Allgemeiner Marktkommentar und Anlagestrategie Nr. 1


Wilen, den 8. Januar 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

2018 musste der DAX nach sechs Gewinnjahren erstmals wieder einen Verlust von mehr als 18 Prozent hinnehmen. Der Swiss Market Index (SMI) verlor circa 10 Prozent. Im sonnigen Spanien bei 24 Grad die Sonne genießend, hatte ich eigentlich auch einen sonnigen Börsenstart erwartet. Nachdem die steuerlich getriebenen Verkaufsprogramme in den USA im alten Jahr beendet wurden, kommt es in den ersten Tagen eigentlich immer zu einem Rückkauf der Aktien und damit zu steigenden Kursen. Welt- weit starten die Börsen dank der fällig gewordenen Gelder und Zinsen sowie der Anlage liquider Mittel beinah immer stark positiv ins neue Jahr. Aber die neuen Konjunkturdaten aus China haben für einen schwachen Start am ersten Tag gesorgt. Die Sorgen um die Weltkonjunktur belasten die Börsen weiter. Kein gutes Omen, denn wenn in der Vergangenheit der erste Börsentag, die ersten fünf Börsentage und der Januar insgesamt schlecht liefen, war dies meist der Auftakt für ein ebenso schlechtes Börsenjahr.

Nun hat auch der fünfte Börsentag deutlich im Plus geendet. Am vierten Januar wurden deutlich höhere Beschäftigungszahlen aus den USA gemeldet. Auch sind die Löhne auf Jahresbasis um 3,2 Prozent gestiegen und bei der Beilegung im Handelskonflikt werden jetzt Lösungen erwartet. Zusätzlich zeigte sich der Vorsitzende der Notenbank Fed, Jerome Powell, auf einer Veranstaltung verständnisvoll für die Sorgen der Finanzmärkte vor einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. Die Fed höre den Teilnehmern an den Finanzmärkten genau zu, versicherte Powell. Daraufhin schossen die Börsen nach oben (siehe aber Bild unter Aktien). Nun ist der Dezember in einem guten Umfeld immer durch die Einstellung von Aushilfskräften für das Weihnachtsgeschäft geprägt, warten wir die Januarzahlen ab.

Eine niedrige Arbeitslosenrate und Lohnwachstum führen zu steigender Inflation und damit zu weitere Zinserhöhungen. Das könnte die Fed in Zukunft wieder härter wie kürzlich erwartet reagieren lassen.

Die Vermögensverwaltungsfirma GMO aus Boston hat letztes Jahr ihre zukünftigen Renditeerwartungen für die nächsten sieben Jahre gesenkt. Auf diese Zahlen sollten wir achten, da die Prognosen GMOs in der Vergangenheit hervorragend waren, auch wenn sie oft ihrer Zeit etwas voraus waren. Die folgende Grafik zeigt die inflationsbereinigten Prognosen bis 2025. Das Ergebnis ist erschreckend. Für ein US- Dollar-Portfolio mit einer Aufteilung von je 50 Prozent Aktien und Anleihen erwartet GMO eine reale Rendite (inflationsbereinigt) von –2,5 Prozent pro Jahr.

 Wie ich schon mehrmals geschrieben habe, ist es nicht der Konjunkturzyklus, sondern der Kreditzyklus der mir Sorgen macht. Kredit ist per se nichts Schlechtes. Man borgt sich Geld von seiner Zukunft. In der Zukunft wird man dann weniger ausgeben, damit man den Kredit zurückzahlen kann. Das ist der Zyklus. Man gibt also mehr Geld aus, als man hat, und dann gibt man weniger aus, als man hat, um den Kredit zurückzuzahlen. Das gilt sowohl für jeden Einzelnen wie für Unternehmen und Staaten.

  1. Am Anfang leiht man sich etwas Geld, um die Produktivität zu erhöhen, damit wächst die Wirtschaft und die Anlagepreise
  2. Weil alles so gut läuft, werden neue Kredite Anlagepreise und Konsum steigen weiter. Niemand weiß jedoch, wann der Verschuldungsgrad zu hoch ist.
  3. Die Zentralbanken und Regulatoren sehen Probleme und versuchen, das Wachstum in moderate Bahnen zu Die Zinsen steigen und Kredite sind schwieriger zu bekommen.
  4. Rezession oder Depression sind die Das Wachstum schrumpft und das Gelddrucken bzw. Null- oder Negativzinsen erzielen keine positiven Effekte mehr. Die Zentral banken haben ihre Munition verschossen (wie zum Beispiel zur Zeit der Großen Depression 1926 bis 1936).
  5. Der Verschuldungsgrad wird abgebaut. Staat, Unternehmen und Familien fahren ihre Ausgaben zurück und reduzieren ihre Bis alle ihre Schulden wieder auf einem ausgeglichenem Niveau haben und sich die Wirtschaft langsam zu erholen beginnt, vergeht allerdings mehr Zeit als für Phase 1 und 2.
  6. Die Normalität hat begonnen und wir können wieder mit Phase 1 starten.

Im Moment dürften wir uns am Ende von Phase 3 befinden. Ob wir Phase 4 direkt (weiteres Gelddrucken und erneute Zinssenkung) oder aber noch länger Phase 3 durchlaufen, wird die Zukunft zeigen. Eins scheint mir aber sicher zu sein: Wir sind am Ende des Zyklus angekommen.

Festverzinsliche Wertpapiere

Was immer mit der Entwicklung der Zinsen in den nächsten Jahren passiert: Langfristig werden sie niedrig bleiben. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft bestätigt, dass die Realzinsen (= nominaler Zinssatz abzüglich Inflationsrate) aufgrund der demografischen Faktoren niedrig bleiben wer- den. Allerdings liegen die Zinsen zurzeit bei einem Zinssatz von 0,25 Prozent und einer Inflationsrate von 2 Prozent deutlich im Minus. Das Institut rechnet mit Realzinsen von 0,5 bis 1,3 Prozent. Wegen der steigenden Lebenserwartung legen die Menschen mehr Geld für das Alter zurück und sorgen daher für ein großes Angebot. Im Ergebnis müssen sie länger von ihrem Geld leben, aber leider vermehrt es sich langsamer.

Die Schweizer Nationalbank (SNB) wird weiter an den Negativzinsen festhalten. Ein starker Franken ist negativ für die exportorientierte Wirtschaft. Daher hält die SNB an ihrer ultralockeren Geldpolitik fest, auch weil sie glaubt, dass die Inflationsrate bis 2021 unter 2 Prozent bleiben wird und damit noch viel Zeit für eine Zinserhöhung ist.

2019 muss das US-Schatzamt mehr Schuldentitel emittieren, da das US-Haushaltsdefizit auf 1 Billion US-Dollar steigt. Diese Emissionen müssen zur Zeit zu höheren Zinsen als in den vergangenen Jahren finanziert werden. Hinzu kommt, dass in den nächsten fünf Jahren circa zwei Drittel der bestehenden Staatanleihen ebenfalls zu einem höheren Zins refinanziert werden müssen. Aufgrund der hohen Kurz- fristzinsen sind die Absicherungskosten für ausländische Anleger hoch und dürften zu einer nachlassen- den Nachfrage führen. Allerdings haben einige Mitglieder des Fed-Komitees bereits erwähnt, dass sie eine inverse Zinskurve unbedingt vermeiden wollen. Die USA können keine steigenden Zinsen gebrauchen.

 Das dürfte bei einer sich abschwächenden weltweiten Konjunktur, die ich erwarte, zu einer Stabilisierung des gegenwärtigen Niveaus oder sogar zu einer erneuten Zinssenkung führen. Zeit genug dazu hat die Fed, denn eine Rezession beginnt statistisch gesehen erst einige Monate, nachdem die meisten Renditedifferenzen negativ geworden sind.

Nun hat es die erste Pensionskasse in Deutschland getroffen. Die BaFin untersagt der Caritas- Pensionskasse das Neugeschäft. Auch hat die Pensionskasse ihre Mitglieder informiert, dass die Gesell- schaft wegen der wirtschaftlichen Lage eine Herabsetzung ihrer Leistungen erwägen muss. Nun hält auch noch die BaFin den Sanierungsplan des Versicherers für unzureichend. Viele Pensionskassen leiden unter dem andauernden Niedrigzinsumfeld und ihren in besseren Zeiten zugesagten Leistungen. Die BaFin hat bei 45 der 137 in Deutschland tätigen Pensionskassen finanzielle Probleme ausgemacht.

Aktien

Toll, ein Gewinn von 5 Prozent an einen Tag ist un- glaublich. Aber vergessen wir nicht: 14 der 15 Tage mit dem höchsten Tagesgewinn im S&P 500 lagen unter dem Durchschnitt der 200-Tages-Linie. Diese Schwankungen ereignen sich meist in Bärenmärkten. Händler lieben zwar diese Bewegungen, aber Investoren werden oft von ihnen abgeschreckt.

Laut einem Bericht von Ernst & Young ist der Umsatz der 100 umsatzstärksten börsennotierten deutschen Unternehmen in den ersten neun Monaten um 1 Prozent gestiegen. Aber der Gewinn (Ebit) ist gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 7 Prozent gesunken. Der Handel ist wegen der Digitalisierung am stärksten betroffen.

Alle Unternehmen investieren in eine stärkere Digitalisierung ihrer Prozesse, was anfangs zu höheren Aufwendungen führt. Langfristig sollte damit aber wieder – so die einhellige Meinung der Vorstände – ein Produktivitätsgewinn erzielt werden. Da aber alle das Gleiche tun, dürften sich die zukünftigen Margen bei einem schärferen Wettbewerb eher auf einem niedrigeren Niveau einpendeln.

