Finanz-/ Staatsschuldenkrise

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(= zweite vom Investmentbanking ausgelöste Krise)

Ab 2003 fingen sich die Börsen nach einer fast drei Jahre andauernden Baisse langsam wieder. So wie die Anleger beim Kauf dieser Heiße-Luft-Aktien während der Dotcom-Blase verrücktspielten und die Aktienkurse in ungeahnte Höhen trieben, genauso reagierten sie umgekehrt beim ersten Stich in die Blase und ver­kauften ihre „wertvollen“ Papiere als hätten sie die Pest. Betroffen waren letztlich alle Aktien, ob gute oder schlechte Papiere. Der Verkaufsdruck erreichte auch die Blue Chips mit hoher Substanz und Marktakzeptanz, welches im Übrigen in Baisse Szenarien als typisch und normal anzusehen ist. In solchen Situationen werden alle Papiere in den Strudel mit hineingezogen. Beispielsweise stürzten die Aktien der Allianz von über € 400 (1999) bis auf rd. € 34 (2003) ab und ebenso bei vielen anderen damals seriösen Aktiengesellschaften in ähnlicher Weise.

Billiges Geld der FED sorgte dann dafür, dass die Stimmungen welt­weit wieder besser und die Anleger wieder risikofreudiger wurden.

Die nun folgenden Jahre kann man als die Blütezeit der Invest­mentbanken ansehen. Es begann wieder das Strukturieren, eine Lieblingsbeschäftigung der Investmentbanken, welche zwischen­zeitlich die Geschäftspolitik aller großen Banken weltweit erfasst hatte und den Eigenhandel der Banken völlig vereinnahmte.

Mit dem Eigenhandel wurden die extrem angestiegenen hohen eigenen Mittel der Banken aus den Gewinnen verwaltet, stellen somit die Vermögensverwaltung der jeweiligen Bank dar. Obwohl permanent beschworen wurde, dass die (Insider) Informationen aus dem Bankgeschäft hier keine Verwendung fanden, so genannte „Chinese Walls“ (auf Deutsch: Chinesische Mauern /­ damit soll eine Abschottung des Insider- Informationsflusses innerhalb eines Bank­hauses suggeriert werden) aufgebaut wären, um das zu verhindern, war es doch sehr verwunderlich, warum gerade diese Abteilungen wesentlich zum Jahresergebnis der jeweiligen Bank beitrugen.

Die alt herkömmlichen Wertpapiere wie Anleihen und auch Aktien verschwanden immer mehr aus den Angebotsregalen der Banken, dafür wurden Aktienfonds, Rentenfonds, Geldmarktfonds, offene Immobilienfonds, Asset Backed Securities und sonstiger strukturierter Krimskrams in die Regale gestellt.

Ich erinnere mich noch an die Anrufe meiner alten Bankerkollegen auf der Anlageseite, welche wieder ein ganz neues und tolles Produkt für meine Mandanten anzubieten hätten, mit den aus­gefeiltesten Strukturen und den besten Gewinnchancen und das kam dann nahezu wöchentlich vor. Das Zeitalter des Produktes der Woche war geboren und wurde zunehmend bei den Banken ein­geführt.

Gott sei Dank bekam ich diese Entwicklung nur bis in den Herbst 2004 noch mit und Gott sei Dank befand ich mich noch auf der Kreditseite, welche noch relativ traditionell, aber auch schon mit merklichem Investmentbank-Geruch geführt wurde, d. h. zunehmend Zins- und Währungsswaps das Angebotsprogramm erweitert hatten, die im Nachhinein betrachtet meistens zu Ungunsten der Unternehmen ausgingen.

Fakt war (und ist), dass an jedem Montag in den so genannten Teamsitzungen das Produkt der Woche vorgestellt und das kurz­fristig zu verkaufende Volumen festgelegt wurde. Am Mittwoch wurde dann nachgefragt, warum man noch nicht die Verkaufs-Soll-Zahl erreicht hat mit dem Hintergedanken, den Mitarbeiter coachender Weise unter Druck zu setzen und am Freitag musste er sich erklären, warum seine Verkaufsziele nicht erreicht worden sind mit dem Hinweis, sich über das Wochenende zu überlegen, wie er es besser machen könne. Drohungen, seinen Arbeitsplatz zu ver­lieren, wenn es nicht besser würde, waren nicht selten und wenn auch nur indirekt angedeutet.

