Scalable Capital, eine Risikobetrachtung!

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In einem „Handelsblatt Journal“ wurde ein Interview mit Herrn Prof.Dr. Mittnik, Gründer der Scalable Capital, unter der Überschrift „Das Risiko immer im Griff“ veröffentlicht.

So wie ich das Geschäftskonzept von Scalable Capital verstanden habe, wird ein Portfolio aus ETF`s zusammengestellt, da es – wie in diesem Interview dargelegt wurde  – über 1.500 (unterschiedlichste) ETF`s (Indices) gibt.  Somit muss Scalable als eine Art Dachfonds für ETF`s interpretiert werden, d.h. Scalable ist eine Verwaltung in der Verwaltung.

Das bedeutet letztlich, dass dieser Dachfonds nicht nur ETF`s auf Dax & Co. und  somit nicht nur auf die gängigsten Indices setzt, sondern demnach auch ETF`s mit allen möglichen Zusammenstellungen bis hin zu Wertpapierdepots mit den exotischten Wertpapieren. Frage zu diesen zahlreichen Indices ist allerdings, wer diese Indices täglich erstellt und ob diese nicht wie Libor & Co. ebenfalls manipuliert sind/werden.

Insofern wäre interessant, wie Scalable und deren Risikomanagement solche Manipulationen erkennen und ausschließen kann?

Die Homepage lässt sich darüber nicht besonders aus, auch aus dem Interview wird man darüber nicht sehr viel klüger. Mithilfe der Risikokennziffer „Value-at-Risk“ will man demnach das Risiko in den Griff bekommen. Diese Risikokennziffer wurde bei den Banken schon mehrmals angewendet mit nicht gerade positiven Ergebnissen.

Dass ETF`s keine einfachen Abbildungen von Indices sind, kann man aus den Verkaufsprospekten der jeweiligen ETF-Fonds nachlesen.

Am Beispiel des iShares STOXX Europe 50(DE) ISIN Nr. DE0005933949 kann man in dem 44 Seiten umfassenden und relativ klein geschriebenen Verkaufsprospekt folgende Details nachlesen:

6.3. Indexnachbildung  und  Vorrang der direkten Duplizierung:

Zur Nachbildung des zugrunde liegenden Index dürfen ausschließlich die folgenden Vermögensgegenstände erworben werden:

  • Wertpapiere, die im Wertpapierindex enthalten sind oder im Zuge von Indexveränderungen in diesen aufgenommen werden (Indexwertpapiere). Anmerkung: die Wertpapiere, die im Index enthalten sind.
  • Wertpapiere, die auf Einzeltitel des zugrunde liegenden Index begeben wurden (Einzeltitelzertifikate). Anmerkung: ein strukturiertes Finanzprodukt!
  • Terminkontrakte auf den zugrunde liegenden Index (Indexterminkontrakte). Anmerkung: ein strukturiertes Finanzprodukt / Derivat!
  • Terminkontrakte auf Einzeltitel des zugrunde liegenden Index (Einzelterminkontrakte) Anmerkung: ein Derivat!
  • Optionsscheine auf den zugrunde liegenden Index (Indexoptionsscheine). Anmerkung: ein Derivat und strukturiertes Finanzprodukt!
  • Optionsscheine auf Einzeltitel des zugrunde liegenden Index (Einzeltiteloptionsscheine) Anmerkung: ein Derivat!
  • Investmentanteile gemäß § 8 der Allgemeinen Vertragsbedingungen.

In diesem § 8 werden dann die hierfür notwendigen Anlageinstrumente im Einzelnen aufgeführt (nur in Stichpunkten):

  • 8.2. Geldmarktinstrumente: am Geldmarkt gehandelte  sowie verzinsliche Wertpapiere. Anmerkung: Dieser ETF soll den EURO STOXX 50 abbilden, das sind Aktien und keine verzinslichen Wertpapiere.
  • 8.3. Bankguthaben: bis zu 5% mit einer Laufzeit von  max. 12 Monate.
  • 8.4.   Derivate: jegliche  Derivate oder Finanzinstrumente mit derivater Komponente im Sinn des § 10.1 Darlehensgeschäfte (siehe unten)
  • 8.4.1. Terminkontrakte
  • 8.4.2  Optionsgeschäfte
  • 8.4.3  Swaps: Zins-, Währungs-, Equity- und Credit Default Swapgeschäfte
  • 8.4.4. Swaptions: Optionen auf Swaps
  • 8.4.5.  Credit Default Swaps: Kreditderivat, die es ermöglichen ein potenzielles Kreditausfallvolumen auf andere zu übertragen.
  • 8.4.6. In Wertpapieren verbriefte Finanzinstrumente: Anmerkung: ein Verbriefungs-Misch-Masch
  • 8.4.7. Begrenzung des Marktrisikos: hier wird angabegemäß ein qualifizierter Ansatz im Sinne der DerivateV (Derivate Verordnung mit 44 Paragraphen) angewendet. Anmerkung: Verifizierbar? Sicherlich nicht!
  • 8.4.8. Over-the-Counter (OTC)-Geschäfte: außerbörslicher Handel oder direkte Geschäfte ohne Börseneinschaltung, aber nur solche Papiere, die an den Börsen zugelassen sind.

