Weltweites Wachstumsmodell gleicht einem Kartenhaus

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Ein Beitrag von Ottmar Beck, Alltrust AG, Schweiz

Sehr geehrter Herr Emde,

wegen der rekordniedrigen Zinsen können sich die meisten Staaten dieser Welt ihre gigantischen Schuldenberge leisten. Claudio Borio, Chefvolkswirt der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), warnt vor einem auf Schulden basierenden Wachstumsmodell, das immer instabiler wird und letztlich einem Kartenhaus gleicht. Jetzt ist auch China mit einer weiteren Zinssenkung auf dieses Modell eingeschwenkt. Trotzdem: Allein die Sozialausgaben und die für zugesagte Pensionen nicht zurückgestellten Gelder werden weltweit die Staatsschulden in den nächsten Jahren weiter massiv steigen lassen.

Immer wieder versuchen die Regierenden, uns mit guten Wirtschaftszahlen zu beruhigen. Im letzten Monat kamen aus den USA wieder gute Nachrichten. Die Erholung der Wirtschaft wird dort an der Entwicklung der Arbeitslosenrate U.3 aufgezeigt. Diese lag nur noch bei 5,3 Prozent. U.3 enthält aber nur die Arbeitslosen, die sich aktiv in den letzten vier Wochen um eine Stelle bemüht haben. U.6, eine Zahl über die selten geredet wird, schließt auch die entmutigten Arbeitssuchenden ein, die seit einem Jahr aus dem Suchprozess herausgefallen sind. Diese Zahl liegt schon doppelt so hoch, bei ca. 10 Prozent. John Williams, der eine Statistik herausgibt, die nach der Methode von 1994 die offizielle Arbeitslosenzahl der USA misst, kommt für Juli 2015 auf eine Arbeitslosenquote von 23 Prozent. Wo die wirkliche Zahl liegt? Wer weiß das schon! Aber haben Sie jemals eine Regierung gesehen, die nicht lügt? Ich nicht.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) nach Shiller hat sich trotz des Crashs in der letzten Woche gegenüber dem Jahresende 2014 nicht wesentlich verändert. Es beträgt immer noch gefährliche 24,9. Letztendlich zählt bei einem Investment immer der Wert. Ist das KGV zu hoch, kommt die Ernüchterung. Die besten Ergebnisse erzielen wir beim Kauf zu einem niedrigen KGV. Das ist allerdings eine Binsenweisheit. Auch bei den in den letzten vierzehn Tagen erfolgten Kursrückgängen sind die heutigen KGVs immer noch zu hoch. Sie müssten in Zukunft durch noch bessere fundamentale Daten gerechtfertigt werden. Damit der Gewinn von Unternehmen in Zukunft gesund wachsen kann, muss die Weltwirtschaft wachsen. Nur dann werden die Gewinne und damit auch die Dividendenausschüttungen der Unternehmen weiter steigen und wir werden zu vernünftigen Bewertungen zurückkehren. Die andere Alternative ist natürlich ein weiterer starker Einbruch der Kurse.

China war in den letzten fünf Jahren die Lokomotive der Weltwirtschaft. Aber China hat sich als Riese auf tönernen Füßen entpuppt. Denn das Wachstum der letzten Jahre beruhte zum großen Teil auf Pump. Zwischen 2008 und 2013 ist die Schuldenlast des Staats- und Unternehmenssektors um 80 Prozent gestiegen und beträgt aktuell 300 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Inzwischen wächst die Wirtschaft, sofern man den Zahlen trauen kann, langsamer als in den letzten zwanzig Jahren. Der chinesische Aktienmarkt ist in gerade einmal siebzehn Tagen um 18 Prozent abgestürzt. Die Autoverkäufe sind um 7 Prozent gefallen und die Luxushersteller klagen über deutliche Umsatzrückgänge. Jetzt hat China den Yuan abgewertet, um den Export zu fördern, denn seine Exporte sind in US-Dollar gerechnet um 8,3 Prozent gegenüber Juli 2014 gefallen.

Wie schon oft geschrieben, befinden wir uns in einem Währungskrieg. Gegenüber dem US-Dollar sind

  • der japanische Yen um 15 Prozent
  • der Euro um 18 %
  • der australische Dollar um 23%,
  • der kanadische Dollar um 12%,
  • der neuseeländische Dollar um 21 % und
  • der brasilianische Real um 36 % gefallen