Je nach Qualität der Führungskräfte, hier auch Teamleiter genannt, entstand ein regelrechter Verkaufsterror, welcher viele Mitarbeiter in die Kur führte und den Kunden so langsam aber sicher auf die Nerven ging. Diesen Terror gab man von ganz oben kaskadenförmig nach unten weiter, nach oben zurück ging aber nichts, da gab es eine Mauer und legt damit die Basis für nicht geerdete Vor­stände.

Dieser überspitzte Controlling-Terror führte dazu, dass ein eben erst ernannter junger Vorstand der Dresdner Bank, welcher im Übrigen Herrn Blessing (jetziger Vorstandvorsitzender der Commerzbank) damals vorgezogen worden war, bereits am 4. Januar eines Jahres (die ersten 2 Tage dieses Jahres waren Samstag und Sonntag gewesen) per Rundschreiben den Mitarbeitern zur Kenntnis gab, das bereits am 4. Januar das Provisionsergebnis stark rückläufig wäre und daher alle Anstrengungen unternommen werden müssten, dieses Defizit wieder aufzuholen.

Nach Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank war dieser Herrn Blessing vorgezogener Vorstand einer der ersten, welcher das neue Gesamthaus Commerzbank verlassen musste.

Die durch billiges Geld angeheizte Nachfrage zu den nunmehr selig machenden strukturierten Finanzprodukten führte zu einem Anstieg solcher Produktionen. Herr Kopper, damaliger Aufsichtsratsvor­sitzender der Deutsche Bank sprach in einer diesbezüglichen Fern­sehreportage davon, dass man sich vor Nachfrage nach solchen Produkten nicht mehr verweigern konnte (?).

Da die Basis für jedes Anlageprodukt stets ein Kredit ist, wurden u. a. in den USA Immobilienkredite regelrecht produziert, d. h. jedem Idioten wurde eine Baufinanzierung aufgeschwatzt, egal ob er die dafür nötige Bonität besaß. Damit setzte man eine hohe Nachfrage nach Immobilien in Gang, die wiederum die Immobilienwerte ansteigen ließ und den Immobilienbesitzern somit eine Sicherheit vorgaukelte, dass durch Verkauf der Immobilien ein hoher Gewinn evtl. vereinnahmt werden kann.

Dass dies nicht aufgehen kann, insbesondere wenn alle dieses Ziel verfolgen und somit die Preise wieder fallen, war jedem vernünftig denkendem Menschen sofort klar, natürlich auch den finanzierenden US-Banken, welche auch die Bonität der Immobilienkäufer kennen mussten und daher bestrebt waren, dieses Risiko so schnell wie möglich wieder loszuwerden.

Dieses „Loswerden-Instrument“ liefern sehr trefflich die jeweiligen Investmentbanken, indem sie diese Kredite in einen Topf warfen, bzw. diese Kredite zusammenfassten und als Deckung /­ Sicherheit für eine neue Anleihe verwendeten.

Zu Beginn dieses Hypes setzten sich diese Anleihen aus guten Boni­täten zusammen, mit zunehmender Fortschreitung dieses Booms verschlechterten sich die Bonitäten immer mehr bis diese Anleihen nur noch aus schlechten Bonitäten bestanden. Die sogenannten US-Subprimes waren geboren.

Damit die schlechten Bonitäten der dahinter stehenden Kredit­nehmer nicht offensichtlich wurden, fasste man verschiedene Anleihen/­Subprimes zu weiteren neuen Subprime-Anleihen, und vermischte und vermatschte diese wiederum mit anderen Sub­prime-Anleihen letztlich mit vielen tausend Kreditnehmern zusammen, um eine Ausfallwahrscheinlichkeit zu produzieren, die dann angeblich sehr sehr gering wäre.

Mit dieser Anonymisierung verfolgte diese Investment – Hexen­küche das Ziel, die schlechte Bonität zu verschleiern, um es somit als innovatives und lukratives Investment, versehen mit einer bezahlten triple A-Note (=beste Bonitätsqualität), dem durch entsprechende Marketingmaßnahmen heiß gemachten Markt verkaufen zu können.

Auf der anderen Seite wussten aber die informierten Investment­banker von dieser schlechten Bonitätsqualität und hatten daher mit dem gesamten Derivate-Instrumentarium dagegen gewettet mit der Folge von darauffolgenden astronomisch hohen Gewinnen.