Schwellenländer

Zwei Drittel der Nachfrage für Rohstoffe kommt aus Asien, der größte Teil davon aus China. Der Index Shanghai Stock Composite ist in diesem Jahr um 28 Prozent gefallen. Da China der größte Käufer von Rohstoffen ist, folgt der Rohstoffindex dem der chinesischen Börse.

Das reflektiert die Schwäche der Wirtschaft, die die zweitgrößte der Welt ist. Die beiden schwächsten Gütergruppen im letzten Jahr waren Energie und Industriemetalle. Beide werden als Leithammel der globalen Konjunktur angesehen und beide weisen auf eine globale Wirtschaftsschwäche hin. Das hätten vielleicht einige Wirtschaftsweise in ihre rosigen Wachstumsprognosen für dieses Jahr mit einbezie- hen sollen.

Währung

Die meisten Analysten gehen wegen einer schwächeren Konjunktur, weniger ausgeprägten Steigerungen der Zinsen durch die Fed und einer schwächeren Nachfrage für den US-Dollar von fallenden Kursen gegenüber dem Euro aus. Sie erwarten in diesem Jahr einen Kurs von 1,17 Dollar für den Euro. Die höchsten Schätzungen liegen sogar bei 1,24 Dollar. Auch wenn ich natürlich nicht weiß, wie sich der US-Dollar tatsächlich entwickeln wird, vertrete ich eine andere Meinung. Meines Erachtens sind die Probleme in Europa so groß und vielfältig, dass der US-Dollar eine gute Chance hat, sein Kursniveau zu halten oder gar weiter zu steigen. Denn die Kurse werden von Menschen gemacht und diese folgen Mustern der Vergangenheit. In Zeiten der Krise hat der US-Dollar immer an Wert gewonnen. Ich orientiere mich daher weiter an dieser Grafik, da sie für die berücksichtigten Jahre langfristig (grüne Linie) oft die Entwicklung des US-Dollars im Trend richtig aufgezeigt hat. Im Moment deutet sie immer noch auf eine weitete Stärkung des Dollars hin.

Rohstoffe

Im Frühjahr und Sommer 2018 hatten wir einen schwachen Goldpreis, während die Fed die Zinsen erhöht hat und der US-Aktienmarkt lief besser als im Rest der Welt. Mit den fallenden Aktienkursen im letzten Quartal hat sich der Goldpreis erholt. Vor uns liegen nun zwei Möglichkeiten: Zum einen kann die Fed die Zinserhöhungen beenden und die Anlagepreise werden in der Hoffnung auf billiges Geld wieder steigen. Zum anderen wird die nachlassende wirtschaftliche Entwicklung weiter für fallende Aktienmärkte sorgen. In beiden Szenarien wird Gold als sicherer Hafen gefragt sein. In den vergangenen Baissemärkten entwickelte sich Gold wie folgt:

  • August 2007 bis 2009: 650 bis 200 US- Dollar
  • Januar 2001 bis 2003: 260 bis 425 US-Dollar
  • Januar 1987 bis Dezember 1987: 390 bis 500 US-Dollar
  • Januar 1973 bis Dezember 1974: 50 bis 110 US-Dollar

In der Vergangenheit hat die Fed die Zinsen dann meist erhöht, um eine steigende Inflation und höhere Rohstoffpreise zu bekämpfen. Die folgende Grafik zeigt die Differenz zwischen zehn- und zweijährigen US-Treasuries und dem CRB-Index (Rohstoffindex). In den Phasen der Inversion 2000 und 2006/2007 sind die Rohstoffpreise immer stark gestiegen.

Gestiegene Rohstoffpreise haben zu der inversen Zinsstruktur geführt. Dieses Mal sieht die Sache bisher noch anders aus. Zuerst einmal ist die Zinsdifferenzkurve bisher nicht invers. Zweitens sind die Rohstoffpreise immer noch im Sinkflug. Das ist das erste Mal, soweit ich mich erinnern kann, dass die Fed angesichts sinkender Rohstoffpreise die Zinsen erhöht.

Über mehr als ein Jahrzehnt haben die Fed und andere Zentralbanken die Zinsen niedrig gehalten, um die globale Konjunktur aus einer Deflationsphase zu inflationieren. Weitere Zinserhöhungen schaden der Wirtschaft (hier liegt sogar Donald Trump richtig), schwächen die Rohstoffpreise und gefährden das Ziel einer maximal 2-prozentigen Inflation. Ein steigender US-Dollar als Resultat weiter steigender Zin- sen hätte auf Inflation und Rohstoffpreise auch einen negativen Effekt. Ich bleibe dabei: Wir befinden uns nicht in einem normalen Konjunkturzyklus, sondern am Ende eines Kreditzyklus.

Obwohl die meisten Analysten ein sinkendes Angebot bei steigender Nachfrage für Kupfer prognostizieren, konnte der Preis 2018 nicht über 3 US-Dollar pro Pfund steigen. Dr. Copper (Kupfer) prognostiziert eine Konjunkturschwäche und Rezession, die mit einer schwachen Nachfrage und niedrigen Kupferpreisen einhergeht. In der Vergangenheit war die Realwirtschaft (Dr. Copper) oft klüger als die Analys- ten.

Portfoliostrategie

Der DAX schloss 2018 mit –18,26 Prozent, der SMI mit –10,15 Prozent, der S&P 500 mit –7,0 Prozent. Auf der anderen Seite schloss der Index Rex Performance mit 0,88 Prozent, der SBI 96 Dom GVT TOTRET mit 0,72 Prozent und der US Treasury Current 5Yr LOC mit 1,48 Prozent. Warum ich das erwähne? Die Welt hat sich doch nicht geändert.

Wenn die Aktienkurse fallen, gehen die Zinsen nach unten und festverzinsliche Wertpapiere erholen sich. Allerdings können sie auf dem niedrigen Niveau der Zinsen nicht die Verluste bei Aktien ausgleichen. 2018 war die Enthaltsamkeit bei Aktien erfolgreich.

Goldminenaktien und Gold haben sich trotz der Turbulenzen an den Aktienmärkten noch nicht als Schutz erwiesen. So hat sich zum Beispiel der Index XAU PHLX Gold und Silber 2018 13,5 Prozent (in Euro) und 17,1 Prozent (in US-Dollar) verloren. Allerdings hat er sich im Dezember 2018 um 9,6 Prozent erholt. Ich gehe von einer Fortsetzung dieser Entwicklung aus.

Bei den festverzinslichen Wertpapieren hat die Hybrid-Anleihe von Südzucker International Finance einen überproportionalen Kursrückgang nach der Rückstufung auf Baa3/p-3 durch Moody’s durchlaufen. Die Anleihe verzinst sich vierteljährlich variabel mit 3-Monats-Euribor plus 3,10 Prozent p.a. Bis zum 31.Dezember 2018 war der Zins auf 2,781 Prozent p.a. fixiert. Trotz des schwierigen Marktumfelds im Zuckergeschäft aufgrund der globalen Überproduktion sehe ich weder das Unternehmen noch die für die Zinszahlung wichtige Cashflow-Klausel (Cash- flow/Umsatz > 5 Prozent) für 2018/19 gefährdet. Wir kaufen am Montag die Anleihe für 5 Prozent in das Portfolio.

Auf folgende Faktoren werden wir 2019 achten:

Handelskrieg

Der Handelskrieg zwischen China und den USA kann 2019 zu einem stärkeren US-Dollar, einem schwächeren Renminbi, geopolitischen Spannungen und einem niedrigeren globalen Wachstum führen. Außerdem wird die Einführung von weiteren Zöllen eine höhere Inflationsrate mit sich bringen und anschließend zu fallenden Aktienmärkten führen. Ein Handelskrieg wird auch das Wirtschaftswachstum in China nach Angaben des Internationalen Währungsfonds um 2 Prozent schmälern. Nach der Finanzkrise von 2008 war China die Wachstumslokomotive. Es ist fraglich, ob China in einem Handelskrieg noch einmal diese Mittel aufbringen will oder kann. Ich gehe davon aus, dass der Krieg offiziell mit einem faulen Kompromiss beendet wird, aber im Stillen weitergeht.

Zinsen

Die USA und Europa haben das Ende des billigen Geldes und der überschäumenden Liquidität eingeläutet. Das größte Risiko ist ein überraschendes Ansteigen der Inflation. Bei einem solchen Anstieg würden die US-Zinsen und der US-Dollar steigen und es käme wohl zu einer Korrektur an den Aktienmärkten. Die Schwellenländer hätten dann Probleme ihre in US-Dollar denominierten Schulden zurückzuzahlen. Der Protektionismus würde sich verschärfen. Da ein weiteres Anheben des Zinssatzes aber von einer guten Konjunktur in den Industrieländern abhängt, gehe ich davon aus, dass die wirtschaftliche Entwicklung an Tempo verliert und Anleihen ein besseres Jahr als Aktien haben werden. Auch Schwellenländeranleihen sollten von diesem Szenario profitieren.

 Brexit, Italien, Zuwanderungsfeindlichkeit, separatistische Bewegungen

Europa hat eine Reihe von speziellen Problemen. Kommt noch eine Abkühlung der Wirtschaft hinzu, werden sich alle Probleme verschärfen. Obwohl es heißt, dass politische Börsen kurze Beine haben, kann die Vielzahl der Probleme zu einer Konsumreduzierung mit entsprechend negativen Auswirkungen an den Börsen führen. Können die Politiker allerdings Lösungen erzielen, kann – da in Europa das Ertragswachstum schwächer war als das Wirtschaftswachstum – eine Erholung der Unternehmensgewinne kombiniert mit Optimismus zu steigenden Aktienkursen führen. Ich sehe hierfür allerdings keine große Chance.

