassen sehen.

4. März 2019

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”




BREXIT - purer Nationalismus


Der BREXIT in Groß-Britannien ist ein Ergebnis von falscher und populistischer Propaganda der britischen Nationalisten, die sich wieder das alte Kolonialreich damit zurück wünschen. Das ist eine rückwärts  gerichtete Denke des 18-ten Jahrhunderts.

Letztlich ist der BREXIT ein gutes Beispiel dafür, was ein purer Nationalismus anrichtet, nämlich Chaos. Dieses haben wir im letzten Jahrhundert – angezettelt von Deutschland – schon mehrmals erlebt.

Andererseits müssen sich die Brüsseler Europapolitiker fragen, wie es zu diesen sich in Europa ausbreitenden Nationalismus kommen konnte? War es nicht vielleicht die übermäßige  Gleichschaltung der unterschiedlichen Kulturen in Europa, welche von der Geldpolitik der EZB noch gefördert wurde?

Ein großes Feld.

Ohlsbach, den 31.1.2019

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

 




Reaktionen - OGI Oil & Gas Invest AG


Am 18. Februar 2015 veröffentlichte ich eine Risikoanalyse zu OGI Oil & Gas Invest AG  (zu finden unter Research : “OGI Oil & Gas Invest AG” ).

Diese Analyse endete mit der Empfehlung an die einem solchen Investment zugeneigten Anleger, sich alle, in dieser Analyse  aufgezeigten Defizite/Fragen, welche normalerweise der Anleger vor der Eingehung eines Investments wissen sollte, belegen zu lassen, da es mir nicht gelungen war, diese beantwortet zu bekommen.

Am 28.10.2018, also bald 4 Jahre später erhielt ich dann von Herr Wagentrotz nachfolgendes E-Mail:

 

“Sehr geehrter Herr Emde,

bitte nehmen Sie den o.a. Artikel über mich vom Netz, da ich mich sonst genötigt sehe, gegen Sie eine gerichtliche Einstweilige Verfügung zu erwirken.

Ich bin schon seit 2015 nicht mehr Vorstand der OGI AG. Der Vertrieb des  Nachrangdarlehen wurde Ende 2015 eingestellt. Ihre weiteren Behauptungen entbehren jeglicher Grundlage und sind gänzlich obsolet.

Ich setzte Ihnen hiermit eine Frist bis zum 10. November 2018.

Sollte Ihr o.a. Bericht dann immer noch in den Suchmaschinen erscheinen, übergebe ich die Angelegenheit meiner Anwaltskanzlei.

Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Wagentrotz”

 

Den weiteren (unsachlichen) Schriftverkehr hierzu möchte ich dem geneigten Leser ersparen, allerdings bleibt zu diesem E-Mail / zu dieser Drohung folgendes anzumerken:

Vorab muss darauf hingewiesen werden, dass die Oil & Gas Invest AG am 6. Juni 2018 Insolvenz anmelden musste. Das Verfahren wurde am 15.Juni 2018 eröffnet.

Wie man aus diversen Berichterstattungen zu OGI Oil Investment AG / zu Jürgen Wagentrotz entnehmen konnte, mussten am 22. Mai 2015, also drei Monate nach meinem Blogbeitrag/meiner Risikoanalyse, auf Verfügung der Bonner Finanzaufsicht (Bafin) die zu diesem Zeitpunkt eingesammelten Nachrangdarlehen mit Garantie des Alleinvorstands Jürgen Wagentrotz in Höhe von €4,5 Millionen zurück gezahlt werden, da bei Nachrangdarlehen ein solches Garantieversprechen nicht erlaubt ist.

Somit muss man Herr Wagentrotz dies positiv anrechnen, dass er dann – wenn auch nach Verfügung der Bafin –  dieses Garantieversprechen eingehalten hat.

