GAF Active Life 2 Beispiel eines Volksbankproduktes

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Bei obigem Anlageprodukt handelt es sich um einen geschlossenen Fonds, der im Wesentlichen von den Volks- und Raiffeisenbanken vertrieben wurde.

Mit dem eingeworbenen Kapital erwarb der Fonds  laufende US-Lebensversicherungspolicen im US-amerikanischen Sekundärmarkt von Versicherten, welche ihre Lebensversicherungen schon jetzt zu Geld machen wollten. Die bis zum Laufzeitende  noch fälligen Versicherungsprämien waren vertragsgemäß vom Fonds weiter zu bezahlen. Hierfür zugrunde gelegt wurden statistischen Sterbetafeln, welche demnach einen alsbaldigen Tod dieser Versicherungsnehmer als wahrscheinlich prognostizierten. Die Rendite dieses Fonds war somit abhängig vom vorzeitigen Ableben der Versicherungsnehmer.

Das dumme war nur, dass die Versicherungsnehmer sich bester Gesundheit erfreuten, sich somit die Hoffnung auf deren frühes Ableben und damit Einstreichen eines schnellen Gewinns nicht erfüllte bzw. sich herausstellte, dass dem Fonds falsche Sterbetafeln, ein sehr wichtiges Element bei diesem Geschäft mit dem Tod, untergejubelt wurden. Die Sterbetafeln ergeben sich  aus statistischen Größen über die Sterblichkeit bestimmter Personengruppen in gewissen Regionen und Lebenslagen, womit die Versicherungsbeiträge entweder gesenkt aber meistens nur angehoben wurden. Hierzu nötig sind entsprechend hohe Rechnerkapazitäten, über welche die Versicherungsgesellschaften verfügen.

Das Ergebnis dieses Fonds war somit katastrophal und hoch negativ, da die Sterbefälle und damit die einfließenden, bei vorzeitigem Tod fälligen Lebensversicherungspolicen, ausblieben, dagegen die Versicherungsprämien weiter bezahlt werden mussten, hohe Zinsen an die Fremdkapitalgeber (u. a.US-Banken), deren Darlehen notgedrungen dynamisch anwuchsen, fällig wurden und das Defizit dieses Fonds neben den hohen weichen Kosten des Fondsmanagements somit rasant anwuchs.

Das führte letztlich dazu, dass zum Zeitpunkt meiner Überprüfung Ende 2009 die Bilanzen 2005, 2006, 2007 und 2008 fehlten aufgrund der Ablehnung des Prüfungsauftrages durch KPMG und PWC wegen angeblicher Interessenskonflikte.

Schließlich hat die vertreibende Volksbank aufgrund meiner Intervention den von mir betreuten Investoren ihren Einsatz (allerdings ohne Agio) wieder zurückerstattet. Wie das ging, kann ich interessierten Anlegern gerne mitteilen.

Hier lag meines Erachtens die klare Absicht des Verkäufers der „gebrauchten“ Lebensversicherungen vor, die deutschen Investoren aufgrund falscher statistischer Sterbetafeln über den Tisch zu ziehen. Jetzt kann man einwenden, dass der Verkäufer falsche Sterbetafeln bewusst erstellt oder alte, nicht mehr aktuelle verwendet hatte. Dieser Verkäufer war allerdings eine US-Makler-Gesellschaft, welche vermutlich  nicht über entsprechende Rechnerkapazitäten zur komplizierten Errechnung der wahrscheinlichen Sterberate verfügte und sich angeblich auf offizielle Sterbetafeln gestützt hatte. Diese müssen aber aus der „Wahrscheinlichkeitsküche“ einer Versicherungsgesellschaft mit entsprechenden Kapazitäten erstellt worden sein und jetzt kann man darüber philosophieren, ob das mit Absicht geschehen ist oder nicht.

Wie sich dieser noch bis 2016 laufende Fonds weiterentwickelt hat, ist mit nicht bekannt. Verfolgt man die diversen Beiträge im Internet, scheint es aber mit ihm nicht zum Besten zu stehen.

Dieses Beispiel zeigt, wie sich die Volksbanken in die Fänge der strukturierten Risiken, die eigentlich nicht ihrem Geschäftsverständnis entsprechen, schon vor Jahren verfangen haben. Der zuständige Volksbankvorstand äußerte sogar die Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, den Vertrieb solcher komplexen Produkte einzustellen. Vollzogen hat er dies nach meinen Informationen jedoch nicht.

3. Januar 2015

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

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