Bank ist nicht gleich Bank

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Die Banken durchleben derzeit eine sehr negative Phase. Das Ansehen der Banker nimmt eine der untersten Stufen ein, man spricht sogar von „Bankstern“. Genährt wird diese Einstellung durch nahezu tägliche Berichte über Manipulationen auf allen Ebenen des Wertpapier- und Devisenhandels, sogar der Handel mit Gold und anderen Rohstoffen ist davon nicht ausgenommen. Hinzu kommen schreckliche Berichte über den Verkauf von komplizierten strukturierten Finanzprodukten, welche vielen Anlegern hohe Verlust eingebracht haben, den verkaufenden Stellen der Finanzindustrie dagegen hohe Gewinne.

Ich meine aber, dass dieses negative Bild nicht auf alle Bankbereiche zutrifft und man hier unterscheiden muss zwischen zwei Bereichen, nämlich den Kredit ausreichenden Bereich und  den Wertpapieranlagen verkaufenden Bereich.

Den ersten Bereich, den Kredite ausreichenden, kann man unverändert eine hohe Seriosität und Professionalität unterstellen, auch wenn vielen Kreditsuchenden die Kreditentscheidungen aus Gründen wie auch immer nicht gefallen. Das ist der traditionelle Bereich  und normalerweise das feste Standbein der Banken.

Beim zweiten Bereich sieht es dann schon völlig anders aus und nimmt äußerst  fragliche Züge aufgrund der damit verbundenen hohen Komplexität an. Man muss leider sagen, dass dieser vom ersten Bereich durch den Verkauf/ Verbriefung der ausgereichten Kredite genährt und befeuert wird. Früher hat man der Bank sein Erspartes vertrauensvoll zur Anlage gegeben, womit die Banken je nach dem ihre Kredite refinanziert haben. Die Banken sind somit mit ihrer Finanzlogistik in die Verantwortung gegenüber den Einlegern gegangen, dass diese ihr Geld wieder entsprechend zurückerhalten.

Diese Verantwortung wird jetzt an die Anleger abgegeben. Durch den Verkauf der Kredite und damit Entlastung der Bankbilanzen geht das Risiko auf die Investmentfonds  über, welche dieses Risiko, bestehend aus einer Vielzahl von Kreditrisiken, an die Käufer von Investmentfonds übertragen. Die verkaufende Fondsgesellschaft übernimmt dieses Kreditrisiko nicht, sondern verwaltet dieses nur. Der Verkauf dieser Investmentfonds erfolgt  u.a. über die Banken, welche die Kredite ausgereicht haben aber ohne Übernahme des Risikos und erhält dafür sogar noch entsprechend hohe Vermittlungsprovisionen nebst anderen Gebühren.

Dem Anleger bleibt es somit überlassen, das Kreditrisiko des Investmentfonds zu prüfen. Die meisten Anleger mit ganz anderen Professionen können das aber nicht.

Fazit: Eine Investmentstrategie sollte sich auf direkte Anlagen fokussieren, deren Bonität und Struktur man überprüfen kann. Bei direkten Anlagen kann man den Schuldner des Wertpapiers und dessen Bonität erkennen. Bei einem Investmentfonds mit z.B. 50 verschiedenen Aktien oder Anleihen, die alle paar Wochen durch andere ersetzt werden,  ist dies kaum nachzuvollziehen.

Eine Ausnahme möchte ich allerdings bei den sehr raren und schwer zu findenden Spezialfonds machen, welche

  • von einem erfahrenen Fondsmanagement mit entsprechend hoher Expertise geleitet werden
  • zudem eine klare Investmentstrategie ausweisen mit Fokus auf spezielle und überschaubare und zu verifizierende Bereiche und vor allem
  • sollte das Fondmanagement dem Anleger bekannt sein, um die Qualifikationen in persönlichen Gesprächen in etwa nachvollziehen zu können. Bei so genannten Publikumsfonds ist dies in den wenigsten Fällen möglich.

7. Januar 2015

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

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