Credit default swaps (CDS)

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Die Erklärung in Wikipedia zu den CDS`s ist 11 Din A 4 Seiten  stark und relativ klein gedruckt. Auf Seite 10 und 11 findet man eine Reihe von mathematischen Formeln, die letztlich nur ein Mathematiker beurteilen kann. Diese Derivate gibt es zwischenzeit­lich in allen möglichen Schattierungen mit den Bezeichnungen Recovery Swap, Index Credit Default Swap (schon wieder ein Index!!), Digital Default Swap usw., um nur einige davon zu nennen und werden bei allen möglichen Finanzgeschäften eingesetzt. Zwischenzeitlich sind sie aber zu einem großen Baustein der welt­weiten Heißluft-Spekulation geworden und ein großes Damokles Schwert für unser Finanzsystem, da es für diese Papiere keine Börse gibt, es sich um so genannte OTC-Geschäfte (Over The Counter = Schaltergeschäfte) handelt und sich daher das genaue Volumen noch im Nirwana befindet. Studien der British Bankers Association bezifferten das Volumen bis Mitte 2006 auf 50 Billionen US$, soll aber in 2008 von US$ 60 Billionen wieder auf US$ 40 Billionen zurückgegangen sein.

Die Grundstruktur eines CDS ist eine Kreditversicherung. Ein Kredit­geber, in den meisten Fällen eine Bank /­ Investmentbank, überträgt damit das Kreditrisiko eines Kredites, welches er eingegangen ist, an einen anderen Markteilnehmer (Versicherungsgesellschaften, Pensionskassen, Investmentfonds und Hedgefonds aller Kategorien usw.) und zahlt diesem Marktteilnehmer für diese Risikoübernahme eine Prämie. Damit wird die Bilanzsumme des Abgebenden verkürzt zugunsten einer Verbesserung der Eigenkapitalquote. Damit gibt eine Institution, die eigentlich über eine entsprechende Kreditexpertise verfügen sollte, nämlich das Kreditinstitut selbst (deswegen heißen es ja auch so) und über den Kreditnehmer und somit über das Kreditrisiko am besten Bescheid weiß, eben dieses Kreditrisiko an Institutionen weiter, die nicht über eine fundierte Kreditexpertise verfügen. Jetzt kann man das Thema Bilanz­summenverkürzung und damit Verbesserung der Eigenkapitalquote einwenden, jedoch auch die Absicht, unliebsame Kreditnehmer und damit deren Kreditrisiko loszuwerden.

Sollte dann dieser Kreditnehmer in Schwierigkeiten geraten  aufgrund von konjunkturellen Entwicklungen oder durch selbstverschuldetes Missmanagement und dann die Hilfe der Kredit gebenden Banken benötigen, sieht die Angelegenheit für den betroffenen Kreditnehmer manchmal katastrophal aus.

In solchen schwierigen Lagen der Unternehmen schließen sich die Banken zu einem gemeinsamen Pool, dem so genannten Banken­pool zusammen und beschließen, nachdem die Fortführungs­prognose positiv bestätigt wurde, das weitere Vorgehen z. T. mit Hilfe externer Experten aus den finanz- und betriebswirtschaftlichen Bereichen, die Fortführung ihrer Kreditengagements, um dem Unternehmen u. a. durch weitere Kredite und damit Liquidität wieder auf die Beine zu helfen.

Erfahrungsgemäß gibt es in den ersten Sitzungen solcher Banken­pools ein regelrechtes Hauen und Stechen. Jede Bank positioniert sich entsprechend, um mit dem wenigsten Risiko in die Fortführung des Engagements zu gehen, bzw. um ja nicht die höchste Quote des Pools und damit das höchste Risiko führen zu müssen. Das ist aber üblich und auch nicht verwerflich, zumal keiner der Beteiligten weiß, wie die Sache ausgeht.

Hier muss ich einmal eine Lanze für die Banken brechen. Trotz aller Kindereien am Anfang solcher Pools kann man den Banken hohe Professionalität in dieser Art des Risikomanagements attestieren. Ich habe sogar die Erfahrung gemacht, dass die dann Verantwort­lichen der jeweiligen Banken in Sachen Expertise und Rationalität die Besten sind und diese – losgelöst von der Frage nach der Verantwortung – den Unternehmen sehr professionell und ergeb­nisorientiert geholfen haben.