Danach scheinen dann Nachrangdarlehen ohne Garantieversprechen des Herrn Wagentrotz aufgelegt worden zu sein. Wenn die Berichte stimmen, müssen jetzt 500 Zeichner  von € 58 Millionen Nachrangdarlehen, Unternehmensanleihen und Wandelschuldverschreibungen nach der Anmeldung der Insolvenz um Ihr Geld bangen.

Entgegen der Behauptung von Herrn Wagentrotz, dass er „seit 2015“ (Anfang oder Ende 2015?) nicht mehr Vorstand  der Ogi AG ist (gemeint ist damit anscheinend die Oil & Gas Invest AG), ergab meine Recherche allerdings, dass Herr Wagentrotz von 2012 bis Oktober 2017 die Funktion des Vorstandsvorsitzenden der Ogi Oil & Gas Investment AG eingenommen hatte, allerdings mit Unterbrechung vom Oktober 2015 bis Mai 2016, in welcher ein Grafiker (?) den Vorstandsvorsitz innehatte (nachzulesen im einem Interview, welches Herr Wagentrotz der „Samstags Zeitung“ am 8.6.2018 gegeben hat) .

Bereits im Dezember 2017 (2 Monate später) hat dann der neue  Vorstandschef Herr Schilz die 500 Zeichner um ein Moratorium gebeten und die Zinszahlungen ausgesetzt

Insofern kann sich Herr Wagentrotz nicht aus der Verantwortung stehlen mit seiner Behauptung, dass er 2015 aus dem Vorstand ausgeschieden sei. Nach Rückzahlung der von ihm garantierten Nachrangdarlehen wurden Anlagegelder – gemäß Presseberichten – in Höhe von € 58 Mio aufgenommen u.a.  über echte Nachrangdarlehen. Und es ist kaum vorstellbar, dass diese € 58 Mio. Anlagegelder in 2 Monaten, d.h. vom Oktober 2017 bis Dezember 2017, in welcher Herr Wagentrotz nicht mehr Vorstandschef war, eingesammelt wurden.

Somit bleibt mit Spannung abzuwarten, zu welchem Ergebnis der Insolvenzverwalter kommen wird.

Es ist doch immer wieder erstaunlich, welche abenteuerliche Investments die Anleger eingehen und dann jammern, wenn Sie Geld verlieren. Bei vielen scheint der gesunde Menschenverstand von der Dummheit der Gier überdeckt zu werden.

10. November 2018

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

 

 




Bankenmisere


In 2003 verfasste ich folgende Analyse unter dem Titel

“Kartell der Schönfärber oder die McKinsey / Boston Consult Connection”

welche die damalige Situation der Geschäfts-/Grossbanken schilderte.

Festgehalten werden kann, dass sich an dieser Situation wenig geändert hat und die Gross- / und Geschäftsbanken immer noch mit den alten Problemen kämpfen, verschärft durch das online-Banking und die katastrophale Geldpolitik der EZB.