Unter §10 werden dann die möglichen Darlehensgeschäfte beschrieben.

  • 10.1. beschreibt die Möglichkeit, die im Sondervermögen des Indexfonds vorhandenen Vermögensgegenstände darlehensweise an Dritte übertragen zu dürfen, sogar auf unbestimmte Zeit, dafür aber mit Kündigungsmöglichkeit. Anmerkung: Bonitätsprüfung der Dritten unumgänglich
  • 10.2. Pensionsgeschäfte: Für Rechnung des Sondervermögens darf der Indexfonds Wertpapier-Pensionsgeschäfte mit Kreditinstituten und Finanzdienstleistungsinstituten für max. 12 Monate abschließen. Anmerkung: Bonitätsprüfung der Dritten unumgänglich.

In § 11 ist dann die kurzfristige Kreditaufnahme für gemeinschaftliche Rechnung der Anleger bis zu 10% des Wertes des Sondervermögens zulässig, wodurch eine 1 zu 1 Unterlegung ebenfalls nicht gegeben wäre. Hier kann man nur hoffen, dass keine Währungskredite aufgenommen werden, welche schon vielen Investmentfonds das Grab geschaufelt haben.

Diese Darlegungen zeigen auf, dass  ETF-Fonds zahlreiche und komplexe Derivate nebst Darlehensverträge abschließen können, deren Wert auch sowohl von der Bonität der  jeweiligen Risikoübernehmer als auch von diversen Darlehensnehmern abhängt.

Daher wäre sehr interessant, wie Scalable Capital diese Risiken hieraus erfassen und bewerten will, zumal sich die Börsenlage täglich ändert und somit auch der Wert der Derivate und somit auch die Bonität der Risikoübernehmer und Darlehensnehmern. Außerdem bleibt hierbei noch der sehr wichtige Umstand zu berücksichtigen, dass die jeweiligen ETF`s von Finanzinstituten kreiert wurden und somit diese Finanzinstitute als Träger dieses strukturierten Papiers selbst ein Risiko darstellen, nämlich das Risiko von deren Insolvenz (sh. Lehman Brothers). Dazu gehören auch Banken, deren Bonitäten nicht gerade die besten sind.

Hieraus ergeben sich weitere Fragen wie:

  • Verinnerlicht sich das Risikomanagement von Scalable die jeweiligen Verkaufsprospekte  zwecks Bewertung des jeweiligen Risikos? Eine Mammutaufgabe bei über 1.500 ETF`s.(x 44 Seiten= rd. 66.000 Seiten)
  • Aus welchen Personen und mit welchem Berufshintergrund setzt sich das Risikomanagement zusammen?
  • Welche ETF`s finden Eingang in die Portfolios von Scalable?

Ich habe diese Fragen Herrn Prof.Dr. Mittnik gestellt und bin sehr gespannt auf die Antwort.

Irgendwie erinnert mich dieses Scalable Konstrukt an die vielen undurchsichtigen Konstrukte  vor der Finanzkrise, welche die europäischen Banken in eine erhebliche Bredouille gebracht haben bzw. immer noch bringen, vielen Anlegern hohe Verluste eingebracht haben  und letztlich die Auslöser der Finanzkrise waren.

Ob man solche komplexen und intransparenten Finanzprodukte dem eigenen Betriebsangehörigen als Vermögensanlage nahe bringen soll, so wie es Siemens getan hat, ist meines Erachtens sehr zweifelhaft, zumal sich Siemens evtl. in eine – zumindest moralische – Schadensersatzhaftung begibt, sollte dieser Fonds kollabieren.

1.Oktober 2017

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch www.emde-fiveko.de

 

 

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