Die Vermögensanlage – das Opfer der digitalisierten Technik

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Erst kürzlich konnte ich folgenden Kommentar lesen:

„Das war die schicksalhafte, regelmäßig wiederkehrende Seuche, deren Verwüstungen alle zehn bis fünfzehn Jahre an den so genannten schwarzen Freitagen, den Markt ausfegen und den Boden mit Trümmern übersäen. Es braucht Jahre, bis das Vertrauen zurückkehrt und die großen Bankhäuser wieder aufgebaut sind – bis eines Tages die Spekulationswut, allmählich neu belebt, wieder aufflammt, das Abenteuer von vorn beginnt, eine neue Krise herbeiführt und in einem Desaster alles zum Einsturz bringt“.

Dieser Kommentar wurde nicht nach der Dotcom-Krise in 2000 oder nach der Finanz- und Schuldenkrise in 2008 geschrieben, sondern 1890 in dem Buch von Emile Zola mit dem Titel „Das Geld“ und behandelt eine Krise um das Jahr 1867, also vor knapp 150 Jahren.

Man kann somit festhalten, dass sich am Grundprinzip der Börsen, die durch menschliche Gier befeuerte Spekulationswut, nichts verändert hat, bzw. sich das Wesentliche immer wiederholt.

Gerade jetzt, bei relativ hohen Daxständen, sollte man sich das vor Augen führen und nicht nur auf die Analysten vertrauen, die wiederum nur auf die Sprechblasen der EZB setzen.

Auf dem Prinzip der Wiederholung bauen die digitalisierten Wahrscheinlichkeitsrechnungen mit hohen Rechnerkapazitäten auf und bevorzugen  somit die Betreiber solcher Kapazitäten, welche wie bei  Wettervorhersagen das Wetter nunmehr auch die wirtschaftlichen Entwicklungen von Dollar, Dax & Co.  immer trefflicher vorhersagen können. Damit lassen sich Finanzprodukte auch aus Gründen einer gewollten Intransparenz sehr gut strukturieren mit dem Ziel eines maximalen Ertrages für den Strukturierenden.

Grundsätzlich gilt aber, dass der Strukturierende nur seinen Vorteil im Auge hat, der nur durch den Nachteil des anderen zustande kommen kann.

Verändert hat sich über diese digitalisierte Technik lediglich das Angebot der Vermögensanlagen, die sich hauptsächlich aus komplex strukturierten Finanzprodukten mit ungewissen Ausgang zusammensetzen, die aber für die Finanzindustrie eine äußerst lukrativ Einnahmequelle  darstellen.

Dies dürfte auch der Grund dafür sein, warum der deutsche ” Bankenprimus” (??) die in diesem Jahr vorgenommene Kapitalerhöhung von rd. € 8 Milliarden für die Digitalisierung des Privatkundengeschäftes – was immer das heißen mag – größtenteils einsetzen will.

Der Anleger / Bankkunde bzw. die Vermögensanlage  ist somit das Opfer dieser neuen Technik.

16. Dezember 2014

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

 

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