Draghi`s saurer Zucker

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Beitrag von Herrn Ottmar Beck, Firma Alltrust AG, Schweiz

Sehr geehrter Herr Emde,

in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung konnte man kürzlich lesen „Zucker hält eine wichtige Lektion bereit: dass etwas so Verführerisches fast zwangsläufig verheerende Folgen hat. Ein guter Grund also, skeptisch auf den Zucker zu blicken.“ Draghi hat uns auf der letzten Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) wieder Zucker gegeben. So soll die aktuelle geldpolitische Ausrichtung im Rahmen der Dezember-Sitzung der Notenbank überprüft werden, wenn die überarbeiteten Inflations- und Wachstumsprognosen zur Verfügung stehen. Aufgrund dieser Äußerung setzte ein Feuerwerk an den Börsen ein. Nachdem der Dax-Index Ende Oktober noch eine Wertentwicklung von -1,6 Prozent für 2015 Prozent hatte, lag diese Ende Oktober bei 11 Prozent. Ich habe allerdings bisher gelernt, dass hauptsächlich gute wirtschaftliche Daten, steigende Gewinne und Umsätze zu steigenden Kursen an den Börsen führen. Zumindest konnte bisher in der Vergangenheit noch niemand beweisen, dass stagnierende Umsätze, fallende Margen und billiges Geld die richtige Mischung für einen nachhaltigen Kursanstieg sind. Noch wirkt wohl der QE-Zauber.

Auch Walmart gehört zu den Unternehmen, die für das aktuelle Geschäftsjahr stagnierende Umsätze erwarten. Trotzdem hat der Einzelhändler angekündigt, die Löhne der Belegschaft anzuheben. Wegen der gestiegenen Personalkosten, die das Unternehmen nicht weitergeben kann, wird der Gewinn im nächsten Jahr um 12 Prozent fallen. Auf der anderen Seite hat die Firma Caterpillar all ihre Prognosen zurückgenommen und angekündigt, 10.000 Mitarbeiter zu entlassen.

In der Summe bestätigen solche Meldungen eine Studie des Economic Policy Institute, das zu dem Schluss kam, dass der derzeitige Wirtschaftsaufschwung der erste seit dem Zweiten Weltkrieg ist, der keine Gehaltsaufbesserung für die breiten Schichten der Erwerbstätigen brachte. Zwar hat sich die Arbeitslosenquote seit der Rezession zumindest in Amerika halbiert und in Deutschland ist sie fast verschwunden, doch Haushalte mit aktiv Beschäftigten verdienen oft weniger als vor der letzten Rezession. Deshalb verfehlen die Notenbanken auch ihr Ziel einer höheren Teuerungsrate.

Im dritten Quartal sollen die Gewinne der S&P-500-Unternehmen um 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gefallen sein. Der niedrigere Gewinn wird mit dem fallenden Ölpreis, dem starken US-Dollar und der schwachen weltweiten Nachfrage begründet. In den vergangenen Jahrzehnten ist in den Vereinigten Staaten, mit einer Ausnahme, auf einen Rückgang der Gewinnmarge der Unternehmen immer eine Rezession gefolgt. Die Gewinnmargen gehen jetzt zurück. Grund hierfür sind oft steigende Lohnkosten, ohne die Möglichkeit, sie über höhere Preise auf den Markt abzuwälzen. Inzwischen wird vor einer Gewinnrezession gewarnt – also davor, dass in zwei Quartalen hintereinander die Gewinne fallen – und nicht mehr vor einer wirtschaftlichen Rezession, bei der das Bruttoinlandsprodukt in zwei aufeinander folgenden Quartalen fällt.

Seit der letzten Fed-Sitzung ist die Hoffnung auf eine baldige Zinserhöhung verflogen. Zwei Mitglieder aus der engeren Führung distanzierten sich von einer Leitzinserhöhung bis zum Jahresende. Auch wies die Fed in ihrem Konjunkturbericht auf die Beeinträchtigung der amerikanischen Konjunktur hin. Die Sorgen wachsen, dass Amerika eher vor einer Rezession als vor einem kräftigen Aufschwung steht. Daher schießen Spekulationen über ein viertes Ankaufprogramm ins Kraut. Auch Chinas Notenbank spielte wieder Feuerwehr und brachte vor 14 Tagen weitere geldpolitische Stimuli auf den Weg. Als Begründung für diesen Schritt verwiesen die Währungshüter auf die schlechte konjunkturelle Lage und die nachlassende Inflationsdynamik, die der Geldpolitik zusätzlichen Spielraum für Lockerungen ermöglichen würde. So lag in China die jährliche Teuerungsrate in den ersten neun Monaten bei lediglich 1,4 Prozent. Gleichzeitig setzte sich auf Produzentenebene der Preisverfall fort. Mit –5,9 Prozent verzeichneten die Erzeugerpreise im September den 41. Monat in Folge Preisrückgänge (im Vorjahresvergleich). Das Beste, was wir für die chinesische Wirtschaft erhoffen können, ist eine Stabilisierung der derzeitigen Lage.

