EZB: Moral und Ethik?

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Herr Dr. Alexander Dombret, Vorstand der Deutsche Bundesbank, zuständig für Banken- und Finanzaufsicht, Risiko-Controlling und Auslandsvertretung, forderte in einem Gastkommentar des Handelsblattes mit der Überschrift “Geld und Moral”, dass für ethisches und moralisches Handeln ein richtiges Umfeld geschaffen werden muss und forderte einen Ehrenkodex für Banken.

Eigentlich ist das ungeheuerlich, schafft doch gerade die EZB ein Umfeld, welches moralisch und ethisch nicht zu vertreten ist.

Dies hat mich letztlich dazu angehalten, Herrn Dombret folgenden Brief zu schreiben:

“Sehr geehrter Herr Dr. Dombret,

mit sehr großem Interesse habe ich Ihren Gastkommentar „Geld und Moral“ im Handelsblatt vor einigen Wochen urlaubsbedingt erst jetzt gelesen.

Leider musste ich dabei feststellen, dass Moral und Ethik in der Finanzindustrie zu kommentieren und zu fordern das Eine und das Vorleben durch die Zentralbanken, Aufsichtsämter und EZB  in der Praxis das Andere ist, insbesondere wenn Aufsichtsämter und die EZB, das oberste Organ aller Zentralbanken, Strukturen vorgeben, welche zu unmoralischen und unethischen Entwicklungen zwingen und somit ein Umfeld für ein solches Handeln nicht entstehen lassen.

Hier einige Anmerkungen dazu:

Ist es moralisch und ethisch, wenn die EZB einen Negativzins nach oben treibt und wie es aussieht noch weiter nach oben treiben will, damit die Altersversorgung vieler Millionen Menschen in Europa, welche den Aufbau Europas erst möglich gemacht haben,  vaporisiert und letztlich den Staaten später auf die Füße fallen wird aufgrund der damit immer mehr entstehenden großen Altersarmut?

Ist es moralisch und ethisch, dass hochverschuldete Staaten durch den Negativzins zu noch mehr Schulden geradezu ermuntert werden, ja sogar noch Geld dafür bekommen – egal welche Bonität sie haben – und damit eine gigantische Vermögensumverteilung stattfindet, die eine Enteignung der Sparer ist?  Ist eine so perfide Enteignung moralisch und ethisch?

Ist es moralisch und ethisch, wenn die Anleger für ihr erspartes Geld künftig nur noch Bankanleihen und strukturierte Finanzprodukte kaufen können, die beide die EZB aus guten Grund aufgrund der Option auf einen Totalverlust  nicht in ihr Portfolio nimmt  und das nur zu dem Zweck, damit die Banken ihre toxischen Papiere der breiten Masse dem unbedarften Anleger über diese strukturierten Finanzprodukte aufdrücken zu können?

Ist es moralisch und ethisch, wenn dadurch die Bankangestellten mangels Alternativen und aufgrund  der von der  EZB vorgegebenen  one way – Struktur gezwungen werden, unmoralische und mit hohen Risiken behaftete strukturierte Finanzprodukte den Anlagekunden verkaufen zu müssen?

Ist es moralisch und ethisch, wenn dadurch absolut unbedarften Rentnern und Kleinsparern in den kleinsten Dörfern dieser Republik undurchsichtige Investmentfonds, Zertifikate und ETF`s aller Couleur angeboten werden müssen, da es schlichtweg nichts anderes mehr gibt? Halt, ich habe die Bankanleihen vergessen, welche die EZB ja wunderbarerweise nicht aufkaufen will, obwohl sie in die kryptographischen Bilanzen der Banken anscheinend den besten Einblick hat. Oder ist der EZB das Risiko zu groß?

Ist es moralisch und ethisch, dass von Ihrer Seite, bzw. von Seiten der Bankenaufsicht die Banken angehalten werden, sich vom Zinsgeschäft unabhängig zu machen, was nichts anderes bedeutet, als die Banken zu Vertriebstellen für von Investmentbanken strukturierte Finanzprodukte zu degradieren? Ihre Ausführungen hierzu während des Clubgesprächs beim Handelsblatt in Frankfurt haben dies offenbart. Ist Bankgeschäft nicht Zinsgeschäft oder interpretieren Sie Bankgeschäft jetzt mit Investmentbanking?