Was passiert aber, wenn eine der beteiligten und Kredit gebenden Banken dieses Kreditrisiko über ein CDS verkauft hat und statt der hiesigen Bank auf einmal ein Hedgefonds Manager am Bankentisch sitzt? In den mir bekannten Fällen haben diese Herren nur eines im Sinn, nämlich den Fortgang des Einigungsprozesses unter den Banken so stark zu stören in der Hoffnung, dass einer der beteiligten Banken oder alle anderen Banken gemeinsam dem Störfeuer des Hedgefonds überdrüssig sind und den Anteil des Hedgefonds quotal untereinander aufteilen und übernehmen, evtl. noch zu einem höheren Preis, als der Hedgefonds für den CDS bezahlt hat. Das kann gut gehen, aber auch voll daneben mit der Folge einer Unternehmensinsolvenz.

Wie so oft wurden bei der Emission von CDS in der Anfangsphase ihrer Marktpräsenz nur sehr gute Kreditrisiken von bonitätsstarken Unternehmen, meistens in den Bereichen der großen Indizes wie DAX und Euro Stoxx & Co. über diese CDS weiter gegeben und sehr gerne von den Investmentfonds, speziell den Geldmarktfonds über­nommen, welche durch das Absinken des Zinsniveaus und dem Auslaufen hochverzinslicher Rentenpapiere in Renditenotstand kamen. Jedenfalls sind mir solche Papiere bei einzelnen Invest­mentfonds als Beimischung aufgefallen, aber nur bei intensivem Lesen der Verkaufsprospekte und Zwischenberichte. Es gibt sogar Fonds nur mit CDS-Papieren. Deren Risiken zu verifizieren ist somit äußerst schwer und sollte ein Privatanleger daher auf keinen Fall eingehen.

Die Kreditqualität dieser CDS sank auch hier im zunehmenden Maße und die Folge waren letztlich wiederum Vermögensverluste.

Die Kreditverträge aller Banken, auch die der Sparkassen und Volks­banken, haben in den letzten Jahren den Passus aufgenommen, dass zum Zweck der Refinanzierung dieser Kredite, d. h. das Kredit­risiko neben den Zentralbanken auch an Finanzinstitute weiter veräußert werden dürfen. Damit dies auch vollzogen werden kann, wird ganz deutlich darauf hingewiesen, dass der Darlehensnehmer den Darlehensgeber = Bank vom Bankgeheimnis befreit. Diesen Umstand sind sich die meisten Kreditnehmer, auch auf der Unter­nehmensseite, nicht bewusst und kann je nachdem zu sehr unlieb­samen Entwicklungen – wie dargestellt – führen.

Jeder Kreditnehmer muss sich daher bewusst sein, dass bei Unter­zeichnung eines solchen Vertrages das Kreditrisiko weiter gegeben werden kann. Abnehmer sind wie erwähnt Investmentfonds, Versicherungen, Pensionskassen und Hedgefonds nebst den Investmentbanken. Die beiden letztgenannten zeigen bei interessanten Unternehmen mit interessanten Produkten usw. sehr großes Interesse am Ankauf solcher CDS, insbesondere dann, wenn deren Inhaber entweder nicht verkaufen wollen oder einen zu hohen Verkaufspreis fordern oder wie auch immer den Interessen dieser beiden entgegen wirken. Mit dem Aufkauf dieser Papiere über die CDS entsteht somit die Möglichkeit, das Ziel-Unternehmen u. a. in Schwächephasen unter Druck zu setzen mit dem Ergebnis, dass die fällige Kreditschuld in Unternehmensanteile getauscht werden muss (debt-to-equity-swap) mit all den Nachteilen für den Unter­nehmer und dem Unternehmen.

Daher rate ich jedem meiner Mandanten, auf das Streichen dieses Passus zu bestehen, um stets die Gewährleistung zu haben, dass man es auch künftig nur mit der Bank des Vertrauens zu tun hat.

Juli 2013

Elmar Emde

Author des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

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