Die Welt ohne Bargeld

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Karte und Freiheit? Karte oder Freiheit?

Vor einigen Monaten schockte der IWF mit dem Vorschlag, das Bargeld ganz abzuschaffen. In Dänemark wird jetzt genau dieses Thema anvisiert. In einigen europäischen Ländern ist das Bezahlen mit Geldscheinen auf diverse Höchstbeträge begrenzt. Aus der hiesigen Politik hört man eine wohlwollende Zustimmung und begründet es mit der besseren Bekämpfung von Verbrechen und Terrorismus. Damit begründet die NSA die weltweite Ausspähaktionen bzw. mit diesen Argumenten kann man letztlich alle Einschränkungen der Freiheitsrechte der Bürger begründen.

Für den Verbraucher würde das künftig hauptsächlich nur noch Bezahlung mit der EC- oder Kreditkarte bedeuten oder online mit den bekannten und noch in Entwicklung befindlichen Bezahldiensten, welches auf den ersten Blick gar nicht so übel wäre und eine große Freiheit mit der Karte bedeuten würde. Man müsste sich nicht mehr zu einem Bankautomaten bemühen, um dort Bargeld zu „fassen“, und könnte überall ohne große Mühen bezahlen. Die Händler hätten das leidige Thema der teuren Bargeldentsorgung nicht mehr zu lösen, Banküberfälle und sonstige Kassenräubereien würden grundsätzlich entfallen, da es in den Kassen nichts mehr zu holen gäbe.

Voraussetzung hierfür wäre ein Bankkonto und eine entsprechende Kreditwürdigkeit. Klingt immer noch positiv. Jedoch begründen sich damit schon die ersten Bedenken.

Die Bankenwelt unterliegt unverändert einem hohen Konzentrationsprozess, welches zu einem weiteren Zusammenschrumpfen der jetzigen Bankenwelt führen wird. Das bedeutet eine zunehmende Abhängigkeit der Verbraucher von immer weniger Bankengruppen und der von diesen formulierten Ertrags- und Bonitätsprozessen ohne Ausweichmöglichkeiten für den Kunden.

Eine weitere und viel gefährlichere Entwicklung ergäbe sich aber daraus, dass jeder Bezahlvorgang – und wenn es nur ein Brötchen wäre – registriert würde, man das Käuferverhalten in allen Ausprägungen erforschen und fixieren könnte und somit der Bürger und Verbraucher völlig gläsern würde. Bedenkt man noch den Umstand, dass die Banken voll in die Digitalisierung investieren wollen und werden, somit auf Knopfdruck das Käuferverhalten, letztlich alles, was den Kunden bewegt, festgehalten, zusammengefasst und an die Werbewirtschaft weiterverkauft  oder vor allem auch an den Staat weitergegeben werden kann, läuft einem schon der Schauder über den Rücken. Und wenn dann wieder so ein Schreihals, wie vor 70 Jahren beendet, wieder auf der politischen Bühne auftaucht, wird die Situation noch gefährlicher. Dann fehlt nur noch, dass der Mensch schon bei Geburt einen Chip eingepflanzt bekommt, wie jetzt bei Rassehunden üblich, auch mit der Begründung, Terrorismus zu bekämpfen.

Bei Bezahlung mit EC- und Kreditkarte haben heute schon die beiden US-amerikanischen Kartengesellschaften Mastercard und Visacard den größten Marktanteil und somit ebenfalls einen relativ hohen Einblick in das Käuferverhalten ihrer Kunden und das weltweit. Die NSA wird es freuen!  Im online-Handel finden sich noch diverse Bezahldienste wie paypal und hoffentlich bald das deutsche Gegenstück pay Direkt, deren Anzahl ist aber noch überschaubar.

Sollte es nun kein Bargeld mehr geben und der Bürger letztlich nur auf Bankkonten angewiesen sein, stellt sich automatisch die Frage, wie sich der Bürger vor einer Bankinsolvenz schützen kann. Die Herren Schäuble & Co. haben in Europa über die Haftungskaskade bei Bankinsolvenzen den Bürger völlig in den Regen gestellt, die Banken selbst und die Zentralbanken dagegen vor solchen Bankinsolvenzen geschützt.

Als Schutz vor solchen Bankinsolvenzen müsste es bei Abschaffung des Bargeldes daher dem Bürger zumindest erlaubt sein, Konten bei der jeweiligen Zentralbank zu unterhalten, welche eigentlich nicht Pleite gehen sollen. Allerdings sind mittlerweile auch hier  Bedenken anzumelden, da das Oberinstitut der Zentralbanken, die EZB auf politischen Geheiß mittlerweile maroden Ländern in Fuggermanier Kredite gewährt, die nie und nimmer wieder zurück gezahlt werden. Die hieraus bereits bestehenden Risiken wären auch hier nicht kalkulierbar und könnten den Bürgern und Kunden der Zentralbank per Dekret – wie die Haftungskaskade – übertragen werden. Der jetzige bereits bestehende Zentralbanksozialismus, welcher zu einer extremen Verlagerung von Anlagegelder auf strukturierte Finanzprodukte mit Ausbeutungscharakter geführt hat, würde durch die Konzentration von Guthabenkonten auf nur noch eine Bank nur noch gefördert werden.

Sollte dann noch die staatliche Repression einer Negativverzinsung weiter um sich greifen, wie in vielen Ländern immer mehr Zuspruch findet, hätte der Bürger keine Ausweichmöglichkeiten mehr, dieser weiteren Ausbeutung zu entgehen.

Kurzum, der gläserne Bürger kommt immer mehr  und wird somit einer extremen Überwachung unterliegen. Das werden auch die Datenschutzbestimmungen in Deutschland nicht verhindern können, welches mit der NSA-Affäre offenkundig wurde.

Man kann daher nur hoffen, dass das Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel erhalten bleibt und zumindest in dieser Richtung die Politik vernünftig bleibt. Allein mir fehlt der Glaube!

12. Februar 2016

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

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