Aktienanlage = ETF-Anlage?

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In den ernst zu nehmenden Wirtschaftszeitungen ist derzeit eine eigenartige Koinzidenz von Meinungen in Bezug auf die Aktienanlage festzustellen, welches sich dann sehr schnell als ein Empfehlungsschreiben für ETF`s umwandelt.

So vertrat Frau Jessica Schwarzer vom Handelsblatt, bisher schon bekannt als eine vehemente Verfechterin der Aktienanlage, die Meinung, dass selbst kleine Anleger Aktienanlagen wunderbar durch monatliche Zahlungen von rd. € 25,- über so genannte Aktien-Sparpläne tätigen könnten, und dabei auf lange Sicht den Cost-Average-Effekt (in Baisse-Zeiten würde man mehr Anteile am Fonds bei gleicher monatlicher Bezahlung bekommen) nutzen können.  Dabei empfahl  Sie  einen anscheinend erst kürzlich aufgelegten Aktien-Sparplan der Comdirect.

Bei diesem Aktien-Sparplan der Comdirect (und auch bei vielen anderen solcher Sparpläne) zahlt der Anleger in einen Investmentfonds ein, welcher dafür einen so genannten Ausgabeaufschlag verlangt, welcher an den Vertrieb letztendlich geht, wer immer das ist. Dieser Ausgabeaufschlag, welcher von der comdirect als “Sparplanausführung“ tituliert wird, beträgt 1,5% (max. € 4,90), welches bei der heutigen Zinslandschaft schon sehr ordentlich ist.

Allerdings werden damit nicht nur Aktien gekauft, sondern ETF-Indexfonds (welche?) und ETC`s (Rohstoffe u.ä., aber welche?). Diese strukturierten Mischmasch-Finanzprodukte bedingen weitere Ausgabeaufschläge, wobei die comdirect großzügig darauf einen 50% Discount gewährt, einige sollen sogar gar keine Ausgabeaufschläge verlangen. Betrachtet man aber die gängigen Ausgabeaufschläge der Fonds, welche bei den ETF`s rd. 1,5% bzw. bei den ETC`s  bis zu 5% + x erreichen können und zieht davon jeweils 50% ab, wären die anfänglichen Kostenbelastungen insgesamt schon deutlich über 2% bis etwa 4%.

Bei den Fonds, welche keinen Ausgabeaufschlag verlangen, muss man schon nachdenklich werden, bzw. es tauchen Fragen auf,

  • ob die Fonds vom Markt nicht angenommen werden oder
  • ob die comdirect diesen in den undurchsichtigen Kursen „verwurschtelt“ hat oder
  • ob aufgrund der schlechten Performance über die so genannte Halteprämien die Bank ihren Ertrag zu Lasten des „Sparers“ schöpft.

Nicht zu vergessen hierbei ist das Risiko, welches vom „Sparer“ aufgrund der hohen Komplexität nicht verifiziert werden kann.

Bezüglich der ETF`s bleibt noch zu bemerken, dass die meisten nicht physisch unterlegt sind, sondern synthetisch, d.h. über Derivate.  Sollten nun die Aktienkurse in die Tiefe stürzen und viele ETF-Anleger kalte Füße bekommen, bzw. ihre ETF`s verkaufen, bleibt zu befürchten, dass dann aufgrund der großen Masse an Verkaufsaufträgen die Derivate nicht eingelöst werden können und das Gebilde wunderschön zusammenkracht. Werden Sie eingelöst, mutieren die ETF`s zu Brandbeschleunigern und vertiefen die Baisse.

Ob danach die ETF`s noch einen Wert haben, bleibt dann fraglich und ist ein wesentlicher Nachteil gegenüber direkten Aktienanlagen. Diese fallen in Baisseszenarien zwar ebenfalls in Wert, haben aber den wesentlichen Vorteil, dass sie danach mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder im Wert steigen, vorausgesetzt es sind Aktien von so genannten Blue Chips.

Bei ETF – Anlagen muss auch noch darauf geachtet werden, welcher Index dem ETF zugrunde liegt. In der Bilanz der Deutsche Bank habe ich einmal 162 unterschiedliche Indices auf alle möglichen exotischen Zusammenstellungen gefunden. Wer diese zusammenstellt und ob diese nicht auch irgendwelchen Manipulationen unterliegen, bleibt daher im Raum stehen.

In der FAZ am Sonntag konnte man von Redakteur Dyrk Scherff ähnliche Empfehlungen zu den ETF`s lesen. Auch hier taucht (neben der Consorsbank und DAB Bank) die comdirect und der Sparbeitrag von € 25,- auf. Die Marketingabteilung der comdirect scheint gut gearbeitet zu haben.

Ich gebe beiden Redakteuren Recht, dass man in der Tat  keine Angst vor Aktien haben sollte,  jedoch aber vor strukturierten Finanzprodukten, welche nur den Säckel der Banken füllen zu Lasten des Risikorückens der Anleger. Außerdem haben diese Mischmaschprodukte das Weltfinanzsystem in 2008 schon einmal beinahe kollabieren lassen und es bleibt zu befürchten, dass sich dieses Szenario aufgrund des weiterhin bestehenden riesigen Volumens an strukturierten Finanzprodukten bald wiederholen wird.

Breit gestreute Aktien gehören in ein Depot und sollten der langfristigen Vermögensanlage dienen. Das bedingt aber auch eine langfristige Geduld beim Kauf von Aktien. Denn eines haben uns die letzten Jahrzehnte gelehrt, die Aktien gehen irgendwann wieder in die Knie und bieten dann wunderschöne Kaufgelegenheiten. Momentan sehe ich diese Kaufgelegenheit noch nicht.

21. Februar 2016

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

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