Notkredite in Not

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Die Corona Krise ist eine Krise, die man nur aus reißerischen Sciencefiction- Filmen kennt, ein Alptraumgefühl erzeugt und daher sowohl die Wirtschaft als auch die Politik in eine extreme Situation gebracht haben.

Die Politik bemüht sich nun mit viel Geld, sehr viel Geld die Wirtschaft nicht komplett abstürzen zu lassen und verspricht der Wirtschaft, über vom Staat zur Verfügung gestellte Notkredite über die Liquiditätsengpässe in dieser äußerst schwierigen Zeit  hinweg zu helfen.

Diese Notkredite sollen über die Banken mit i.W.  90%iger Staatshaftung vergeben werden. Die restlichen 10% sollen die Banken übernehmen. Das hat aber mehrfache Haken und zwar wie folgt:

In Deutschland gab es in 2018  3,28 Millionen steuerpflichtige Unternehmen, deren Anzahl sich in 2019 nicht wesentlich verändert haben dürfte.

Da nun so gut wie alle Unternehmen plötzlich keinen Cash-flow mehr aufzuweisen haben, muss man davon ausgehen, dass in etwa diese Anzahl von Unternehmen Notkredite beantragen wird.

Diesen  – sagen wir mal 3,2 Millionen Unternehmen –  standen in 2018   1.783 Banken mit einem Filialnetz von insgesamt 29.670 Filialen gegenüber. Da jedes Jahr dank der Kostensparer rd. 2.000 Filialen geschlossen wurden, kann die Anzahl der Bankfilialen auf derzeit rd. 27.000 geschätzt werden.

Die Kredite werden aber nicht in jeder Filiale entschieden, sondern in der Regel in den jeweiligen Hauptstellen oder Zentralen der Banken, zumal dort das Kredit-know-how konzentriert ist. Das dürften gemessen an der Anzahl der Banken insgesamt etwa 1.000 bis 1.500 Stellen sein, da sich unter der Gesamtzahl der Banken auch viele Auslandsbanken mit nur einer Geschäftsstelle befinden.

In max. 1.500 Stellen müssten jetzt im Durchschnitt rd. 2.130 Kreditanträge bearbeitet werden, bei 1.000 Stellen wären das 3.200 Kreditanträge pro Kredit entscheidender Stelle.

Gehen wir mal davon aus, dass pro Tag im vereinfachten Verfahren rd. 15 Kreditanträge pro Kredit entscheidender Stelle durchgehen, würden, ergäbe das pro Tag eine Summe von 22.500 bearbeitete und entschiedene Kreditanträge. Hier nicht berücksichtigt sind die vielen komplexen Kreditengagements, welche dann über höhere Kompetenzstufen entschieden werden müssen und somit mehr Zeit in Anspruch nehmen. Diese lasse ich aber bei dieser Betrachtung zunächst wegfallen.

Bis alle 3,2 Millionen Kreditanträge bearbeitet werden können, würde es somit 142 Tage, also 4 – 5 Monate dauern, nicht gerechnet die vielen Krankheits- und Quarantänefälle, welche auch die Banken zu verzeichnen haben und eine schnelle Bearbeitung behindern. Zu berücksichtigen ist dabei auch noch das Nadelöhr KfW, welches auch Ihre Zeit braucht, so dass man mindestens ein halbes Jahr benötigen würde mit all dem Schriftkram, den die Bafin den Banken auferlegt hat (siehe Beitrag „Bafin schießt“ vom 24.3.2020 in diesem Blog), bis diese 3,2 Millionen Kreditanträge abgearbeitet werden könnten. Ich fürchte jedoch, dass dieses halbe Jahr nicht reicht. In der Zwischenzeit dürften aber den meisten Firmen die Liquidität ausgegangen sein mit der Folge von massenhaften Insolvenzen.

In dieser Gemengelage ist dann auch noch das Risiko zu berücksichtigen, welches auf die Banken mit ihrer 10%igen Haftung  mehr oder weniger zukommt. Wenn man diversen Verlautbarungen Glauben schenken darf, stellt der Staat deutlich über ein Billion Euro zur Verfügung. 10% davon wären ca. € 100 Milliarden Risiko für die Banken. Die Konsequenzen daraus dürften jetzt schon klar werden = neue Bankenkrise.

Besser wäre es, wenn der Staat direkt der Wirtschaft helfen würde, und zwar über die Finanzämter. Bisher hat er die Unternehmen mit Steuerzahlungen in weit über dem weltweiten Durchschnitt liegender Höhe, permanenten Vorauszahlungen, egal ob das laufende Jahr genauso läuft wie das vergangene und dem Eintreiben der Mehrwertsteuer  gequält und benutzt. Aufbau von Eigenkapital war somit sehr schwer bis unmöglich.

Jetzt wäre es an der Zeit, den Steuerzahlern temporär einen Teil dieser Steuerzahlungen bzw. von ihrem hart erarbeitenden Gewinnen direkt wieder zurückzugeben. Das könnte sehr schnell und unbürokratischer verlaufen und wäre ein direkter Beitrag des Staates  ohne die Wirtschaft noch mehr in einen Schuldenturm zu stürzen  bzw. ohne noch mehr in Abhängigkeit der Finanzindustrie zu bringen.

Mit diesem System der Beantragung der Notkredite über die Banken laufen viele Unternehmen mit schwacher Bonität Gefahr, dass nach Erhalt des Notkredites, die Kreditlinie gekürzt oder gekündigt wird nach dem Motto, vor Corona hatte das Unternehmen schon Schwierigkeiten, dann wird es erst recht jetzt und danach noch größere Schwierigkeiten bekommen mangels Perspektiven. Fairerweise muss man aber auch festhalten, dass solche Entscheidungen keine leichten für die Banken sein werden.

Insofern bleibt zu befürchten, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der Notkredite zur Sanierung der in Europa durch die Geldpolitik der EZB geschwächten und in das Kreditgeschäft gedrängten Banken  verwendet und nicht bei den eigentlichen Adressaten ankommen wird.

27.3. 2020

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

 

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