ECI Rohstoff Police

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Ich wurde gebeten, die Werthaltigkeit der ECI Rohstoff-Police, welche von der Energy Capital Invest Life AG (Tochter der Deutsche Oel & Gas AG)  vertrieben wird, befragt.

Nach Studium des Kunden – Informationsfolders bin ich zu folgendem Ergebnis gekommen:

Dieses Anlageprodukt wird als Innovation gepriesen, ist es aber nicht. Die ECI Rohstoff – Police ist letztlich eine Fonds gebundene Lebensversicherung. Den Fonds stellt ein geschlossener Fonds dar, welcher der Deutsche Oel & Gas AG ein Darlehen mit einer festen Verzinsung gibt und evtl. Sicherheiten in Form von „zum Beispiel“ (O-Ton Geschäftsleitung/ Sicherheiten stehen somit nicht fest!!) Mineralgewinnungsrechten.

Es ist letztlich eine Kapital-Lebensversicherung, deren Wert oder Auszahlungsbetrag am Ende der Laufzeit allerdings abhängig ist von der Entwicklung des Fonds. Da dieser Fonds ein Darlehen  gegen evtl. Sicherheiten, deren Werte schwer zu überprüfen sind und auch noch nicht feststehen, der Deutsche Oel & Gas AG gewährt, ist der Fonds wiederum abhängig von der Entwicklung der Deutsche Oel & Gas AG. Diese ist wiederum abhängig von der Muttergesellschaft, der Cornucopia Oil & Gas Company, LLC, League City, Texas, über deren Ziffern nur bruchstückhafte Infos eruiert werden konnten. Als Jahresergebnis werden  € 7,6 Mio. angegeben (EBITDA oder EBIT?), als Eigenkapital € 125,8 Mio. (Bilanzsumme?). Ohne weitere Angaben zur GuV (Ergebnis operativ?) und zur Bilanz haben diese Angaben nur schwachen informatorischen Charakter und sagen letztlich nichts aus über die Bonität der Konzernobergesellschaft.

Analysiert man die im Unternehmensregister veröffentlichte Bilanz der am 23.12.2011 gegründeten Deutsche Oel & Gas AG per 31.12.2012 (inzwischen sind 2 Jahre vergangen) stellt man fest, dass sich die Bilanzsumme von € 4,17 Mio. auf der Aktivseite aus Forderungen „ aus dem bestehenden Management Service Agreement zwischen der Deutsche Oel & Gas AG  und der Cornucopia Oil & Gas, LLC (nicht zu verwechseln mit Cornucopia Oil & Gas Company, LLC = Konzernobergesellschaft), deren 100% Anteile die Deutsche Oel & Gas AG von anderen Konzerngesellschaften für US$ 1,- erworben hat. Hier wird schon eine recht unübersichtliche Verflechtung mit US-Gesellschaften offensichtlich.

Auf der Passivseite setzt sich die Bilanzsumme von € 4,17 Mio mit € 3,05 Mio aus Verbindlichkeiten bezüglich Steuerberatungs-, Wirtschaftsprüfungs- und Rechtsberatungsleistungen  zusammen. Im Verhältnis zur Bilanzsumme eine außergewöhnliche Höhe und lässt evtl. den Schluss zu, dass dies die Kosten der Initiierung des geschlossenen Fonds sind, die vermutlich die Anleger/Käufer dieser Police bezahlen müssen.

Letztlich ist dieser Fonds von der Entwicklung von mindestens 2 Gesellschaften abhängig, die sich auf dem äußerst risikoreichen Feld der Gas- und Erdölgewinnung, deren Preise derzeit erodieren, tummeln. Somit können auch keine stabilen Erträge (wenn überhaupt), wie im Kunden-Informationsfolder gepriesen, garantiert werden.

Dieses Anlageprodukt wird auch als ein realer Sachwert bezeichnet, der nicht abhängig ist von der Börse. Das ist eine marketingtechnische Irreführung und auch kein Sachwert. Der Fonds wird in seiner Bilanz lediglich Forderungen ausweisen und keine realen Sachwerte. Die evtl. Mineralgewinnungsrechte, welche als Sicherheit evtl. zur Verfügung stehen, müssen mit einem großen Fragezeichen versehen werden und sind in den meisten Fällen nicht das Papier wert, auf dem sie fixiert sind. Und was die Börse angeht bleibt nur daran zu erinnern, dass der Gas- und Ölpreis von der Börse abhängig ist.

Damit das Ganze noch einen seriösen Touch erhält, wird mit der Sicherheit einer Lebensversicherung geworben. Das ist ebenfalls eine Irreführung, ich würde sogar sagen es kommt einer Verdummung der Anleger gleich. Es ist sicherlich eine Versicherung für das Leben und wird ausbezahlt beim Tod des Anlegers, es ist aber keine Versicherung für das Investment, d.h. für den Fonds, dieser kann am Ende der Laufzeit nichts mehr wert sein.

Geschlossene Fonds können als eine Vermögenskastration in reinster Form bezeichnet werden (siehe kritische Würdigung dieses Anlageproduktes unter „strukturierte Finanzprodukte“ unter „F“), welche man durch eine angehängte Kapital-Lebensversicherung aufhübschen möchte.

Hier verdient zum einen die Versicherungsgesellschaft sehr gut daran (eine einfache Risikolebensversicherung wäre billiger), dann der Fondsvertrieb und nicht zu vergessen die dahinter stehenden Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte, deren Aufgabe es ist, dieses Produkt entsprechend wasserdicht zu gestalten, damit kein Anleger im worst case Ansprüche geltend machen kann.

Fazit: Finger weglassen, es sei denn, man hat Vertrauen zum Fonds und dessen Vertrieb, zur Deutsche Oel & Gas AG, welche die Bilanzziffern per 31.12.2013 immer noch nicht veröffentlicht hat, und zur öffentlichkeitsscheuen Konzernobergesellschaft Cornucopia Oil & Gas Commpany.

Wenn dieses Fördergeschäft wirklich so ertragreich ist, bräuchte man sicherlich nicht die Hilfe eines solch aufgehübschten geschlossenen Fonds.

31. Dezember 2014

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

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