Diesen Vorwurf musste sich Goldman Sachs und andere Invest­mentbanken, darunter auch die Deutsche Bank, gefallen lassen. Goldman Sachs einigte sich diesbezüglich mit der Aufsichtsbehörde SEC und zahlte, um diesen Vorwurf unter den Tisch fallen zu lassen, einige hundert Millionen US$. Ist das rechtsstaatlich?

Das Pech vieler dieser „Masters of the Universe“ war jedoch, dass sie zu viel auf ihre Bilanz genommen, bzw. noch in ihrem Bestand hatten und von der Lehmann-Pleite kalt erwischt wurden, somit diesen Schrott nicht mehr verkaufen konnten.

In diesem Szenario haben allerdings die Wahrscheinlichkeits­rechnungen einiger Banken versagt, da die persönliche Antipathie des damaligen US-Finanz­ministers Paulson, ehemaliger Partner von Goldman Sachs, der die Rettung von Lehmann Brothers hätte ver­hindern können, zum Chef von Lehman Brothers, Richard Fuld, mathematisch nicht errechenbar war.

Ganz clevere oder besser gesagt aufgrund ihrer besseren Wahr­schein­lich­keitsrechnungen gut informierte Investmentbanken hatten auch dieses Risiko des Bestandes noch zusätzlich über Derivate abgesichert. So auch die Deutsche Bank, die trotz hoher Finanzaktiva von € 1,6 Billionen per 31.12.2008 nur rd. € 8-9 Milliarden wertberichtigen musste, was einer Wertberichtigungs­quote von nur ca. 0,6 % entsprach.

Meine diesbezügliche Anfrage, wie diese niedrige Wertbe­richtigungsquote bei dieser hohen Finanzaktiva sein könne, wurde mit der Absicherung durch Derivate, ich vermute u.a. mit so genannten Credit Default Swaps (Kreditversicherungen), begründet.

Zwischenzeitlich muss man aber an dieser Darstellung auch Zweifel anmelden, da im Herbst 2012  die Deutsche Bank eine Bad- Bank, in der die „none-core-assets“, also Aktivwerte, die nicht zum Kerngeschäft der Bank gehören (sehr diplomatische Umschreibung für toxische Wertpapiere) mit einer Bilanzsumme von ca. € 125 Milliarden (Konzern –Eigenkapital der Deutsche Bank  per 31.12.2012 €  54,41 Milliarden) , „ausgelagert“ hatte zwecks breiten Weiterverkauf an die Anleger(?).

Diese Papiere/ Aktivwerte sind sicherlich nicht erst nach der Finanzkrise gekauft worden, und es kann nicht ausgeschlossen werden, dass man diese toxischen Werte einfach unter den Teppich gekehrt hatte. Ähnliches wurde auch schon aus den USA kolportiert. Was soll man daher vom Zahlenwerk der Deutsche Bank halten?

Bei diesen Absicherungsgeschäften hatte die AIG (American Inter­national Group), der größte US-amerikanische Versicherungs­konzern den maßgeblichen Anteil an diesen Absicherungsgeschäften, d. h. dieses Institut war ein wichtiger Gegenpart des Kreditabsicherungsgeschäftes durch Übernahme des Kreditrisikos mit der Folge, dass dieses Institut in 2007 und 2008 durch den amerikanischen Staat mit rd. US 125 Milliarden, insgesamt wurden es dann rd. € 182 Milliarden, zwecks Erhalt der Kreditwürdigkeit und Bonität bezuschusst und damit gerettet werden musste.

Diese staatliche Rettung durch den amerikanischen Steuerzahler brachte letztlich der Deutsche Bank einen zweistelligen Milliardenbetrag bei Glattstellung ihrer diesbezüglichen Derivate ein. Wäre die AIG ebenfalls in die Insolvenz gegangen, hätte auch die Deutsche Bank einer Hilfestellung, wenn nicht sogar Rettung durch den deutschen Steuerzahler bedurft. Jedenfalls haben Steuerzahler, seien es US-amerikanische oder deutsche Steuer­zahler, dieses Bankhaus vor einer vielleicht existenziellen Blamage bewahrt.

Somit hält der permanente Hinweis, dass die Deutsche Bank ohne staatliche Hilfe durch die Finanzkrise gekommen wäre, einer kritischen Prüfung dieses Sachverhaltes nicht Stand, zumal dieses Institut als eines der führenden Investmentbanken in der Welt maßgeblich einen hohen Anteil an diesem Monopoly-Spiel hatte und leider immer noch hat.