Japan und Europa schwächen ihre Währungen, um der lokalen Wirtschaft zu helfen – zumindest in der Theorie. In der Praxis ist es ziemlich nutzlos, wenn alle Länder zur selben Zeit das Gleiche versuchen. Auch wird bei diesen Zahlen deutlich, dass eine Abwertung des Yuan gegenüber dem US-Dollar von 3 Prozent bedeutungslos ist. Die Aufwertung des US-Dollars hat dazu geführt, dass seit Mitte 2014, laut neuesten Schätzungen, die 19 größten Schwellenländer einen Kapitalabfluss von 1.000 Milliarden US-Dollar zu verkraften hatten. In den fünf Jahren zuvor sollen ihnen allerdings 2.000 Milliarden zugeflossen sein. Das sinkende Vertrauen in die Schwellenländermärkte, für das sowohl wirtschaftliche als auch politische Gründe sprechen, kann in denselben eskalierenden Absatzzyklus wie vor bald zwanzig Jahren münden. In der Vergangenheit ist der US-Dollar bei Tumulten an den Wertpapiermärkten immer gestiegen. Diesmal haben wir wegen der schon erfolgten Aufwertung und der Spekulation,  dass die Zinswende in den USA doch nicht kommt, das Gegenteil erlebt. Diese Gegenbewegung wird sich wieder beruhigen. Deswegen halten wir weiter unsere Positionen in US-Dollar.

Prognosen sind selten richtig. Aber die Stiftung Weltbevölkerung in Hannover hat uns in wenigen Zahlen, in meinen Augen, zwei der wichtigsten Informationen für Investitionen in die Zukunft zusammengestellt. Erstens: In 35 Jahren werden weltweit zwei Drittel der Menschen nicht in einem Dorf, sondern in der Stadt leben. Zweitens: Wenn die Welt ein Dorf mit 100 Bewohnern wäre, dann sind von ihnen heute zehn Europäer, 15 Afrikaner und 60 Asiaten. Im Jahr 2050 hätte das Dorf schon 134 Bewohner. Davon wären noch immer zehn Europäer. Aber es gäbe inzwischen 33 Afrikaner und 73 Asiaten. Bei dieser heute schon demografisch zu ermittelnden Bevölkerungsentwicklung: Wo oder in welche Unternehmen würden Sie Ihr Geld investieren?

Im letzten Monat haben unsere Sicherungsinstrumente teilweise die Verluste der Aktienpositionen ausgeglichen. Allerdings sind, die auch als Absicherung gedachten Goldminenaktien, nach einem kurzen Anstieg wieder auf das alte tiefe Niveau gefallen. Sollte der Abwertungswettbewerb der Fiat-Währungen, die nur aufgrund des Vertrauens in ihre Notenbanken existieren, weitergehen, wird die Währung Gold massiv an Vertrauen und damit an Wert gewinnen. Zwar werden im Rahmen eines Aktienmarkt-Crashs auch die Goldminenaktien im ersten Moment an Wert verlieren, diesen Wertverlust jedoch schnell wieder auffangen, wenn sich der Goldpreis entsprechend nach oben bewegt. Es muss aber immer wieder betont werden, dass Gold kein kurzfristiger Schutz ist. Gold oder Goldminenaktien sind nur eine Versicherung gegen ernsthafte Verwerfungen im Geldsystem. Wie üblich bei Versicherungen gibt es oft gar nichts oder am Ende eine große Auszahlung. Deswegen bleiben wir bei einer Beimischung von 10 Prozent im Portfolio.

Im Moment strapaziert die Börse die Nerven und kostet Geld. Das gilt vor allem dann, wenn das Vermögen einseitig strukturiert ist. Obwohl es Tage gibt – wie letzten Montag –, an denen alles fällt, macht ein diversifiziertes Portfolio, dessen Aufstellung regelmäßig angepasst wird, Sinn. Wir bleiben bei unserer Aufstellung.

Mit freundlichen Grüßen

Ottmar Beck

PS: Das ist Enteignung! Seit dem 1. Januar 2015 gibt es in Deutschland das „Sanierungs- und Abwicklungsgesetz“. Es ermächtigt die Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung bei systemrelevanten Banken sämtliche Einlagen von mehr als 100.000 Euro ohne Ankündigung und auf einen Schlag zu konfiszierten, wenn ein Institut auch nur den Anschein erweckt, in einer Schieflage zu stecken.

Wertentwicklung Depot Alltrust 2015:

3-Säulen-Portfolio: -0,54 %,

Benchmark (50 % Aktien/50 % Obligationen): 3,38 %

Benchmark (25 % Aktien/25 % Rohstoffaktien/50 % Obligationen): -3,97 %

Diese Veröffentlichung dient ausschließlich der Information und stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zur Abgabe von Kauf-, Verkaufs- oder Zeichnungsaufträgen dar. Alle Informationen beruhen auf Quellen, die wir als zuverlässig erachten. Sie dienen lediglich der Information und begründen kein Haftungsobligo. Anlagen können plötzlichen und erheblichen Wertverlusten unterworfen sein, mit der Folge, dass der Anleger möglicherweise nicht den investierten Gesamtbetrag zurückerhält. Bei Aktien bestehen gegenüber festverzinslichen Wertpapieren neben höheren Renditechancen auch wesentlich größere Risiken; ein Totalverlust kann nicht ausgeschlossen werden. Die individuellen Anlageziele, die Finanzlage oder die besonderen Bedürfnisse einzelner Empfänger wurden nicht berücksichtigt.

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