Kulturwandel der Banken? Teil 2, Erfahrungen

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Aus meiner täglichen Praxis möchte ich zwei typische Beispiele heraus heben, an denen man die pharisäerhaften Bekundungen nach einem Kulturwandel der Banken ganz deutlich erkennen kann und deren Agenda sicherlich viele Leser ebenfalls schon erlebt haben.

Beispiel 1:

Von einem Mandanten wurde ich gebeten, seine Depots einer Analyse zu unterziehen und die bestehenden Risiken dabei herauszuarbeiten. Beim Depot seiner Hausbank befanden sich verdächtig viele Fonds, die größtenteils eine lang­jährige negative Performance ausgewiesen haben und das trotz des „lang­fristigen Anlagehorizonts“. Man ist versucht zu glauben, dass dieser langfristige Anlagehorizont gleichgesetzt werden kann mit einem langfristigen Gebühreneinnahmehorizont dieser Bank.

Kurzum, es wurde beschlossen, diese durch relativ sichere Unter­neh­mens­an­leihen aus dem DAX-Bereich auszutauschen mit mittleren Laufzeiten, deren Renditen aufgrund des niedrigen Zins­niveaus derzeit bekanntermaßen recht niedrig, dafür aber relativ sicher sind. Bei solchen Anlagen kann man sich zumindest ziemlich sicher sein, sein investiertes Geld am Laufzeitende zuzüglich der Zinsen wieder zurückzubekommen.

Nach langer Diskussion mit dem Bankberater davor kam plötzlich eine „Anlageidee“ auf den Tisch, nämlich ein offener Immobilienfonds des eigenen Bankhauses wurde aus dem Hut gezaubert und mir als sichere Immobilienanlage versucht zu ver­kaufen. Mein Hinweis, dass derzeit eine Reihe bekannter offener Immobilienfonds geschlossen seien, die Anleger somit nicht an ihr Geld kämen, bzw. nach Liquidation vermutlich Verluste zu verzeichnen haben, und darüber hinaus, dass diese aufgrund der staatlichen Regulierungen den geschlossenen Fonds nahezu gleichgestellt sind, ließ ihn ungerührt. Ein solches Schicksal würde natürlich dem Fonds seines Bankhauses nicht ereilen. Meine Frage, ob er sich jemals eine Bilanz eines offenen Fonds angesehen hätte, wurde nur zögerlich beantwortet, woraus ich sein Bildungsdefizit erkennen konnte.

Aus meiner Analysetätigkeit hatte ich mehre offene Immobilien­fonds analysiert und dabei festgestellt, dass deren Vermögen zu rd. 50 – 60 % aus einer Vielzahl von Immobilienbeteiligungen, 20 – 30 % aus direkt gehaltenen Immobilien und der Rest aus Gut­haben/­liquiden Mitteln bestand.

Um nun die Bonität eines solchen Fonds feststellen zu können, müsste man sich sämtliche Immobilienbeteiligungen, d. h. deren Bilanzen ansehen, welches bei der Vielzahl der Immobilien Beteiligungen (teilweise über 60 umfangreicher Art) schlichtweg un­möglich ist. Darüber hinaus ist aufgrund der mageren Bericht­erstattung dieser Fonds (berichten einmal im Jahr ca. 6-8 Monate nach Bilanzstichtag) nicht abzusehen, wie sich deren Liquiditätslage jeweils aktuell ergibt, bzw. auf wie viele Investoren /­ Groß­investoren (?) sich die ausgewiesene Liquidität zusammensetzt. Bekanntlich haben Liquiditätsdefizite die meisten offenen Immobilienfonds in die jetzigen Schwierigkeiten gebracht.

Letztlich wollte der Bankberater meinem betagten Mandanten ein intransparentes und evtl. schwer liquidierbares Finanzprodukt (bei Krankheit evtl. nötig) verkaufen.

Beispiel 2:

Ein Mandant bat mich, ihm Anlagevorschläge in Höhe einer siebenstelligen Zahl mit Blick auf Sicherheit und Nachhaltigkeit zu unterbreiten. Diese setzten sich u. a. aus einer Reihe von sicheren Dax-Unternehmens­anleihen mit bekannten Weltmarktprodukten und guten Bilanz- und Ertragskennzahlen, jedoch mit niedrigen, dafür seriösen Zinssätzen, in welche dann mein Mandant auch investierte und in einem Depot bei seiner Bank deponierte, zusammen. Damit endete dann mein Mandat.

Dies erfuhr der Berater dieses Bankhauses und es dauerte nicht lange, bis über die niedrige Rendite dieser Anlagen gemeckert wurde und strukturierte Produkte des eigenen Hauses mit deutlich höherer (in Aussicht gestellter) Rendite in den Fokus seiner Be­ratung rückte. Ist das ein Kulturwandel?

Die Kundenberatung dieses Bankberaters wie auch des erst genannten – übrigens von denselben Bankhaus –  bestanden somit nur darin, das Depot dieses Anlegers auf Produkte des Bankhauses ein­zustimmen und wenn möglich dann so oft wie möglich zu drehen, d. h. ständig Produkte zu kaufen, um sie nach nicht allzu langer Liegezeit wieder zu verkaufen.

Hin und her macht die Taschen leer, nämlich die Taschen des An­legers, es sei denn, es handelt sich um strukturierte Finanzprodukte wie Fonds und Zertifikate, welche der vertreibenden Bank attraktive Bestandsvergütungen – auch Halteprämien genannt – ohne viel Aufwand Jahr für Jahr bescheren und somit kein Interesse besteht, diese bei schlechter Performance zu verkaufen.

Unterstützt werden solche Verkaufspraktiken durch einen ungeheuren Verkaufsdruck, welcher auf die Wertpapierberater massiv ausgeübt wird. In den letzten Jahren meiner Bankerzeit konnte ich erleben, dass wöchentlich am Montag Produkte der Woche von den Teamleitern ausgegeben wurden, am Mittwoch wurde dann nachgefragt, warum er noch nicht das nötige Verkaufsvolumen erreicht hat und wenn sich das bis Freitag nicht verbessert hatte, musste sich der Berater über das Wochenende Gedanken darüber machen, wie er diesen Zustand verbessern kann. Existenzängste wurden hierbei brutal als Instrument benutzt.

Wen wundert dann dieser Verkaufsterror, welcher den Bankkunden regelrecht auf die Nerven geht.

21. Dezember 2014

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

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