Offenbar wurde die Finanzkrise in Deutschland Mitte 2007 mit der IKB (Industriekreditbank), die sich mit solchen strukturierten Finanzmischmasch vollgesaugt hatte und damit in die Illiquidität geriet.

Die FAZ hatte in einem Kommentar einen diesbezüglichen Verdacht geäußert, der eigentlich zu entsprechenden Konsequenzen hätte führen müssen. Einer der maßgeblichen Verkäufer dieser Misch­maschpapiere an die IKB wäre angeblich die Deutsche Bank gewesen, welche der Bafin dann den Hinweis zu diesem Missverhältnis gab, worauf­hin dieses Missverhältnis bekannt und aufgedeckt wurde. In einem darauffolgenden Schritt wäre dann die Deutsche Bank wieder diejenige gewesen, welche die sicherlich nur akzeptablen Papiere zu deutlich günstigeren Preisen wieder zurückgekauft hätte.

Diesen damaligen Verdacht hat kein geringerer als der Präsident des Deutschen Spar­kassen- und Giroverbandes, Herr Georg Fahrenschon, im Zusammenhang mit der Vertrauenskrise gegenüber den Banken neu aufgewärmt. Früher warb die Deutsche Bank mit dem Slogan „Vertrauen ist der Anfang von allem“, meines Erachtens ein sehr guter Werbespruch, den aber nur solche Banken benutzen sollten, deren Absicht nicht darin besteht, ihren Kunden fragwürdige strukturierte Produkte zu verkaufen und dann gegen diese zu wetten.

Damit wird oder wurde eine Vertrauensbasis kaputt strukturiert, die wieder zu erlangen sehr schwer sein dürfte.

Aussage von Herrn Fahrenschon: „Ein vertrauenswürdiges Kredit­institut darf einem Kunden kein Produkt verkaufen, bei dem es mit deutlich überlegenem Marktwissen selbst die Gegenpartei stellt“.

Diese Aussage kann man nur deutlich unterstreichen, allerdings sollten Herr Fahrenschon und die von ihm vertretenen Sparkassen darauf achten, dass den Sparkassenkunden nicht primär strukturierte Produkte aus der Hexenküche dieser Investment­banken und mit Blick auf die damit generierten hohen Verkaufs­provisionen verkauft werden. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Das gilt letztlich auch für die Volksbanken.

Mit einem hat Herr Fahrenschon auf jeden Fall Recht, das verloren gegangene Vertrauen wieder zurückzugewinnen, dürfte eine Herkulesarbeit für die nächsten Jahre werden.

Die deutschen Landesbanken, in früheren Zeiten mit einer staatlichen Garantie versehen, der so genannten Gewährträgerhaftung der jeweiligen Bundesländer, konnten als triple A-Bank auf dem Markt schalten und walten – Ertrag war nicht so wichtig, bei Verlust würde der Staat einspringen –, haben ab 2005 diese Gewährträgerhaftung und damit die staatliche Garantie aufgrund des berechtigten Einspruchs von Brüssel verloren. Kurz vor Beendigung der Gewähr­trägerhaftung sammelten sie aber mit Ihrer triple A-Bonität enorm viel Liquidität zwecks Vorsorge an, die nun Anlage suchte.

Sie waren daher leichtes Spiel für die hochprofitablen und gewitzten Investmentbanken, glaubten die Landesbanken und auch andere größere Sparkassen und Volksbanken, mit diesen Banken gleich­ziehen zu können nach der Formel, ich kaufe einige mehr oder minder abgehalfterte Investmentbanker zu horrenden Preisen ein und ab geht die Post.

Dabei haben aber diese Banker aus der Provinz vergessen, dass zum Investmentbanking eine hocheffiziente und extrem ausgefeilte Wahrscheinlichkeitsrechnung gehört, über die diese Landesbanken nicht verfügten. Man glaubte einfach den verkaufenden und erfolg­reichen Investmentbanken und bemerkte nicht, dass diese sie vollkommen über den Tisch gezogen haben. Die Landesbanken rissen den Investmentbanken regelrecht jedes strukturierte Papier, ein damaliger Modeartikel auf dem Finanzmarkt, aus den Händen und alle jubelten.

Hier hat auch unsere Bafin kläglich versagt und vermutlich auch den Grundsatz, dass der Anleger Kreditgeber ist, nicht wahrgenommen oder was noch schlimmer ist, sich dafür nicht zuständig gefühlt.