Lassen Sie uns dennoch weiter optimistisch in die Zukunft schauen, denn wir leben in Deutschland und der Schweiz auf einem weltweit hohen Niveau. Des wegen wollen so viele Menschen verständlicher weise an diesem Wohlstand partizipieren.

Mit freundlichen Grüßen

Ottmar Beck

 Dax: -18,26% – Euro Stoxx 50 P: -12,03% – SMI: -10,15% – RexP: 1,46% – SBI: 0,72% – Gold(in US$): -3,11%

per 31.12.2018

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Allgemeiner Marktkommentar und Anlagestrategie Nr. 12


Wilen, den 1. Dezember 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

obwohl die weiterhin niedrigen Zinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) nur schwer zu verstehen sind, ihre harte Politik gegen notleidende Kredite ist eigentlich mehr als verständlich. Denn sie sind nach Ansicht der EZB eines der Hauptrisiken für die Stabilität des europäischen Finanzsektors. Daher hat die EZB-Bankenaufsicht Leitlinien für nicht bediente Darlehen (Englisch: non-performing loans, NPL) herausgegeben. Die Aufsicht wollte die Banken dazu zwingen, faule Kredite in Zukunft schneller abzubauen. Das Europaparlament hat die Notenbank jedoch zum Rückzug gezwungen, denn für die Regulierung notleidender Kredite sei nicht die Aufsicht, sondern die Politik zuständig. Daher arbeiten die EU- Kommission, der EU Finanzministerrat und das Europaparlament an einer neuen NPL-Verordnung. Diese, so viel ist schon jetzt klar, wird weit hinter den Vorstellungen der EZB zurückbleiben. Das Europaparlament will den Banken erlauben, die ersten zwei Jahre überhaupt keine Rückstellungen für faule Kredite zu bilden. Allerdings müssen die Bankhäuser für un- gesicherte Darlehen dann im dritten Jahr zu 100 Prozent Vorsorge treffen, sofern diese nicht mit Immobilien abgesichert sind. Denn dann haben Banken neun Jahre Zeit für den schrittweisen Aufbau von Rückstellungen. In den USA haben Banken gerade einmal sechs Monate Zeit, um nicht bediente Kredite abzuschreiben. Bezeichnend ist auch, dass für die Regulierung der faulen Kredite im Europaparlament zufällig wieder ein Italiener zuständig ist. In diesem Zusammenhang ist es interessant zu wissen, dass die Summe notleidender Kredite in den italienischen Bankenbilanzen immer noch 159 Milliarden Euro beträgt. Wir werden sehen, wie der Wirtschaftsausschuss des Europaparlaments über die NPL- Verordnung am 6. Dezember abstimmt.

Festverzinsliche Wertpapiere

Nach der Zwischenwahl in den USA dürfte feststehen, dass Präsident Trump mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen 2020 alles tun wird, damit das Wachstumstempo der Wirtschaft nicht nachlässt. Das heißt, die Staatsverschuldung wird weiter in die Höhe klettern, da in den nächsten Jahren nicht mit einem Wechsel bei der Finanzpolitik zu rechnen ist und es immer weniger Politiker – gerade in der re- publikanischen Partei – gibt, die für eine solide Haushaltspolitik eintreten. Grundsätzlich dürfte auch in den USA ein Kurs beibehalten werden, der den Interessen der einzelnen Wählergruppen entgegen- kommt und auf Kosten der Staatsausgaben geht.

Festverzinsliche Anleihen machen im Moment wenig Spaß. Anleihen guter Bonität haben in einem gut diversifizierten Portfolio trotzdem immer einen Platz. Denn sie bringen eine wichtige Eigenschaft mit: Kapitalerhalt (nominal) und minimale, aber permanente Erträge. Anleihen sind im Gegensatz zu Aktien kein Eigenkapital, sondern Fremdkapital und damit Ansprüche, die am Ende der Laufzeit bedient werden müssen. Sie sind damit nach wie vor eine gute Möglichkeit zur Diversifikation. Um wie schon im letzten Brief noch einmal Mark Twain zu zitieren:

„It’s not return on my money I’m interested in, it’s return of my money.“ Deswegen müssen bei einem Investment in Anleihen Bonität und Diversifikation stimmen.

Wenn die Italiener ihre Zeche selbst bezahlen sollen, hört für sie der Spaß auf. Bisher hat die neue italienische Regierung zwar das Volk hinter sich. Es zeigt sich allerdings, dass im Norden des Landes, wo der Wohlstand Italiens sitzt und der größte Teil der Wirt- schaftsleistung erbracht wird, die Sorgen und die Zweifel an der Regierung wachsen. Inzwischen macht sich der Spread (die Zinsdifferenz zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen) mit mehr als 300 Punkten bemerkbar: Ist der Spread hoch, verlieren Investoren das Vertrauen. Sie investieren folglich kein Geld mehr. Es ist daher wenig überraschend, dass in den letzten Wochen erstmals mehr Italiener bei Google nach dem Schlagwort

„Spread“ als nach dem Begriff „Reddito de Cittadi- nanza“ (Bürgerlohn) gesucht haben.

Der italienische Staat hat, um bei Kleinanlegern Geld lockerzumachen, Buoni del Tesoro Poliennali (BTP) geschaffen. Das sind Anleihen mit einer mittleren Laufzeit und einer Kopplung an die Inflationsrate, um Privatinvestoren eine besondere Sicherheit zu bieten. Das bedeutet: Steigt die Inflation während der Laufzeit, zahlt der Staat in gleicher Höhe mehr Zinsen – und das zweimal im Jahr. Kaufen kann sie der Privatanleger gebührenfrei direkt über die Webseite der italienischen Börse. Das neue Angebot wurde nun zum regelrechten Flop. Die Regierung konnte gerade einmal 860 Millionen Euro bei Privatanlegern einsammeln. Das ist der niedrigste Wert seit 2012. Die italienische Finanzagentur bezeichnet die Nachfrage als „unter den Erwartungen“.

Inzwischen hat Moody’s das Rating für Italien auf Baa3 zurückgenommen. Damit liegt die Bonität nur noch knapp im erstklassigen Investment-Grade- Bereich. Bei einer erneuten Herabstufung würden Italiens Anleihen als Ramschanleihen gelten. Damit dürften dann auch viele institutionelle Investoren sowie die EZB keine Papiere aus Italien mehr kaufen. Aber: Im nächsten Jahr muss sich Italien 290 Milliarden Euro neues Geld leihen, um seine alten Schulden zu refinanzieren. Warten wir also ab. Italienische festverzinsliche Anleihen sind für mich, trotz attraktivem Zinssatz, keine Anlage wert.

Aktien

Der Oktober ist vorbei und normalerweise erholen sich die Märkte im November wieder. Dieses Mal haben wir jedoch vergebens auf eine Erholung gewartet. Im Moment ist es schwer, überhaupt noch Märkte zu finden, die in diesem Jahr im Plus liegen. Angesichts der Verluste im Hang-Seng-Index von über 20 Prozent ist klar: Auch China und die Schwellenländer sind in einem Bärenmarkt. Und von den sechs Aktien – Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Microsoft und Google –, die hinter dem Rekord des S&P 500 standen, haben Netflix, Amazon und Google in der Spitze über 20 und Apple über 10 Prozent an Kurswert verloren.

Sotheby’s und der US-Immobilienmarkt waren in der Vergangenheit oft so etwas wie der Kanarienvogel in der Kohlenzeche. Die Aktie von Sotheby’s hatte so- wohl vor der Hightech-Blase im März 2000 als auch vor der globalen Finanzkrise und 2008 jeweils einen Höchststand erreicht

Der Index NAHB Housing Market fiel schon seit 2005

  • lange bevor der Aktienmarkt dieselbe Richtung Der Index misst durch Umfragen unter Bauunternehmern, ob sie den Markt für den Bau von Einfamilienhäusern für positiv oder negativ halten. Jetzt ist er, nach einer Wackelphase in den letzten Monaten, wieder gefallen. Leichte Rückschläge dieser Art gab es zwar seit 2013 immer wieder, aber dieses Mal sind gleichzeitig die Aktien der Immobi- lienindustrie (XHB-Homebuilders-Index) eingebrochen. Mit einem schwächeren Markt für den Einfamilienhausneubau dürfte das Wirtschaftswachstum in den USA Probleme bekommen.

