Arme Lottomillionäre

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Erst kürzlich wurde wieder der Lotto-Jackpot von € 90 Mio  geknackt, worauf mir die zwei Worte “arme Lottomillionäre” einfielen. Ein Spieler mit 6 richtigen Zahlen erhält diesen Betrag, 8 weitere Spieler mit jeweils 5 richtigen müssen sich „nur“ mit € 2,8 Mio zufrieden geben.

Solche Gewinne sind für die meisten Menschen ein absoluter Traum. Keine Geldsorgen mehr haben zu müssen, sich alles leisten können, was man will, kurzum das Leben  jetzt in vollen Zügen genießen  und  vielleicht seinem ungeliebten Chef die rote Karte auf diese oder andere Art zeigen zu können.

Allerdings sind sich viele dieser Gewinner nicht über die danach auftauchenden Probleme bewusst, die insbesondere dann auftauchen, wenn ihre Namen bekannt werden. Diese neue  Art von Prominenz wird dazu führen, dass die halbe Welt sie  zur Lösung dieser oder jener Probleme anbetteln wird, tot geglaubte Verwandte tauchen plötzlich auf und bitten sie, bei der Lösung dieser oder jener finanziellen Probleme behilflich zu sein usw. usw. Es werden die phantastischen Beteiligungsangebote gemacht, welche sich später dann als heiße Luft herausstellen werden. Der Katalog kann unendlich fortgesetzt werden und führt nach anfänglicher Euphorie irgendwann zu Frust und Verdruss des Lottogewinners, zumal er befürchten muss, nur noch wegen seines Geldes im Fokus aller zu stehen.

In meiner Bankerzeit habe ich einmal erlebt, dass ein Lottogewinner (Landwirt) seine gewonnene Million einfach in sein Banktresorfach steckte und sich nur von Zeit zu Zeit dieses Schatzes bediente. Selbst seine engste Familie nebst Ehefrau hatte von diesem Gewinn keine Ahnung. Mit dieser Vorgehensweise wollte er einfach die oben beschriebene Entwicklung verhindern und in Ruhe weiter leben.

Da dieser Gewinn irgendwann auf irgendeinem Konto bei einer Bank einmal transferiert werden muss(€ 90 Mio in bar sich auszahlen zu lassen, dürfte äußerst schwierig sein), wird diese Bank die erste sein, welche dem Lottomillionär äußerst hofieren und mit Anlagemöglichkeiten von den besten “Spezialisten” der Bank überschütten wird. Diese setzen  sich aus einem Berg von Empfehlungen von „sicheren“ Anlagen bestehend aus   strukturierten Finanzprodukten wie Fonds und Zertifikaten aller Art zusammen, welche der Gewinner vermutlich kaum verstehen wird. Wie soll er auch, wenn selbst die empfehlenden Banker die dahinter steckenden hohen Risiken solcher Anlagen selber nicht verstehen bzw. nicht offenbaren, geschweige denn die hohen Verdienstmöglichkeiten der Finanzindustrie.

Ich hatte vor Jahren in 2005, also vor der Finanzkrise, Herrn Fried­helm Repnik, damaliger Geschäftsführer der landeseigenen Staat­lichen Toto-Lotto GmbH Baden Württemberg, gefragt, welche Empfehlungen er Lottogewinnern, die auch damals schon größere achtstellige Gewinne einstreichen konnten, geben würde.

Seine Antwort darauf war für mich bezeichnend. Er würde diesen Gewinnern empfehlen, eine Woche Urlaub zu machen und dann alle möglichen Banken abklappern und sich dann das beste Angebot heraus suchen.

Ich war schlichtweg entsetzt und das ließ ich auch Herrn Repnik spüren, bzw. habe ihm dringend von solchen Empfehlungen ab­geraten, da mir das Geschäftsgebaren der Banken damals schon bekannt und sehr sauer aufgestoßen war. Außerdem, wie soll ein in Finanzdingen unerfahrener Bürger die für sich beste Anlagemöglich­keit aussuchen. Er kann es ja aufgrund der hohen Komplexität nicht einmal richtig beurteilen.

Es zeigt aber auch, wie ahnungslos die Politiker damals waren. Herr Repnik hatte den Beruf eines Apothekers gelernt und wurde 1988 in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt, dem er bis 2006 an­gehörte und ab 1998 bis 2004 als Sozialminister fungierte. Wie soll ein in der Vermögensanlage nicht ausgebildeter Politiker und Apotheker mit einer ganz anderen Berufsausbildung dies auch anders wissen?

Ob die jetzige Geschäftsführerin der Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg, welche ebenfalls eine Politikerin  (SPD) ist und im politischen Umfeld des Gesundheitswesens ihre Wurzeln hat, einen profunderen Rat als Herr Repnik geben kann, ist daher fraglich.

Man kann daher diesen Lottomillionären nur wünschen, den richtigen Berater gefunden zu haben, welcher auf seiner Seite steht, nur von ihm bezahlt wird  und nicht dem Vertrieb irgendeiner Institution wie Banken und Versicherungen angehört. Solche Berater befinden sich in der Regel in sogenannten Family Offices, welche als Vermögensbetreuungseinheiten fungieren und nur vom Vermögensinhaber bezahlt werden.

Schlimm wird es jedoch, wenn der Gewinner an Anlageberater gerät, welche Ihr Einkommen aus den verkauften Finanzprodukten über Provisionen beziehen, somit mehr Interesse am Verkauf von Finanzprodukten haben, als an einem langfristigen und seriösem Vermögensbestand und -zuwachs seines Kunden.

Außerdem sollte sich der Lottomillionär bewusst sein, dass er nunmehr die Rolle eines Kreditgebers eingenommen hat, welcher nun – wie eine Bank – die Bonität des Kreditnehmers, somit die Vermögensanlage,  prüfen muss. Rendite darf dabei nur eine untergeordnete Rolle spielen, Sicherheit ist das eherne Prinzip.

Zu einer solchen Bonitätsprüfung gehört eine langjährige und somit ausgereifte Kreditexpertise, welche die wenigsten Anlageberater besitzen, die meisten können nicht einmal eine Bilanz nebst Gewinn-und Verlustrechnung eines Unternehmens  lesen.

Sollte er mit dieser Sichtweise oder einem seriösem Family Office mit Kreditexpertise fündig geworden sein, kann er sich glücklich schätzen und dürfte ein reicher Vermögensmensch bleiben. Es bleibt allerdings zu befürchten, dass die meisten Lottomillionäre an befreundete Scharlatane geraten und somit  ihr Vermögen ins Nirwana verschwinden sehen werden. Dann heißt es wirklich, arme Lottomillionäre.

Übrigens, der Verfasser dieses Beitrages betreibt ein Family Office  mit hoher Kreditexpertise und betreut seit vielen Jahren sehr vermögende Familien.

16. September 2016

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch www.emde-fiveko.de

 

 

 

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