Die Banken in Deutschland, insbesondere die Geschäfts-/Großbanken mit einer über hundert Jahre alten Tradition und Geschichte, befinden sich derzeit in einer ihrer schwersten, ja sogar existenzgefährdendsten Situation. Innerhalb weniger Monate müssen Milliarden-Euro-Verluste hingenommen werden, Stellenabbau im großen Stil und damit Unterstützung des negativen wirtschaftlichen Trends ist das weitere Ergebnis. Obwohl sich die Wirtschaft noch nicht in einer Rezession befindet, die Banken in der Vergangenheit aber schwerste Rezessionen ohne größere Blessuren überstanden/überlebt haben, fragt man sich, warum gerade die Banken nur in Deutschland mit solch katastrophalen und existenzgefährdenden Ertragseinbrüchen zu kämpfen haben.
Die Gründe hierfür liegen schon einige Jahre zurück und haben ihren Ursprung etwa Mitte der 90er-Jahre im Zuge der shareholder-value-Hysterie, massiv angeheizt aus dem angelsächsischen, insbesondere dem US-amerikanischen Raum, dem Sitz vieler bekannter Investmentbanken und vor allem von Unternehmensberatungsgesellschaften, an vorderster Front McKinsey und Boston-Consult.
Diese über sehr eloquente und rhetorisch begabte Berater verfügende Gesellschaften schafften es in Co-Produktion mit den sie beratenden Investmentbanken wundersamer weise, nahezu sämtliche Vorstände der deutschen Banken von einer Neugestaltung der deutschen Bankenlandschaft zu überzeugen, eben um den „shareholder-value“ zu erhöhen. Strategie war nunmehr das Zauberwort, an welchem kräftig gearbeitet und gebastelt wurde und welches „Analysten“, insbesondere Moody’s und Standard Poor für eine positive Berichterstattung einforderten.
Der Analysten-Wahnsinn begann.
Heraus kam aber überall dasselbe Produkt, nämlich ein Kosteneinsparungsprodukt (was denn sonst!), genannt auch Zentralisierung und Personalabbau, hauptsächlich im Kreditsektor. Verkauft wurde es als „Bündelung der Kräfte“ / „Verkürzung der Entscheidungswege“ und führte dazu, dass lokale Expertisen abwanderten und man ältere und erfahrene Banker – inzwischen zu teuer geworden – im Zuge der damit einhergehenden Filetierung der Bereiche und Schaffung neuer Stabsstellen in die Wüste des für die Bank zu teuren Vorruhestands schickte und sie durch deutlich jüngere, angeblich „dynamischere“, aber dafür in allen Belangen unerfahrenere Kollegen, ausstaffiert mit Einser-Abitur, Top-Studien-Abschlüssen und Eloquenz ersetzte. Dieser Jugendwahn gipfelte letztlich darin, dass es zum guten Ton eines Bankhauses gehörte, junge Banker weit unter vierzig, ausgesucht und durchgecheckt von McKinsey/Boston-Consult, mit wenig Kunden- und Markterfahrung in den Vorstand zu berufen, dienten sie, ausgestattet mit einem Schnellkursus im Kreditgeschäft, jedoch nur den Vorstandsvorsitzenden als wohlgesinntes Stimmvieh.

In dieser Zeit fanden eine Menge Unternehmensberater dieser Gesellschaften, letztlich die Karrierebereiter dieser „New Generation“, einen neuen wohl dotierten Job bei diesen Banken, hatten sie doch diese neue Philosophie umzusetzen, was sie dann auch in jugendlicher und weltmeisterlich dilettantischer Art vollzogen.
Nur noch Banker weit unter vierzig, eloquent und dynamisch oder Quereinsteiger aus dem Dunstkreis dieser amerikanischen Unternehmensberatergesellschaften waren gefragt, hatten die besten Karrierechancen und wurden nunmehr in die wichtigsten Entscheidungsgremien der Banken berufen. Diese verfuhren dann ähnlich wie ihre Karrierebereiter und besetzten die weiteren Führungspositionen ebenfalls mit diesem jungen Muster. Am Ende hatte man das Gefühl, dass die Banken nur noch Mitarbeiter um die dreißig, höchstens Anfang vierzig beschäftigten. Selbst die bei NTV zu Wort kommenden Analysten der diversen Banken erweckten den Eindruck von Studienabgängern.

Das Pech dieser neuen Philosophie bestand aber nun darin, dass zwar die Bruttoerträge in gewohnter Weise zwar stiegen, die Nettoerträge aber weit hinter den Erwartungen blieben, sogar ins Negative abrutschten. Die Strategen hatten nicht bedacht, dass Zentralisierung sowie die Neugestaltung von zusätzlichen Fachbereichen zu übergroßen Wasserköpfen und hohen Reibungsverlusten führten, grundsätzlich übermäßig mehr Bürokratie bedeuten und damit deutlich höhere Kosten verursachten. Des Weiteren verursachte der Personalabbau in Kredit-Back-Office zusammen mit den nunmehr blauäugigen jungen Kundenbetreuern zu ansteigenden Wertberichtigungen im Kreditgeschäft.

