Capital Group Festgeldanlagen


Anfang Mai wurde ich wieder mal von einer freundlichen Dame telefonisch auf eine Festgeldanlage angesprochen, welche mir Zinssätze von 4,9% für Festgeldanlagen mit einer Laufzeit von 12 Monaten angeboten hatte. Diese weit über dem Markt liegenden Festgeldkonditionen regten meine Neugier an; ich wollte feststellen, welcher Anbieter dahintersteckt.

Prompt kam ein E-Mail von der Capital Consulting, einer „Agentur, die keine Fragen offen lässt“ (damit wird auf der homepage der Capital Consulting geworben), was sich aber bald als eine falsche Aussage herausstellte.

Kapitalnehmer des Festgeldes sollte gemäß den zuerst übersandten Unterlagen die „Capital Group“ sein, welche damit  das Tochterunternehmen „GovtechTM , Bethesda/Maryland/USA“ finanzieren würde. Die „GovtechTM“ wäre das einzige Versicherungsunternehmen, das sich auf staatliche IT-Auftragnehmer spezialisiert hat und würde somit Versicherungslösungen anbieten, die ausschließlich  auf IT-Auftragnehmer von Regierungsbehörden  und Technologieunternehmen abzielt und sich hauptsächlich auf Verträge des Bundes und der Länder konzentriert.

Diese Aussage klang zunächst nicht schlecht, obwohl der vergangene shut-down des Herrn Trump mich hierbei etwas skeptisch werden ließ, so dass ich die freundliche Dame bat, mir den entsprechenden Festgeldvertrag zukommen zu lassen.

Daraus konnte ich dann entnehmen, dass der Kapitalnehmer des Festgeldes die „Capital Group (ohne Rechtsbezeichnung) in Warschau/Polen wäre. Angabe gemäß wäre das eine selbstständige Zweigniederlassung der Capital Group Inc., welche speziell für die Kunden und Investoren aus dem europäischen Raum aufgebaut worden wäre.

Da somit der Kapitalnehmer keine europäische Bank ist, wodurch € 100.000 grundsätzlich abgesichert wären, verlangte ich nach einem Bonitätsurteil dieser Zweigniederlassung oder – da naheliegend – eine Garantie der Konzernmutter bzw. auch dann eine Bonitätsaussage zur Konzernmutter, welche naturgemäß auch eine Übersicht zur Konzern-Struktur, wie sich die Capital-Group zusammensetzt, enthalten müsste.

Diese Anfragen wurden bisher nicht beantwortet, auch auf meine E-Mail –Erinnerung vor knapp 14 Tagen nicht (siehe oben).

Bonitätsaussagen zur Capital Group Inc. sind äußerst mager, ein Rating der bekannten Ratinggesellschaften konnte ich nicht finden. Somit ist meines Erachtens Vorsicht angesagt.

Der geneigte Investor, welcher bei der Capital Group sein Erspartes u.a. in Form von Festgeld und dann noch in Warschau anlegen möchte, sollte ebenfalls diese Bonitätsfragen stellen und bei unbefriedigenden Antworten lieber darauf verzichten.  Im worst-case Gelder aus dem Ausland wieder zurück zu bekommen ist zudem sehr mühsam, zeitintensiv und fraglich.

Ich erinnere hierbei wiederholt an den von vielen nicht wahrgenommenen Umstand, dass der Festgeldgeber ein Kreditgeber und der Festgeldnehmer der Kreditnehmer ist. Somit ist das ein reines Kreditgeschäft und der Kreditgeber sollte sich über die Bonität des Kreditnehmers in Kenntnis setzen, um das Risiko seiner Anlage feststellen zu können.

Die Capital Group ist eine US-amerikanische Investmentgesellschaft und diese sind grundsätzlich risikoreichen Engagements nicht abgeneigt.

19. Juni 2019

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”




Deutsche Bank Fake Eigenkapitalquote


Eigentlich ging ich bis dato davon ausgegangen, dass Wirtschaftsredakteure den Unterschied zwischen Eigenkapitalquote und Kernkapitalquote kennen. Dem ist aber anscheinend nicht so!

Erst kürzlich erschien in dem von mir sehr geschätzten Handelsblatt ein Presseartikel unter der Überschrift „Bloß keine Kapitalerhöhung“ und berichtete über die Absicht der Deutsche Bank, ihren Kapitalpuffer zu reduzieren.

Dabei wurde von einer Eigenkapitalquote von 13,7% berichtet und in einem Diagramm sogar noch groß und in Farbe herausgestellt.

