Atomindustrie (EDF) unverschämt

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An der deutschen Grenze zu Frankreich, etwa nur 30 km südwestlich von Freiburg entfernt, steht das mit 40 Jahren älteste Atomkraftwerk Frankreichs in Fessenheim, zudem in einer aktiven Erdbebenzone. Seit Jahren wird die Stilllegung des mit vielen Pannen versehenen Atomkraftwerkes von der deutschen Bundesregierung sowie von zahlreichen Umweltverbänden auf deutscher, französischer und Schweizer Seite gefordert. Selbst der französische Präsident Hollande hat sogar die Schließung dieses Pannenkraftwerkes bis Ende 2016 versprochen, geschehen ist bisher aber noch nichts. Nun soll jetzt  die französische Umweltministerin Royal die Schließung Fessenheims auf den Weg gebracht haben,

Dagegen sträubt sich der Betreiber EDF seit vielen Jahren gewaltig und will es noch weiter betreiben, bis das neue Atomkraftwerk im nordfranzösischen Flamanville, ebenfalls schon in der Bauphase ein Pannenreaktor, ans Netz geht, welches bei einer Fortsetzung der Pannenserie in Flamanville ein Hinausschieben bis zum St. Nimmerleinstag vermutlich bedeuten wird.  Selbst wenn das Atomkraftwerk jetzt abgeschaltet werden würde, besteht immer noch die Gefahr der Abklingbecken, d.h. die atomaren Brennstäbe müssten noch jahrelang gekühlt werden, bis sie dann endgültig gelagert werden können und bekanntlich haben diese Abklingbecken in Fukushima ebenfalls zu der dortigen Havarie  aufgrund der nicht mehr möglichen Abkühlung der darin befindlichen Brennstäbe mit beigetragen.

An dieser Verzögerungstaktik von EDF  kann man aber sehen, dass EDF das Risiko für die Bevölkerung völlig schnuppe und nur das momentane Cash aus Fessenheim wichtig ist. Und die Krönung der Unverschämtheit ist die Forderung von EDF an den französischen Staat, für das „vorzeitige“ Schließen von Fessenheim noch eine Entschädigungssumme von € 490 Millionen zu verlangen.

Fessenheim grenzt an eines der stärksten Wirtschaftsgebiete am Oberrhein in Deutschland, welches wichtige Industrien beherbergt und einen maßgeblichen Anteil an der deutschen Wirtschaftsleistung darstellt. Allein im Dreieck Mannheim – Basel – Bodensee werden mehr Waren produziert als in allen fünf neuen Bundesländer zusammen. Nicht zu vergessen ist das starke Wirtschaftsgebiet Elsaß, welches ebenfalls einen wichtigen Baustein im Bruttosozialprodukt von Frankreich ist.

Bei einer nicht mehr auszuschließenden Havarie von Fessenheim würde das aufgrund der vorherrschenden südwestlichen Luftströmung die Verseuchung des gesamten Oberrheins bis Mannheim, wenn nicht sogar bis Frankfurt bedeuten  und damit das Auslöschen einer erheblichen Wirtschaftskraft von Deutschland und Frankreich, bei ungünstigen Witterungsverhältnissen inklusive eines Großteils von Baden-Württemberg. Man denke nur an die Folgen von Tschernobyl, einem  über 1.000 km entfernten havarierten Atommeiler.

Die damit entstehenden gigantischen Kosten der Entschädigung in zweistelliger Billionenhöhe würde weder EDF noch der französische Staat tragen können, die Leidtragenden wären mal wieder die Bürger, welche ihre Gesundheit, ihr aufgebautes Vermögen und somit ihre Existenz inklusive ihrer Zukunftsaussichten verlieren würden, eine gigantische Flüchtlingswelle wäre zudem die Folge.

Normalerweise müsste EDF für solche Fälle eine Rückstellung bilden, bzw. eine entsprechende Haftpflichtversicherung abschließen, für die sich aber sicherlich keine Versicherungsgesellschaft finden lassen wird. Beide Maßnahmen sind daher zu teuer bzw. nicht machbar und würden die Produktion des Atomstroms unrentabel machen, womit grundsätzlich auch die Rentabilität des Atomstroms in Frage gestellt werden muss. Somit wurden diese Probleme einfach unter den Tisch gekehrt nach dem Motto „to big to fail“, die dummen Bürger müssen dann eben die Folgekosten tragen., wie bei den Banken auch.

Kurzum, der größte Umweltverschmutzer will für die Beendigung der Umweltverschmutzung noch eine Entschädigung dafür haben, dass er nicht mehr die Umwelt verschmutzt. Ein Irrsinn!!!