Bei steigenden Preisen und Zinsen ist für diesen für die gesamte Wirtschaft so wichtigen Markt keine Erholung zu erwarten

Währungen

Der US-Dollar hat seit Juli, gemessen am realen handelsgewichteten Wechselkursindex der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, um gut 27 Prozent zugelegt. Selbst gegen den Franken und den Euro ist der US-Dollar seit Beginn der Börsenturbulenzen Anfang Februar um gut 10 Prozent gestiegen. Mit einem Kurs von 1,1225 ist der Euro zum US- Dollar auf den tiefsten Stand seit etwa anderthalb Jahren gefallen. Diese Entwicklung dürfte drei Gründe haben:

  1. Im Gegensatz zu anderen wichtigen Noten- banken hat die Fed den Leitzins von 0,25 auf inzwischen 2,25 Prozent erhöht. Im Gegen- satz dazu liegt der europäische Leitzins weiterhin bei null und der der Schweiz sogar im negativen Glaubt man den Aussagen des amerikanischen Notenbankchefs, so sind weitere Schritte nach oben so gut wie sicher. Angesichts dieser Tatsache fließt viel Geld in den Kauf von kurzlaufenden US- Zinspapieren, was auch zum Kauf des US- Dollar führt.
  1. Durch den Abbau der Notenbankbilanz der Fed werden den globalen Kreditmärkten Monat für Monat Milliardenbeträge entzo- gen. In der Vergangenheit standen den Wertpapierkäufen der Fed entsprechende Auszahlungen gegenüber. Dieser Prozess hat zu einer Verknappung des weltweit verfügbaren Dollar-Angebots geführt. Damit sind Staaten und Unternehmen unter Druck geraten, die in der Vergangenheit stark auf günstige Dollar-Kredite gesetzt hatten und nun mit höheren Refinanzierungskosten zu rechnen Auch aufgrund der anhaltenden Nachfragen nach Hedging-Transaktionen dürfte die Dollar-Nachfrage eher stärker als schwächer werden.
  1. Letztlich profitiert der US-Dollar vom anhaltenden Wachstum der amerikanischen Wirtschaft- Sie legte bisher zwar weniger stark als in der Vergangenheit, aber stetig zu. Außerdem wird die Wirtschaft durch die expansive und mit einem enormen Kreditwachstum finanzierte Fiskalpolitik noch zusätzlich angeregt. Diese Kombination führt zu steigenden Zinsen und Renditen, was wiederum den Dollar, zumindest kurzfristig, attraktiv macht.

Allerdings muss man sich fragen, wie lange das so weitergeht. Würde die Fed die Zinserwartung in den USA dämpfen oder sollte die EZB beschließen, dass sie auf den Kurs einer Zinserhöhung einschwenken könnte, würde sich die Stimmung sehr rasch drehen. Denn dann würde das schnelle Geld von Anlegern, die nur kurz von den vergleichsweise hohen US- Zinsen profitieren wollten und keine langfristigen Interessen haben, wieder abfließen. Diese Gefahr dürfte im Moment noch nicht gegeben sein und wir raten daher Dollar-Engagement weiter zu halten.

Rohstoffe

Wenn man Marktpreise verstehen will, ist es wichtig zu wissen, was die Mehrheit der Marktteilnehmer denkt. Ist deren Stimmung positiv, sind wahrscheinlich alle investiert. Mit der Folge, dass es nach oben wenig Spielraum gibt. Genauso verhält es sich im umgekehrten Falle. Gold ist dafür das beste Beispiel. Nachdem der Preis vier Jahre lang fiel, war der Marktkonsensus negativ. Dies zeigt sich am besten in einer Überschrift des Wall Street Journals, das Gold für wertlos erklärte. Bisher hat Gold diese Tiefstpreise noch nicht wieder erreicht.

Das gegenteilige Beispiel ist der Bitcoin. Hier erschien zu Beginn dieses Jahres ein mehr als positiver Artikel in der New York Times, der mehr oder weniger implizierte, dass Investoren nur mit Cryptowährungen reich werden. Die Veröffentlichung fiel ungefähr mit dem Zeitpunkt zusammen, ab dem die Kunstwährung nur noch eine Richtung kannte: nach unten.

Sollte der Preis von Gold in nächster Zeit deutlich steigen, werden Goldminen-Aktien, wie schon oft gesagt, davon überproportional profitieren. Denn die Kurse der Minenaktien sind in den vergangenen fünf Gold-Bullenmärkten im Durchschnitt um 540 Prozent gestiegen. In diesem Jahr hat sich das Edelmetall in schwachen Währungen wie zum Beispiel dem argentinischen Peso oder der türkischen Lira beinahe verdoppelt. Das sind erste Indizien dafür, was auch solideren Währungen noch bevorsteht. . Wir raten daher weiterhin, trotz der in den vergangenen Jahren enttäuschenden Performance, dazu circa 10 Prozent des Portfolios in Gold zu investieren.

Auch die Rohstoffmärkte sehe ich weiterhin positiv. Zwar sind die Rohwarenpreise heute auf dem tiefsten Stand seit 40 Jahren, aber es sieht so aus, als hätten sie einen Boden gefunden. Fakt ist, dass die Weltbevölkerung weiter wächst. Damit bleiben Bodenschätze aufgrund der demografischen Entwicklung auch künftig gefragt.

Portfoliostrategie

Betrachtet man die gesamtwirtschaftliche Lage und die geopolitischen Unsicherheiten, spricht viel dafür, weiter eine hohe Liquiditätsquote und festverzinsliche Anlagen zu halten. Obwohl – wie bereits oben beschrieben –festverzinsliche Anleihen im Moment wenig lukrativ sind, lassen uns die letzten geldpolitischen Kommentare der Fed aufmerksam werden.

Bezieht man das Ende von Quantitative Easing 3 mit ein, besteht der Straffungsprozess in den USA bereits seit vier Jahren. Erst Anfang Oktober hat Notenbankchef Jerome Powell klar formuliert: „Die US- Geldpolitik ist noch weit von einer neutralen Position entfernt.“ Diese Aussage hat deutlich auf eine weitere Reihe von Zinserhöhungen gedeutet. In seinem letzten Kommentar wies er allerdings besonders auf die in den kommenden Jahren entstehenden Probleme für das Wirtschaftswachstum, die abnehmende Auslandsnachfrage und die verzögerte Wirkung der bisher erfolgten Straffung der Geldpolitik hin. Auch der neue Vizepräsident der Fed wies in einem Interview daraufhin, dass sich die Geldpolitik dem als langfristig neutral angesehenen Zinsniveau nähert. Anders als die Marktteilnehmer meinen, könnte dies auf das Ende der Zinserhöhungen der Fed hindeuten. Das könnte aber – wenn das Drehbuch der Vergangenheit gilt – Probleme am Aktienmarkt noch vor dem Ende der ersten Regierungszeit von Donald Trump geben. Die Fed hätte dann wieder den übli- chen „Boom and bust“-Zyklus erzeugt.

Wir lassen daher, den EFT mit den festverzinslichen Wertpapieren mit einem Anteil von circa 40 Prozent weiter im Depot. Auf Aktien verzichten wir weiterhin.

Für diejenigen, die Aktien im ihrem Depot halten wollen, ist ANHEUSER-BUSCH INBEV einen Rückkauf wert. AB InBev hat seit letztem Oktober über 25% verloren und gehört mit den Consumer Goods zu den am wenigsten gesuchten Sektoren. Die Dividendenrendite liegt, geschätzt für 2018, bei circa 2.4 Prozent und ist somit attraktiv.

Die Aktie von AB Inbev hat im Zuge der schwachen Börsen und dem empfohlenen Verkauf seit dem 6.8.2018 massiv an Wert verloren und ist nach der Ankündigung der Dividendenkürzung noch zusätzlich unter Druck geraten. Die Tatsache, dass das Unter- nehmen die zurückbehaltene Dividende für die Schuldenreduktion einsetzen will, begrüssen wir sehr und halten den aktuellen Kurs von unter 69 Euro mittelfristig attraktiv. Darum schlagen wir vor die Position unter 69 Euro wieder zu kaufen.

ANHEUSER-BUSCH INBEV N.V. 2018 geschätzt 2017
alt                        neu alt neu
Ergebnis 4,07                  3,55 3,44 3,57
Dividende 3,47                  1,59 2,66 2,75
KGV 20,02                18,69 27,02 26,07
KCV 12,39                 10,9 13,68 13,2
PEG 1,36                  0,96 1,47 -44,85

Die Europäische Kommission hat Takeda die Genehmigung für die Übernahme von Shire plc erteilt.

per 30.11.2018

P.S.: Dieser Brief wurde am 25. November geschrieben. Am 28. November hat Jerome Powell eine Rede in New York gehalten und gesagt der Leitzinssatz befinde sich nun „knapp unterhalb“ eines neutralen Levels. Kaum hatte er das gesagt, stieg der Dow- Jones-Index um 600 Punkte und die Rendite zehn- jähriger amerikanischer Staatsanleihen fiel auf 3%. Wie er betonte hält er die teils hohe Verschuldung amerikanischer Unternehmen für gefährlich. Für die Zukunft heisst das, die Fed erwartet eine schlechtere wirtschaftliche Entwicklung – schlecht für die Aktienkurse. Steigen die Zinsen nicht weiter und kommt wieder Zinssenkungsfantasie auf werden amerikanische Anleihen wieder interessant. Dann dürfte der Dollar auch wieder zur Schwäche neigen. Im Dezember sollten wir allerdings noch eine Zinserhöhung erleben. Im Moment versucht Donald Trump Druck auf die Notenbank auszuüben, da er niedrige Zinsen will. Die amerikanische Notenbank hat aber ein klares Mandat und darf nicht den Eindruck erwecken den Anforderungen des Präsidenten nachzugeben. Nicht die Twitter-Mitteilungen von Trump sondern wirtschaftliche Fakten müssen hinter ihren Entscheidungen stehen.

