Deutsche Börse, Verstärker der Ausbeutung und der Armut

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Erst kürzlich erschien im Handelsblatt ein interessanter Kommentar von Herrn Dieter Fockenbrock zur Übernahme des Stimmrechtsberaters ISS (International Sharholder Services) durch die Deutsche Börse mit der Überschrift „Die Ära der Amerikanisierung“. Ich würde das nicht als “Die Ära der Amerikanisierung” nennen, es ist eine

Fortsetzung der Ära des Investmentbankings

und diese besteht  nicht erst seit jetzt, sondern schon seit dem Beginn der 80er-Jahre.

Das Investmentbanking, welches nach der Weltwirtschaftskrise 1928  jahrzehntelang (aus gutem Grund) verboten worden war, begann ihre Fortsetzung und somit Durchsetzung der weltweiten Wirtschaft nach dem Krieg in den 60er-Jahren in Groß-Britannien mit den von den Briten erfundenen Euro-Dollars bzw. Euro-Bonds. Mit dem aufkommenden M&A-Geschäft in den 80er-Jahren in den USA und den schon damals irrsinnigen Gewinnspannen nahm das Investmentbanking immer mehr Fahrt auf, wobei sich Institute wie KKR besonders hervor getan haben.

Die dadurch los getretene M&A-Lawine konnten die Banken zunächst nur durch immer größer werden Finanzierungspools mit hunderte von Banken darstellen,

zwecks Vermeidung immer größerer Finanzierungsrisiken wurden diese dann verbrieft und damit aus den Bank-Bilanzen genommen,

womit der Feldzug der Investmentbanker weltweit begann. Mit der Übernahme der britischen Investmentbank Morgan Grenfell durch die Deutsche Bank hielt das Investmentbanking dann auch in Deutschland und Europa Einzug. Und wie es so kam, übernahmen die übernommenen Investmentbanker sukzessive die Macht in Deutschlands und Europas Banken (siehe Beitrag in diesem Blog: „Dresdner Bank, ein erlebter Niedergang“).

Wegbereiter dieser Investmentbanking-Entwicklung waren die angelsächsischen Unternehmensberatungsgesellschaften Boston Consult und McKinsey,

welche diese Banker mit dem Heiligenschein einer Gelddruckmaschine (auch heute noch)  in die Banken hinein berieten, welches dazu führte, dass diese Herren die Banken ausnehmen konnten wie eine Weihnachtsgans.

Die Finanzkrise 2008 und die Folgejahre haben dann diesem Spiel langsam, für meine Begriffe zu langsam, einen temporären Stop bereitet, allerdings wurde

durch die Geldpolitik des Goldman Sachs Investmentbankers in der Person von Mario Draghi mit dem absurden Negativzins der Boden für das Treiben der Investmentbanker wieder fruchtbar gemacht.

Zinspapiere mit Negativzins sind für Anleger uninteressant, die werden von der EZB aufgekauft, als Alternative bleiben für die meisten Anleger somit nur noch von Investmentbankern strukturierte Finanzprodukte oder insbesondere Aktien übrig, welche wiederum über das strukturierte Finanzprodukt „Index-Fonds“ in abstruse Börsenwerte getrieben werden.

Der nächste Schritt der Installierung des Investmentbankings ist nun die Übernahme von einflussreichen  Stimmrechtsberatern wie den ISS durch die Deutsche Börse, welche vom Investmentbanker und CEO  Theodor Weimer geführt wird, wie soll es auch anders sein.

Die Stimmrechtsberater erhielten ironischerweise ihr Daseinsberechtigung nur aufgrund der in den letzten zwei Jahrzehnten extrem angestiegenen  Volumina der Indexfonds,  die aus Kostengründen somit personalmäßig nicht in der Lage und willens waren und sind, an den jeweiligen Hauptversammlungen der an den  abertausend beteiligten  Aktiengesellschaften teilzunehmen. Diese Aufgabe hat man diesen Stimmrechtsberatern übertragen.

Ein Produkt der Investmentbanker, der Indexfonds, beschäftigt somit ironischerweise wiederum einen Investmentbanker im Kleid eines Stimmrechtsberaters und beide verdienen daran kräftig.

Mit der Übernahme des Stimmrechtsberaters ISS will die Deutsche Börse anscheinend vordergründig Geschäftschancen wahrnehmen. Da die ISS auch in Sachen Governance US-amerikanischer Prägung  –  die bessere Bezeichnung wäre „Governance Investmentbanker Prägung“ –  berät, bleibt nunmehr zu befürchten, dass mit dieser Investmentbanking – Denke das Ausplündern der Aktiengesellschaft und damit der Anleger über die Vorstände und Investmentbanker mit Hilfe der Deutschen Börse noch mehr an Fahrt gewinnt. Somit werden

  • noch mehr eigene Aktien zurück gekauft und damit unverantwortliche Verschuldungen vorprogrammiert bzw. die Bonitäten der Unternehmen weiter geschwächt,
  • die Boni der Vorstände damit u.a. in den zweistelligen Millionenbereich gehievt,
  • weitere Unternehmen auf Teufel komm raus zwecks Auslastung der M&A-Abteilungen übernommen und
  • damit good wills und immaterielle Anlagegüter sowie Börsenwerte von absurden Höhen mit der Garantie von hohen Verlusten geschaffen,
  • dafür noch mehr Mitarbeiter entlassen zugunsten noch höherer Vorstandsboni und den unverschämt hohen Honoraren der angelsächsischen Schubladen-Unternehmensberater,
  • die Bilanzen diesem unseriösen Treiben entsprechend zurecht gezimmert und und angepasst.
  • Damit dies nicht sonderlich auffällt kommen strukturierte Finanzprodukte zum Zuge zwecks Vernebelung der darin befindlichen hohen Risiken und
  • das nur zu dem Zweck, die Aktionäre und Anleger als Melkkuh für nur Wenige in dieser Gesellschaft zu missbrauchen.

Damit verstärken sich weiter die Unterschiede zwischen arm und reich weltweit, welche ohne das Instrumentarium der Investmentbanker nicht möglich sind bzw. gewesen wären mit sicherlich nicht positivem Ausgang.

Es bleibt daher zu befürchten, dass die Deutsche Börse noch weiter zu einem Handlanger der sich weiter verstärkenden  Ausbeutung durch das Investmentbanking mutiert. 

Ich frage mich ständig, warum der Wirtschaftsjournalismus diese Entwicklung nicht sieht und sich eher als Herolde von deren Erfolgen missbrauchen lässt. Ist es die zu starke Fokussierung auf die Marketing Abteilungen der (Investment-)Banken und deren gefärbte Aussagen, die fehlende Praxis eines Bankbetriebes bzw. Unkenntnis schlechthin oder auch das Anzeigenvolumen, welches man nicht gefährden will?

Investmentbanker sind Verbriefer von Risiken, die nur noch wenige verstehen, den größten Teil der Anleger aber massiv schädigen werden.

27. Dezember 2020

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

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