Die ETF-Fraktion der WAMS

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Zum besseren Verständnis, WAMS ist die Abkürzung für die Zeitung „Welt am Sonntag“.

In den letzten Jahren ist bei hoch angesehenen Zeitungen zu beobachten, dass die kommentierenden Wirtschaftsjournalisten sich immer mehr von den Kapitalmarktakteuren vereinnahmen lassen, die einem nüchtern denkenden Risikomanager nur den Kopf schütteln lassen.

Beim Handelsblatt ist es die Tesla-/Batterie Fraktion, welche im Wesentlichen nur positiv über diesen Herrn Musk und seine Machenschaften berichtet und dabei wichtige Informationen unter den Tisch fallen lässt. Bei der WAMS besteht die ETF-Fraktion aus den Herren Holger Zschäpitz und DanielEckert, die schon seit Jahren dieses Finanzprodukt u.a. in Spezialbeilagen usw. immer und immer wieder als das Anlageprodukt schlechthin anpreisen. Die eigentlich darin steckenden Risiken lassen sie aber in kleinen Nebensätzen verschwinden.

Bevor ich mit meiner Kritik an der ETF-Fraktion der WAMS beginne, möchte ich – wie mehrmals in diesem Blog geäußert – darauf hinweisen, dass das Anlagegeschäft ein umgekehrtes Kreditgeschäft ist.

Der Anleger ist somit der Kreditgeber, das „Wertpapier“ in welcher Form auch immer der Kreditnehmer.

Somit sollte der Anleger bei jedem Anlagegeschäft die Bonität des „Anlagegutes“ überprüfen, wozu aber 99% der Anleger nicht in der Lage oder willens sind, diesen sehr komplexen Prozess anzuschieben. Lieber verlässt man sich vertrauensvoll auf schöne Worte der Banken und deren Analysten,

hinter denen aber eher der Vertriebsgedanke steckt,

oder den davon abgeleiteten Presseartikel der Wirtschaftsjournalisten, denen man leider unterstellen muss, dass sie zu wenig in die Tiefe der Materie einsteigen (siehe unten)-

Fairerweise muss man auch erwähnen, dass die meisten Wirtschaftsjournalisten aufgrund ihrer Ausbildung (meistens Volkswirtschaftsstudium, danach u.a. Journalistenschule) mangels Praxis in der Realwirtschaft/im Risikomanagement nicht in der Lage sein können, die Komplexität der dynamisch wachsenden und mit Derivaten immer komplexer werdenden strukturierten Finanztitel zu durchschauen. Lieber verlassen sie sich auf die Angaben der Vertriebs- und Marketingorganisatoren der Finanzinstitute, deren Vertriebsleute (erfahrungsgemäß) selbst manchmal nicht wissen, was sie da feilbieten.

Zu den ETF´s muss noch grundsätzlich erwähnt werden, dass es mittlerweile

weltweit über 3,5 Millionen Indices gibt, aber nur rd. 40.000 bis 50.000 Aktiengesellschaften mit liquiden Aktien.

Aus der großen Vielzahl der Indices muss man daher schließen, dass somit für jedes Depot mit entsprechenden Werten = Index xy , wie z.B. unterschiedliche Branchen, Länder, große oder kleine Unternehmen in Europa oder Asien oder Südamerika oder oder entsprechende jeweils separate Indices gebildet werden.

Die ETF-Fonds sind zwar gegenüber den gemanagten Fonds deutlich kostengünstiger, allerdings können die Fondsmanager damit eine Reihe von Geschäften außerhalb des Gesichtskreises des Anlegers tätigen. Diese kommen dem Anleger dann aber nicht zugute, der Fonds wird damit aber profitabel.

Die Frage stellt sich daher, wer diese Indices alle erstellt und überwacht bzw. ob diese für ihr Urteil einstehen  oder ob überhaupt ein seriöses Handling bei der Vielzahl der Aktien und damit verbundenen Derivate möglich ist?

Allein aus diesem Zahlenvergleich kann schon abgeleitet werden, dass sich in diesem ETF- Markt extrem viel heiße Luft befindet.

Wertpapiere werden daher mehrmals über Derivate abgebildet, zusätzlich versetzt mit weiteren hoch Risiko behafteten Start-ups, da man vor allem

in der Finanzwelt glaubt, mit jedem Start-up evtl.  einen neuen „amazon“ einfangen zu können,

Zwischenzeitlich dürfte aber bekannt sein, dass 80 bis 90% dieser Start-ups die Segel streichen müssen.

Im Finanzteil der WAMS am 5.12.2021 haben beide Herren der ETF-Fraktion unter der Überschrift „Mit dem Trend nach oben“ wiederum

ETF`s nach der easy going Methode angepriesen.

Kursrückgänge könnte man als Rabattaktion betrachten, als gäbe es keine großen Risiken. Dafür hätte man  sehr große Chancen und man könnte das nun anfallende Weihnachtsgeld  jetzt so anlegen, wie ein klassischer Wagniskapitalgeber  (??).

Dieses Mal waren es so genannte Zukunfts ETF`s, welche im Wesentlichen die mit sehr hohem Risiko behafteten Märkte E-Mobilität, FinTechs, Cloud Computing, Healthcare, innovative Nahrungsmittel und den Crypto Markt abbilden sollen.