Diese Veröffentlichung dient ausschließlich der Information und stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zur Abgabe von Kauf-, Verkaufs- oder Zeichnungsaufträgen dar. Sie sind auch keine Entscheidungshilfen in rechtlichen, steuerlichen, wirtschaftlichen oder anderen Belangen. Alle Informationen beruhen auf Quellen, die wir als zuverlässig erachten. Sie dienen lediglich der Information und begründen kein Haftungsobligo. Anlagen können plötzlichen und erheblichen Wertverlusten unterworfen sein, mit der Folge, dass der Anleger möglicherweise nicht den investierten Gesamtbetrag zurückerhält. Bei Aktien bestehen gegenüber festverzinslichen Wertpapieren neben höheren Renditechan- cen auch wesentlich größere Risiken; ein Totalverlust kann nicht ausgeschlossen werden. Die individuellen Anlageziele, die Finanzlage oder die besonderen Bedürfnisse einzelner Empfänger wurden nicht berücksichtigt. Nutzer, die den Kauf der auf diesen Seiten beschriebenen Wertpa- piere in Erwägung ziehen, sollten im Hinblick auf die Ausstattung der Wertpapiere und Risiken, die mit diesen Wertpapieren verbunden sind, vor Erwerb der Wertpapiere die allein rechtlich verbindlichen endgültigen Angebotsbedingungen lesen, die in den endgültigen, offiziellen Verkaufsprospekt, gegebenenfalls aktualisiert durch Nachträge, einbe- zogen sind. Alleinige Grundlage für den Anteilerwerb sind die Verkaufs- unterlagen zu den Sondervermögen. Verkaufsunterlagen zu allen Sondervermögen sind kostenlos bei der Kapitalverwaltungsgesellschaft und der zuständigen Depotbank erhältlich. Wie halten Positionen in den in dem Informationsschreiben aufgeführten Werten.

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Allgemeiner Marktkommentar und Anlagestrategie Nr. 11


Wilen, den 3. November 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Oktober ist einer der besonders gefährlichen Monate, um am Aktienmarkt zu spekulieren. Die anderen Monate sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Dezember und Februar“, schrieb Mark Twain 1894. Der Dow-Jones-Index war damals gerade von 50 auf unter 30 Punkte gefallen. Der Oktober ist oft der Monat mit der höchsten Volatilität an den Börsen. Die Bilanz für das Jahr 2018 sieht bisher so aus:

Wertentwicklung

in Euro

DAX –11,40% –11,40%
EURO STOXX

50

 

–6,50%

 

–6,50%

S&P 500 (USD) 1,40% 6,50%
Nikkei (JPY) –4,10% 0,90%
Shanghai (CNY) –21,40% –20,60%
Gold (USD) –6,70% –2,00%

Ich war immer skeptisch, was das Ausmaß der Zinserhöhungen betrifft. Aus der einfachen Überlegung heraus, dass die hoch verschuldete Welt keine höheren Zinsen verkraftet, ohne in eine schwere Rezession zu stürzen. Die Grenze lag für mich bei einem Zinssatz von über 3 Prozent für zehnjährige US- Staatsanleihen. Inzwischen haben sie diese 3- Prozent-Hürde genommen. Noch ist nichts passiert, aber wir stehen auf schwankendem Boden.

Unter Präsident Barack Obama haben die republikanischen Abgeordneten immer die Haushaltsdisziplin angemahnt und die höheren Ausgabenwünsche der Regierung mit ihrer Mehrheit im Kongress abgelehnt. Unter Präsidenten Donald Trump gibt es diese Bedenken nicht mehr. Donald Trumps erstes Haushaltsdefizit beträgt 779 Milliarden US-Dollar. Damit ist das Defizit um 113 Milliarden US-Dollar gegen- über dem letzten Haushaltsjahr gestiegen. Es ist jetzt das höchste Haushaltsdefizit seit sechs Jahren und beträgt 3,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Eigentlich sollten Regierungen in einer gut laufenden Wirtschaftsphase Haushaltsdefizite verkleinern und Puffer für die nächste Krise aufbauen. Für das nächste Jahr nimmt die überoptimistische Trump-Regierung jedoch ein Defizit von 1,1 Billionen US- Dollar in Kauf (5,1 Prozent des BIP). Um das in Perspektive zu setzen: Die EU hält ein Budgetdefizit von 2,4 Prozent in Italien – weniger als die Hälfte der US- Prognose – für viel zu hoch.

Der Handelsstreit zwischen den USA und China dürfte eine Strategie sein, um ein Abkommen zu erreichen, das beide Seiten zu Hause – und Trump vor allen bei seinen Wählern – als Sieg verkaufen können. Auch der Vertrag zwischen Mexiko, Kanada und den USA hat nach Meinung der Experten nur zu leichten Verbesserungen für die USA, vor allem im Agrarsektor, also für Trump-Wähler, geführt. Wir sollten aber nicht vergessen, dass die Welthandelsorganisation für 2017 für die EU und China einen durchschnittlichen Importzoll von 5,1 Prozent bzw. 9,8 Prozent ausweist. Für die USA sind es nur 3,4 Prozent. Gegen China sind per Ende 2017 600 Anti- Dumping-Maßnahmen in Kraft. Die USA kommen nur auf 74. Sollte der Handelsstreit aber nur vorder- gründig sein und es in Wahrheit darum gehen, dass China die militärische Überlegenheit der USA infrage stellt, werden wir mit einer lang dauernden strategischen Auseinandersetzung auf wirtschaftlicher und politischer Ebene zu rechnen haben. Ein Hinweis darauf ist, dass der neue Vertrag zwischen den USA, Kanada und Mexiko einen Paragrafen enthält, der den Vertragsparteien den Abschluss von Handelsabkommen mit sogenannten „Nichtmarktwirtschaften“ untersagt. Das zielt eindeutig auf China.

Festverzinsliche Wertpapiere

Die USA steuern mit ihrem hohen Defizit in unbekannte Gewässer. Noch ist nicht entschieden, ob sie dem japanischen Beispiel folgen und die öffentliche Schuldenquote auch in stratosphärische Höhen (Ja- pan 245 Prozent des BIP) treiben. Der große Unterschied ist, dass die Japaner die größten Sparer und gleichzeitig einer der größten Kreditgeber der Welt sind. Die Amerikaner müssen hingegen Kapital im- portieren, um ihr Defizit zu finanzieren: Die Hälfte aller US-Staatsanleihen wird schon von Ausländern gehalten. Diese werden nicht endlos die ausufern- den Budgetdefizite finanzieren. Das sollte zu weiteren Zinssteigerungen führen, bis die Zentralbank ihre Schleusen wieder öffnet, um das Defizit zu finanzieren. Da die US-Wirtschaft noch gut läuft, sieht die US-Notenbank in diesem Umfeld ausschließlich auf die Fundamentaldaten zur Wirtschaft. Die Zinserhöhungen dürften erst ausgesetzt werden, wenn die US-Aktienkurse 20 Prozent unter ihrem Höchststand liegen. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt trotz der neuen, schwächeren Wirtschaftsdaten – z. B. ist der Einkaufsmanagerindex der Industrie zum neunten Mal gefallen und steht auf einem zweijährigen Tiefststand – dabei, aus der ultralockeren Geldpolitik aussteigen zu wollen. Vermutlich wird sie aber in den nächsten Monaten ihren Aus- blick nach unten anpassen. Was dazu führen wird, dass die Finanzmarkt-Teilnehmer dann eine weniger starke Zinserhöhung erwarten und die Anleiherenditen wieder sinken.

Allerdings gilt bei Zinsen: Prognosen sollte man nicht zu viel Beachtung schenken, wie die folgende Grafik deutlich zeigt. In der Vergangenheit haben die Marktteilnehmer die Geldpolitik, wie die Preise für Fed Fund Futures zeigen, nicht einmal andeutungsweise richtig eingeschätzt.

                                                                                      Quelle: Deutsche Bank

Von 2009 bis 2015 signalisierte der Markt, dass der Zinsanstieg kurz bevorsteht. Die Leitzinsen tendierten aber weiter gegen null. Seit 2016 wird der Zinsanstieg hingegen tendenziell unterschätzt.

Jedes Jahr zu Halloween zeigt das Analysten-Team von M&G einige furchterregende Charts aus der Finanzwirtschaft. In diesem Jahr bemüht sich die US- Notenbank mit Blick auf den boomenden Arbeitsmarkt und Börsen auf Rekordniveau, mit der Anhebung der Leitzinsen eine weiche Landung vorzubereiten. Aus der folgenden Grafik von M&G lässt sich allerdings erkennen, dass dies in den letzten 70 Jahren noch nie gelungen ist.

Aktien

2018 ist für amerikanische Unternehmen ein besonderes Jahr. Die Gewinne der US-Unternehmen können um bis zu 20 Prozent steigen. Allerdings trägt hierzu die Trump-Steuerreform einen großen Teil bei. Wie üblich extrapolieren die Analysten den Trend und erwarten weitere Gewinnsteigerung von 16 Prozent für die nächsten drei Jahre. Diese Ergebnisprognosen sind zu optimistisch. Denn erstens passen die bescheideneren Konjunkturerwartungen derselben Analysten nicht ins Bild und zweitens haben die Unternehmen bereits historisch hohe Gewinnmargen erreicht. Trotzdem erwarten Analysten von mehr als 80 Prozent der Unternehmen eine Margenausweitung. Mit Blick auf den steigenden Lohndruck und die steigenden Energie- und Rohstoffpreise halte ich das für unrealistisch. Deshalb sind die eingangs erwähnten Zinsen für US- Staatsanleihen auch so wichtig für die Aktienkurse:

  1. Je höher die Zinsen sind, desto attraktiver werden Anleihen im Verhältnis zu Aktien. Dies drückt die Bewertung von
  2. Die höheren Zinskosten führen zu niedrigeren Gewinnen bei
  3. Unternehmen mit schlechten Bilanzrelationen geraten zusätzlich unter Druck, da sich ihr Risiko in höheren Aufschlägen und Zinsen bei der Aufnahme von Krediten niederschlägt.
  4. Käufer, die auf Kredit Aktien erworben haben (in den USA über 600 Milliarden US- Dollar), müssen höhere Zinsen zahlen, was den Verkaufsdruck erhöht.
  5. Konsumenten schränken ihre Ausgaben ein, da Konsumentenkredite deutlich teurer werden. Die Nachfrage nach Konsumgütern geht zurück.
  1. Schuldner, die sich in US-Dollar verschuldet haben, werden von den steigenden Zinsen und vom im Moment steigenden US-Dollar zweifach

