Banken vom Aussterben bedroht?

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Mit obiger Schlagzeile des Wirtschaftsjournalisten Holger Zschäpitz in der Welt am Sonntag vom 2.10.2016 wurde die Frage erörtert, ob die Banken vom Aussterben bedroht sind, womit mal wieder der Mainstream des derzeitigen Wirtschaftsjournalismus dokumentiert wird.

Die wirtschaftliche Lage der Banken ist momentan das Ziel ihrer auch berechtigten Kritik und diese Journalisten vergessen aber dabei, wer die eigentliche Ursache dieser jetzigen Bankenmisere ist, nämlich die EZB-Geldpolitik und deren Vertreter, welche den Banken letztlich die Geschäftsmöglichkeiten wegregulieren.

Einer dieser Vertreter ist der oberste deutsche Bankenaufseher und Bundesbankvorstand Herr Dombret, der  anscheinend in der Wirtschaftspresse – auch im obigen Presseartikel – eine große Aufmerksamkeit genießt und überall unkritisch mit seinen Aussagen die Zeilen füllen darf, obwohl er als Investmentbanker mit zu den Verursachern der Bankenkrise gehört bzw. daran sogar als M&A- Experte maßgeblich beteiligt war und nunmehr als Unterstützer dieser EZB-Politik auch ist.

Die nunmehr bestehende und das Finanzsystem sukzessiv zerstörende EZB-Geldpolitik wurde nach der Finanzkrise, verursacht vom weltweiten angelsächsischen Investmentbanking, verschärfend implementiert, welches insbesondere bei der Deutsche Bank nun  sehr stark zu Tage getreten ist. Herr Holger Steltzner von der FAZ hat dies  in seinem Hauptkommentar (1.10.2016) mit „Der Irrtum der Deutschen Bank„ beschrieben und kommt sogar zu dem Ergebnis, dass sich die Deutsche Bank nicht von der Postbank trennen sollte, sondern vom Investmentbanking. In diesem sehr kritischen Kommentar werden seit langen erstmals die schädlichen Auswirkungen des Investmentbankings klar dokumentiert und somit auch von einer Trennung des Investmentbankings, ich meine Verbot wäre richtiger, gesprochen. Leider kommt dieser Rat viel zu spät!

Mit meinem Leserbrief, von der FAZ am 31.12.2005 veröffentlicht, habe ich dies aufgrund meiner negativen beruflichen Erfahrungen mit dem Investmentbanking und seiner Produkte damals schon bereits heftig kritisiert (Titel: Banken als Wettbüros). Weitere Leserbriefe in 2006, 2007 und 2008, ebenfalls von der FAZ veröffentlicht, hatten sich auch dieses Themas angenommen, wo selbst die FAZ und andere Zeitungen die neue  innovative Zeitenwende im Finanzbereich überschwänglich gelobt und Herr Ackermann als Gottvater der Banken von der Presse behandelt wurde.

Herr Draghi ist wie Herr Dombret ein Investmentbanker, übrigens wie viele an den Schaltstellen der Weltwirtschaft, wie z.B. der Chef der Bank of England (Zentralbank) Herr Carney (siehe Investmentbankerliste in diesem Blog). Diese Herren oder dieser Club haben es trotz Finanzkrise und dadurch entstandener hoher Vermögensverluste geschafft, das Investmentbanking weiter und sehr profitabel fortbestehen zu lassen, wozu Herr Draghi & Co mit dem geschaffenen Anlagenotstand die perfekten Voraussetzungen geschaffen hat, um dieses ja sogar noch weltweit zu forcieren und implementieren zu können, insbesondere in die Köpfe der Wirtschaftsjournalisten. Letztlich haben die langsamen Mühlen der US-Justiz diesen Manipulationen und Betrügereien ein Ende gesetzt und dabei mit ihren hohen Strafzahlungen eine weitere Gefahr für das Weltfinanzsystem geschaffen.

Herr Dombret empfiehlt den Kreditinstituten schon seit langer Zeit sich vom Zinsgeschäft – und somit vom Kreditgeschäft – unabhängig zu machen, letztlich die Basis aller Bankgeschäfte. Damit empfiehlt er die weitere Implementierung des Investmentbankings und damit eine Fortsetzung der Finanzwetten, welche 1929, 2000 und 2008 schon sehr große Probleme bereitet hatten. Insbesondere nach 1929 brach eine sehr dunkle Zeit an und ließ die Welt ins Chaos versinken.

