Der Zentralbankrat, die Verantwortlichen

image_pdfimage_print

Mit den neuerlichen Andeutungen von Herrn Draghi, das Ankaufprogramm eventuell  noch deutlich zu erhöhen, hat sich Herr Draghi und der mitentscheidende Zentralbankrat weiter in die von ihm geschaffene  Sackgasse manövriert und sich damit noch mehr zu Verantwortlichen einer wirtschaftlichen Entwicklung gemacht, die menschliche Basisgrundsätze einfach auf den Kopf stellen. Das hat der Kommunismus versucht und ist gescheitert, die Sozialisten versuchen es immer noch und scheitern ständig und so wird es auch der EZB  und damit dem Rückgrat der freiheitlichen Gesellschaft in Europa ergehen. Ein Supergau! Außerdem liefert Herr Draghi damit eindeutig den Beweis, dass das massive Ankaufprogramm nichts bringt, bzw. die Wirtschaft damit  eher verunsichert hat.

Hauptgrund für die vielen Entscheidungen, welche das Zinsniveau auf Null bzw. in den negativen Bereich geführt haben, ist die willkürlich von der EZB festgesetzte und tolerierte Inflation von 2%, welche im Wesentlichen durch die fallenden Energiepreise in weite Ferne gerückt ist und auf ein Niveau gesenkt wurde, welches nach der jetzigen Berechnung der Inflationsentwicklung eine mögliche Deflation Wirklichkeit werden lässt. Eliminiert man diese letztlich politisch bedingten Energiepreise, die in der Vergangenheit aufgrund von deren Volatilität aus der Inflationsberechnung aus guten Grund herausgenommen worden waren, jetzt aber aus Gründen wie auch immer wieder Bestandteil der Berechnung sind, liegt die Inflation bei den Verbraucherpreisen bei etwa 1,5% + ./. x. Aber auch diese Zahl scheint nicht ganz den Realitäten zu entsprechen, berücksichtigt man die Preise des täglichen Lebens, die still und leise und stetig deutlich stärker nach oben klettern. Die Kerninflation wird mit rd. 1% derzeit errechnet, allerdings befinden sich in diesem Warenkorb Produkte, die nicht zum täglichen Bedarf gehören.

Betrachtet man die in der EZB diskutierte Möglichkeit, den Negativzins für Bankeinlagen bei der EZB weiter zu erhöhen, welches früher oder später die Bankvorstände gerne als Anlass nehmen werden, dies auch bei ihren Kunden zu verlangen, so stellt das alle Erfahrungen der bisherigen Wirtschaftssysteme auf den Kopf. Leistungen, die Basis unserer freiheitlichen Gesellschaft und Wohlstand sind, werden nicht mehr bezahlt, dafür muss man nach dem Willen der EZB bezahlen, um leisten zu dürfen.

Oder übertragen auf den Finanzmarkt, der Kreditnehmer bekommt von der Bank noch Geld dafür, dass er das Geld der Bank abnimmt, also einen Kredit aufnimmt. Dann verdient derjenige, der Geld nimmt, anstatt derjenige, der Geld gibt. Das ist ein Umdrehen und auf den Kopf stellen  unseres Wirtschaftssystems. Das ist irreal, das ist verrückt.

Zusammenfassend hat die bisherige EZB-Politik unter den 4 Jahren des Herrn Draghi folgendes gebracht:

  • Die Problemstaaten werden mit dieser Nullzinspolitik nicht zu den dringenden Reformen ermuntert, sie werden eher dazu aufgerufen, die Verschuldung fortzuführen, zumal man jetzt sogar noch daran verdienen kann. Der hochverschuldete und bonitätsschwache italienische Staat muss derzeit für zweijährige Anleihen keine Zinsen mehr bezahlen, er bekommt sogar dafür noch Geld. Das ist Irrsinn!!!
  • Die angebliche Gesundung der Problemstaaten wird zum einen aufgrund der zwischenzeitlich sehr niedrigen Basiswerte errechnet und zum anderen geschieht das wiederum zu Lasten der anderen europäischen Staaten. Wie das Bespiel Irland zeigt, wird wiederum mit neuen Steuergeschenken das eigene Steueraufkommen nach oben gepuscht, dafür aber die Steueraufkommen der anderer europäischen Staaten in europäischer Solidarität vermindert. Außerdem führt die Nullzinspolitik zu deutlich verminderten Zinsbelastungen der Staaten, welche letztlich die wohlhabenden europäischen Staaten und deren sparende Steuerzahler über den Zwischenwirt EZB am Ende der Rechnung zu bezahlen haben. Das ist der europäische Spaltpilz.
  • Bewährte Wirtschaftsstrukturen und ihre Instrumente wie Lebensversicherungen, Bausparkassen, Sparkassen nebst Volksbanken sowie Pensionskassen und damit die gesamte auf Zinsen aufgebaute Altersversorge werden durch die faktische Abschaffung des Zinses in Anlagebereiche mit hohem Risiko manövriert, die sich irgendwann offenbaren werden. Eine langfristig aufgebaute Altersvorsorge kann sich dann in Luft auflösen und wird zu einer Altersarmut und zu einer Abhängigkeit vom Staat ungeahnten Ausmaßes führen. Anmerkung: Herr Draghi und sein Zentralbankrat werden aufgrund ihrer vom Steuerzahler bezahlten hohen Renten damit sicherlich kein Problem haben.
  • Das Ausschalten des Zinses hat einen Anlagenotstand geschaffen, welcher den Investmentbanken mit ihren strukturierten Finanzprodukten extrem hohe Ertragsmöglichkeiten auf sehr lange Zeit garantieren werden, jedoch zu Lasten der Anleger/ Investoren, die für das damit eingegangene, intransparente und hohe Risiko noch hohe Gebühren bezahlen müssen.
  • Damit hat Herr Draghi und sein Zentralbankrat es im Übrigen auch geschafft, die toxischen Papiere der Bad-Banks sukzessive in die Depots der unbedarften Anleger über die Beimischungen in den jeweiligen strukturierten Finanzprodukten zu buchen. Ich nenne das Betrug, allerdings auf einer sehr intelligenten Art und Weise, eben die Art und Weise, wie Investmentbanken agieren.
  • Damit wird ein Wirtschaftssystem sukzessive geschaffen, bzw. besteht bereits schon, welches von Investmentbanken bestimmt wird. Die Grundsätze des Investmentbankings sind im Wesentlichen die hohe Benachteiligung der Gegenseite und eine ausgeprägte Zocker- und damit Risikomentalität. Daran werden Regulierungen und ein so genannter Kulturwandel bei den Banken nichts ändern. Investmentbanking gehört im Wesentlichen verboten.
  • Kredite werden in Zukunft nicht mehr über ein Einlagengeschäft refinanziert, sondern durch Verkauf dieser Kredite über von Investmentbanken strukturierte Finanzprodukte an Hedgefonds und Investmentfonds, welche diese Risiken mit allen möglichen anderen noch mehr vermischen, um sie dann an die unwissenden und unbedarften Anleger bis zum kleinen Sparer in Form von weiteren strukturierten Finanzprodukten (Investmentfonds aller Art, Zertifikate aller Art, ETF`s aller Art usw. usw.) verkaufen zu können. Damit werden Risiken von den Banken weggenommen und auf die Steuerzahler, die ja angeblich nicht mehr für die Banken bezahlen sollen, verlagert. Letztlich eine Verdummung für alle Anleger und auch Betrug.
  • Es bleibt daran zu erinnern, dass intransparente strukturierte Finanzprodukte, auch Subprimes genannt, die Finanzkrise 2007 / 2008 ausgelöst haben, jetzt aber von der Politik sowohl der EZB als auch  der FED gefördert werden.
  • Die EZB finanziert marode Staaten aus Gründen wie auch immer, kontrolliert aber andererseits die Banken dahingehend, damit diese keine maroden Kreditnehmer finanzieren. Wiederum ein Irrsinn. Von einigen Bankvorständen habe ich schon den Ausdruck gehört, dass sie sich regelrecht „verarscht“ fühlen. Der Elefant im Porzellanladen passt auf, dass der Ladeninhaber kein Porzellan zerschlägt. Eigentlich müsste der EZB die Banklizenz entzogen werden.
  • Das Bonitätskriterium für Staaten, ein wichtiger Gradmesser für das Risiko eines Investments, wird hierdurch faktisch ausgehebelt und durch hanebüchene Solvenz Behauptungen der EZB-Verantwortlichen ersetzt. Das hat mit seriösem Banking nichts mehr zu tun und ein weiterer Grund, der EZB die Banklizenz zu entziehen.
