US Dollar, das Mittel geopolitischer Interessen?

image_pdfimage_print

Die heftigen Kursauschläge des US-Dollars deuten  auf einen Währungskrieg mit unterschiedlichen Kombattanten hin, noch angereichert durch die vielen Spekulanten auf dieser Welt und dem Wirtschaftssystem an sich.

Auf der einen Seite stehen die EZB und die USA, welche aus unterschiedlichen Gründen Interesse an einem starken US$ haben. Auf der anderen Seite steht m.E. derjenige, welcher am meisten  Schaden an einem starken US-Dollar nimmt, nämlich  China.

Die EZB oder Herr Draghi haben Interesse an einem starken US$ bzw. schwachen Euro, um die Exporte der europäischen Länder zu forcieren. Der Fehler dieser Strategie ist jedoch, dass nur wenige exportstarke Euroländer davon profitieren. Die Problemländer allerdings, welche sowieso kaum starke Exporte aufzuweisen haben, leiden eher darunter, da sich z.B. die wichtigen Ölimporte dadurch verteuern. Momentan wird das abgemildert durch den fallenden Ölpreis, sollte dieser aber wieder steigen, ist das Fiasko dieser Problemländer  perfekt.

Die USA bzw. die FED haben Interesse an einem starken US-Dollar, da sich dadurch die Importe (i.W. Grundstoffe) für die USA verbilligen bzw. damit der Aufwand für Waren und Grundstoffe für  Industrie und damit dem Konsum geringer werden, die Wirtschaft damit einen wichtigen Bypass bekommt. Der Export verschlechtert sich dadurch zwar erheblich, die USA waren aber noch nie ein großes Exportland. so dass die Abwägung deshalb zugunsten eines stärkeren US-Dollars ausgefallen ist.

Die USA im Besonderen verfolgen damit nicht nur wirtschaftspolitische Interessen sondern auch geopolitische. Geschwächt wird mit einem starken US Dollar vor allem die Exportstärke von China, welche mit der damit  erreichten Finanzkraft  zunehmend als Weltmacht auftritt. Dies läuft allerdings den machtpolitischen Interesse der USA zuwider.

Diese Exportstärke und  damit Finanzkraft konnte China u.a. aufgrund eines billigen Angebots von Waren aller Art erreichen, mit der es zur Werkbank der Welt avancierte und diese mit Waren aller Art überschwemmte. Diese Stärke basierte nicht nur auf den niedrigen Löhnen in China, sondern auch auf einen schwachen US-Dollar, da sämtliche Exportgüter aus China in US-Dollar fakturiert werden und damit zudem auf dem Weltmarkt preiswert angeboten werden konnten. Folge hieraus war einer gigantischen Anhäufung von  Devisenreserven mit weit über einer Billion US$.

Diese gigantische Finanzmacht ließ eine gewaltige Militärmacht  in erheblicher Konkurrenz zu den USA entstehen. Was liegt daher näher, als dieser Finanzkraft den Boden zu entziehen durch einen höher bewerteten US- Dollar.

Erste Anzeichen dieser Politik machen sich in China bereits bemerkbar. Die bisher gewohnten zweistelligen Zuwachsraten in China haben sich in einstellige reduziert. Auswirkungen hieraus können an den ekstatischen Kursverläufen der chinesischen Börsen abgelesen werden.

Seit dem der US-Dollar immer stärker wurde, ging die Exportstärke aus China sukzessive zurück, so dass die Vermutung naheliegt, dass China mit US$-Verkäufen , d.h. Einsatz ihrer hohen US$-Reserven zunehmend auf dem Markt als US-Dollar-Verkäufer auftritt. Die volatilen Kursausschläge sprechen m.E. dafür.

Unterstützt wird diese Strategie durch die neue Funktion des Euros als Finanzierungswährung aufgrund der vermaledeiten Niedrigzinspolitik des Herrn Draghi, welche zudem bei Rückführungen von Euro-Krediten durch Kauf von Euros unterstützt wird. Allerdings könnte das zunehmend auch zu einem weiteren Verfall des Euros führen, da dadurch eine Kreditaufnahme sukzessive billiger wird und die bisherigen Kreditnehmer kein Interesse an einem Anstieg des Euros haben.

Fazit:

Ob dies ausreicht, den US-Dollar wieder schwächer zu machen, bleibt fraglich, allerdings kann  keiner vorhersehen, wie sich der US-Dollar-Kurs dadurch entwickelt. Es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass die Griechenland-Krise ein weiterer Umstand sein wird, den Euro-Kurs weiter zu drücken. Außerdem flammen in der Ukraine wieder die Kämpfe auf, die USA will in dieser Krisenregion  Soldaten stationieren usw. usw. Der US$ war schon immer eine Kriegswährung, d.h. wenn es brenzlig wird, steigt der US- Dollar noch zusätzlich.

Eine weitere Unbekannte wird die Absicht der FED bleiben, ob und wann und wie sie gedenkt, die Zinsen in den USA leicht anzuheben. Dieser Vorgang wird den US- Dollar zusätzlich volatil machen, aber eher dafür sorgen, dass er noch stärker wird, da Anlagen in US-Dollar dadurch attraktiver werden.

Prognosen von einer Parität zum Euro, sogar ein Kurs von EUR/US$ von  0,80 machen die Runde. Ob sich diese Kurse lange halten, muss abgewartet werden, allerdings hat eines die Wirtschaftsgeschichte gezeigt, dass nichts so bleibt, wie es ist.

10. August 2015

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

 

 

Teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.