Moderne Kunst, ein Marketinggag

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Bild Kunst

Seien Sie ehrlich, würden Sie für dieses “Bild” des US Amerikaners Cy Tombly  7 Millionen britische Pfunde, etwa 9,94 Millionen Euro hinlegen?

Cy Twombly soll zwar zu den wichtigsten Vertretern des abstrakten Expressionismus zählen, ist das aber ein Grund, soviel Geld für ein Kindergartenbild, oder besser gesagt für diese Schmierage, die man häufig in öffentlichen Pissoirs finden kann (lt. Wikipedia) , bzw. die  jeder herstellen kann,  hinzulegen? Kunst ist zwar eine Geschmacksache und darüber lässt sich bekanntlich schwerlich streiten, sollen aber Kunstwerke zum Vermögenserhalt beitragen, muss man sich schon Gedanken machen, ob solche “Kunst” in den Folgejahren ein Vermögensbaustein sein kann.

Wenn man die Auktionsergebnisse für moderne Kunst studiert, fällt einem auf, dass die Bilder der prominenten Künstler – wie immer sie zu dieser Prominenz gekommen sein mögen  –  schon längst die Millionengrenze überschritten haben und teilweise auch schon mit zweistelligen Millionenbeträgen gehandelt werden. Ausschlaggebend sind hier im Wesentlichen die auf Auktionen erzielten Preise, welche dann katalogisiert werden und den künftigen Auktionen als Grundlage der Preisfindung und als Preisbeschleuniger dienen.

Nachdem in allen Bereichen der Finanzwirtschaft schon manipuliert wurde und Wertpapiere ohne Substanz in Billionenhöhe an mehr oder minder hochintelligente Mitbürger verscherbelt werden konnten, kann nicht ausgeschlossen werden, dass evtl. dieselben Akteure, die zudem auch noch über extrem hohe Einkommen verfügen, auch diesen Markt entsprechenden Manipulationen unterziehen, um die Preise in unverständliche hohe Spähren katapultieren zu können.

Unterstützt wird das auch noch durch die Käufer solcher “Kunst”, welche sich aus erfolgreichen und sehr vermögenden Unternehmern zusammensetzen, die in den späten Jahren ihres Daseins die Kunst entdeckt (bekommen) haben und für die Nachwelt “große” Kunstsammlungen hinterlassen wollen. Dass solche erfolgreiche Unternehmer dabei reihenweise über den Tisch gezogen werden, haben in letzter Zeit viele Betrugsfälle offenbart, wie z. B.  der Fall Aldi-Erben vs.  Kunstberater Achenbach.

Als Banker bin ich in unterschiedlichster Weise mit der modernen Kunst konfrontiert worden. Ein Unternehmer hatte z.B. viele moderne Bilder in seinem Foyer hängen, wobei er auf eines sehr stolz war. Es war eine weiße Leinwand mit schwarzen Strichen kreuz und quer und ganz wirr voll bemalt, worauf ich mir absolut keinen Reim daraus  machen konnte. Auf meine vorsichtige Frage, was denn dieses Bild darstellen solle, geriet er ins schwärmen und hielt mir etwa 20 Minuten lang einen Vortrag, dass es sich hier um den Luftangriff auf Dresden handeln soll. Und irgendwann stieß er mich in diesem Gewurschtel von Strichen auf ein angedeutetes Hakenkreuz, was ihn dann ganz außer Rand und Bann brachte.

Anderes Beispiel. Die Bankfiliale, die ich lange Jahre leiten durfte, war schon sehr in die Jahre gekommen, so dass die Bank auf mein Drängen hin eine Vollsanierung vornahm. Nach Fertigstellung tauchte die Frage auf, ob die bisherige moderne Kunst, welche viele Jahre davor angeschafft worden war, in den neuen Räumen wieder aufgehängt werden soll. Dies wurde allgemein verneint, so dass ich den Auftrag bekam, diese Grafiken zu verkaufen und dafür Bilder von Künstlern der Region zu erstehen, um auch den regionalen Bezug besser unterstreichen zu können.

Das Ergebnis war niederschmetternd. Ich fand keine Galerie, die auch nur ansatzweise diese Grafiken kaufen wollte mit dem Ergebnis, dass diese jetzt in irgendeinem Keller ihr Dasein fristen.

Weiteres Beispiel. Von einem Kunden wurden alle finanzierenden Banker  zu einem Besuch in die Staatsgalerie Stuttgart eingeladen, welche auch derzeit eine wunderschöne Gauguin – Ausstellung beherbergte. Da der Unternehmer auch ein sehr kunstsinniger Mensch war und sehr gute Beziehungen zum damaligen Leiter der Staatsgalerie, einem bekannten Kunstprofessor, unterhielt, erlebten wir eine Exklusiv-Führung von diesem Kunstprofessor. Zum Abschluss wurden wir alle zu Kaffee und Kuchen in die dortige Cafeteria eingeladen, wobei dieser Kunstprofessor dann sein Leid klagte, dass nicht genügend Geldmittel zur Verfügungen stünden, um qualitativ gute Kunstwerke zu kaufen. Auf meinen Hinweis, doch die vielen in den Magazinen der Staatsgalerie schlummernden Bilder zu verkaufen zwecks Generierung der entsprechenden Geldmittel, bekam ich die Antwort, dass dies teilweise auch Vermächtnisse wären, die nicht verkauft werden dürften und zum anderen könne er nicht vorhersehen, ob in 20 oder 40 Jahren diese Bilder wieder en vogue würden. Diese Aussage ließ mich dann doch an dem Kunstverständnis dieses Kunstprofessors zweifeln.

Fazit:

Ob moderne Kunst auch in den Folgejahrzehnten wertbeständig sein bzw. bleiben wird, ist fraglich. Wenn man seine Kunst nur auf dem Kopf stehend oder mit mit viel unverständlicher Action verkaufen kann, ist das ein reiner Marketinggag, welcher von vielen Kunstsinnigen in schönen Worten verklärt wird und einer Übersetzung bedarf.

Wie gesagt, Kunst ist Geschmacksache und nur diese Richtschnur sollte der Verschönerung der eigenen vier Wände dienen und nicht irgendwelche imaginären Preise.

2. Dezember 2015

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

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