Unicredit, Investmentbanker-Sanierungsmodul!

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Die italienischen Banken sind mal wieder im Gespräch, insbesondere die Banca Monte die Paschi di Siena und die Unicredit. Beide Banken werden derzeit von Investmentbankern geleitet, womit sich für das Investmentbanking wieder herrliche Zeiten ankündigen.

Wie diese aussehen werden, kann man aus einem Interview des Investmentbankers und Chef der Unicredit, Herrn Jean-Pierre Mustier, welches er dem Handelsblatt  (veröffentlicht am 22.12.2016) gegeben hat, erkennen. In diesem Interview umriss er den Sanierungsplan der Unicredit wie folgt:

  • Freisetzung von insgesamt 14.000 Mitarbeitern. Was sonst, haben Sie etwas anderes erwartet? Was anderes fällt diesen Investmentbanker-Sanierern nie ein. Es bleibt – wie bei anderen Banksanierungen – zu vermuten, dass dies die Mitarbeiter im kommerziellen Bankgeschäft sind, welches aufgrund der EZB-Geldpolitik des Investmentbankers Draghi ( Negativzins/ Aufkauf von Anleihen /Fluten der Märkte mit Liquidität und damit Tod des wichtigen Bank-Einlagengeschäftes) keine Erträge mehr abwirft, m.E. ist das bewußt gesteuert. Wie wäre es mit temporären Gehaltsreduzierungen zwecks Erhalt der Arbeitsplätze? Mit dieser Freisetzung schafft man 14.000 x4+x (inkl. Familienangehörige) Personen, welche dem italienischen Staat den Rücken kehren und eine Saat für die Gegner unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft sein werden.
  • Erhöhung des Kapitals um € 13 Milliarden und damit starke Verwässerung des bestehenden Aktienkapitals von € 53,5 Milliarden (derz. Marktwert jedoch nur € 17 Milliarden), welches allerdings für die Investmentbanker im Kapitalmarktbereich enorm viele Arbeit, Aufträge und Erträge abwerfen wird, die bisherigen Aktionäre müssen dagegen mit evtl. weiteren Verlusten rechnen.
  • Da diese Kapitalerhöhung von einem Bankenkonsortium bereits garantiert worden ist, kann man davon ausgehen, dass diese neuen Aktien sehr breit verteilt werden auf die vielen Investmentfonds dieser Banken, womit den Besitzern von Investmentfonds indirekt in die Tasche greift, ohne dass sie es merken und womit der Wert des Investmentfonds vermutlich ebenfalls verwässert wird. Man verlagert somit das Risiko auf sehr breite Schichten der Gesellschaft.
  • Der Verkauf von diversen Beteiligungen wird oder hat die M&A – Abteilungen diverser Investmentbanken beschäftigt und dürfte auch hier dazu führen, dass wiederum Arbeitsplätze abgebaut werden u.a. zwecks Finanzierung der horrenden M&A-Honorare. Auch hier zahlt der kleine Angestellte für das Honorar der Investmentbanker. Waren denn diese Beteiligungen wirklich so schlecht, dass man sie verkaufen musste?
  • Und die größte Sauerei ist der Verkauf eines angeblich „notleidenden“ € 17,7 Milliarden schweren Kreditportfolios an – Sie dürfen raten – natürlich Investmentbanken, Hedgefonds und ähnlichen „Risikoverschleierungs-Institutionen“, welche diese wiederum verstrukturieren und mit wohlfeilen Beschreibungen von Risiko und Chancen in den Markt geben.   Dieser Markt besteht ebenfalls aus intransparent strukturierten Finanzprodukten wie Investmentfonds, ETF`s und Zertifikate und ähnlichem Gebräu und werden vornehmlich den unwissenden Anlegern wärmstens in die Depots gebucht.
  • Allerdings stellt sich die Frage, ob das wirklich notleidende Kredite im wörtlichen Sinne sind oder Kreditersatzprodukte = strukturierte Wertpapiere/Anlageprodukte aus dem angelsächsischen Banking, die man aus Renditeerwägungen nach der Finanzkrise in die Bücher genommen hat – wie vor der Finanzkrise – und jetzt wieder los werden will.
  • Oder ob dies nicht die guten Kreditrisiken sind, die der Markt sehr gut aufnimmt und der Unicredit eine Bilanzverkürzung / Entlastung der Bilanz bescheren zwecks quotaler Stärkung des Eigenkapitals. Dann aber Vorsicht, Unicredit-Bankkunde, dann muss dieser bei Problemen damit rechnen, dass ein grünschnäbiliger Investmentbanker/ Hedegefonds-Manager vor der Tür steht und Probleme bereitet. Hier würde sich dann der Ratschlag, die Verkaufsklausel aus dem Darlehensvertrag zu streichen, sehr bewähren.
  • Sind es notleidende Kredite, werden die Käufer diese dann nur mit erheblichen Abschlägen abnehmen, so dass nicht unerhebliche Wertberichtigungen vorgenommen werden müssen. Dies dürfte aufgrund der kryptografischen Bilanzierungsmethode schwer festzustellen sein, insbesondere in Italien. Jedenfalls ist es stets verwunderlich, dass die Journalisten dieser Frage nie nachgehen. Fehlt diesen dazu etwa die Expertise?

