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Life Forestry Group – reloaded –

Am  4.März 2015 veröffentlichte ich in diesem Blog eine kritische und warnende Analyse zu den Vermögensanlageprodukten der  Life Forestry Group, welche in ähnlicher Form auch von namhaften Presseorganen im Internet zu finden sind. Insbesondere die hohe Intransparenz wird u.a. vom Handelsblatt hier angeführt.

Am 5 Mai 2015 erhielt ich per FAX von Herrn Lambert Liesenberg, CEO der Life Forestry Group, ein Unterlassungsgesuch zur Entfernung dieser Analyse aus dem Internet mit wüsten Beschimpfungen und Behauptungen zugestellt, welche doch sehr grenzwertig sind und in ihrer Aggressivität einem bekannten Muster entsprechen.

Schriftlich bin ich dann auf diese Vorwürfe eingegangen und habe  ergänzende Fragen zu den Anlageprodukten der Life Forestry Group mit der Bitte um Beantwortung gestellt. Bis zur Beantwortung dieser Fragen hatte ich diese Analyse aus dem Internet genommen, allerdings den Hinweis gegeben, dass ich diesen zusammen mit dem Unterlassungsgesuch und meine Antwort darauf in diesem Blog wieder veröffentlichen werde, sollte ich von Herrn Liesenberg diese Fragen nicht beantwortet bekommen.

Daraufhin erhielt ich vom Rechtsanwalt der Life Forestry Group, Herrn Ingo Haßdenteufel, schriftlich die Androhung, eine gerichtliche Unterlassungsverfügung einzuholen, sollte ich diesen Beitrag und den Schriftwechsel hierzu in diesem Blog veröffentlichen. Er führte allerdings anfangs aus, dass ihm dieser Beitrag/diese Analyse nicht vorlag, er sich aber „den Inhalt dieses Beitrags nach dem Unterlassungsgesuch jedoch hinreichend vorstellen könne“. Folge war, dass einige seiner Aussagen völlig falsch sind und zudem aus dem Zusammenhang gerissen wurden.

Damit nicht noch mehr Anlagegelder als Honorare für Herrn Haßdenteufel enden, habe ich mich entschlossen, diese Analyse und den Schriftwechsel hierzu nicht mehr in diesem Blog zu veröffentlichen. Allerdings möchte ich dem potenziellen Anleger Hilfestellung mit zu stellenden Fragen geben, sollte er sich für die Anlageprodukte der Life Forestry Group  entscheiden wollen.

Ähnliche Ausführungen können im Übrigen auch in meinem Beitrag  „Investments in Teakholz und in andere exotische Produkte“ vom 4.6.2015 nachgelesen werden.

Gegenstand des Vermögensanlageangebots von Life Forestry  ist der Verkauf von Teakbäumen in Costa Rica und Ecuador an Vermögensanleger, welche nach einer 20 jährigen Wachstumsphase und somit nach einer 20 jährigen Laufzeit der Vermögensanlage mit Gewinn verkauft werden sollen.

Die Struktur der Life Forestry Groupn hierzu sieht wie folgt aus:

  • Eigentümer von Grund und Boden sind die Tochtergesellschaften Life Forestry Ecuador S.A. und Life Forestry Costa Rica S.A.
  • Eigentümer der Bäume ist die Life Forestry Switzerland AG, welche als Verkäuferin der Bäume auftritt.
  • Die Life Forestry Switzerland beauftragt wiederum die Tochtergesellschaften Plantation Management Ecuador S.A. und Plantation Management Costa Rica S.A. mit der Bewirtschaftung der Plantagen.
  • Die Life Forestry Foundation, also ein Stiftung mit Sitz im Fürstentum Liechtenstein, soll über zu bildende Rückstellungen die Bewirtschaftung der Life Forestry Plantage bis zur Ernte  sichern, bzw. sicherstellen, dass die Bewirtschaftung dauerhaft finanziert wird.

Unter dieser Struktur vereinnahmt die Life Forestry zu Beginn des Investments den Preis eines fertigen Baums, die Setzlinge dazu kosten aber nur wenige Cent, über den Restbetrag kann das Unternehmen nach freiem Gutdünken oder wirtschaftlicher Notwendigkeit in den nachfolgenden 20 Jahren entsprechend verfügen. Somit vertraut der Anleger dem Unternehmen 20 Jahre lang sein Geld an.

Hieraus ergeben sich meines Erachtens folgende Fragen:

Frage 1:

Wie sehen die wirtschaftlichen Verhältnisse der Life Forestry Group insgesamt aus?

Festgestellt werden kann dies nur durch die Vorlage der aktuellen Bilanzziffern aller Gesellschaften inklusive der Life Forestry Foundation (Stiftung), in welcher die überschüssigen Gelder verwaltet werden.