Analysiert man dagegen die Konzernbilanz der Deutsche Bank per 31.12.2018, ergibt sich aber ein völlig anderes Bild und zwar wie folgt:

Bilanzsumme: T€ 1.348.137

Eigenkapital:  T€ 68.737 (inkl. zusätzlicher EK-Bestandteile von T€ 4.675!), daraus ergibt sich eine

Eigenkapitalquote von 5,098%.

Bei einer Eigenkapitalquote von 13,7% bei einem Eigenkapital von T€ 68.737 müsste die Bilanzsumme der Deutsche Bank T€ 501.730 betragen.

Somit stellen die 13,7% nur die so genannte Kernkapitalquote dar, welche hier aus einer um das risikolose Vermögen in Höhe von T€ 846.407 reduzierten Bilanzsumme von T€ 501.730  errechnet wird.

Ob diese T€ 846.407 Vermögenswerte oder anders ausgedrückt 62,78% der originären Bilanzsumme wirklich risikolos sind, mag glauben wer will, dürfte aber nicht der Realität entsprechen. Somit wird der Deutsche Bank eine Kapitalstärke zugemessen, welche nicht vorhanden ist.

Auf Basis dieses – sagen wir mal Buchungstricks –  will die Deutsche Bank jetzt  sogar noch den Kapitalpuffer reduzieren, vermutlich zu Gunsten meiner „Freunde“, den Investmentbankern, die mit hohen Abfindungen oder Bleibegeldern abgefunden werden (müssen oder sollen). In den früheren Jahren hatte man für die Investmentbanker stets das Kapital erhöht und wenige Wochen danach größtenteils an diese Herren wieder ausgeschüttet. Bei dem jetzt sehr niedrigen Kurs = Ergebnis der Ausbeutung durch die Investmentbanker, funktioniert eine Kapitalerhöhung nicht mehr, so dass man aus der noch vorhandenen Substanz die Investmentbanker bedienen will. Das ist keine seriöse Vorgehensweise einer Bank.

Eine solche Nachricht bezogen auf die Kapitalstärke der Deutsche Bank kann man nur als Fake-Nachricht bewerten. Da ich das Handelsblatt aber für seriös halte, gehe ich davon aus, dass dieser Fauxpas nicht absichtlich, sondern der Hektik des täglichen Journalismus geschuldet ist. Nobody is perfect!

Man sieht aber, wie schnell falsche Meldungen/Fakten in die Köpfe renommierter Journalisten Eingang finden, man muss diese falschen Fakten nur oft wiederholen. Ein beliebtes Mittel des Fake Präsidenten Trump.

5. Juni 2019

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”




Minus Investoren


Es ist doch  erstaunlich bzw. nicht nachvollziehbar, wie die absurden Höhen von  Unternehmensbewertungen zustande kommen, obwohl diese Unternehmen in der Vergangenheit – und das schon jahrelang –  gezeigt haben, dass sie nicht fähig sind, Gewinne zu erwirtschaften, sondern nur hohe Verluste.

Bestes Beispiel ist der Fahrdienstleister Uber, welcher in den vergangenen Jahren folgende EBITDA`s  – und das ist schon ein geschönter Ertragsparameter, da dies der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ist  – ausgewiesen hat:

Jahr

EBITDA in Mio. US$ *)
2014  -633
2015  -1.262
2016 -2.676
2017 -3.570
2018 -2.607

*)Quelle Bloomberg

Ob diese hohen Defizite nur mit den über eine Plattform angebotenen Fahrdienstleistungen in Gewinne umgewandelt werden können, ist fraglich. Entweder man erhöht deutlich die Fahrpreise oder verringert die Honorare der Fahrer, was beides so gut wie nicht möglich ist, so dass die hohen Defizite weiter Bestand haben werden.

Andererseits sucht das Unternehmen noch Produkte/ Dienstleistungen, welche den Gewinn künftig bringen sollen. Das bedeutet, dass Uber bis dato kein schlüssiges Konzept vorweisen kann bzw.immer noch nicht weiß, wo der prognostizierte Gewinn herkommen soll.

Und dieses hoch defizitäre Unternehmen ist nun an die Börse gegangen und wurde am ersten Börsentag mit US$ 82 Milliarden bewertet, musste aber am ersten Börsentag etwa 7,6% Kursverlust hinnehmen. Damit ist Uber mit seiner Plattform- Dienstleistung in etwa so viel wert wie der weltgrößte Autohersteller VW.

Das ist irgendwie irrational, ein schlechter Witz und ein Ergebnis einer Marketingstory meiner „Freunde“ der Investmentbanker, hinter der alle Investoren wie Lemminge hergelaufen sind. Eine Meute der Hoffnungsvollen und von Gier Zerfressenen.