Herr Dombret will keine Kreditinstitute sondern Finanzkolonialwarenhändler und damit perfekte Verdienstmöglichkeiten für die strukturierenden Investmentbanker schaffen. Er und Draghi & Co. haben diese verrückte Situation geschaffen  und sprechen nun von einer Veränderung der Rahmenbedingungen. Das ist eine absolute Verdummung der Bürger.

Ich vergleiche Herrn Dombret bzw die Bankenaufsicht inkl. EZB  stets mit einem Elefanten im Porzellanladen, der aufpasst, dass der Inhaber des Porzellanladens kein Porzellan zerbricht. Oder mit einem Auto, dem man zwecks Regulierung des Verkehrs die Räder weggenommen hat und dem Autofahrer empfiehlt, das Auto mit digitalisierten Alternativen in Bewegung zu setzen.

Diese EZB-Geldpolitik wird viele Bankarbeitsplätze vernichten und zu weiteren Bankzusammenschlüssen führen, welche den Bankkunden keine Vorteile bringen werden, sondern nur höhere Kosten. Herr Dombret empfiehlt den Banken sogar öffentlich und mit Nachdruck, die Gebühren entsprechend zu erhöhen zwecks Verbesserung ihrer Ertragslage. Neue Bankstrategien werden zudem wieder die Runde machen, sind aber doch letztlich “olle Kamellen”so wie jetzt die angeblich neue Strategie der Commerzbank.

Der überall aufflammenden Kritik an dieser neuen Strategie der Commerzbank  kann man nur zustimmen. Sie ist falsch und hat wieder McKinsey zu verantworten, welche schon vor 16 Jahren zusammen mit Boston Consult bei der Dresdner Bank herumlaborierte und voll daneben ging, weil es nicht funktionierte. Dies habe ich in diesem Blog mit dem Beitrag vom 1.10.2016 unter dem Titel „Commerzbank Strategie: olle Kamellen“ heftig kritisiert.

Übrigens, im jetzigen achtköpfigen Vorstand der Commerzbank kommen vier von Unternehmensberatungsgesellschaften, drei davon von McKinsey. Wen wundert es also.

Hier sind wieder die alten Handwerker unterwegs, die vor 16 Jahren schon völlig falsch lagen und mitverantwortlich sind für die Krise der deutschen und europäischen Banken. Man kann sie sogar als die angelsächsischen Vorboten der Bankenzeitenwende oder des Bankensterbens oder der europäischen Bankenkrise bezeichnen.

Diese von der EZB geschaffene Bankenmisere jetzt mit dem Rettungsanker Digitalisierung aufhübschen zu wollen, ist Nonsense. Die Frage, ob wir Banken noch benötigen, möchte ich mit einem klaren Ja beantworten. Es ist ja so modern, diese jungen und unerfahrenen Fintechs und  Start-ups als das künftige Ei des Bankenkolumbus zu benennen, obwohl viele schon wieder von der Bildfläche verschwunden sind und Vermögensverluste hinterlassen haben. Vor dem Platzen der dot.com Blase war es ähnlich.

Vor der Finanzkrise hat man die Banken unreguliert alle möglichen Bankgeschäfte bis zu den brutalen Betrügereien machen lassen, mit den unregulierten Fintechs und ihren Jüngern empfiehlt man genau diese Situation wieder.

Die Banken müssen wieder zurückfinden zu ihrem klassischen Bankgeschäft, in welchem zwar nicht solch horrende Gewinne – zu Lasten ihrer Bankkunden – gemacht werden, dafür aber auf ein festes Fundament bauen können. Und die Wirtschaftsjournalisten und Analysten sollten aufhören, die unseriösen Quartals-Milliardengewinne der Banken aus früheren wilden Zeiten als Maßstab für ein florierendes Bankgeschäft zu nehmen und zu bejubeln. Diese Milliardengewinne stellten keine wundersame Geldvermehrung dar, sondern wurden Bankkunden und damit der Realwirtschaft weggenommen.

9.September 2016

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch www.emde-fiveko.de

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