ETF-Commerzbank-Gewurschtel

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Vorab möchte ich auf die diversen Beiträge zu den ETF`s verweisen, in welchen diese hoch riskante Anlageform mehrmals kritisch beleuchtet wurde. Es sind folgende:

  • Indexfonds (ETF`s) und Stiftungen vom 6.1.2015
  • ETF`s die Brandbeschleuniger vom 17.3.2015
  • ETF`s werthaltig? vom 6.12.2015
  • ETF-Anleihen vom 7.8.2016

Nunmehr nimmt das Risikoprodukt ETF denselben Lauf wie die Investmentfonds. Zunächst wurde ein Fonds strukturiert, der sich auf Dax-Aktien beschränkt und evtl. auch erfolgreich war, dann wurde ein Investmentfonds nur für Renten geschaffen, später wurden daraus Mischfonds, welche sich aus Aktien und Renten zusammensetzten, versetzt mit allen möglichen Derivaten, und zuguterletzt kamen findige Investmentbanker auf die Idee, angeblich nur die guten Fonds zu einem weiteren Fonds zusammenzuschmieden, woraus dann die so genannten Dachfonds entstanden. Befand sich dann in einem Vermögensverwaltungsmandat ein solcher Dachfonds, war die Rendite dieses Vermögensverwaltungsmandates letztlich durch drei angefallene Gebühren belastet, nämlich durch die Gebühren des Vermögensverwalters, des Dachfonds und der Fonds, welcher der Dachfonds innehatte. Eine schöne Gelddruckmaschine für die Fondsstrukturierer.

In den Evolutionsphasen dieser Investmentfonds packte man immer mehr Anlageschrott dazu und – damit keiner es merkte – verwurschtelte man diese Fondsgebilde mit  weiteren Fonds, bis zuletzt keiner mehr wusste, welche Risiken diese strukturierten Finanzprodukte enthielten. Das Ergebnis waren dann die Subprimes, die Auslöser der Finanzkrise.

Sehen wir uns nun die Entwicklung der ETF`s an, welche in börsengängiger Form (was heisst das?) von vielen Anlagegurus als der ultimative Anlagetipp gepriesen werden.

Zunächst entwickelte man ein Konstrukt, welches einen bekannten Index wie  den Dow Jones abbildete. Dieses Konstrukt enthielt alle Aktien, aus welchen sich dieser Index  zusammensetzte. Der Kurs dieses Indexfonds stieg und fiel dann wie  der Index stieg und fiel. Für den Anleger zunächst eine feine Sache, da zum einen damit eine automatische Streuung auf unterschiedliche Aktien stattfand und zum anderen die Kosten dieses Indexfonds gegenüber den herkömmlichen Investmentfonds deutlich niedriger waren.

Dem ETF auf den Dow Jones folgten dann ETF`s auf alle anderen bekannten Börsen- Indices und machten somit den Investmentfonds große Konkurrenz. Problem dieser Indexfonds war und ist jedoch, dass die Abbildung eines solchen Fonds durch eine physische Unterlegung dieser Aktien bei hoher Nachfrage nach diesem Indexfonds nicht geleistet werden kann und man daher die physische Unterlegung teilweise durch eine synthetische (über Optionen etc.) Unterlegung ersetzt(e). Bei einem Zusammenbruch des überblähten Derivate-Marktes hätten somit auch die meisten Indexfonds erhebliche Existenzprobleme. Aufgrund der zwischenzeitlich großen Anzahl von Indexfonds muss man daher sogar davon ausgehen, dass die meisten Indexfonds nicht physisch unterlegt sind.

Den Strukturierern der Investmentbanken reichte aber dieser Fokus auf die bekannten Indices nicht aus und schnell erfand man andere Indices, welche Renten und  Branchen abbildeten, sowie große Konzerne, Regionen, Länder, Kontinente und selbst eigen konzipierte Depots mit allen unterschiedlichen Werten rundeten das ETF-Angebot ab. In der Bilanz der Deutschen Bank konnte ich vor Jahren 162 unterschiedliche Indices nachlesen, wobei sofort die Frage auftauchte, wer diese Indices erstellt und letztlich auf ihre Richtigkeit / Seriosität überprüft? Nach den bekannt gewordenen Indices-Manipulationen sicherlich keine unberechtigte Frage.

Der Vorteil dieses damit entstandenen ETF-Mischmasches für die Finanzindustrie war die still und leise einhergehende Unterbringung von Hochrisiken aller Art – ähnlich den Subprimes –  zu Lasten der gutgläubigen Anleger. Besonders bei exotischen Indices aus komplexen Zusammensetzungen muss auch die Frage nach dem richtigen Kursverlauf des jeweiligen Indices gestellt werden.

Die nächste Stufe der ETF – Intransparenz, oder besser gesagt des ETF-Gewurschtels ist nun das Angebot der Commerzbank, Anteile an ETF-Depots, welche sich aus unterschiedlichen ETF`s mit unterschiedlichen Indices  vergleichbar mit den unübersichtlichen und nunmehr nicht mehr verkaufbaren Dachfonds – dem gutgläubigen Anlegerpublikum verkaufen zu wollen. Auch hier taucht dann die Frage nach der Kursbildung auf, welche letztlich nur von der Commerzbank erfolgen kann. Und für diesen hoch risikobehafteten Anlageschrott will sie dann auch noch eine über dem Durchschnitt liegende Gebühr verlangen. Somit würden auch hier wieder doppelte und dreifache Gebühren anfallen und die Rendite an diesem Depot entsprechend einschränken, ganz abgesehen vom Risiko, Kapital zu verlieren.

Somit wiederholt sich auch hier wieder die Geschichte, nur mit anderem Namen und Vorzeichen.

Der risikobewusste Anleger sollte daher die Finger von diesem Anlagegewurschtel lassen.

6. April 2017

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch www.emde-fiveko.de

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