Zeit für mehr Realität

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Das große Thema unserer Zeit ist der Klimaschutz, und das zu Recht. Ob allerdings diesen die Menschheit bei einer zwischenzeitlichen Weltbevölkerung von 7,8 Milliarden Menschen mit wachsender Tendenz umsetzen kann bleibt leider fraglich. Hinderungsgründe sind die vielen sehr unterschiedlichen nationalen und wirtschaftlichen Interessen, viele politische Spannungen und die immer noch große weltweite Armut, welche den Klimaschutz ganz hinten anstellt bzw. solchen gar nicht kennt.

Um die Klimaziele erreichen zu können, versuchen die europäischen Politiker dies mit Verboten zu erreichen und favorisieren dabei angeblich umweltgerechte Alternativen, deren genauere Betrachtung und Analyse doch erhebliche Zweifel aufkommen lassen.

Einer dieser Alternativen ist das Batterie betriebene E-Auto. Dieses soll den PkW mit Verbrennungsmotor bis etwa 2035 ablösen, danach soll die Produktion der Verbrenner verboten werden.

„Verbote provozieren in einer Demokratie  Fragen“

Wenn Verbote im Raum stehen und letztlich nur eine Möglichkeit des Antriebs von Kraftfahrzeugen erlauben wird, provoziert das Fragen insbesondere in einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft, ob diese Verbote sinnvoll und auf breiter Front wissenschaftlich untermauert sind.

Erste Frage hierzu wäre, ob das deutsche Stromnetz hierfür die notwendige permanente Stromleistung zur Verfügung stellen kann. Hierzu der beiliegende Podcast von Prof. Lesch, bekannt aus vielen Wissenschaftsmagazinen des zdf.

Podcast von Prof. Lersch

Jetzt gibt es zu diesen Aussagen von Prof. Lesch auch wiederum Kritik, die sich an folgenden Punkten reibt:

Anzahl der ständig am Stromnetz aufzuladenden E-Autos:

Verglichen wird dies mit den ca. 100.000 Benzinzapfsäulen, die nie gleichzeitig zum Auftanken benutzt wurden und dies gleich setzt mit dem Aufladen der E-Autos. Allerdings vergisst hier der Kritiker, dass das Auftanken eines Verbrenners in wenigen Minuten erfolgt, somit grundsätzlich alle Zapfsäulen nie permanent benutzt werden, das Aufladen der E-Auto-Batterie aber Stunden dauern kann und somit die Stromzapfsäule dafür permanent benutzt wird und damit deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt.

Aufladeleistung von 350kW pro Aufladevorgang:

Ob diese Höhe notwendig ist, bleibt für mich umstritten, zumal dies von diversen Faktoren wie Anschluss/Steckdose und die Stromart abhängen. Teilweise wird nach jeder Fahrt wieder aufgeladen, welches einer deutlich geringeren Aufladeleistung bedarf. Geht man aber von einer deutlich geringeren Ladeleistung von 30 bis 50 kW für das gesamte Aufladen der Autobatterie aus, wären das bei 1 Million E-Autos, also einem nur rd. 50stel des derzeitigen PkW-Bestandes, immer noch 30 bis 50 GW. Berücksichtigt man dann den Umstand, dass bei 50 Millionen E-Autos nicht nur 1 Million E-Autos sondern ein sehr großer Teil davon ständig am Netz hängen und aufgeladen werden, welches nicht nur im Winter sehr stark zu beobachten ist, unterstreicht dies letztlich die kritischen Ausführungen im obigen Podcast.

Wenn dann diese Kritik bspw. von einem jungen Meinungsberater ohne wissenschaftlichen Hintergrund hinaus posaunt wird, stellt sich für mich wiederum die Frage, wer denn der Auftraggeber für solche Podcast-Kritiken ist. Tesla/Herr Musk  oder das grüne Parteienspektrum?