Auf 6 von den 15 empfohlenen ETF`s wurde dann näher eingegangen, wovon 3  ich mir näher angeschaut habe mit folgendem Ergebnis:

L& G Battery Value Chain:

Heraus gehoben werden hier BYD (Batteriespezialist), Pilbara (Metallproduzent) und Livent (Lithiumunternehmen),

nicht aber wunderlicher Weise der völlig überzogene Börsenwert Tesla (warum?).

Immerhin ist das die dritthöchste Position des Fonds mit dem höchsten Kursrisiko. Besonders betont wird das Renditeplus von 24% in 2021, vermutlich wegen des äußerst volatilen Wertes Tesla.

Risiko- und Etragsprofil wurde mit 5 von 6 Kategorien aufgeführt, also schlecht, 6 ist noch schlechter.

Dieser Fonds ist nicht für diejenigen gedacht, die es sich nicht leisten können, mehr als einen geringen Teil ihrer Investition zu verlieren,

taugt also nicht für den Otto-Normal-Verbraucher /Weihnachtsgeld!!

Der Index wird von dem Index Provider, der  Solactive AG erstellt.  Diese übernimmt aber keine Garantie für die Richtigkeit und/oder Vollständigkeit des Index oder damit in Verbindung stehender Angaben. Er haftet nicht für die Fehler  oder Auslassungen im oder Unterbrechungen (komisches deutsch) des Index (O-Ton).

Des Weiteren übernimmt die Solactive AG zu keinem Zeitpunkt und in keinerlei Hinsicht eine Garantie (weder ausdrücklich noch implizit) für die durch die Nutzung des Index und/oder der Indexmarke erzielten Ergebnisse oder für den Indexwert.

Solche wertlosen Aussagen mit Placebo-Charakter kann man im Übrigen bei den meisten exotischen Indexfonds finden, füttern dafür aber eine entsprechende Provider-Branche mit saftigen Honoraren zu Lasten der Anleger.

Was soll man da von einem solchen Index dann halten? Meines Erachtens gar nichts, ab in den Papierkorb. Das Fondsprospekt umfasst im Übrigen 268 Seiten.

Ishares Electric Vehicles and Driving Technology UCITS ETF USD:

Dieser Fonds besteht aus 90 Aktien, hervorgehoben werden Nvidia (Chiphersteller), Samsung SDI und BYD (beide Batteriehersteller).

Wiederum vergessen wurde Tesla,

immerhin die größte und volatilste Position mit äußerst hohem Risiko. Warum?

Die Fact sheets sind recht mager, verwiesen wird auf das Fondsprospekt mit „nur“ 124 Seiten. Die Mühe es durchzulesen, habe ich mir nicht gemacht, zumal diese wie alle solche Prospekte einen sehr uniformen Charakter haben. Es wird aus Enthaftungsgründen auf ein hohes Risiko hingewiesen, Haftungsausschlüsse wo es nur geht u.a. des Index Providers  usw. usw.

Wisdom Tree Crypto Altcoins:

Momentan hat dieser Fonds nur eine Größe von nur 1,27 Mio US$, ist also noch in der Entstehungsphase. Auf finanzen.net sind keine Prospekte vorhanden. Das reicht schon, um weiter zu forschen, für mich

daher ein Skandal,

dass ein solches Produkt, dann noch im Bereich der Krypto-Währungen dem Otto-Normalverbraucher wärmstens von der WAMS empfohlen wird.

Zusammengefasst kann man festhalten, dass diese Fonds im höchsten Maße intransparent und so komplex sind, dass die Index-Provider für die Erstellung des Indexes jegliche Haftung ausschließen.  Man muss sich deshalb fragen, wie die beiden Herren der ETF-Fraktion diese (ETF-) Fonds als gut und transparent bezeichnen können.

Irgendwie erinnert mich die gesamte Terminologie dieses WAMS-Artikels an die Analysen der Protagonisten vor der Dotcom-Krise. Auch hier wurde von einer neuen und sich verändernden Welt (an sich nichts neues), einer neuen Technik und ungeahnten Möglichkeiten mit phantastischen Kurssteigerungen und Mega-Marktpotenzialen usw. usw. gesprochen. Letztlich waren das dann hohle Phrasen.

Selbst der Hinweis auf das hohe Geschäftsvolumen der Elektromobilität ist vermutlich von der Marketingstrategie des Herrn Musk / Tesla abgeleitet worden. Nur hat man dies

ohne den Wirt gemacht, nämlich der Stromquelle und des Stromnetzes,

welche für diese Masse der E-Autos nicht ausgelegt sind. Insbesondere die Stromquellen reichen derzeit und auch in Zukunft für den künftigen enormen Strombedarf nicht aus. Bin daher gespannt, wie sich der Absatz der E-Autos entwickeln wird, wenn wie in Großbritannien ab 2022 die Aufladezeiten zeitlich reguliert werden müssen,

um einen  black out des Stromnetzes zu vermeiden.

Vielleicht ist die Begeisterung der beiden Herren auf ihre mangelnden Erfahrungswerte aufgrund Ihres Alters zurückzuführen. Zu Zeiten der Dotcom-Krise waren beide 20 bzw. 21 Jahre alt und hatten somit gerade die Schule verlassen.

Ohlsbach, den 6.12.2021

Elmar Emde

 

 

 

 

 

 

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