Ein noch krasseres Beispiel ist die We Company, der neue Name des Coworking-Anbieters WeWork und des Apartement-Vermieters WeLive. In 2018 erwirtschaftete die We Compnay einen Verlust von US$ 1,9 Milliarden bei einem Umsatz – jetzt halten Sie sich fest – von US$ 1,8 Milliarden, also um US$ 100 Mio weniger. In 2017 war der EBITDA bei US$ -769 und in 2016 bei US$ -307. Bei einer kürzlich stattgefundenen Finanzierungsrunde wurde dieses megadefizitäre Dienstleistungs-Unternehmen mit US$ 47 Milliarden bewertet.

Hatten wir solche Hypes nicht schon einmal. Richtig, die dotcom-Blase oder der dotcom-crash hatte ebenfalls diese irrationalen Gebilde in die Welt gesetzt, lösten sich aber, nachdem die Investoren vernünftig geworden waren, wieder in Luft auf.

Warum begeben sich die Investoren auf ein solch spiegelglattes Eis? Anscheinend hoffen sie auf eine erneute Erfolgsstory wie bei amazon, Facebook oder Google, welche anfangs auch hochdefizitäre Unternehmen waren und sich dadurch eine hohe Marktmacht eingekauft haben. Damit spielen vor allem die Verkäufer dieser Risiken, die Investmentbanker, und stellen somit jedes hochdefizitäre Unternehmen auf deren Stufe.

Somit erleben wir immer mehr eine Minus-Wirtschaft, Herr Draghi hat es mit den Minus-Zinsen ja vorgemacht, in der Hoffnung, dass daraus eine Plus-Wirtschaft entsteht.  Ich fürchte, dass diese Rechnung nicht aufgehen wird.

Uber und We-Company sind somit die Vorboten einer gesellschaftsfähigen Minus-Wirtschaft zum Zwecke der weiteren Ausbeutung.

4. Juni 2019

Ergänzung 9.Juni 2019.

In diese Reihe der Minus Investments lässt sich auch Tesla einsortieren.

Obwohl der Umsatz von Tesla  gerade ein Zehntel von BMW ausmacht,  ist Tesla aufgrund des unverständlichen hohen Aktienkurses (derzeit ca. das Siebenfache des Kurses  der BMW-Aktie) mehr wert als BMW. Zudem hat Tesla seit Eintritt in den Automobilmarkt vor ca. 6 Jahren US$ 4,2 Milliarden verbrannt (WAMS 9.6.2019) und ob sich dies ändern wird, bleibt fraglich ob der festgestellten Qualitätsmängel.

Weiteres Beispiel  ist die Öko-Aktie Beyond Meat (Herstellung von Fleischalternativen):

Bei einem  Umsatz von rd. € 100 Mio. wird davon fast die Hälfte als Verlust eingefahren und dafür mit € 8,4 Milliarden bewertet. Zum Vergleich der Wert der Lufthansa. Umsatz € 35 Milliarden, durchschnittlicher Jahresgewinn € 1,5 Milliarden, Wert derzeit € 8 Milliarden.

Es scheint, dass sich die Bewertungsmaßstäbe total den defizitären Unternehmen  zugewandt und dabei die “Minus-Investoren” die finanzphysikalischen Gesetze völlig aus den Augen verloren.

Das späte Erwachen wird grausam werden.

 

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”




Bayer Übernahme-Größenwahnsinn Teil 2


Nunmehr zeigt der Bayer-Größenwahnsinn sein schreckliches Gesicht, welches mit meinem Beitrag vom 26. Mai 2016 schon befürchtet worden war.

Negative Monsanto-Urteile, Aktienkursverfall, Nichtentlastung des Vorstandsvorsitzenden, Herrn Werner Baumann, den man nur als einen gefährlichen Spieler bezeichnen kann, abnickende Aufsichtsräte, Managementkrise.

Wie das Problem  (Manager bezeichnen es oft als Herausforderung) der 13.500 Klagen gegen Monsanto und damit gegen Bayer gelöst werden kann, bleibt fraglich bzw völlig offen.

Mich wundert es nur, dass die negative Bayer-Entwicklung nur mit diesen Klagen in den USA begründet wird und nicht mit der katastrophalen und auf tönernen Füßen stehenden Finanzierungsstruktur dieser Übernahme, welche bei den kleinsten negativen Berichten in sich zusammen brechen kann.

Kurzum, dieses Bayer-Projekt wird den üblichen Weg bei solchen negativen Übernahmen gehen. Herr Baumann muss irgendwann gehen, versehen mit einer Millionen-Abfindung für seine “tolle” Leistung, vermutlich auch der Aufsichtsrats-Chef. Und Bayer läuft extrem Gefahr, zerschlagen und aufgeteilt zu werden, sollten die US-Klagen weiter Erfolg haben.