Glücklicherweise überdeckte die durch die theoretisch hoch gebildeten, aber praktisch total unerfahrenen Analysten und Investmentbanker angeheizte positive Stimmung auf den Neuen Markt diese Fehlleistungen, beschleunigte allerdings den Abbau der traditionellen Bankgeschäfte, im Wesentlichen das Kreditgeschäft (wegen der Wertberichtigungen). Dieses Traditionsgeschäft lag den auf schnelles Geschäft geeichten (Investment-)Bankern aufgrund der Kompliziertheit dieser Materie sowieso nicht. Zudem hatten doch „kluge“ und im Wesentlichen jugendliche McKinsey/Boston-Consult Berater herausgefunden, dass das Kreditgeschäft alleine betrachtet unrentabel wäre und man deshalb doch das Provisionsgeschäft, sprich das viel profitablere Wertpapiergeschäft den Vorzug geben sollte.
Kreditgeschäft war somit total out und war nur noch mit hohen Kreditmargen genehmigungsfähig. Die New Generation hatte jedoch noch nicht erfahren und erlebt, dass hohe Kreditmargen hohes Kreditrisiko bedeuten, ebenso im Übrigen auch hohe Renditen im Wertpapiergeschäft durch zu großer Beimischung von risikoreichen Aktien, die hochgejubelte Wunderwaffe des Anlagespektrums. Mit dieser jugendlichen Blauäugigkeit wurde aber eine Basis geschaffen, welche zu der heutigen katastrophalen Situation u. a. führte.

Als Äquivalent für das rückläufige Kreditgeschäft wurde dann massiv in den personellen Ausbau des Investmentbankings investiert, galt es doch nunmehr als die neue Königsdisziplin des Bankgeschäfts.
Der neue Karriereweg lautete: Man muss Investmentbanker sein, kein Deutsch können und vor allem das Glück der späten Geburt haben,   d. h. unter vierzig oder gerade mal vierzig sein.

Investmentbanker tauchten somit in den Entscheidungsgremien auf und gaben, bzw. geben immer noch den Ton an.

