EZB demontiert Kreditgeschäft

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“Finanzaufseher wollen Banken, die Geld verdienen”. Mit dieser Schlagzeile berichtete das Handelsblatt über die Bemühungen der Bankenaufseher = Europäische Zentralbank (EZB) über die  Schwerpunkte, wie sie die in ihrer direkten  Aufsicht stehenden  129 wichtigsten Banken der Euro-Zone in den Griff bekommen will.

Es sind vor allem die anhaltend niedrigen Zinsen sowie die faulen Kredite , die die Kreditinstitute belasten. Das ist doch irgenwie schizophren. Wer hat denn das Null- Zinsniveau geschaffen und damit den Banken eine wichtigte Ertragssäule zu einem Problem gemacht? War es nicht die EZB und ihre beamteten Wissenschaftler im  Zentralbankrat, die vermutlich das Bankgeschäft nur aus der Theorie kennen? Und die “faulen Kredite” sind eine andere Bezeichnung für Anlageprodukte u.a. aus dem angelsächsischen Raum, welche die europäischen Banken in ihrer Dummheit sich haben aufschwätzen lassen und immer noch deren Bilanzen massiv belasten.

Fällt eine wichtige Ertragssäule wie das Einlagengeschäft weg, versucht man natürlich aus anderen Quellen Ertrag zu schöpfen. Entweder kurbelt man den Verkauf strukturierter Finanzprodukte an, welche hohe Provisionserlöse den Banken bescheren, letztlich ein gewollter Weg der EZB, oder man geht entsprechend hohe Risiken im Kreditgeschäft ein und versucht diese gleich wieder an Hedge- oder Investmentfonds weiter zu verkaufen. Diese vermischen natürlich diese Kreditrisiken mit allen möglichen Risiken und verscherbeln sie an die unwissenden Anleger, die sich ihrer Rolle als Kreditgeber nicht bewußt sind. Insofern findet derzeit – wie schon sehr oft in diesem Blog berichtet – eine von der EZB gewollte gigantische Verlagerung der Kreditrisiken auf die unbedarften Anleger statt.

Die Spitze des EZB – Dilettantismus ist die künftige Vorgabe, die Verlustgefahr bei Vergabe eines Kredites künftig sofort einzuschätzen und nicht erst, wenn der Kredit geplatzt ist. Das bedeutet, dass jeder Kreditbetreuer einer Bank bei Kreditvergabe seiner Marktfolge den künftigen Verlust dieses Kreditgeschäftes berichten muss.

Jetzt würde ich gerne von diesen beamteten Bankenaufseher einmal wissen, wie das gehen soll? Zum einen wird kein Kreditbetreuer einen Kredit vergeben und gleichzeitig den möglichen Verlust fixieren. Eine solche Kreditvergabe wird jede Marktfolge und  jeder Kreditvorstand dem Kreditbetreuer um die Ohren hauen. Ergo, der Kreditbetreuer wird versuchen, nur Kredite mit einer astreinen Bonität zu vergeben. Und selbst bei solchen Bonitäten kann man nie sicher sein, dass der Kredit zurückbezahlt wird. Ich habe in meiner langjährigen Bankerzeit Unternehmen mit goldumränderten Bilanzen gesehen, die innerhalb eines Jahres aus den vielfältigsten Gründen Insolvenz anmelden mussten.

Letztlich bedeutet diese neue Bevormundung der Banken durch diese Beamten ohne praktische Krediterfahrung, dass das Kreditgeschäft an den Mittelstand so langsam abstirbt und den Banken damit eine weitere Ertragssäule genommen wird zugunsten eines ausufernden Investmentbankings, da die Banken sofort versuchen werden, ihre Kredite an die Hasardeure des Finanzmarktes zu verkaufen, um den Bericht an die Dilettanten der EZB über den voraussichtlichen Verlust zu vermeiden.

Somit werden den Anlegern und damit den leistungsfähigen Bürgern immer mehr Risiken aufgebürdet und die Kreditnehmer müssen befürchten, dass irgendwann ein Schreiben eines Hedegefonds oder sonstigen Fonds ins Haus hereinflattert, um die Kreditgebereigenschaft dieses Fonds anzuzeigen und aus Gründen wie auch immer den Kredit zurückfordert.

Aus diesem neuen Regulierungswahn kann man feststellen, dass die EZB bald selbst nicht mehr weiß, wie sie die von ihr selbst geschaffenen Risiken eingrenzen soll. Wie wäre es, wenn sich die EZB auf ihre ureigene Aufgabe, nämlich Schutz der Währung (und nicht Schaffung einer Inflation) besinnen  und  die Rolle eines Staatsfinanzierers endlich sausen lassen würde.

7. Januar 2016

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

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