Rentenfonds (offener)

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Das Prinzip ist hier genauso wie beim Aktienfonds. Statt Aktien werden Renten, d. h. festverzinsliche Wertpapiere ge- und verkauft. Auch hier wird nach unterschiedlichen Kategorien eingeteilt. Festver­zinsliche Wertpapiere und damit die Rentenfonds genießen bei den meisten Anlegern den Nimbus von Seriosität und Risikolosigkeit.

Auch hier muss ich den Leser enttäuschen. Gerade bei festverzinslichen Wertpapieren offenbart sich das „umgekehrte Kreditgeschäft“ im Risiko ganz deutlich, wonach der Anleger der Kreditgeber und das festverzinsliche Wertpapier, bzw. dessen Emittent der Kreditnehmer ist. Ein festverzinsliches Wert­papier ist ein Ersatz für einen Kredit, den der Emittent ansonsten bei einem Kreditinstitut hätte aufnehmen müssen. Insofern spielen Bonität und künftige Entwicklung des jeweiligen Emittenten eine sehr große Rolle und somit auch die Kreditexpertise des Fondsmanagers, die aber meistens nicht vorhanden oder sehr unterentwickelt ist.

Einer agilen und akquisitionsstarken jungen Bankerin im „Wealth Management“ einer angesehenen Privatbank in der Schweiz musste ich diesen Sachverhalt näher erläutern, nachdem sie mir Anlagevorschläge, gespickt mit den strukturierten und sehr Risiko behafteten Anlagevorschlägen für Rentenfonds zugesandt hatte.

Hier gilt es also ganz höllisch aufzupassen, welche Kategorie von Renten ein Rentenfonds in das Portfolio aufnehmen möchte. Erfahrungsgemäß befinden sich in diesen Portfolios unterschied­liche Kategorien mit unterschiedlichen Papieren und damit Risiken, die aus den Verkaufsunterlagen und den Jahresberichten nicht exakt hervorgehen. Der Grund für dieses Versteckspiel ist ganz einfach.

Die Rentenfonds stehen grundsätzlich in Konkurrenz zu den direkten festverzinslichen Wertpapieren. Angenommen, ein seriöses Rentenpapier / ­Bun­des­anleihe wirft im 10- Jahresbereich einen Zins von 3 % p.a. auf das Kapital ab, so muss ein Rentenfonds zumindest auch diese Rendite erwirtschaften, da der Anleger bei einer geringeren Rendite als bei dieser Allerweltsrendite für eine Bundesanleihe sich den Kauf eines Rentenfonds ersparen kann.

Problem des Rentenfonds ist es aber nun, dass er bei Kauf dieser Bundesanleihe ebenfalls in etwa nur diesen Zins von 3 % p.a. erhält, aber andererseits seine nicht unbeträchtlichen Kosten – nehmen wir nur 2 % gerechnet auf das Kapital an – noch zu erwirtschaften sind. Je nach Marktlage kann er evtl. noch Kursunterschiede ausnutzen und damit zusätzliche Erträge generieren, saldiert betrachtet führt dies nur bei sehr volatilen Marktbewegungen zu entsprechenden Zusatzerträgen.

Was macht nun ein Rentenfonds, um diese 3 % plus evtl. x % zu erzielen, um sich selbst attraktiv zum Kauf zu empfehlen? Da diese Fondsmanager auch nur mit Wasser kochen und keine Instrumente zur wundersamen Geldvermehrung besitzen, investieren sie das Fondskapital in risikoreichere Renten wie Währungsanleihen und setzen darauf Währungsabsicherungsgeschäfte / ­Derivate, in Optionen, in Wandelanleihen mit unsicherem Ausgang und auch in hochverzinsliche mittelständische Unternehmensanleihen mit ent­sprechen­dem hohen Zinskoupon und Risiko.

Zugedeckt werden diese höheren Risiken mit dem Hinweis auf ein aktives Management, was nichts anderes heißt als zocken mit dem gesamten Instrumentarium des strukturierten derivaten Anlage­universums, woran im Übrigen die die Investmentgesellschaft tragende Bank = Muttergesellschaft ebenfalls noch kräftig verdient, da über die diese „Absicherungsinstrumente“ in den meisten Fällen abgeschlossen werden. Man kann es auch als eine andere Form der Gebühren- /­ Einnahmenoptimierung bezeichnen.

Juli 2013

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

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