  • Bei der Kreditvergabe an die Realwirtschaft wird dagegen das Bonitätskriterium über die undurchsichtigen, meistens in den USA gepflegten Ratingverfahren (ein Schelm wer hierbei böses denkt) extrem hochgefahren, bzw. verwissenschaftlicht und damit die eigene Urteilsfähigkeit der Banken ausgehebelt /ersetzt. Problem ist nur, dass diese Ratingsysteme black boxes gleichen und somit Manipulierungen aller Art, das Monopoly Spiel der US-Finanzindustrie, Tür und Tor geöffnet werden.
  • Die Regulierung der Banken, hauptsächlich durchgeführt von der EZB, stranguliert das herkömmliche Kreditgeschäft, fördert aber andererseits den Verkauf der intransparenten strukturierten Investmentbank- Finanzprodukte, bzw. enthaftet dann auch noch die Banken durch die so genannten seitenlangen Berater-Protokolle, die kein normaler Anleger versteht. Man wird einfach nicht das Gefühl los, dass die Aufsichtsämter in Sachen strukturierte Finanzprodukte keine Ahnung haben, wie auch schon vor der Finanzkrise.
  • Die Regulierung der Banken ist das Ergebnis eines maßlosen Bankings, in welches die Aufsichtsämter und die EZB nicht eingegriffen, ja nur zugeschaut haben und das Ganze sogar noch als üblich klassifizierten. Der scheidende Gouverneur der französischen Notenbank und Mitglied des EZB-Zentralbankrats hat erst kürzlich bestätigt, dass „die EZB 2007 überhaupt nichts habe kommen sehen, sie wären wie vom Donner gerührt gewesen“. Warum soll sich an dieser Haltung und Kenntnisstand etwas geändert haben? (siehe oben)
  • Zur Regulierung und Überwachung der Banken durch die EZB und Bafin wurden ca. 1000 Kontrolleure aus dem Boden gestampft, weitere 260 Kontrolleure sollen noch folgen. Es bleibt zu vermuten, dass diese Kontrolleure eher aus den Rechts- und Revisionsabteilungen der Banken stammen (letztere wurden übrigens in der Vergangenheit aus Kostengründen weitgehend abgeschafft), somit keine direkte Markterfahrung besitzen und nun erfahrene Banker mit Markterfahrung und Expertise in „Beamten-ähnlicher Manier“ überprüfen müssen. Das erinnert einen fatal an kommunistische und sozialistische Systeme, welche alles nur auf Kontrolle setzten und scheiterten. Die Verantwortlichen der EZB und der Politik müssen daher daran erinnert werden, dass die heftigen Krisen der letzten 15 Jahre durch das maßlose Investmentbanking verursacht worden ist und daher den Ursprung dieser Krisen darstellen. Daraus kann nur der Verbot des Investmentbankings gefolgert werden, denn kontrollieren lässt sich dieses nicht.
  • Bei jeder wirtschaftlichen Entwicklung gibt es immer Gewinner und Verlierer. Die Geldpolitik der EZB hat zwei Interessensgruppen extrem begünstigt, nämlich die Problemländer im Süden von Europa und die Investmentbanker weltweit. Berücksichtigt man noch den Umstand, dass die wesentlichen Schaltstellen der Wirtschaft mit Investmentbankern besetzt sind, darunter der Präsident der EZB, Herr Mario Draghi, der Gouverneur der Bank of England, Herr Mark-Joseph Carney, der Bankenaufseher und Vorstand der Deutschen Bundesbank, Herr Andreas Dombret, der Chef der mächtigen FED New York, Herr Bob Dudley, der Chef der Deutschen Börse, Herr Carsten Kengeter und nicht zu vergessen die vielen wesentlichen Führungspersonen in allen europäischen Banken, wie z.B. bei der Deutsche Bank, braucht man sich über die Geldpolitik der EZB und im Gleichschritt die der FED, deren Anteilseigner die Investmentbank- verseuchten US-Großbanken sind, nicht zu wundern.
  • Die EZB hat sich zu einem supranationalen Institut entwickelt, welches  keiner demokratischen Kontrolle unterliegt und machen kann, was es will. Sie geht mit unserem Vermögen nach Gutdünken auf Gutsherrenart um und wir haben keine Möglichkeiten, einzugreifen. Begründet wird das mit der notwendigen Unabhängigkeit der EZB. Diktatoren sind aber auch unabhängig und können schalten und walten wie sie wollen mit den bekannten Ergebnissen. Die Entscheidungen der EZB gleichen einem diktatorischem Dekret mit extrem großen Auswirkungen auf Politik und Wirtschaft. Letztlich werden wir nicht mehr von den von uns gewählten Volksvertretern regiert, sondern von einer kleinen Gruppe, genannt Zentralbankrat, dessen Stimmenverhältnis sich nicht nach Wirtschaftskraft des einzelnen Landes  sondern nach der Anzahl der jeweiligen im EU-Verbund zusammengeschlossen Staaten bemisst. Zypern hat dieselbe Stimme wie Deutschland. Das wird langfristig zu einer Spaltung der EU führen wird, bzw. die Europa-Idee in Frage stellen.

Bei dieser Auflistung von Fehlentwicklungen wäre es nun  interessant, aus welchen Personen mit welcher Berufsausbildung und mit welchem Werdegang sich der Zentralbankrat, die Zentralregierung von Europa zusammensetzt.

Diese umfangreiche Auflistung erfolgt in einem weiteren Beitrag in den nächsten Tagen.

1. November 2015

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

Teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.