Wie sensibel der Markt ist, zeigt sich bei den Reaktionen auf geringer als erwartete Gewinnsteigerungen. So fiel die Fresenius-Aktie um gut 12 Prozent, während die ebenfalls im DAX notierte Tochter Fresenius Medical Care, die etwas stärker von den Prognosekürzungen betroffen war, um beinah 20 Prozent einbrach. Auch Continental fiel nach einer Korrektur der Gewinnzahlen deutlich. Heidelberg- Cement, das aufgrund von Wetterbedingungen und hohen Energiekosten eine vorsichtige Gewinnwarnung herausgab, ist am selben Tag um 7 Prozent gefallen. Die Aufzählung ist längst nicht vollständig, man könnte auch Osram, Zalando und Talanx noch aufzählen. Die Kursbewegungen nach unten häufen und verstärken sich in dem Ausmaß, in dem der Markt nervöser wird. In diesem Markt sind es gar nicht die Aktienverkäufe, sondern die mangelnde Kaufbereitschaft, die die Kurse fallen lässt. Davon sind natürlich vor allem Unternehmen betroffen, die in dieser Phase ihre Aktionäre über einen schlechteren Geschäftsgang unterrichten müssen.

Die Unternehmen kaufen im Moment in hohem Maße eigene Aktien zurück – in den USA wurde sogar ein neuer Rekord erzielt: Gemäß Gavekal Research entsprechen die Rückkäufe mittlerweile 3 Prozent der Gesamtmarktkapitalisierung des amerikanischen Aktienmarkts. Es stellt sich daher die Frage, ob diese Transaktionen nicht der Hauptgrund für die derzeit gute Wertentwicklung amerikanischer Aktien sind.

Auf den ersten Blick sieht dieses Financial Engineering gut aus, da es den Gewinn pro Aktie erhöht. Beunruhigend ist nur, dass die meisten Rückkäufe über höhere Schulden der Unternehmen finanziert werden. Das birgt im Umfeld steigender Zinsen für den Gewinn der Unternehmen eine zusätzliche Gefahr. Historisch ist außerdem festzustellen, dass die Unternehmen dann Aktien zurückkaufen, wenn die Bewertung der Aktien ihren Höhepunkt erreicht hat.

Währung

 

                                                                                       Quelle: Nordea Markets

Die Zinserhöhungen in den USA und Italien sind die Ursache für die Schwäche des Euro. Die Kurse der italienischen Staatsanleihen und der Euro/US-Dollar- Kurs bewegen sich im Tandem: Es geht nach unten. Der Chart zeigt deutlich wie der Euro auf politische Risiken reagiert. Das im Moment wichtigste Risikobarometer ist der Renditeaufschlag (Spread) der italienischen Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen. Er weitet sich immer mehr aus und der Euro wertet jedes Mal ab.

Rohstoffe

Die Sanktionen bzw. Strafzölle des US-Präsidenten haben auch auf die Rohstoffe erheblichen Einfluss. Die Absicht des Präsidenten ist es, mit seiner Sanktionspolitik Importe zu erschweren, um die heimische Wirtschaft zu stärken. Brasilien ist ein sehr wichtiger Agrargut-Produzent, unter anderem ist es der größte Sojabohnen-Exporteur der Welt. Jetzt schätzen Analysten, dass Brasilien in diesem Jahr ca. 1 Million Tonnen Sojabohnen von den USA importieren wird. Und dafür gibt es einen Grund: der Handelskrieg zwischen China und den USA. Als Antwort auf die neuen US-Zölle hat China, unter anderem einen Zoll von 25 Prozent auf US-Sojabohnen erhoben. Jetzt importieren die Chinesen die Sojabohnen aus Brasilien. Im August sind ungefähr 85 Prozent der brasilianischen Sojabohnenexporte nach China gegangen. Dies hat dazu geführt, dass die Preise für brasilianische Sojabohnen inzwischen 2 Dollar über denen der USA liegen. Für Brasilien eine einfache Rechnung: Sie exportieren ihre Sojabohnen nach China und decken den Inlandsbedarf mit billigeren Sojabohnen aus den USA. Ein Beispiel dafür, was in unserer stark vernetzten Welt plötzliche Änderungen der regulatorischen Vorschriften und Zölle anrichten können.

Gemäß den September-Zahlen des World Gold Council haben die Gold-Käufe der Zentralbanken im ersten Halbjahr 2018 ein 3-Jahres-Hoch (8 Prozent über dem Vorjahr) erreicht. In diesen Zahlen sind die Käufe der Bank von China nicht enthalten. Diese veröffentlicht ihre Käufe nicht. Die Analysten von Macquarie schreiben, dass die Zentralbanken dieses Jahr mit 264 metrischen Tonnen die größten Käufer von Gold waren. Der Preis von Gold ist zwar seit dem letzten Tiefpunkt von 2015 um ca. 150 US-Dollar gestiegen, sollte in diesem Umfeld aber weit höher notieren. Auch 2000 gab es sehr hohe Short- Positionen auf Gold. Als damals die Investorenstimmung in den USA drehte, mussten sie eingedeckt werden. Gold ist daraufhin in den folgenden zwölf Jahren um 650 Prozent und Goldminen um ca. 1600 Prozent gestiegen. Ich erwarte für die Zukunft eine deutliche Preisentwicklung nach oben, wenn es wie- der zu einer Flut von Eindeckung der bestehenden Short-Positionen kommt.

Portfoliostrategie

An den Märkten werden zurzeit kurze Erholungsphasen immer wieder von neu aufkommenden Krisenängsten ausgebremst. Im Ergebnis bleibt die Lage für Risikoanlagen problematisch, da neben den wirtschaftlichen vor allem auch die politischen Risiken nicht rasch gelöst werden können. Die sicheren Häfen dürften daher auf der Gewinnerseite stehen. Im Oktober hat sich unsere defensive Haltung bei Aktien bewährt. Allerdings haben sowohl die Goldminen als auch der Goldanteil im Musterportfolio noch keinen positiven Beitrag im Portfolio geleistet. Der Goldpreis konnte im Oktober die Marke von 1.200 US-Dollar zwar überschreiten, allerdings erholten sich Edelmetallaktien nicht im selben Maße: Nur ein Teil der Aktien konnte an der positiven Entwicklung des Goldpreises – wenn auch unterproportional – teilhaben. Das beste Ergebnis lieferte Agnico Eagle, die anders als erwartet statt eines kleinen Verlusts einen kleinen Gewinn erzielen konnten. Außerdem hat die Geschäftsführung das Ziel für die Jahresproduktion leicht erhöht: Ab 2020 will die Gesellschaft um 20 Prozent wachsen. Auch Newmont Mining konnte mit einem positiven Gewinn pro Aktie über- zeugen. Goldcorp. erwirtschaftete einen Verlust und eine um 6 Prozent niedrigere Produktion als erwartet. Der darüber hinaus negative freie Cashflow sorgte dafür, dass die Aktie nach der Veröffentlichung 19 Prozent verlor. Trotzdem liegt die Gesellschaft im Plan, da der Turnaround erst für das vierte Quartal dieses Jahres geplant war. Das echte Wachstum wird erst 2019 folgen, wenn die Peñasquito-Mine wie geplant wieder ihre volle Produktionskapazität er- reicht. Positiv zu vermerken ist, dass sich das Management entschlossen hat, jetzt eigene Aktien zurückzukaufen, denn so sollte eine Gesellschaft ihren Aktienrückkauf steuern: wenn die eigene Aktien auf einem niedrigen Kurs notieren, die Aktie unter Buch- und Nettoinventarwert notiert, die Industrie von Analysten gemieden wird und Anleger in Panik verkaufen, bevor das projektierte Produktionswachstum und damit ein besserer Cashflow einsetzt. David Garafalo, der CEO der Gesellschaft, bestätigte in der Analystenkonferenz: „An increase in proven and probable gold reserves to 53.5 million ounces, plus strong project delivery of expansions at Peñasquito, Musselwhite and Porcupine underpin our plan for a 20 percent increase in gold production, a 20 percent increase in gold reserves and a 20 percent reduction in AISC by 2021.“ Wir empfehlen daher, die Positionen weiter zu halten.

Kurs/Kauf Kurs/Ist Wert- Wert- Wertzuwachs
Euro Euro zuwachs zuwachs Kurs/Verk. nach Realisation
31. Okt in Euro in Prozent Euro in Prozent
Dignity PLC Montag 5.Feb. 8,59 Montag 4. Juni 11,87 38,26%
General Electric 12,30 Montag 4. Juni 11,95 -2,85%
Agnico-Eagle Mines 36,00 35,36 -0,64 -1,78%
Shire PLC 35,52 53,17 17,65 49,69%
Transocean LTD Montag 9.April 8,00 Montag 30. April 10,20 27,50%
ANHEUSER-BUSCH INBEV N.V. Montag 4. Juni 82,32 Montag 6. Aug. 86,73 5,36%
Goldcorp 11,88 7,97 -3,91 -32,91%
Agnico-Eagle Mines Dienstag 14.Aug. 33,68 35,36 1,68 4,99%
Totaler Wertzuwachs bei gleich großer Anlage in jedem Titel 17,07%

Mit freundlichen Grüßen

Ottmar Beck

Dax: -11,40% – Euro Stoxx 50 P: -6,50% – SMI: -3,83% – RexP: 0,87% – SBI: -1,70% – Gold(in US$): -6,70%

per 31.10.2018

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Allgemeiner Marktkommentar und Anlagestrategie Nr. 10


Wilen, den 5. September 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Rekordbewertungen von US-Unternehmen, die mit ihrem Geld immer mehr eigene Aktien zurück- kaufen, und einer US-Wirtschaft, die im Internet- rausch ist, werde ich immer skeptischer. Doch die Erfahrung zeigt: Bis die Märkte der Realität folgen, kann sich eine Hausse länger halten als gedacht. Was also tun, wenn man den Zinsanstieg in den USA als Auslöser für eine Rezession sieht? Zumindest in der Vergangenheit hat es sich immer bewährt, nach Märkten zu suchen, die unterbewertet sind – entweder weil sie unter Druck stehen oder unbeliebt sind. Im Fall einer Baisse ist das Verlustrisiko in die- sen Märkten nämlich kleiner. Einer Umfrage der Bank of America zufolge gehören zu diesem Kreis im Moment: Schwellenländer, Großbritannien, Rohstoffe, Energie und die Eurozone.