Die Dummen hierbei werden dann mal wieder die Investoren und Kleinanleger sein, welche sich durch eine von den Investmentbanken geschickt lancierte Story haben verführen lassen. Die Abwicklungsindustrie, auch Investmentbanken genannt, wird schon mit den Hufen scharren.

Elmar Emde

5. Mai 2019

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”




Zeitgenössischer Kunstmarkt, eine Verarscherei !!


illEs ist doch erstaunlich, welche Werte einige zeitgenössische Kunstwerke, man kann es auch als bemalte oder beschmierte Leinwände bezeichnen, auf Kunstauktionen erzielen.

Beispiel aus der Frühjahrsauktion von van Ham in Köln mit einem Werk von Max Bill mit dem Titel: „weißes quadrat mit verwanderten Ecken“ (Titel so übernommen wie abgedruckt, kein Rechtsschreibfehler meinerseits).

Jetzt möchte ich den geneigten Leser bitten zu raten, was dieses „Werk“  (212 x 212 cm) auf dieser Frühjahrsauktion erlöst hat?

Diese Leinwand wurde mit einem Schätzpreis von unverständlichen € 60.000 in die Auktion gegeben, erzielt wurde der vierfache Preis von  € 245.000. Für mich stellt sich die Frage, warum ist ein Kunstsammler bereit, für dieses nichts sagende und leicht reproduzierendes Werk einen solch hohen Preis zu bezahlen. Man könnte den Titel umbenennen in verwandertes Geld.

Max Bill hat schöne aber auch für meinen Geschmack …na ja Kunstwerke /Skulpturen geschaffen. Muss man aber deshalb solche hohen Preise für nichtssagende Kunstwerke bezahlen?

Andererseits möchte ich den geneigten Leser wiederum bitten zu raten, für welchen Betrag dieses Werk „Printus“ (90 x 100 cm/ Schriftzug der Firma Printus, Offenburg anders interpretiert in Schwarzwaldfarben) zu haben ist?

 

Dieses sehr farbenfrohe Werk von einem unbekannten Bildproduzenten ist für € 4.000 Euro zu haben.

Anderes Beispiel anhand eines Werkes (130 x 115 cm) von Ralf Winkler, mit dem Titel: Ohne Titel – ich würde es mit „Schmierage“ betiteln! Auch dieses Bild wurde auf der Frühjahrsauktion von van Ham versteigert.

Ein solches Bild ist jedes Kindergartenkind fähig, auch zu malen, wurde aber auf der Frühjahrsauktion von van Ham mit einem Schätzpreis von sage und schreibe € 40.000 in die Frühjahrsauktion gegeben, erzielt wurde – es kann einem die Spucke wegbleiben – ein Auktionspreis von € 135.500.

Schaut man sich weitere Bilder von Ralf Winkler an, könnte man diese Kunst auch als Kindergartenkunst bezeichnen.

Vorschlag: Lasst die Kindergartenkinder solche Bilder malen und in Auktionen geben. Mit den Auktionspreisen könnte man dann die fehlenden Kindergarten- und Kitaplätze bauen.

Jetzt möchte ich den geneigten Leser nochmals bitten zu raten, für welchen Preis dieses Bild mit dem Titel „Burda, Nachrichtenlagune“ (150 x 150 cm) eines unbekannten Bildproduzenten zu haben ist?

Dieses Werk ist ebenfalls für  nur € 4.000 zu haben.

Während für meinen Geschmack die Bilder des unbekannten Bildproduzenten wesentlich mehr hergeben als die bei van Ham versteigerten und oben aufgeführten Leinwände, liegt der Unterschied nur im jeweiligen Bekanntheitsgrad der Künstler und nicht in der Qualität dieser Werke.

Und so könnte man die Liste ohne Ende fortsetzen mit ähnlichen unverständlichen Bildern, welche den zeitgenössischen Kunstmarkt mit Werken mit astronomischen Preisen derzeit überfluten.

Warum bei diesen Werken jeweils so hohe Preise bezahlt werden und das für Werke ohne sinnbildende Stiftung, konnte mir bei van Ham keiner befriedigend beantworten.