Diese goldene Zukunft währte allerdings nur eine kurze Zeit und fand ihren jähen Absturz im Frühjahr 2000. Hektische Fusionsgespräche zuerst mit der einen und dann mit der anderen Bank war die Folge und wurden verkauft als „Schaffung von Schwergewichten mit akzeptablem Marktanteil“ und „genügender Rendite“. Nachdem diese Gespräche scheiterten suchte man sein Heil in einem weiteren und verstärkten Ausbau des Investmentbankings, kaufte zu völlig überteuerten Preisen „Investmentboutiquen“, insbesondere aus Amerika hinzu, obwohl sich auf diesem Markt das Investmentbanking bereits in einem Absturz befand.
Traditionell profitable Bereiche wurden daraufhin mit dem Investmentbanking verschmolzen, diesem dann auch noch untergliedert zwecks Überdeckung des äußerst defizitären Investmentbankings. Graben-kämpfe zwischen den Investmentbankern und den Corporate-Bankern (Firmenkundenbetreuern) waren die Folge und lähmen derzeit die Banken zum großen Schaden der Kunden und der Volkswirtschaft.
Das Privatkundengeschäft erlebte in dieser Zeit ebenfalls ein Bad der Gefühle. Einmal war es der Verlustbringer, wurde aufgeteilt und mit neuem Namen versehen zwecks evtl. Verkaufs, das andere Mal war es dann wieder der Dividendenzahler und das ertragsreichste Segment. Zu guter Letzt „erhöhte“ (?) man die Vertriebskraft (?) durch Schließung von ohnehin in der Fläche mager vertretenen Filialen (?).
Die Auswirkungen dieser dilettantischen Fehlleistungen und Kostenproduktionen sind ganz klar an der Börsenentwicklung abzulesen. Seit März 2000 brach die Börsenblase zusammen, sei Anfang 2000 wurde den jugendlichen Bankern klar, dass operativ die von den Angelsachsen vorgegebenen Renditen von 15% im Kreditgeschäft nach Steuern keinesfalls zu erreichen waren. Der Verkauf von eigenen Wertpapierbeständen zwecks Beschönigung der Ertragslage / Aufdeckung der stillen Reserven wurde sukzessiv schon in 1999 gestartet und damit der negative Börsentrend permanent bis heute aufrechterhalten, vielleicht sogar damit ausgelöst.
Bestes Beispiel hierfür zeigte vor wenigen Monaten die Deutsche Bank, welche bei sehr niedrigen Kursen von Daimler Benz einige Prozent Anteile an der Börse sukzessive platzieren konnte. Wie groß muss in diesem Bankhaus, welches unverändert auf das Investmentbanking global setzt, der Druck sein? Es liegt die Vermutung nahe, dass aufgrund der sehr negativen Erfahrungen vieler Depotkunden zusammen mit den Großpleiten in den USA die Börse auf Jahre hinaus von einer Vertrauenskrise und somit Lethargie überschattet sein wird. Ärgerlich für viele Depotkunden ist nur, dass am Schalter wider besseren Wissens permanent von Einstiegskursen gesprochen wurde und diese damit zur Schönfärbung der Bankbilanzen beigetragen haben.
Das i-Pünktchen dieser Geschichte ist die vorgesehene Einführung der Grundsätze nach Basel II, denen bereits die MAK’s (Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft), beraten und beschlossen mit Unterstützung der „angelsächsisch angehauchten New Generation à la Boston-Consult/McKinsey“, voraus eilten. Absicht dieser Mindestanforderungen ist die künftige Vermeidung von Kreditrisiken und dient letztlich nur den zwischenzeitlich in allen Gremien der Banken vertretenen Investmentbankern als Alibi, das nicht geliebte Kreditgeschäft auf nur äußerster Sparflamme zu fahren. Das Prekäre an diesen MAK’s ist jedoch die Trennung von Kreditvertrieb und Kreditentscheidung, bedeutet unterm Strich Kreditentscheidung durch introvertierte und unternehmerisch nicht qualifizierte Bankmitarbeiter, die diese Zuschiebung der Verantwortung nicht zu ihrem Berufsziel auserkoren hatten. Worst Case ist daher vorsichtshalber die Richtschnur dieser jungen, jetzt auch Analysten genannten Banker, welche diesbezüglich unterstützt werden durch pseudowissenschaftliche und auf Ablehnung geeichte, aus den USA eingekauften Ratingsysteme. Die stark negativen Auswirkungen auf die Volkswirtschaft werden nicht ausbleiben, bzw. zeigen bereits sehr negative Wirkungen.
Was ist zu tun? Die Filetierung des Bankgeschäfts nach amerikanischem Muster hat zu großen Wasserköpfen, zu Entscheidungsnotstand und hohen Kosten geführt. Druck in allen Bereichen und übermäßiges, nicht zielführendes Kostendenken ist an der Tagesordnung und führt zu weiteren Fehlentwicklungen. Ein sukzessiver Rückbau ist angesagt durch Implementierung der verloren gegangen Selbstverantwortung in den Filialen als Einheit und einer schon lange eingeforderten verlässlichen und leistungsbezogenen Vergütung der Mitarbeiter.
Das Investmentbanking kann nicht das beherrschende Modul des Bankgeschäftes sein, es ist und bleibt ein Spezialgebiet mit hoher spezieller Expertise, zumal der Kapitalmarkt anscheinend auf Jahre hinaus nicht mehr die Bedeutung haben wird, welche für das Investmentbanking benötigt wird. Darüber hinaus denken Investmentbanker nur transaktionsbezogen und nicht ausgerichtet auf die Schaffung einer langjährigen positiven Kundenbeziehung.
Hinsichtlich des Kreditgeschäftes, der Türöffner für viele Provisionsgeschäfte, muss es wieder möglich sein, die unternehmerische Kompetenz der Kreditnehmer höher zu bewerten als bisher. Schlechte Bilanzen werden durch gutes Management wieder besser, gute Bilanzen werden durch schlechtes Management wieder schlechter. Im Kreditbereich aus Kostengesichtspunkten noch weiter abzubauen ist der falsche Weg. Aufbau diesbezüglicher Kapazitäten zwecks professionellem Handling des immer bestehenden Kreditrisikos ist der richtige Weg.

