Zertifikatecrash?

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Betrachtet man die Dax-Kurve der letzten  Wochen, insbesondere der letzten 14 Tage, so fallen einem stark fallende, aber auch wieder stark steigende Zacken = Kurven auf, und das in der Urlaubszeit, in welcher die Handelsaktivitäten traditionell eingeschränkt sind.  Begründet wird das mit der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung in China, diese war aber schon seit Monaten bekannt.

Warum aber nun diese hektischen Kurven nach oben und nach unten? Wurden damit Interessen der Finanzwirtschaft begünstigt oder benachteiligt?

Es scheint mir, dass damit sich ein Spiel fortsetzt, welches beim Euribor, beim Devisenhandel und vielen anderen Handelsbereichen / Indices bereits offensichtlich geworden war. Mit diesen hektischen Bewegungen wird ein Marktsegment der Emittenten begünstigt, die mit solchen hektischen Bewegungen nach oben und nach unten eine Menge Geld verdienen.

Es ist der riesige Markt der Zertifikate. Ich möchte hierbei auf meine Ausführungen in diesem Blog unter „STRUKTURIERTE FINANZPRODUKTE“ , Rubrik  Z   verweisen, in welchem ich dieses Anlagesegment sehr kritisch kommentiert habe.

Zertifikate sind Wettscheine und mit so genannten Barrieren versehen,  insbesondere bei Bonus- Zertifikaten, d.h. Kursober- und Kursuntergrenzen, welche bei Erreichen dieser Grenzen meistens negative Auswirkungen für die Besitzer der Zertifikate haben.

Jetzt gibt es im Bereich der Zertifikate-Welt unzählig viele Strukturen und Barriere Bestimmungen, welche bei Erreichen dieser Barrieren entweder den Bonus wegfallen lassen oder im worst case bei Hebel- oder Turbozertifikaten sogar das eingesetzte Kapital des Anlegers ins Nirwana verschwinden lassen.

Was liegt also näher, als diese Barrieren erreichen zu lassen und das mit dem Segen der gesamten Zertifikate-Community.

Lt. Handelsblatt wurden nach Angaben der Börse Stuttgart von den rund  60.000 gelisteten DAX – Bonuszertifikaten bei etwa 10.000 Papieren die Barriere gerissen, d.h. die Inhaber solcher Zertifikate mussten Verluste in unterschiedlichsten Ausprägungen erleiden. Genannt wurden Zertifikate der Commerzbank und der UBS, letztlich dürften aber alle Zertifikate aller Banken davon betroffen sein.

Das war jetzt nur die Börse Stuttgart, der m.W. größte Handelsplatz in Deutschland für solche Wettscheine. Potenziert man das auf ganz Deutschland, Europa, die Wallstreet und damit die USA sowie auf die asiatischen Börsen, welche ebenfalls diesen Sog erlebten, bleibt zu befürchten, dass die Finanzindustrie mit diesem weltweiten Aktiencrash wieder richtig große Kasse machen konnte. Das Gefühl einer breit angelegten Manipulation macht sich breit.

Fazit: Der Verkauf von solch komplexen Wertpapieren ist Bestandteil der neuen Geschäftspolitik der Banken, da das „bread- and butter-business“ der Banken die EZB tot gekauft hat zum Wohle eines neuen Finanzsystems auf der Basis eines räuberischen Investmentbankings (Anmerkung: die Strukturierung von Zertifikaten ist Teil des Investmentbankings)

6. September 2015

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

 

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