Hier scheinen große Marketingmaßnahmen zum Erfolg geführt zu haben, welche die produzierenden Künstler in ein Licht gestellt haben, welche es anscheinend wert war und ist, für solche unverständlichen Bilder solch unverständliche Preise zu bezahlen. Hier könnte man einen Vergleich mit dem Tulpenmanie aus dem Jahr 1637 ziehen oder auch mit den Bitcoins in der heutigen Zeit, letztlich alles heiße Luft. Hinzu kommt ein Lemminge-Effekt nach dem Motto, wenn frühere Werke dieses oder jenes Künstlers so hohe Preise erzielt haben, müssen andere Werke desselben Künstlers ebenso hohe Preise erzielen.

Ob diese Schmierereien auch in Zukunft diese Werte erzielen, ist fraglich, zumal nicht ausgeschlossen werden kann, dass diese hohen Preise getürkt bzw. manipuliert worden waren. Gigantische Vermögensverluste werden sich abzeichnen und nur wenige dieser hochbezahlten Kunstwerke werden als nationales Kulturgut bezeichnet werden können.

Kunst ist Geschmackssache, und Kunst soll auch ihren Preis haben, aber verarschen sollte man sich nicht lassen (bitte um Nachsicht für diese Ausdrucksweise).

Aprospos verarschen. Auf einer Auktion von Sotheby`s wurde ein für meine Begriffe nichtssagendes Bild „Girl with Balloon“ des Street-Art-Künstlers“ Banksy (klingt wie Bankster!) nach einem hektischen Auktionsverlauf (ist witzig anzusehen) für umgerechnete € 1,2 Mio. versteigert, um nach dem Hammerfall des Auktionators durch einen im Bilderrahmen verborgenen Schredder in Streifen bis zur Hälfte geschreddert zu werden.

Wer nun die europäische Sammlerin war, die für dieses Bild € 1,2 Mio auf den Tisch gelegt hat, ist unbekannt. Ebenso wer hinter diesen „Street-Art-Künstler“ Banksy steckt. Dieser stellte diese Aktion auf seinem Instragram-Account in einem Video als geplante Protestaktion gegen den Kunstmarkt dar, ich nehme an gegen die hohen und unverständlichen Preis für dumme Kunst , die auf diesem Markt derzeit gezahlt werden. Eigentlich sollte es ganz geschreddert werden, eine Fehlfunktion im Schredder hätte dies angeblich verhindert. Ob das stimmt, ist fraglich, außerdem möchte ich nicht ausschließen, dass Banksy und seine Truppe zwecks Aufsehenserregung diesen Auktionspreis selbst nach oben gejubelt haben, um mit dieser Schredderaktion seinen Sammlerwert noch mehr zu erhöhen.

Jedenfalls ist dieses halb geschredderte Bild  – wie aus Kunstmarktkreisen zu lesen war – durch diese Aktion jetzt sogar noch teurer geworden, als es der Auktionspreis hergegeben hat. Damit wäre eigentlich der Zweck dieser Aktion, der Protests gegen den Kunstmarkt,  total verfehlt. Ob diese Aktion diesen Protestzweck verfolgte, möchte ich in Frage stellen, hat sie doch den Banksy noch bekannter  und die Preise für seine “Werke” noch mehr nach oben getrieben. Tolle Marketingaktion, man sollte Banksy einen Professorenstuhl für Marketing geben!

Dieses Schrottbild ist nun sogar zu einem Tournee-Star geworden. Erste Station war das Frieder Burda Museum in Baden-Baden, welche das „berühmte Bild im Kontext (?) beleuchten und von einem Symposium begleiten lassen wollte“.  Typisches Fachkunstgeschwafel. Im heute-journal des ZdF wurde sogar die Ankunft in Baden-Baden gezeigt und wie es mit weißen Handschuhen wie ein sakraler Gegenstand aus der Verpackungskiste ganz ganz vorsichtig entnommen wurde. Man kann nur den Kopfschütteln !!

Nächste Station war  einige Wochen später die Staatsgalerie in Stuttgart. Dort wurde es neben einem Gemälde von Rembrandt zur Schau gestellt, allerdings im Gegensatz zu Rembrandt hinter Plexiglas, also wie eine Reliquie präsentiert.

In der Presse konnte man die verklärte Staatsgalerie Chefin Christiane Lange vor diesen beiden Bildern sehen (siehe unten), welche meinte, dass „Banksy mit dem Akt der Zerstörung ein neues Werk geschaffen habe, dass sie in der Tradition der Sammlungsschwerpunkte ihres Hauses sehe“. Künftig sammelt also die Staatsgalerie Müll und das mit Steuergeldern!

 

Ich kann jetzt nur hoffen und wünschen, dass Banksy irgendwann den weiteren Knopf drückt, damit dieses Bild ganz geschreddert wird, um den Kunstfanatikern ihre Dummheit vor Augen zu führen.

 

15. April 2019

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”