Eine weitere Frage ergibt sich daraus, ob ein Batterie betriebenes E-Auto wirklich so umweltgerecht ist, wie der Mainstream dies uns ständig einzuhämmern versucht.Hierzu ein weiterer Podcast, in dem das renommierte Fraunhofer Institut und wiederum Herr Prof. Lesch zu Wort kommen.

Die Aussagen dieses Podcasts sind doch recht besorgniserregend und stellen die bisherige Umweltpolitik, welche das Batterie betriebene Auto den absoluten Vorzug gibt, völlig auf den Kopf.

Man muss sich daher wirklich fragen, warum solche fundierte Kritiken aus der Wissenschaft weder von der Politik noch von der Presse aufgenommen, darüber berichtet und kritisiert werden. Irgendwie fühle ich mich in die Jahre 2004 bis 2007/2008 zurückversetzt, in der insbesondere die Wirtschaftspresse die strukturierten Finanzprodukte und im gleichen Atemzug die Deutsche Bank als die Heilsbringer der neuen und modernen Finanzwelt gepriesen haben, bis sie in 2008 einen herben Dämpfer erfahren mussten.

Presse missachtet kritische Stimmen aus der Wissenschaft“

Das Thema der E-Mobilität, sinnvoll oder unsinnig, ist kein leichtes und lässt noch viele Fragen offen, auch für mich. Andererseits gibt es Wirtschaftsjournalisten mit einer sehr einseitigen Sichtweise in puncto Batterie betriebene E-Autos. Selbst das von mir sehr geschätzte Handelsblatt berichtet in puncto Tesla in einer viel zu unkritischen Form und kritisiert dagegen Autohersteller, welche sich noch erlauben, Verbrenner zu produzieren. Es vergeht nahezu kein Tag, in welcher die Teslafraktion im Handelsblatt nicht über Tesla und Herrn Musk positiv berichtet. Die Folge dieser positiven Berichterstattung – nicht nur im Handelsblatt – ist ein völlig absurder Börsenwert, welcher derzeit den zehnfachen Wert als den von Daimler einnimmt (zum Vergleich: Umsatz Daimler  € 154,3 Mrd. / Umsatz Tesla € ca. 27 Mrd. jeweils in 2020), wobei die Daimler E-Autos besser einzuschätzen sind als die überteuerten Teslas.

Den Journalisten dieser Tesla-Fraktion, auch dem Chefredakteur, habe ich die beiden obigen Podcasts zugesandt mit der Bitte um Kommentierung, leider ohne Erfolg und das trotz mehrmaliger Bitten. Im Klimaschutz beruft man sich ständig auf die Wissenschaft – zu Recht -, wenn sie aber nicht den eigenen Vorstellungen entspricht, ist Missachtung angesagt.

„Die Probleme der Batterie betriebenen E-Autos sind viel größer“

Grundsätzlich muss man daher sowohl die Politik als auch den Journalismus dringend auffordern, sich mit dieser Thematik objektiver und viel kritischer als bisher auseinanderzusetzen, insbesondere dann, wenn nur noch E-Autos erlaubt sind, da die Problemfelder noch viel größer sind, als oben skizziert. Diese sind:

  • Wie groß müssen die Aufladestationen an den Autobahnen sein (pro Tag befinden sich mehrere Millionen PKW`s allein auf den Autobahnen) und wie groß müssen die Aufladestationen nur für einen Bruchteil dieser PKW`s (zubetoniert) sein? Ein warnendes Beispiel sind die jetzigen Rasthäuser, welche nachts total zugeparkt sind mit vielen hundert LKW`s.
  • Wie sieht die Infrastruktur auch auf dem Land und in den Städten aus?
  • Welche Umbaumaßnahmen und in welcher Größenordnung sind sie erforderlich und bis wann können diese umgesetzt werden?
  • Wie sehen generell die Auflademöglichkeiten in den Städten und insbesondere bei großen Mietshäusern aus?
  • Können die E-Autos in den Tiefgaragen geparkt werden, da das Löschen eines E-Autos nicht möglich ist und daher die Feuerwehren diese in Brand geratenen E-Autos abfackeln lassen müssen? (siehe Stuttgarter E-Busterminal, welcher beim Aufladen von Batterien in Brand geriet und den man abbrennen lassen musste)
  • Daraus ergeben sich weitere Fragen, wo diese E-Autos in den Städten dann geparkt werden sollen, da die Tiefgaragen aus Sicherheitsgründen entfallen und dies bei der schon jetzt prekären Parkplatzsituation in den Städten?
  • Will man dann die E-Autos aus den Städten verbannen und damit die Bürger in den öffentlichen Nahverkehr zwingen?
  • Wie wird der Strom für diesen dann sehr umfangreichen öffentlichen Nahverkehr produziert?
  • Induziert das dann nicht eine Stadtflucht mit allen negativen wirtschaftlichen Erscheinungsformen, die aufzuzählen diesen Rahmen sprengen würden?
  • Was ist dann mit den Pendlern auf dem Lande, die viele Kilometer pro Tag zu ihren Arbeitsplätzen u.a. in die Städte zurücklegen müssen?
  • Gibt es genügend Rohstoffe für die Produktion von Autobatterien? Weltweit gab es per 2015 etwa 1,3 Milliarden PkW`s (zwischenzeitlich dürften es deutlich mehr sein), 50 Millionen allein davon in Deutschland. Die Anzahl der weltweiten LKW`s konnte nicht eruiert werden.
  • Wo soll das viele Wasser für die Produktion der Autobatterien herkommen, zumal es weltweit schon eine Wasserknappheit gibt?
  • Wie lange halten die bisherigen Autobatterien und müssen diese nicht nach wenigen Jahren wieder ausgetauscht oder das E-Auto dann verschrottet werden, welches je nach Lebenszyklus dann die Nachfrage nach E-Autos und damit nach Autobatterien noch mehr erhöht?
  • Wie gestaltet sich die Entsorgung der vielen Autobatterien?
  • Wie gestaltet sich die Entsorgung der vielen Verbrenner-Autos?
  • Meines Wissens werden diese zu Metallschrott verkleinert und über so genannte Lichtbogenöfen, d.h. mit Einsatz von enorm viel Strom, zu neuem Stahl eingeschmolzen. Haben wir aber dafür ausreichenden Strom?
  • Und dann die alles überdeckende Frage, ob es in Zukunft eigentlich den dafür notwendigen Strom gibt, nachdem alles, sogar das Beheizen der Häuser letztlich über Strom erfolgen soll?
  • Und so weiter und so weiter!
  • “Mehr Zeit für Realität anstatt für Wunschträume”

Bevor man sich auf eine Richtung der E-Mobilität festlegt, sollte man die Dinge von allen Seiten intensiv beleuchten und sich mehr Zeit für mehr Realität geben, anstatt Wunschträumen hinterher zu laufen, zumal dieser Weg auch noch mit irrsinnig viel Geld zu subventioniert wird, anstatt es der Forschung zur Verfügung zu stellen zur Erreichung einer umweltgerechten und zukunftsträchtigeren Mobilität.

Über die Atomenergie glaubte man jahrzehntelang, das Ei des Kolumbus in Sachen Energieerzeugung gefunden zu haben und hat dabei jahrzehntelang alternative Entwicklungsmöglichkeiten verschlafen oder in den Schubladen der Energiewirtschaft verschwinden lassen. Diesen Fehler mit dem Revival der Atomenergie sollte man nicht wieder machen.

Außerdem wäre die Politik gut beraten, bei der Mobilität nicht alles auf ein Pferd zu setzen und auch herkömmliche Antriebsformen den Weg zur Fortentwicklung zu öffnen, denn ohne diese wird es auch in Zukunft nicht gehen.

Ohlsbach, de 31.10.2021

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

 

 

 

 

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