Schuldscheindarlehen

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Eigentlich hat allein der Name schon einen etwas komischen Beigeschmack. Das Wort Schuldschein ist eigentlich negativ besetzt und erinnert ein wenig an Pfandhaus und dort abgegebene Schuldscheine.

Von den Banken wird diese Form eines langfristigen und in der Regel unbesicherten Darlehens derzeit sehr offensiv vertrieben, da mit dem zugrunde liegende Kreditvertrag die volle oder aber auch nur teilweise Übertragung des Kreditrisikos auf  Anlage suchende Investoren möglich ist und von den Banken zwecks Entlastung ihrer Bilanzsumme als Vorteil gesehen wird. Die Investoren sind in der Regel  Banken, Versicherungsgesellschaften,  Pensionskassen und Sozialversicherungsträger, aber auch Finanzinstitute, d.h. alle Arten von Fonds, inkl. Hedgefonds und Investmentbanken aber zunehmend auch Privatinvestoren.

Die Tilgung eines solchen unbesicherten Schuldscheindarlehens wird in den meisten Fällen nicht vorgenommen, sondern erfolgt endfällig. Das wird von vielen Unternehmen trotz eines etwas höheren Zinssatzes (ca.0,25% bis 0,5%) als Vorteil einer konstanten Finanzierung gesehen, birgt aber auch erhebliche Gefahren in sich, insbesondere dann, wenn sich das  Unternehmen in einem volatilen Marktumfeld bewegt und am Tag der Fälligkeit das Unternehmen  – aus Gründen wie auch immer –  nicht in der Lage ist, das fällige Schuldscheindarlehen in einer Summe zurückzuzahlen.

Verfügt das Unternehmen dann auch noch über ein interessantes Produkt, an welchem die Konkurrenten schwer interessiert sind und daher  die Hedgefonds oder/und  Investmentbanken beauftragt haben, diese Schuldscheindarlehen (sukzessive) aufzukaufen, kann in einer solch misslichen Rückzahlungsphase sehr schnell die Forderung auf den Tisch liegen, die Schuldentilgung durch Abgabe von Geschäftsanteilen vorzunehmen, womit ein Unternehmer oder die Hauptaktionäre sehr schnell Ihre Stellung als bestimmender Faktor im Unternehmen verlieren könnten.

Die Schuldscheindarlehen sollten daher nie als Ersatz von Bankdarlehen aufgenommen werden, sondern nur ein Bestandteil eines bunten Finanzierungsmixes sein. Außerdem sollte man peinlichst auf die Investoren achten, welche diese Schuldscheindarlehen übernehmen und nur den Hinweis, dass sich unter  den Investoren Finanzinstitute befinden, sich näher erläutern lassen.

Und für die Privatinvestoren gilt die Vorsicht, da es sich bei einem Schuldschein um ein Kreditersatzprodukt handelt, dessen Risiko letztlich nur von Profis mit entsprechend hoher Kreditexpertise im Risiko analysiert werden kann. Hier zeichnet sich schon ein Fiasko wie bei den mittelständischen Unternehmensanleihen ab.

Juni 2014

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

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