Bayer Übernahme-Größenwahnsinn

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Ein Ergebnis des von den Investmentbanken geschürten Hypes.

Kaum vier Wochen im Amt hat der neue Vorstandsvorsitzende von Bayer, Herr Werner Baumann und sein Vorstand, die Absicht bekundet, den umstrittenen Saatgut-Marktführer Monsanto, welcher in 2015 einen Umsatz von US$ 15 Milliarden ausweisen konnte, für US$ 62 Milliarden (€ 55 Milliarden), also mehr als das Vierfache des Monsanto-Umsatzes,  zu übernehmen und das bei einem Bayer-Umsatz von € 46, 3 Milliarden per 31.12.2015. Das sind Relationen, die eine fehlende Bodenhaftung des Bayer-Vorstandes unterstreichen.

Diese Absicht markiert mal wieder einen Höhepunkt eines von den Investmentbanken geschürten Übernahme-Größenwahnsinns und wird mit Werteschaffung für die Aktionäre auf Basis einer industriellen Logik und von Synergieeffekten – bedeutet nichts anderes als Abbau von Arbeitsplätzen und deutliche Erhöhung der Vorstandsgehälter – begründet. Alles Wortblasen, welche Herr Schrempp (Daimler), Herr Sommer (Deutsche Telekom) &  Co bei Großübernahmen ebenfalls in die Welt hinaus posaunt und am Ende letztlich einen Scherbenhaufen mit hohen Wertverlusten für die Anleger/Investoren hinterlassen haben.  Lt. Wirtschaftsprofessor  Lars Schweitzer von der Goethe-Universität in Frankfurt sind 70% von Unternehmensübernahmen und –fusionen bisher gescheitert.

Irritierender weise treten solche Übernahmebemühung immer dann auf, wenn sich die Aktienkurse um die Höchststände bewegt haben. So fand die Übernahme von Chrysler durch Daimler zu einem Kaufpreis von € 43 Milliarden in 1998 statt,  für Voicestream hat die Deutsche Telekom  in 2000 € 50 Milliarden bezahlt. Da der Übernahmepreis am Aktienkurs + Aufschlag gemessen wird, bedeutet das einen hohen, wenn nicht sogar zu hohen Preis und wenn das Management des Übernahmekandidaten mit dem Angebot nicht einverstanden ist, erhöhte sich dieses dann nochmal meistens merklich.

Bayer ist nun bereit, auf den derzeitigen Aktienkurs noch einen hohen Aufpreis von  37% zu zahlen, woraus sich das oben erwähnte Angebot ergibt. Zwischenzeitlich hat das Monsanto-Management das Bayer – Angebot abgelehnt, so dass mit einem noch höheren Übernahmepreis zu rechnen ist.

Finanziert werden soll diese Übernahme mit der Ausgabe neuer Aktien, woraus sich der Vorstand einen Erlös von € 15 Milliarden verspricht, der Rest soll durch Aufnahme neuer Schulden (syndizierte Bankkredite, Unternehmensanleihen) aufgebracht werden. Dadurch bläht sich die Bilanz von Bayer deutlich auf mit der Folge einer gesunkenen Eigenkapitalquote. Die Ertragslage wird durch hohe Finanzierungskosten und Gebühren der Investmentbanken entsprechend hoch belastet, eine Herabstufung des guten Bayer-Ratings  dürfte nicht ausbleiben, wodurch sich die Finanzierungskosten noch mehr erhöhen werden.

Kurzum, die bisherigen Aktionäre werden eine Berg- und Talfahrt des Aktienkurses erleben, ihr bisheriger Wert (den Aktionären  zurechenbares EK per 31.12.2015 €  25,3 Milliarden) wird durch die Ausgabe neuer Aktien in Höhe von € 15 Milliarden stark verwässert und die Anleihekurse werden  keine Jubelschritte vornehmen, sondern eher eine Depression erfahren, es sei denn, Herr Draghi gehört zu den Aufkäufern dieser Anleihe, wovon auszugehen ist. Für einen vorsichtigen Investor somit ein Problem, Zurückhaltung wird angesagt bleiben.

Nutznießer dieses größenwahnsinnigen Spektakels sind wieder einmal die Investmentbanken. Auf der Seite von Bayer ist das die Bank of America Merrill Lynch und Credit Suisse, die Deutsche Bank kam bisher nicht zum Zuge, könnte aber bei der Platzierung von neuen Anleihen eine Rolle spielen.

