Finanzkrisengedicht

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Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken –
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!”

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und – das ist das Feine ja –
nicht nur in Amerika!

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Anmerkung:

Dieses Gedicht wurde nicht erst nach der Finanzkrise 2008 geschaffen, sondern schon 1930 von Kurt Tucholsky.

Zu erinnern wäre daran, dass Herr Tucholsky dieses Gedicht nach der Weltwirtschaftskrise in 1928 erschuf. Des Weiteren muss noch daran erinnert werden, dass die Weltwirtschaftskrise von den damaligen Investmentbanken befeuert wurde bis zum bitteren Ende und daraufhin die amerikanische Regierung das Investmentbanking mit hohe Regularien bis zum Verbot unterwarf.

Jetzt befinden wir uns wieder in einer von Investmentbanken und Investmentbankern – an oberster Stelle wäre Herr Draghi von der EZB zu nennen – geschaffenen Situation, so dass das Schlimmste zu befürchten bleibt.

Im Leben wiederholt sich letztlich alles, zwar in einer stets anderen Facon, saldiert aber immer. Herrn Tucholsky bewies mit seinem letzten Satz hellseherische Qualitäten. Wie gesagt, im Leben wiederholt sich alles.

21. Juli 2016

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

siehe auch www.emde-fiveko.de

 

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