Ob diese Maßnahmen/die Sanierung mit den derzeit bekannten und für diese Entwicklung verantwortlichen Vorständen, intern schon mit den Spitznamen „executive-boys“ tituliert, von Erfolg gekrönt sein wird, muss sehr stark bezweifelt werden. Vor allem sollten sich die Banken von diesem Jugendwahn verabschieden, Jung und Alt wieder mischen und sich dann auf ihren eigenen unternehmerischen Sachverstand zurückbesinnen und nicht wie dummer Lämmer jeder modischen McKinsey/Boston-Consult Empfehlung hinterherzurennen, zumal diese Empfehlungen jeder Bank angeboten werden. Die Empfehlungen der amerikanischen Berater insbesondere von McKinsey, welche – O-Ton-FAZ –„ zu den wichtigsten Beratern der in Schwierigkeiten steckenden deutschen Banken gehören“ (!!!!!!!) und somit die Auslöser dieser Bankenmisere sind, sollten schleunigst in den Papierkorb wandern.

10. September 2018

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”




Trumps ärgster Feind


…nämlich die Bildung.

Bildung ist Frieden stiftend, Bildung erhöht den Wohlstand und Bildung ist der ärgste Feind des Populismus, denn dieser greift nur bei der Masse an Personen minderer Bildung .

Nicht ohne Grund zerstören die Taliban die Schulen reihenweise, um das afghanische Volk nur die radikale Denkweise des Islam näher zu bringen und nicht ohne Grund hat die katholische Kirche die Verbreitung der gedruckten Bibel mit allen Mitteln versucht zu verhindern, um nicht das Meinungsmonopol über den Glauben und damit die Macht über die Menschen zu verlieren. Es gab sogar Zeiten, in denen Menschen hingerichtet wurden, wenn sie übersetzte Bibeln in der Landessprache abgedruckt und verkauft hatten.

Schaut man nun rüber in die Vereinigten Staaten, was derzeit nur ein verstörter Blick sein kann, wo Trump den Bildungsetat  nun um 13% = 9 Milliarden US$  zugunsten der Aufstockung des Militärbudgets kürzen wird, beschleichen einem ähnliche Gedanken. Schon jetzt müssen dort die Schüler mit Jahre alten Geschichtsbücher auskommen, die nicht einmal den tragischen 9/11 Anschlag  vom 11.September 2001 beinhalten.

Das Bildungssystem in den USA war bisher schon sehr schlecht,  – in der PISA Studie liegen die USA auf Platz 25 – und mit dieser neuerlichen Streichung des Budgets wird es sicherlich nicht besser.

Wen wundert es, haben doch die USA einen Populisten der reinsten Art als Präsidenten, dessen Bildungsquotient vermutlich sehr tief liegt (hat erst kürzlich die US-Flagge in einem Kindergarten falsch ausgemalt). Jeder vernünftige Mensch weltweit fragt sich, wie ein solcher Flegel-Typus Präsident der Vereinigten Staaten werden konnte. Die Antwort liegt sicherlich im nicht sehr hohen Bildungsstand der US-Bürger, welchen nur wenige mit sehr viel Geld genießen dürfen.

Das erklärt auch, warum Trump den Bildungsetat gekürzt hat und weiter um 5%  kürzen will. Ein weiterer Schritt, um seine Stellung als Präsidenten zu sichern, denn nur Bürger minderer Bildung werden ihn wählen. Arme USA.

4. September 2018

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”