Das sind die Gründe: Die Schwellenländer bieten aufgrund ihres Bevölkerungswachstums und der teilweise inzwischen besseren Bildung langfristig mehr Potenzial. Großbritannien geht heute durch eine Krise. Aber wenn die europäischen Politiker statt in die Zukunft zu investieren unseren Wohl- stand weiter sinnlos verbrauchen, könnte Großbritannien ein Gewinner sein. Für Rohstoffe spricht, dass wir sie immer brauchen, aber in den letzten Jahren immer weniger in ihre Suche und ihren Ab- bau investiert wurde. Energie ist ein Dauerbrenner – oder wollen Sie ohne Strom leben? Europa:

Wie sich letzte Woche gezeigt hat, tickt in Italien eine Zeitbombe. Dort beläuft sich der Schuldenstand auf 130 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Die Regierung ist dabei, Haushaltslöcher durch Mindest- einkommen, Steuersenkungen und Rentenerhöhung noch zu vergrößern. Der neue Finanzplan sieht ein Haushaltsdefizit von 2,4 Prozent und eine deutliche Neuverschuldung für die nächsten drei Jahre vor.

Sollten die Märkte nicht mehr bereit sein, Italien zu finanzieren, dann ist der Euro-Rettungsschirm nicht groß genug, um Italien aufzufangen. Die gesamte Eurozone befindet sich daher am Rande einer Finanzkrise. Zurzeit müssen wir davon ausgehen, dass Italien die Eurozone kräftig erpressen wird. Denn auch die Regierungen wissen, dass die Banken nicht auf eine Staatspleite vorbereitet sind. Sie dürfen nach wie vor Staatsanleihen als ausfallsicher behandeln und müssen keinerlei Eigenkapital für sie hinterlegen. Eine Haushaltskrise wird dadurch zwangsläufig wieder zu einer Finanzkrise, denn die Banken, die Italien Geld geliehen haben, würden Schaden nehmen. Sollte die Finanzierung nicht klappen, droht Europaminister Savona mit „Plan B“, dem Italexit.

Und dann ist da noch England. Der Chef der britischen Notenbank, Mark Carney, hat vor einem drastischen Verfall der Immobilienpreise in Großbritannien gewarnt, falls es keinen geordneten Brexit geben sollte. Er vergleicht die möglichen Auswirkungen eines ungeordneten Austritts, also ohne Abkommen, mit der Finanzkrise von vor zehn Jahren. Seiner Meinung nach könnten die Immobilienpreise innerhalb von drei Jahren um 30 Prozent fallen. Großbritannien wird am 29. März 2019 aus der EU ausscheiden. Spätestens nach der nächsten Sondersitzung der EU sollten wir wissen, ob die Parteien eine Lösung finden.

Griechenland soll es geschafft haben. Es ist mit fast 290 Milliarden Euro von den Euro-Ländern und vom Internationalen Währungsfonds gerettet worden.

Inzwischen kann sich das Land wieder selbst finanzieren. Trotz harter Reformen liegt die Schuldenlast aber immer noch bei 180 Prozent der Wirtschaftsleistung. Nach Ansicht seiner Partner soll das Land noch 40 Jahre eisern sparen, um diese Schulden abzutragen. Ich möchte behaupten, dass dies kein Land der Welt je geschafft hat.

Das Problem ist die Höhe der Schulden. Denn es gibt nur vier Arten für Politiker, um Schulden zu reduzieren:

  1. Ausgaben reduzieren
  2. Schulden nicht mehr zurückzahlen
  3. Steuererhöhungen
  4. Zentralbank druckt Geld oder gibt Garantien ab

Die Punkte 1 bis 3 sind negativ für die Wirtschaft und Kapitalanleger. Punkt 4 führt zu einer Geldentwertung und ist so lange positiv für die Bewertung von Sachanlagen, bis aus der Inflation eine Deflation wird.

Festverzinsliche Wertpapiere

Wie auch in Italien dürften die Ausgaben für Zinsen in den nächsten Jahren auch in Amerika zur größten Haushaltsposition werden. Schon jetzt sind die Zinsen dort die am schnellsten wachsende Haushaltsausgabe. Die Kosten der Zinsen dürften im nächsten Jahr 390 Milliarden US-Dollar erreichen. Das sind gemäß dem Congressional Budget Office beinahe 50 Prozent mehr als 2017. Nach Schätzungen des Office werden die Zinsen 2028 13 Prozent der Haushaltsausgaben ausmachen.

Das Schlimme ist, dass das Defizit in den USA zunimmt, obwohl die Wirtschaft boomt. Das bedingt, dass die Regierung in Zukunft weniger Spielraum hat, wenn das wirtschaftliche Wachstum nachlässt.

Das wird auch dazu führen, dass viele Projekte, wie zum Beispiel die von Präsident Trump vorgeschlagenen Investitionen in die Infrastruktur, nicht umgesetzt werden können. Solange die USA allerdings die Nummer 1 der Welt sind, werden sie jede Finanzkrise – wie schon vor zehn Jahren – exportieren.

Fazit: die Zinsen werden auch langfristig niedrig bleiben.

Aktien

Die Wall Street verzeichnet neue Höchstkurse. Aber der Aufschwung an der US-Börse konzentriert sich auf immer weniger Aktien. Apple ist die erste Gesellschaft, die eine Marktkapitalisierung von über 1 Billiarden US-Dollar erreicht hat. Damit ist sie mit 4,5 Prozent im S&P 500 gewichtet. Eine Gewichtung im S&P 500 von über 4 Prozent haben in der Vergangenheit nur wenige Gesellschaften erreicht – und genauso schnell wieder verloren.

Nach Apple ist es nun auch Amazon gelungen, die Marke von 1 Billiarde US-Dollar Marktkapitalisierung zu durchbrechen. Im Index ist aber keine breite Aufwärtsbewegung zu sehen. Hinter dem Rekord im S&P 500 stehen sechs Aktien: Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Microsoft und Google. Eine so geringe Marktbreite war in der Vergangenheit immer ein deutliches Warnsignal. In den letzten 25 Jahren sind Aktien immer gefallen, wenn der Dow Jones Index neue Höchststände erreicht hat, während weniger als 50 Prozent der an der NYSE notierten Ak- tien über der 200-Tage-Durchschnittslinie notierten. 1998/99 zeigt aber auch, es kann dauern.

Kaum Verkäufe, ein unerprobtes Geschäftsmodell, große Verluste und eine fantastische Bewertung in einem boomenden Aktienmarkt. Kommt Ihnen das bekannt vor? Können Sie sich noch an Infospace erinnern? Der CEO, Naveen Jain, erklärte 2000, dass die Gesellschaft eine Milliarden-Dollar-Firma wird. Die Aktie wurde im März 2000 mit 1.300 US-Dollar bewertet – und fiel zwei Jahre später auf 3 US- Dollar. Naveen Jain hat zuletzt eine neue Gesell- schaft, Moon Express, gegründet. Diese Gesellschaft will die Landung von Robotern auf dem Mond finanzieren, die Gold und Platin schürfen sollen. Über den Daumen gepeilt können Sie die Bewertung einer Firma abschätzen, wenn Sie den Marktwert durch 10 teilen und überprüfen, ob die Firma diesen Wert jährlich erwirtschaften kann. Tesla muss zum Beispiel – im Gegensatz zu Google oder Facebook, deren Grenzkosten gegen null tendieren – Autos bauen. Und im Moment scheint es, dass diese immer noch von Hand zusammengesetzt werden. Tesla hat im letzten Quartal 118 Millionen US-Dollar verloren und einen negativen Cashflow, wird aber mit 50 Milliarden US-Dollar bewertet. Um 5 Milliarden US- Dollar Einkommen zu generieren, muss es 1 Million Autos mit einem Gewinn nach Steuern von 5.000 US- Dollar produzieren und verkaufen. Und das, obwohl im Moment viele Gesellschaften Elektroautos auf den Markt bringen.

Währung

Der US-Dollar hat sich bisher noch in jeder Krise als die richtige Fluchtwährung erwiesen. Langfristig- könnte es jedoch anders aussehen: Kommt es zu einer stärkeren Rezession in den USA wird die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinsen wieder senken und die Geldmenge erhöhen.

Darüber hinaus wird die in- und ausländische Nach- frage nach amerikanischen Staatsanleihen nicht mehr mit den Ausgaben der Regierung Schritt halten. Deshalb wird die Zentralbank mehr Geld drucken und das Defizit finanzieren müssen. Das wiederum wird zu einer Abwertung des US-Dollar führen. Aber bis dahin ist es noch viel Zeit. Sie sollten das Szenario für die nächsten drei Jahre jedoch im Kopf behalten. Im Moment ist der US-Dollar eine interessante Anlage.