Anzumerken wäre noch, dass Herr Mustier die Investmentbank-Sparte der Unicredit von 2011 bis 2015 geleitet und wie er darstellte, auch restrukturiert hat. Insofern wäre interessant, welche „notleidenden Kredite“ in der Tat in den Markt verkauft wurden/werden und ob es sich dabei nicht um Assets handelt, die Herr Mustier in dieser Zeit zu verantworten hatte.

Interessant auch seine Aussage in diesem Handelsblatt – Interview, „ dass die Unicredit eine Geschäftsbank mit einer integrierten und kundenorientierten Investmentbank ist“. Herr Zielke hat seine Commerzbank auch so beschrieben. Die Frage ist nur, zu welchen Kunden die Investmentbank der Unicredit bei ihrer Kundenorientierung neigt? Zu den Unternehmenskunden zwecks komplexer Verschleierung der Unternehmenskundenrisiken, um diese nicht selbst auf die Bilanz nehmen zu müssen oder zu den Privatkunden zwecks Vermeidung des Anlagerisikos. Beide Geschäftsprinzipien in dieser Form anzuwenden wäre die Quadratur des Kreises, d.h. ist unmöglich.

Die Antwort hierzu lieferte Herr Mustier mit Bezug auf die HVB selbst, welche der zentrale Standort für das Investmentbanking – Geschäft u.a. in Deutschland ist und die Präsenz der Unicredit vor allem  bei deren Mittelstandskunden in Deutschland stärken soll. Somit werden letztlich alle Privatkunden und Kleinsparer über die komplexen strukturierten Finanzprodukte nur als die Risikoübernehmer aller Kategorien angesehen, welche verstärkt und damit unbewusst zu den Kreditgebern des Unternehmenskundenkreditgeschäftes umfunktioniert werden. Das perfide daran ist, dass die Investmentbanker, welche diese Komplexität konstruieren, kein Risiko übernehmen, dieses somit nur weiter reichen und dafür aber horrende Provisionen einstreichen zu Lasten des von ihnen geschaffenen strukturierten “Vermögenswertes”.

 

Traurig an diesem perfiden Spiel ist nur die Blauäugigkeit der z.T. jungen Wirtschaftsjournalisten, welche solche Aktionen gut finden, aber letztlich nur eine weitere Stufe der Ausbeutung von uns allen sind.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass die Finanzkrisen der letzten 26 Jahre uns die Investmentbanker beschert haben, damit aber deren Geschäftsmodell nicht von der Bühne verschwand, sondern nur in einer anderen, sehr intelligenten Form mit Hilfe der Politik verstärkt weiter betrieben wurde, wozu ihnen die Investmentbanker in den Zentralbanken große Schützenhilfe geleistet haben mit der Folge, dass damit das sehr wichtige kommerzielle Bankgeschäft zugunsten des Investmentbankings sukzessiv an Bedeutung verloren hat. Nunmehr sind die kommerziellen Banken dadurch sanierungsbedürftig geworden und diejenigen, welche die Banken sanierungsreif „geschossen“  haben, nämlich die Investmentbanker, dürfen die Banksanierung in der Denke des Investmentbankings umsetzen.

Das hat bereits eine Menge Arbeitsplätze nicht nur in der Finanzindustrie gekostet und wird noch weitere kosten, sie hat viele Anleger und Sparer um ihre finanzielle Reserven gebracht und wird dem Staat zusammen mit seiner ungebrochenen Einstellung zu Steuererhöhungen oder Beibehaltung von hohen Steuerquoten noch extrem auf die Füße fallen. Die Profiteure dieser Entwicklung aber werden sich milliardenschwer aus dem Staub machen und wen wundert es, wenn damit unsere jetzige freiheitlich-demokratischen Gesellschaft vor die Hunde geht.

24. Dezember 2016

Elmar Emde

Autor des Buchses “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch www.emde-fiveko.de

 

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