Insgesamt  wird bei diesem Monopoly-Spiel der Investmentbanken mit Provisions-Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe gerechnet, wenn das reichen dürfte. Monsanto wird sich sicherlich auch von M&A Spezialisten einer Investmentbank bedienen, um den Kaufpreis entweder abzulehnen oder in ein Gegenangebot umzuwandeln oder  um den Kaufpreis schlicht und einfach weiter zu erhöhen, evtl. um dadurch eigenen Nutzen generieren zu können. Das sind alles Kosten, welche die Substanz beider Unternehmen mit dieser heißen Luft erheblich schmälern werden.

Sollte die Übernahme durch Bayer dann glücken, bleibt es fraglich, ob die gemeinsame Ertragslage dann ausreicht, die jetzigen Schulden von Bayer und Monsanto und die neuen von über € 40 Milliarden insgesamt bedienen zu können. Beteiligungsverkäufe bei beiden Unternehmen dürften die Folge sein, welches wiederum die Geschäftstätigkeit der M&A Abteilungen der Investmentbanken beflügeln wird mit entsprechend hohen  Einnahmen, allerdings auf Kosten eines weiteren Arbeitsplatzabbaus.

Betrachtet man eine solche Großübernahme von der volkswirtschaftlichen Seite, kann man daran wenig Gutes finden und zwar aus folgenden Gründen:

  • Es entsteht ein übermächtiger Agrarkonzern mit einem hohen Marktanteil mit der Folge einer Oligopol-Bildung in Richtung Monopol-Bildung und damit von absehbaren Preiserhöhungen für Nahrungsmittel, welche noch schlimmer werden dürfte, als die Spekulationen mit den Nahrungsmitteln.
  • Ob solche großen Unternehmensgebilde ein volkswirtschaftlicher Segen sind, bleibt fraglich, ähnliche Entwicklungen mit negativem Ausgang konnte man in kommunistischen Gesellschaften beobachten. Insofern sind diese Machtpolitiker in den Vorständen solcher Großkonzerne mit den kommunistischen sehr ähnlich.
  • Durch den hohen Preis, der in keinem Verhältnis zum Umsatz und Ertrag von Monsanto steht, ergibt sich bereits bei Übernahme eine Wertevernichtung, zumal dadurch keinerlei Umsatzerhöhung und zusätzliche Wertschöpfung entstanden sind, dafür aber hohe unnütze Kosten, an denen nur wenige profitieren und sehr, wenn nicht sogar unermesslich reich werden, finanziert von der Masse von Kleinanlegern.
  • Wie bei jeder solcher Übernahme dürfte der Abbau von Arbeitsplätzen die unausbleibliche Folge sein, welche den jeweiligen Staaten in unterschiedlicher Weise auf die Füße fallen wird. Wie immer bei solchen Übernahmen spielen dabei auch steuerliche Überlegungen eine große Rolle, so dass vieles wiederum in Steueroasen ausgelagert werden wird, dadurch kaum Steuern in Deutschland zu zahlen sind, die Kosten der dadurch entstehenden Arbeitslosigkeit aber wiederum die jeweiligen Staaten/ Steuerzahler tragen müssen.
  • Es entsteht wieder einmal ein System relevantes Unternehmen, ein Staat im Staat, welcher der Demokratie sicherlich nicht förderlich ist. Die erfolgreichen Volkswirtschaften sind nicht durch Großkonzerne groß und wohlhabend geworden, sondern durch eine breitgefächerte Vielzahl von Unternehmen, die schnell reagieren. Solche Übernahmen ersticken Innovation und Schnelligkeit, das notwendige Schmiermittel für erfolgreiche Unternehmen.
  • Und last but not least kann man nur hoffen, dass Bayer mit Monsanto wegen ihrer umstrittenen Produkte nicht auf die Nase fällt und die Beteiligung abgeschrieben werden muss. Aber dafür werden die Investmentbanken auch wieder eine Heißluftingenieur-Lösung haben, evtl. eine Bad-Bank für Beteiligungen und das Unternehmen wird dann künftig nur noch das „harte Kernkapital“ ausweisen dürfen, wie bei den Banken.

Für die Investoren von Bayer ist daher große Vorsicht geboten.

Elmar Emde

26. Mai 2016

Elmar Emde

Autor des Buches „Die strukturierte Ausbeutung“

Siehe auch www.emde-fiveko.de

 

 

 

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