Insgesamt kann man schon jetzt festhalten, dass die Kosten der Stromerzeugung über die 58 Atommeiler in Frankreich künftig enorm sein werden und damit absolut unwirtschaftlich sind. Für das vorgesehene Endlager in Lothringen rechnet man mit Kosten von etwa € 30 Milliarden. Ausgelegt soll dieses Endlager für 100 bis max 140 Jahre sein, letztlich ein Witz, wenn die Überwachung dieses gefährlichen Atommülls etwa mehr als eine Million Jahre bis zu dessen Ungefährlichkeit beanspruchen soll.  Was ist dann nach diesen 100 bzw. 140 Jahren? Wer trägt diese Folgekosten? EDF? Gibt es die in 100 bis 140 Jahren noch? Sollte nur einer der 58 Atommeiler havarieren, müsste dieses Unternehmen aufgrund der immensen  Schadensansprüche Insolvenz anmelden. Und dann? Wer trägt die Abbaukosten dieser 58 Atommeiler, sollte der französische Staat sich endlich auch zu einem Ausstieg aus der atomaren Stromerzeugung bekennen, was dringend notwendig ist?

Überträgt man dies auf die über 440 Atommeiler weltweit, kann einem Angst und Bange werden.

Der Umweltverband ” BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein / Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland” hat sich zu zur Strahlungsdauer des Atommüll wie folgt geäußert:

In einem AKW entsteht in einem Jahr pro Megawatt Leistung ca. die kurz- und langlebige Radioaktivität einer Hiroshimabombe. Das heißt: allein im AKW Leibstadt entsteht die Radioaktivität von ca. 1100 Hiroshimabomben. Ein Teil dieser Radioaktivität zerfällt nach relativ kurzer Zeit. Manche radioaktiven Abfälle zerfallen innerhalb weniger Jahre z.B. Krypton-85: Halbwertszeit 10,76 Jahre. Wogegen andere radioaktive Gifte extrem lange Halbwertszeiten aufweisen: z.B. Jod-129: Halbwertszeit 17.000.000 Jahre. Ins Endlager kommt ein “Cocktail” aus vielen verschiedenen radioaktiven Abfallstoffen. Ein atomares Endlager muss also Sicherheit über viele Halbwertszeiten geben, über Zeiträume, die unser Vorstellungsvermögen sprengen. Es fällt schwer, sich die Gefahren und Gefährdungszeiträume von Atommüll vorzustellen.

Halbwertszeiten einiger radioaktiver Nuklide:

Element Formelzeichen Halbwertszeit
Tellur 128Te ca. 7·1024 Jahre (7 Quadrillionen Jahre)
Bismut 209Bi ca. 1,9·1019 Jahre (19 Trillionen Jahre)
Thorium 232Th 14,05 Mrd. Jahre
Uran 238U 4,468 Mrd. Jahre
Uran 235U 704 Mio. Jahre
Plutonium 239Pu 24.110 Jahre
Kohlenstoff 14C 5.730 Jahre
Radium 226Ra 1.602 Jahre
Plutonium 238Pu 87,74 Jahre
Caesium 137Cs 30,2 Jahre
Tritium 3H 12,36 Jahre
Cobalt 60Co 5,3 Jahre
Schwefel 35S 87,5 Tage
Radon 222Rn 3,8 Tage
Francium 223Fr 22 Minuten
Thorium 223Th 0,6 Sekunden
Polonium 212Po 0,3 µs
Beryllium 8Be 9 · 10-17 s (90 Trillionstelsekunden)

Das Aufzeigen allein dieser Punkte veranschaulicht sehr deutlich, wie unlösbar dieses Atomproblem ist, und dass die Herren der Atomindustrie, insbesondere hier der Vorstand von EDF in Frankreich, völlig wider besseres Wissen unverantwortlich mit den eigenen Mitbürgern und den Nachbarn, wenn nicht sogar mit ganz Europa umgeht. Wenn diese Atomindustrie so ungefährlich ist, wie diese Herren immer wieder behaupten, warum bauen sie ihre Villen dann nicht unmittelbar neben einem Atommeiler?

Damit diese Unverantwortlichkeit auch beim Namen genannt werden kann, veröffentlicht dieser Blog die derzeitigen Vorstandsmitglieder von EDF, welche für diese Verzögerung und die Gefährdung von Europa durch das Festhalten an der atomaren Stromerzeugung verantwortlich sind  und zwar wie folgt:

  • Levy, Jean Bernard / Chairman
  • Benayoun, Marc
  • Cahuzac, Antoine
  • Lacour Veronique
  • Laigneau, Marianne
  • Lafontaine, Henri
  • Minière, Dominique
  • Girre, Xavier
  • de Rivaz, Vincent
  • Todorov, Pierre
  • Torrion, Philippe
  • Ursat, Xavier
  • Rossi, Simone
  • Perra, Alexandre

Hinzufügen möchte ich noch die französischen Politiker, da der französische Staat mehr als 80% der Anteile von EDF hält und somit es noch zusätzlich über diese Funktion in der Hand hält, dieser hohen Gefahr für Frankreich und Europa ein Ende zu bereiten.

13. April 2017

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch www.emde-fiveko.de

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