Ich hatte in einem Schreiben den damaligen Chef der Bafin, Herr Jochen Sanio, auf den Mischmasch und die Gefahr dieser strukturierten Papiere hingewiesen. Die Antwort war, dass man für Fonds und strukturierte Finanzprodukte keine Zuständigkeit hatte. Anscheinend sah die Bafin zum damaligen Zeitpunkt ihr Aktionsfeld nicht im Anlagebereich, sondern nur im Bankkreditbereich, ein Zustand, der aktuell extrem ausgebaut /­ verstärkt wird und die Versorgung der Wirtschaft mit Kredit aufgrund der übergroßen Regulierung und Formalitäten mehr als gefährdet.

Für die Risiken im Anlagebereich scheint immer noch keine ent­sprechende Expertise zu bestehen, so dass die Investmentbanker weiter machen können wie bisher.

Zu diesem Thema noch der schon erwähnte Treppenwitz in der Finanzgeschichte unserer Republik, der aber auch zeigt, wie sorglos und naiv hoch angesehene Institutionen vor der Finanzkrise mit dem Thema Risiko im Anlagebereich, insbesondere bei strukturierten Finanz­produkten, umgegangen sind.

Die Pensionsgelder der Bafin-Beamten wurden von der Deutschen Bundesbank, der Inkarnation des deutschen Bankwesens, verwaltet. Die dortigen Vermögensverwalter hatten aber nichts anderes zu tun, als diese Pensionsgelder in Wertpapiere der HRE (Hypo Real Estate) zu investieren, die mit vielen Milliarden des deutschen Steuerzahlers gerettet werden musste. Vielleicht ist das u. a. auch ein Grund für die Rettung dieses Pleite-Bankhauses, um sich die Blamage der Deutschen Bundesbank zu ersparen.

Ein weiterer Treppenwitz der Finanzgeschichte (leider gibt es deren sehr viele) ist die Inanspruchnahme von Beratungsleistungen der Hauptverantwortlichen dieser Finanzkrise durch die Bundesanstalt für Finanzstabilisierung (FMSA). Eine Aufstellung des Finanz­ministeriums ergab eine Gesamtsumme von rd. € 100 Mio. für Beratungsdienste zur Stabilisierung des deutschen Bankenwesens, welche an Deutsche Bank, Bankhaus Rothschild und Goldman Sachs nebst diversen Wirtschaftsprüfern und Unternehmensberatern wie KPMG (ist in der Prüfung der geschlossenen Fonds sehr aktiv), Roland Berger und Anwaltskanzleien US-amerikanischen Ursprungs wie Freshfield Bruckhaus Dehringer und White & Case bezahlt wurden.

Eine dieser US-amerikanischen Anwaltskanzleien ist mir persönlich bei einem Mandat sehr unangenehm aufgefallen. Strategie dieser Herren ist es grundsätzlich, jeden Vertrag in Frage zu stellen, diese in kompliziertester Art und Weise umzustricken mit der Folge, dass die Gegenpartei diese Maßnahme ebenfalls einleitet, bzw. darauf eingehen muss und somit Stunden über Stunden, ich meine total unnütze Stunden, zusammenkommen, die abgerechnet werden dürfen. Selbst KfW-Kreditanträge versuchten diese Herren auf ihre Masche umzustricken.

Von diesen € 100 Mio. Beratungshonoraren sollen die Empfänger­banken nur rd. € 8,7 Mio. bezahlt haben, den Rest hätte der Steuer­zahler aufbringen müssen. Dies wurde später vom Finanz­ministerium dementiert, es hieß dann, ein Großteil der Kosten sei an die hilfsbedürftigen Banken und Abwicklungsfonds direkt oder über Pauschalen weiter gereicht worden. Sei wie es sei, letztlich haben die Geschädigten, seien es jetzt die Steuerzahler oder die „hilfsbedürftigen“ Banken, ihre Schadensverursacher noch damit belohnt.

Vergleichbar wäre das mit einem Bankräuber, der eine Bank über­fallen hat, dafür aber nicht belangt wird und das geraubte Geld behalten darf, sondern noch zusätzlich ein gut dotiertes Honorar dafür bekommt, um mitzuteilen, wie man einen solchen Bankraub verhindern kann.

Wie krank ist eigentlich unser System und wie viel Unkenntnis der handelnden Personen in der Politik über die wahren Begebenheiten in der Wirtschaft muss vorhanden sein, dass solche Zustände möglich sind.

Juli 2013

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

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