Traumtänzer EZB

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Aus der heutigen Presse (u.a. Handelsblatt) war zu entnehmen, dass der Vizepräsident der EZB Luis de Guindos (begonnen als Politiker/später als Investmentbanker CEO der spanischen Lehman Brothers/ nach deren Pleite leitend bei PWC, Spanien/ seit 2018 Vizepräsident der EZB) bei der Vorstellung des halbjährlichen  Finanzstabiltätsberichtes weitere Verwundbarkeiten im Finanzsystem durch die Pandemie sieht. Er fokussiert diese Feststellung auf vier Risiken.

Risiko Nr. 1:  Überzogene Bewertungen – vor allem auf dem Immobilienmarkt

Hier möchte ich Herrn de Guindos daran erinnern, dass durch die Geldpolitik der EZB mit dem Negativzins und der

„damit einhergehenden Eliminierung des Anlagezinses“

die Anlagemöglichkeiten äußerst eingeschränkt wurden, gleichzeitig aber die Märkte eine unverhältnismäßige und extrem hohe Geldflut erfahren haben. Diese Liquiditätsschwemme hat natürlich mangels Alternativen Anlagen auf den Immobilien- und Aktienmärkten gesucht und somit zu den – von der EZB immer noch geleugneten – hoch gefährlichen Blasen geführt. Das damit verbundene Zockerunwesen hat somit in Europa die EZB zu verantworten. Andererseits muss man sich fragen, ob eine solche Geldflut notwendig war, da sie sich auf den Anlagemärkten wieder findet.

Fazit: Der Elefant im Porzellanladen zerschlägt mit seiner ungelenken Körpermasse das Porzellan und wundert sich, warum es zerschlagen ist.

Risiko Nr. 2: Schwächen der Banken.

Hier kann man Herrn de Guindos nur auch an die

„absurde Geldpolitik der EZB“

erinnern, welche dadurch den europäischen Banken eine wichtige Ertragssäule, nämlich das wichtige Zinsgeschäft, weggenommen hat. Damit raubte man den Banken sukzessive die Kraft zur notwendigen Anreicherung von Substanz für schlechte Zeiten und hat sie somit  in den Zustand des „von der Hand in den Mund leben“ versetzt. Damit entstand eine extreme Abhängigkeit von der EZB, welche – die Absurdität ohnegleichen lässt grüßen – die Banken  noch überwacht.

Als Grund wurde stets die Rettung des Euros genannt, bezweckt hat man damit aber eine Erleichterung  der Schuldenaufnahme bei den Südländern des Euroraumes (haben die Mehrheit im EZB-Rat), welche  damit ihren Schuldenberg weiter deutlich erhöhen konnten und damit die gesamte Struktur des Euroraumes sehr stark gefährden.

Fazit: Man nimmt dem Auto das Benzin weg und wundert sich, dass es nicht mehr fährt. 

Risiko Nr.3: Probleme außerhalb des Bankensektors.

Den Bereich außerhalb des Bankensektors sieht Herr de Guindos auch bei den anderen Finanzakteuren, d.h. bei den Investmentfonds, den Versicherungsgesellschaften und den Pensionsfonds, welche auf der Suche nach Rendite verstärkt in riskantere Anlageformen investiert hätten (bzw. müssen).

Auch hier möchte ich Herrn de Guindos daran erinnern, dass die Ursache wiederum in der absurden Geldpolitik der EZB mit dem Negativzins und mangels seriöser Anlagealternativen zu finden ist, welche zudem noch verstärkt wird durch die völlig überzogenen monatlichen Aufkäufe von akzeptablen Anleihen durch die EZB.  Letztlich verwalten diese Finanzakteure Vermögenswerte der Bürger, welche durch die Geldpolitik der EZB einem nunmehr von der EZB anerkannten hohen Risiko ausgesetzt sind.

Da die Anlageformen dieser Finanzakteure aus Sicherheitsgründen auch hohe Liquiditätsreserven vorhalten müssen, die wiederum durch den Negativzins zu einer schwächeren Rendite führen, belastet das die Vermögenswerte der Bürger und deren Renten zudem noch weiter und verstärkt damit die Suche nach Rendite in noch risikoreichere  Anlageformen mit höherer Rendite.

Fazit: Wenn man dem Hungernden das Brot wegnimmt, braucht man sich nicht wundern, wenn er aus purer Not Dreck frisst.

 Risiko Nr. 4: Zunehmende Insolvenzen

Hier schiebt Herr de Guindos die Befürchtungen auf die Entwicklung der Pandemie, was nicht ganz  von der Hand zu weisen ist. Allerdings gehört zu einem ordentlichen Wirtschaften die Möglichkeit der Schaffung von Reserven, sowohl bei den Banken als auch bei den Unternehmen und Bürgern. Mit dieser abstrusen Geldpolitik, welche nur

einer kleinen Schar von Kapitaleignern

entgegenkommt, dafür aber die große Mehrheit der Bürger ärmer macht, ist das keinesfalls möglich und verstärkt gerade in Pandemiezeiten die Gefahr von sehr vielen Insolvenzen. Somit kann man diese Entwicklung, welche vermutlich eintreten wird, auch in die Verantwortung der EZB legen.

Gesamtfazit:

Diese Punkte der Kritik gibt es schon seit Jahren, wurden auch in diesem Blog schon mehrfach aufgeführt. Anscheinend sind die Mitglieder des EZB-Rates aus ihrer Traumtänzerei  jetzt aufgewacht, da sie diese Risiken sehr elegant auf die Pandemie schieben können. Dieses Aufwachen scheint aber  nur teilweise erfolgt zu sein, da sie diese Geldpolitik stur weiterführt, obwohl die Inflation schon sehr heftig an die Tür klopft, aber die wird sich ja nach Äußerungen der EZB wieder verringern(????). Wenn sie sich damit nicht irrt!!!

Nach diesen Äußerung von Herrn de Guindos muss man erhebliche Zweifel an der Professionalität der Mitglieder des EZB-Rates hegen, zumal sich diese zum größten Teil als ehemalige Politiker in den jeweiligen Ländern profiliert haben und auch deren wirtschaftliches Gedankengut mit einbringen, welche bei den Südländern sehr stark geprägt ist von der Aufnahme von Schulden zu Lasten des Staates.

Frau Lagarde empfahl einem kritischen deutschen Journalisten während einer Pressekonferenz auf seine Frage bezüglich der durch die Geldpolitik gegebenen geringen Möglichkeiten bei der Vermögensanlage den Rat der Anlageberater der Banken in Deutschland, die sicherlich eine entsprechende Anlage für ihn finden würden.

Mit dieser Aussage kann man nur festhalten, dass Frau Lagarde keine Ahnung hat, wie die Anlageberatung bei den Banken verläuft und was diese empfehlen.  Damit hat sich mein oben geäußerter Eindruck mehr als verstärkt. Frauenquote? Armes Europa!!!!!!!!!!!!!!

Ohlsbach, den 18. November 2021

Elmar Emde

Family Office / Treasury Service

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