Rohstoffe

Ein Vergleich zwischen dem Dow-Jones-Index und Gold über die letzten 100 Jahre zeigt, wann Gold nachgefragt wurde. Im Moment ist Gold wieder einmal in Ungnade gefallen: Der Goldpreis fiel seit 2011 um 35 Prozent – damit beträgt das Verhältnis Dow Jones zu Gold 20. Damit haben wir zwar noch nicht die Extremverhältnisse von 1970 oder 1999 erreicht. Aber wir haben ein Verhältnis über 18.

1929 begann bei diesem Wert die erste Periode einer extremen Überbewertung. Wobei niemand sagen kann, wann sich dieses Verhältnis wieder dreht. Aber dass es sich dreht, dürfte sicher sein. Zurzeit lässt die Ankündigung der Fed, die Zinsen weiter anzuheben, bei Goldinvestoren keine Euphorie aufkommen.

Schweizer Raffinerien bereiten einen erheblichen Teil des in aller Welt nachgefragten Goldes auf. Aus den Zahlen lassen sich somit, in aller Vorsicht, gewisse Aussagen über die physische Goldnachfrage weltweit treffen. Die Gold-Exporte der Schweiz sind im August 2018 gegenüber dem Vormonat um 30 Prozent gestiegen, auf beinahe 151 Tonnen. Wie es aussieht, zieht die psychische Nachfrage vor allem in Asien an. Größter Abnehmer war China. Das Land kaufte im August 44,3 Tonnen Gold aus der Schweiz, mehr als doppelt so viel wie im Juli. Außerdem wurden 3,3 Tonnen an Hongkong geliefert. Indien war mit 39,5 Tonnen auf Platz zwei. An dritter Stelle folgt Thailand mit 21,2 Tonnen. Die physische Nachfrage ist also weiter vorhanden.

Mit freundlichen Grüßen

Ottmar Beck

Dax: -5,19% – Euro Stoxx 50 P: -0,63% – SMI: -3,13% – RexP: -0,58% – SBI: -2,26% – Gold(in US$): -8,46%

per 28.09.2018

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Deutsche Commerzbank???


Derzeit wird in der Presse wieder über eine Fusion der Commerzbank mit der Deutsche Bank spekuliert, die (ahnungslose) Politik soll dem auch gewogen sein. Dabei werden alt bekannte Schlagworte  wie Bündelung der Kräfte, Ausnutzung von Skaleneffekten, Abbau von hohen Kosten in der Verwaltung und Angriff im Bereich des Auslandsgeschäftes (Deutschland braucht eine globale starke Bank!?!?). Und zu guter letzt wird der Angriff  auf die Übermacht der Sparkassen und Genossenschaftsbanken wieder bemüht. Letztlich ist das das  Argumentarium der dahinter stehenden Beratungsgesellschaften à la Mc Kinsey und Boston Consult & Co., die damit neue Mandate mit unverschämt hohen Honorare begründen wollen, aber  alles olle Schubladen-Kamellen sind, welche vor nahezu zwei Jahrzehnten angewendet wurden und zu einer weiteren Verschärfung der Bankenkrise geführt haben.

Wenn dann ein solch möglicher  Zusammenschluss  noch als alternativlos bezeichnet wird, stellt sich die Frage, ob ein erfolgreiches Wirtschaften nur im Zusammenhang mit Fusionen möglich ist? Sicherlich nicht, was größere Sparkassen und Volksbanken  mit kleineren Bilanzsummen, aber deutlich besseren Ertragsziffern nicht nur in Prozent, sondern auch in Euro belegen.  Wenn das jetzige Management beider Banken nicht in der Lage ist, auf die Füße zu  kommen, somit nicht gezeigt hat, dass sie fähig sind, ihre Banken wieder profitabel zu machen, warum soll das dann fusioniert klappen?

Schauen wir uns beide Banken mal näher an. Die Commerzbank, getrieben von Beratungsgesellschaften, insbesondere von McKinsey (drei Vorstandsmitglieder kommen von dort, ein weiteres Mitglied von der in Konkurs gegangenen Anderson Consult), wendet eine Strategie an, welche bei der Dresdner Bank schon nicht zum Erfolg geführt hat. Und die Deutsche Bank wird im Wesentlichen unverändert vom Investmentbanking geführt (siehe Vorstandsmitglieder und Aufsichtsratsvorsitzender) und von den Investmentbankern weiterhin ausgenommen. Zudem sind die vielen Rechtsstreitigkeiten noch lange nicht ausgestanden und es muss daher die Feststellung erlaubt sein, dass dieses Institut noch lange nicht über den Berg ist. Außerdem hat sich die Deutsche Bank im Kreditgeschäft insbesondere im Mittelstand nie wohlgefühlt und ist beim kleinsten Nieseln stets ausgestiegen. Somit ist diese Bank im Mittelstandsgeschäft nie so richtig angekommen, viele Unternehmen meiden daher diese Bank. Was das fusioniert bedeutet, mag man sich  gar nicht ausdenken.

Aber gehen wir fairerweise auf das obige  Argumentarium der Beratungsgesellschaften, welche von den Wirtschaftsjournalisten nachgeplappert werden, ein.

Bündelung der Kräfte: Zunächst würden sich beide Banken  bei einer Fusion auf Jahre hinaus selbst beschäftigen, Personal würde frei gesetzt werden(Bündelung der Kräfte??), die Kunden wären nur ein lästiges Beiwerk. Die Beratungsgesellschaften würden die Banken excelmäßig überziehen und Anforderungen am laufenden Band erstellen, welche das Tagesgeschäft abtöten würde. Das Zusammenführen der beiden (lousy) IT-Systeme würde das noch erschweren. Hinzu kämen Betreuerwechsel im großen Ausmaß, so das Kunden wiederum zu den Sparkassen und Volksbanken abwandern würden. Hinweis: Bankgeschäft ist ein recht sensibles, ich möchte sogar sagen intimes Geschäft und verträgt permanente Betreuerwechsel nicht. Das haben die Bankvorstände und die Beratungsgeschaften in der Vergangenheit grundsätzlich  nie begriffen. Ergebnis: bekannt.

Ausnutzung von Skaleneffekten: Einfach die Kunden wie Waren zusammenzuwerfen und andererseits Personen entlassen, d.h. Erträge bleiben, Kosten gehen runter, hat bisher bei den Geschäftsbanken noch nie so richtig geklappt. Kosten produzieren Erträge, eine Erkenntnis, welche die Bankvorstände und Beratungsgesellschaften ebenfalls noch nicht begriffen haben.

Abbau von Kosten in der Verwaltung: Bei beiden Banken stünde dann  Zentralisierung an oberster Stelle. Damit will man Kosten in der Verwaltung einsparen. Zentralisierungen haben aber den Nachteil, dass damit die Zentralen der Banken immer größer werden, in der Fläche bei den Kunden  aber immer kleiner. Somit entstehen große Wasserköpfe in den Zentralen zu Lasten der Fläche und damit zu Lasten der Bedienung der Kunden. Mir ist es bisher nirgendwo bekannt geworden, das nach einem solchen “Kostenabbau” die Personalstärke in den Bankzentralen gefallen ist, im Gegenteil. Zudem konzentriert man die Betreuer in diesen Zentralen mit der Folge, dass die Betreuer weite und kostenträchtige Wege fahren müssen, um zu ihren Kunden zu kommen. Es geht im Bankgeschäft nicht alles über E-Mail und Telefon, das haben die Bankoberen bis heute immer noch nicht begriffen.

Deutschland braucht als Exportnation eine große starke Bank: Mumpitz kann man da nur sagen. Wir haben schon seit Jahren keine starken globalen  Banken mehr und dennoch konnte Deutschland  einen immer wachsenden Exportüberschuss verzeichnen. Es gibt so viele Möglichkeiten, die Exporteure in die Welt zu begleiten, da bedarf es keine starken  und von den Investmentbankern durchsetzte Banken.

Angriff auf die Übermacht der Sparkassen und Volksbanken: An diesen Bankengruppen sollten sich die Commerzbank und die Deutsche Bank ein Beispiel nehmen, die kümmern sich noch am meisten um ihre Kunden und bedienen entsprechend das Kreditgeschäft. Die Commerzbank möchte ich hier etwas ausnehmen, die hat das Kreditgeschäft  ebenfalls als Hauptanker erkannt. Allerdings sollte sie die blödsinnigen Willkommensgeschenke einstellen, die produzieren nur Karteileichen. Und die Deutsche Bank, na ja !

Fazit:

Ein Zusammenschluss beider Banken ist und bleibt ein Blödsinn, kostet eine Menge Arbeitsplätze, fällt dem Staat und damit wiederum den Steuerzahlern mit einer großen Menge an Sozialkosten voll auf die Füße (der Sozialdemokrat Scholz sollte sich sein Votum daher sehr gut überlegen) und bedient nur wieder die Beratungsgesellschaften angelsächsischer Prägung  und meinen Freunden, den gierigen Investmentbankern, mit dreistelligen Millionen-Honorare, welche in einer richtigen Restrukturierung beider Banken sicherlich besser aufgehoben wären. Ergo, an der Situation wie vor 10 Jahren hat sich nichts geändert!!!!!!!

Warum hochgeschätzte Wirtschaftsjournalisten einen solchen Blödsinn unterstützen, ist mir daher ein absolutes Rätsel.

13. September 2018

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”