Diskontzertifikate

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Besonders beliebt bei den vertreibenden Banken sind für solche Absicherungszwecke sogenannte Diskont- Zertifikate (siehe auch  Rubrik „Zertifikate“ . Diese Diskont- Zertifikate haben einen so genannten Basiswert, z. B. eine Aktie. Der Kaufpreis des Zertifikates ist abhängig von Kurs des Basiswertes /­ Aktie abzüglich eines Abschlages = Diskontes, deshalb Diskont-Zertifikat.

Am Fälligkeitstag bekommt der Anleger als Rückzahlungsbetrag den dann am Fälligkeitstag gültigen Kaufpreis des Basiswertes /­ der Aktie 1:1 ausbezahlt. Ist dann der Basiswert unterhalb des Kauf­preises des Zertifikates, hat der Anleger Geld verloren, ist er allerdings dann über dem Kaufpreis des Zertifikates, kann der Anleger einen Gewinn verbuchen. Allerdings ist der maximale Rückzahlungspreis nach oben begrenzt, nach unten aber meistens offen. Ist das ein Absicherungsprodukt für den Anleger?

Angenommen, der Basiswert ist die Aktie der Allianz SE, der Kauf­preis des Zertifikates bemisst sich somit an dem aktuellen Aktien­kurs der Allianz abzüglich eines Diskontes = Abschlages, um den Verkauf dieses Diskont-Zertifikates schmackhaft zu machen.

In einem Beispiel belief sich der Kaufpreis des Diskont-Zertifikates mit Basiswert Allianzaktie auf € 95,20, der maximal erzielbare Aktienkurs bei Fälligkeit wurde aber nur mit € 100,– fixiert, d. h. der maximal erzielbare Gewinn kann nur bei € 4,80 liegen, letztlich eine Größe, die bei Aktienanlagen an einem Tag erreicht werden kann.

Und jetzt kommt der Absicherungseffekt für die Bank oder den Emittenten. Nach oben ist der Aktienkurs für den Zertifikatkäufer begrenzt /­ gedeckelt, nach unten aber völlig offen. Das bedeutet bei einem Absturz der Allianzaktie einen entsprechenden Verlust für den Anleger, da er dann unter Umständen weniger bekommt als den Kaufpreis von € 95,20, für den Strukturierer bedeutet dieser Absturz aber einen Gewinn insofern, dass er den Verlust im eigenen Depot mit dem Gewinn aus der Emission des Zertifikates gegen­rechnen kann.

Aber damit noch nicht genug. Steigt der Aktienkurs jetzt über die € 100,–, besteht für die Bank die Möglichkeit, diesen Kursgewinn für sich zu vereinnahmen unter Zuhilfenahme der gesamten Instrumentarien der Derivate. Von diesen Ertragsmöglichkeiten sieht der Anleger aber keinen Cent.

Sicherlich ist für den Zertifikate- Käufer das Risiko um diesen Diskont geringer, andererseits erhält er aber nicht die Chance, am höheren Aktienkurs zu partizipieren. Außerdem geht er ein weiteres Risiko ein, nämlich das des Emittenten Risikos, d. h. wenn der Emittent insolvent geht, verliert der Käufer des Zertifikates seinen Einsatz.

Auch kann man mit diesen Diskontzertifikaten trefflich spekulieren, insbesondere mit Hilfe der finanzmathematischen Wahrscheinlich­keitsrechnungen = Blick in die Zukunft.

Juli 2013

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

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