Noch ein Wort zu Franken und Euro. Ein erster Zinsschritt in den USA wäre ein Zeichen für eine geldpolitische Normalisierung gewesen. Die Märkte hätten sich auf steigende Zinsen eingestellt und dies hätte die Attraktivität des Franken gegenüber anderen Währungen tendenziell vermindert. Jetzt entwickeln sich die Dinge aber in einer Weise, die der Schweizerischen Nationalbank (SNB) nicht zupass kommt. Seit Mitte Oktober schwächte sich der US-Dollar gegenüber dem Euro auf fast
1,15 US-Dollar ab. Ein stärkerer Euro könnte den Aufschwung in Europa zusätzlich bremsen. Dies liegt nicht im Interesse der EZB. Sollte die EZB daher ihr Anleihen-Kaufprogramm erhöhen, bekäme der Euro wohl erneut einen Schwächeanfall und die Zuflüsse in den Franken würden wieder zunehmen. Die SNB dürfte dann wohl noch höhere Negativzinsen als Abwehr-instrument nutzen. Und die Lage kann, wie die USA zeigen, noch ernster werden. Letztes Jahr drohte die Bank J.P. Morgan Chase ihren Großkunden an, die Bargeldeinlagen um mindestens 120 Milliarden US-Dollar senken zu wollen. Das Ziel ist heute erreicht. Die Bank ist mehr als 150 Milliarden US-Dollar an Kundengeldern losgeworden. Sie hatte die unerwünschten Einlagen mit hohen Kommissionen belastet. In anderen Banken ist dasselbe passiert. Nutznießer war die US-Regierung. Denn die Gelder wurden zum großen Teil in kurzfristige Staatsanleihen investiert. Dies erlaubte dem US-Finanzministerium Anfang Oktober zum ersten Mal in der Geschichte Anleihen mit dreimonatiger Laufzeit zum nominellen „Nullzinssatz“ zu verkaufen. Damit akzeptierten die Investoren eine reale Minusrendite, um kurzfristig liquide zu bleiben.

An unserer Teilsicherung über DAX-Put-Optionen halten wir weiterhin fest. Denn kaum ein Börsenindex ist so sehr von der Weltkonjunktur abhängig wie der DAX. Die jüngsten Kursverluste, vor der Draghi-Rede, sind neben VW auch ein Resultat der schlechteren Wirtschaftslage in China und anderen Schwellenländern. Die meisten DAX-Unternehmen leben vom Export. Daher leiden sie unter einer nachlassende Wachstumsdynamik in den Schwellenländern. Hinzu kommt die Unsicherheit an den Finanzmärkten als Risiko für die Konjunktur- und Inflationsentwicklung.

In meinem Brief vom 4. September dieses Jahres hatte ich Sie vor dem „Sanierungs- und Ablenkungsgesetz“ in Deutschland gewarnt. Nie hätte ich gedacht, dass der erste Fall bei einer Züricher Traditionsbank in der Schweiz vorkommt. Die Bank Hottinger & Cie., deren Wurzeln bis 1786 zurückreichen, steht vor dem Aus. Sie wird liquidiert. Die Schweizer Finanzmarktaufsicht (FINMA) hat am 26. Oktober den Konkurs eröffnet. Dabei verlieren einige der etwa 1.500 Kunden möglicherweise auch Geld. Die Bank ist über stetige Verluste und ungelöste Rechtsfälle gestolpert. Auch eine Aufstockung der Eigenmittel in Höhe von 12 Millionen Schweizer Franken 2014 hat nicht geholfen. Da die Bank zum Schluss weniger Kapital als gesetzlich vorgeschrieben hatte, beschloss die FINMA die Abwicklung und betonte: Primäres Ziel sei der Schutz der Anleger. Der Konkursverwalter wird daher als Erstes die Kundenguthaben bis 100.000 Schweizer Franken zurückerstatten. Diese Mittel können wohl vollumfänglich ausgezahlt werden. Laut Berichten ist bei jenen 200 Personen, die über 100.000 Schweizer Franken auf dem Konto hatten, noch nicht sicher, ob sie ihr ganzes Geld zurückerhalten. Dazu müssten erst alle Forderungen erfasst werden. Die Einlagensicherung der Schweizer Banken wird nicht einspringen, da diese nur sicherstellt, dass beim Konkurs einer Bank sämtliche Kunden bis 100.000 Schweizer Franken ihre Ersparnisse zurückerhalten, falls die Mittel der liquidierten Bank dafür nicht ausreichen.

Mit freundlichen Grüßen

Ottmar Beck

Alltrust AG

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