Investmentbanking am Ende?

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Von wegen!

Im Handelsblatt vom 21.9.2017 fand ich einen Kommentar des renommierten Korrespondenten Frank Wiebe mit der obiger Schlagzeile. Als kritischer Beobachter dieser Finanzzunft elektrisierte mich diese Behauptung entsprechend, musste dann beim Lesen dieses Kommentars feststellen, dass Herr Wiebe das Investmentbanking der Banken meinte, womit er nur teilweise Recht hat.

Allerdings haben sich die Herren dieser Zunft zwischenzeitlich in ganz andere, wesentlich ertragreichere und machtvollere Bereiche der Finanzindustrie niedergelassen. Damit meine ich den Bereich der mächtigen Vermögensverwalter wie Blackrock & Co., der Schattenbanken inkl. der Hedgefonds aller Kategorie sowie die vielen Staatsfonds auf der Welt, welche derzeit zusammen  den größten Teil des derzeitigen Finanzvermögen von US$  270 Billionen verwalten und damit die Welt beherrschen.

Investmentbanking ist nicht nur das M & A Geschäft und der Handel mit Wertpapieren, sondern auch das Strukturieren derselben. Die Geldpolitik der Zentralbanken und damit das Leerkaufen der Anleihemärkte und das Puschen der Aktienmärkte auf bisher nicht bekannte Höhen hat dazu geführt, dass sich der Wertpapiermarkt nahezu nur noch aus strukturierten Finanzprodukten zusammensetzt bzw. diese nur noch angeboten werden, die irgendeiner strukturieren muss. Das sind natürlich die entsprechenden Abteilungen in den Investmentbanken oder den oben genannten Institutionen.

Die Banken spielen dabei keine große Rolle mehr, zumal diese diesen mächtigen Mitspielern teilweise gehören und sie denen ihre Politik aufdrücken können. Beispiele hierzu gibt es genug.

Hierbei spielen auch die ETF´s eine immer unrühmlichere Rolle. Ganz abgesehen davon, dass sie extrem komplex und für die Anleger aufgrund der vielen nicht verifizierbaren Derivate kaum durchschaubar sind, sammelt sich damit bei diesen Institutionen eine enorme unkontrollierte Marktmacht an und treibt damit die Aktien immer weiter in die Höhe. Blackrock zum Beispiel hat zwei Drittel des verwalteten Vermögens von US$ 4,8 Billionen in börsengehandelte ETF`s angelegt, womit die Firmenwerte  von Apple & Co. in nicht erklärbare Höhe gerutscht sind. Hier brauen sich systemische Risiken ungeahnten Ausmaßes an.

Insofern ist das Investmentbanking nicht am Ende, sondern in voller Blüte und wird vermutlich wieder zu Finanzkrisen, ich befürchte in noch nicht bekannten Ausmaßen führen.

8.Oktober 2017

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch www.emde-fiveko.de

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