Ackerman, der Bankenkritiker

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Von 2002 bis 2006 war Herr Josef Ackermann der 18. Vorstandssprecher, von 2006 bis Ende Mai 2012 der alleinige Vorsitzende des Vorstands und des Group Executive Committee der Deutsche Bank. In dieser Zeit füllte Herr Ackermann sehr massiv die Seiten aller Wirtschaftszeitungen, welche ihn wie „Gott Vater des Bankings“ behandelten und ihn in den Himmel hoben.

In seiner Regierungszeit erlebte die Deutsche Bank dank ihres Investmentbankings, welches damals von Herrn Anju Jain geleitet wurde, ungeahnte Ertragshöhen. Mehrere Milliarden  pro Quartal  konnten eingefahren werden, die Wirtschaftspresse jubelte und keiner fragte, woher diese hohen Gewinne kommen, bzw. wer diese bezahlt hat. Logischerweise konnten diese nur von den Kunden der Deutsche Bank kommen, des einen Gewinn, des anderen Verlust. Eine wundersame Geldvermehrung gibt es bis heute noch nicht.

Nach der Finanzkrise wurden die Machenschaften und illegalen Geschäfte dieser Bank so nach und nach bekannt, mittlerweile hat die Deutsche Bank mit ca. 6.000 Rechtsfällen zu kämpfen, größtenteils vom Investmentbanking her kommend; ein extra Rechtsvorstand musste installiert werden. Das Geschäftsgebaren der Deutsche Bank kam somit mehr und mehr in Misskredit, hohe Strafzahlungen der Jurisprudenz waren und sind immer noch die Folge. Unverständlicherweise haben die Hauptverursacher dieser Misere, Herr Ackermann und Herr Jain daraus immer noch keine Konsequenzen zu befürchten. Rechtsstaat? Fragezeichen!

In einer Veranstaltung der Körber-Stiftung und des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ räumte Herr Ackermann ein, dass auch die Deutsche Bank Geschäfte tätigte, die legal, aber heute nicht mehr als legitim angesehen werden (schöne Umschreibung für Benachteiligung der Kunden). Die Deutsche Bank wäre da mitgeschwommen. Vieles habe der Maximierung der Vergütung gedient und nicht dem Dienst am Menschen. Angeblich hätte er diese Kultur nicht gefördert, sondern wäre ein Teil dieser Kultur. „Wir mussten uns wie Römer in Rom bewegen“. Wenn man nur ein Zehntel der Vergütung wie Goldmann Sachs geboten hätte, hätte man keine Talente (?) an sich gebunden.

Ich bezweifle aber, dass die Deutsche Bank in der Finanzkrise nur mitgeschwommen ist, sie hat als Schrittmacher diese Entwicklung eher gefördert und massiv mitgestaltet, welches die vielen Rechtsfälle zeigen.

Kein geringerer als Herr Anju Jain, derzeitiger Co-Vorstandsvorsitzender dieses Instituts, hat in einem Vortrag zugegeben, an der Finanzkrise mitverantwortlich gewesen zu sein. Mr. Jain führte zu diesem Zeitpunkt – wie dargelegt – die Gelddruckmaschine „Investmentbanking“ der Deutsche Bank.

Es ist nur verwunderlich, warum keiner der durch die Finanzkrise geschädigten Anleger daraufhin die Deutsche Bank auf Schadensersatz verklagt hat. Vielleicht kommt das noch, die „Institutionellen“ und sogar hiesigen Banken fangen bereits damit an.

Diese erschreckenden Aussagen zeigen ganz deutlich, wie tief die Ethik dieser Herren Banker gesunken ist und wie gesellschaftsfähig es war, die Anleger als Gegenpart von Finanzgeschäften einzustufen, bzw. somit zu benachteiligen, es sogar von der Wirtschaftspresse beklatscht wurde und immer noch wird. Dies auch noch als einen Teil der Kultur zu nennen, ist ein starkes Stück.

Interessant an diesem Vortrag von Herrn Ackermann ist der Um­stand, dass er jetzt eine strikte Regulierung fordert. Zwar hätten – nach seinen Worten – die Institute aus der Finanzkrise gelernt und viele einen „Kultur­wandel“ eingeleitet, doch es gebe keine Gewähr, dass sich die Verhältnisse wettbewerbsbedingt wieder ändern. Das lässt Schlimmes befürchten und lässt den Kulturwandel zu einer Farce mutieren.

Hört, hört, Herr Ackermann wandelt sich vom Saulus zum Paulus. Während seiner Zeit als Vorstandsvor­sitzender der Deutsche Bank und Präsident des Verwaltungsrates des Institute of International Finance war er ein strikter Befürworter des Marktes und absolut gegen jegliche Regulierung.

Trotz dieser Aussagen wäre lt. Herrn Ackermann die Entwicklung hin zu einer Investmentbank, die im Reigen der Großen „mitspielt“, alternativlos gewesen. Wäre man diesen Weg nicht gegangen, wäre die Deutsche Bank ein Übernahmekandidat geblieben und hätte das Schicksal anderer deutscher Banken geteilt – und wäre eine große Sparkasse geworden.

(Anmerkung: Aussagen von Herrn Ackermann nachzulesen in einem Presseartikel des Handelsblattes vom 31.10.2012 S. 32)

Diese weiteren Äußerungen zeigt mir wiederum, dass Herr Ackermann vergessen hat, dass seine Deutsche Bank zu diesem Schicksal der anderen deutschen Banken „maßgeblich“ beigetragen hat (siehe auch IKB) und jetzt auch die Sparkassen, welche als Fels in der Brandung während der Finanzkrise standen, nunmehr mit Hilfe der Investmentbank-Produktmischmaschs auf diesen Weg gebracht wurden.

Insofern muss es sich die Deutsche Bank gefallen lassen, als Schrittmacher dieser gefährlichen Entwicklung genannt und heraus­gestellt zu werden.

23. April 2015

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

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