Ist es moralisch und ethisch, wenn die Anleger scharenweise durch die Geldpolitik der EZB in fragwürdige Anlageprodukte getrieben werden, weil es für eine seriöse Geldanlage keinen Zins mehr gibt.  Sicherlich wird der Anleger der Bank bald noch Geld geben muss, damit diese sein Geld gnädiger Weise annimmt, um  es dann mit hohen Margen als Kredit weiter vergeben zu können? Früher nannte man dies Wucher, heute hat die EZB mit ihrer Geldpolitik dazu ihren Segen gegeben.

Frage: Geben Sie der Deutsche Bundesbank Geld dafür, damit Sie dort arbeiten bzw. Ihre Leistung unter Beweis stellen dürfen? Sicherlich nicht, von den Geldeinlegern wird eine solche Leistung jetzt aus schadenfeinigen geldpolitischen Gründen aber vorausgesetzt.

Ist es moralisch und ethisch, im Ernst über das Hubschraubergeld nachzudenken? Mit dieser Möglichkeit und dem Negativzins stellt die EZB die Leistungsgesellschaft total auf den Kopf und man muss sich ernsthaft fragen, ob die EZB in diesem Wirtschaftssystem eine Zentralbank zum Schutze der Währung ist oder mit ihren für meine Begriffe chaotischen Maßnahmen ein völlig anderes Finanzsystem auf Basis der Investmentbank-Denke anstrebt?

Ist es moralisch und ethisch, dass im Falle einer Bankinsolvenz über die Haftungskaskade die Steuerzahler, und hier die leistungsfähigen, zur Kasse gebeten werden, nicht aber die Zentralbanken und die Banken insgesamt, letztlich die Verursacher dieser Misere, da diese Kredite alle durch Sicherheiten gedeckt sind? Anmerkung: Hier haben die Politik und die Finanzindustrie/ Zentralbanken wiederum sehr gut zusammen gearbeitet zu Lasten der vielen Kleinanleger und Rentner. Ein Geldanleger bekommt von der Bank keine Sicherheiten für seine Spareinlage oder Festgeld!

Ist es moralisch und ethisch, wenn durch die äußerst fragwürdige Geldpolitik der EZB in Verbindung mit der Bankenaufsicht Finanzstrukturen von bewährten Volkswirtschaften auf den Kopf gestellt werden und nur mit dem Ziel, eine imaginäre und von vielen ernst zu nehmenden Ökonomen angezweifelte Inflationsziffern von 2% zu erreichen? Eigentlich ist es doch Aufgabe der EZB und der Zentralbanken, eine Preis- und Währungsstabilität zu gewährleisten und nicht Inflation zu produzieren, damit sich verschuldete Staaten damit entschulden können.

Fazit:

Als Vertreter der Deutsche Bundesbank und damit automatisch Vertreter der EZB den Banken die Moral und Ethik ins Buch zu schreiben und gleichzeitig ein richtiges Umfeld bzw. einen Ehrenkodex für Banken zu fordern, welches eh nur Lippenbekenntnisse sind, kann man unter den geschilderten und gegebenen Umständen nur als Realitätsverweigerung bezeichnen. Sicherlich haben die Banken diesbezüglich sehr große Fehler gemacht, aber nur deswegen, weil man von Seiten der Aufsichtsämter weggeschaut hat. Und jetzt begeht man den Fehler, daraus ein neues Finanzsystem mit einer Heerschar von Investmentbankern weltweit kreieren/testen zu wollen, welches wie schon im Jahr 2000 und im Jahr 2008 ins Chaos geführt hat.

Man kann darüber nur ungläubig den Kopf schütteln.

Diesen Brief habe ich am 10. April 2016 in meinem Blog „Kritisches Anleger- und Finanzportal“ (www.kritafip.de) veröffentlicht.

Mit freundlichen Grüßen.

13. April 2016

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

 

 

 

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