Rosstäuscher im Finanzgewerbe

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Derzeit wird sowohl von der Finanzindustrie als auch von der Wirtschaftspresse landauf  landab von den wunderbaren Möglichkeiten der Vermögensanlage in Aktien schwadroniert. Trotz des hohen Preisniveaus werden  weitere Preissprünge um das doppelte des jetzigen Preisniveaus nicht ausgeschlossen.

So auch auf einem vom Handelsblatt und anscheinend auch von der Deutsche Bank (nur Deutscbanker durften referieren) organisierten  Investmentforum  “Investment Live” in Bielefeld.

Den darin aufgeführten Argumenten kann man  im Wesentlichen folgen, wenn es sich um Aktien handeln würde. Betrachtet man aber die Angebote aller Banken, insbesondere die der Deutsche Bank, die Investmentbank in Deutschland schlechthin (70% – 80% des Ertrages kommen aus dieser Geschäftsart),  stellt man sehr schnell fest, dass es sich nicht um Aktien in der reinsten Form handelt, sondern um aktienbasierte strukturierte Finanzprodukte, verwässert und aufgehübscht mit Derivaten aller Art, die intransparent, teuer und je nach Ausstattung mit größeren Verlustrisiken behaftet sind, als reine Aktien.

Insofern sprach man hier von Äpfeln, hat aber Apfelmus mit allen möglichen Ingredienzen gemeint.  Anders geht es aber vermutlich auch nicht, da der Empfehlung von Aktien die Rechtssprechung entgegensteht, die eine Falschberatung bei Aktienempfehlungen sehr schnell konstatiert. Die strukturierten Finanzprodukte sind dagegen juristisch äußerst ausgefeilt und mit dem Beratungsbogen, den der Anleger unterzeichnen muss – aber meistens kaum versteht –  ist das Risiko dermaßen verklausuliert, dass letztlich das Risiko beim Anleger hängen bleibt, die Finanzindustrie damit aber relativ risikolos hohe Gewinne verbuchen kann. Ich nenne das eine strukturierte Ausbeutung.

Angeprangert wurde bei diesem Investmentforum, dass die Deutschen Aktienmuffeln seien und im vergangenen Jahr  wieder 600.000 Anleger den Aktien und den Fonds den Rücken gekehrt hätten.

Warum fragen sich aber diese Herren nicht, warum das so ist? Vielleicht haben die von den Investmentbanken produzierten strukturierten Finanzprodukte den Grund dafür geliefert und nicht akzeptable Volatilitäten entstehen lassen. Erst kürzlich haben allein an der Stuttgarter Börse über 10.000 Besitzer von Bonuszertifikaten ihren Bonus verloren und damit Verluste eingefahren, weil komischerweise für einen Tag die Kurse abstürzen, damit Barrieren gebrochen wurden, um am nächsten Tag auf wundersame Weise wieder anzusteigen.

Ein Schelm, wer hierbei nichts böses denkt.

Eines bleibt aber noch anzumerken, dass die Niedrigzinsphase den Investmentbanken und damit der Verkauf von strukturierten Finanzprodukten sehr gelegen kommt (siehe hierzu die letzten vier Beiträge in diesem Blog).

23. September 2015

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

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