Begnügen Sie sich hierbei nicht mit dem Gegenargument, dass es sich beim Kauf der Bäume um einen sachenrechtlichen Kauf handelt und nicht um eine Beteiligung und somit der Einblick nicht notwendig sei. Beim Kauf der Bäume vertrauen Sie als Anleger der Life Forestry einen erheblichen Betrag zur Hege und Pflege und letztlich späteren Verkauf der Bäume an und da ist es schon wichtig zu erfahren, was mit dem Anlegergeld in den folgenden 20 Jahren passiert.

Als Vergleich hierzu führte Herr Liesenberg mir gegenüber folgendes aus: “Hier geht es nicht um eine Beteiligung an einem Autohaus, sondern um den Kauf eines Autos. Wenn Sie einen Liter Milch im Supermarkt kaufen, fragen Sie dann zuvor auch erst nach der Bonität des Ladeninhabers?“.

Seltsame Vergleiche. Weder beim Kauf eines Autos noch beim Kauf eines Liters Milch besteht ein 20 jähriger Servicevertrag mit vorausgezahlten Servicegebühren.

Da der Life Forestry ein 20ig-jähriger Vertrauensvorschuss vom Anleger gegeben werden soll, wäre zudem die Frage berechtigt, wie die Ziffern der Life Forestry jährlich überprüft werden können.

Frage 2:

Wie werden diese Gelder der Stiftung angelegt, damit die dauerhafte Bewirtschaftung gesichert ist?

Bei den vielen strukturierten und mit hohem Risiko behafteten Finanzprodukten auf den Finanzmärkten ist das eine sehr essentielle Frage.

Frage 3:

Ist es gewährleistet, dass die Bäume frei von Rechten Dritter sind?

Da die Gesellschaften in Costa Rica und Ecuador die Eigentümer von Grund und Boden sind, die Life Forestry Switzerland bzw. die Anleger dagegen die Eigentümer der Bäume, welche nach deutschem Recht allerdings Bestandteil eines Grundstücks sind, wäre die Frage dringend zu klären. Angenommen, die Plantagen wären über eine Bank finanziert und diese hätte sich ein Grundrecht (Grundschuld/Hypothek) auf diesen Plantagen einräumen lassen, hätte die Bank im Insolvenzfall vor den Anlegern Zugriff auch auf die Bäume.

Herr Liesenberg führte hierzu folgendes aus: „Life Forestry verfügt über Rechtsgutachten, welche eindeutig bestätigen, dass die rechtliche Trennung von Bäumen und Grund in Costa Rica und Ecuador möglich ist“.  Wenn etwas möglich ist, ist es  nicht real. Zwischen möglich und eindeutig klaffen Welten.

Die Vorlage dieser Rechtsgutachten sollten Sie als Anleger dringend einfordern und von einem Sachverständigen prüfen lassen. Vielleicht irre ich mich auch, nobody is perfect!

Frage 4:

Wer sind die Eigentümer der Life Forestry Group?

Diese Frage ist insofern wichtig, da es in dieser Branche schon Insolvenzen gegeben hat.  Sollte es Verbindungen zur in Konkurs gegangenen Schweizer Gesellschaft  „Prime Forestry“ geben, wäre das entsprechend zu begründen.

Interessant auch hier die Vergleiche von Herrn Liesenberg:” Und wer ein Auto kaufen will, benötigt eben genau keine Informationen, wem das Autohaus gehört”. Siehe hierzu Frage 1.

 

Dies wären die wichtigsten Fragen zur Klärung der Seriosität einer Vermögensanlage, welche weder  Herr Liesenberg noch sein Rechtsanwalt Herr Haßdenteufel beantworten wollten.Kommentar hierzu erspare ich mir.

Die Beantwortung dieser Fragen und somit Vorlage der entsprechenden Unterlagen wären wichtig und dringend erforderlich für ein so langfristiges Investment. Der Vermögensanleger muss sich zudem die Fragen stellen,

  • ob ein so langfristiges Investment in weit entfernten Ländern ohne entsprechend erforderlicher Kontrolle in sein Portfolio passt
  • ob er die Ungewissheit der Preise von Teakholz in 20 Jahren eingehen will
  • ob er eine ausschüttungsfreie Zeit von mehreren Jahren in Kauf nehmen will und
  • ob er die Ungewissheit von 5 verschiedenen Rechtssystemen (Deutschland, Schweiz, Liechtenstein, Costa Rica, Ecuador) im Falle von Rechtsstreitigkeiten in Kauf nehmen will.

Aufgrund dieser dargelegten Intransparenz kann  dieses Angebot für eine Vermögensanlage nur als mit hohen Risiko behaftet bezeichnet werden. Es liegt an den Handelnden der Life Forestry Group, diese Intransparenz in  eine Transparenz umzuwandeln.

18. Juli 2015

Elmar Emde

Autor des Buches ” Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de