EZB ahnungslos

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Schlagzeile: Die EZB kennt die Risiken der Geldpolitik für Banken (nicht!=Anmerkung des Verfassers)

In der FAZ am Samstag den 30.Juli 2016 konnte man unter der obigen Schlagzeile mit etwas Verwunderung  folgende Äußerungen von Herrn Benoit Coeuré, Mitglied des Direktoriums  der EZB und somit ein Schwergewicht im Zentralbankrat, lesen:

  • „Wir(die EZB) sind uns die Risiken bewusst“, womit er die Gefährdung der Geschäftsmodelle  von Banken und anderer Finanzhäuser und deren Unterminierung und damit die Finanzstabilität durch die expansive Geldpolitik der EZB inklusive den Negativzins meinte.
  • Er wies die Behauptung zurück, die Geldpolitik schädige bereits die Banken im Euroraum. Schätzungen, wohl gemerkt Schätzungen der EZB-Experten würden zeigen, dass die Wirkung der jüngsten geldpolitischen Maßnahmen auf die Rentabilität der Banken insgesamt positiv sei im Vergleich zu einem Szenario, in dem die Geldpolitik nichts unternommen hätte.
  • Fallende Zinserträge und negative Einlagenzinsen setzen die Rentabilität von Banken zwar unter Druck, es gäbe aber auch zwei starke positive Effekte niedriger Zinsen.
  • Erstens verbessern die niedrigen Zinsen das gesamtwirtschaftliche Umfeld, was die Ausfallrisiken  von Unternehmenskrediten  reduziert und zu einer besseren Kreditqualität führt und
  • zweitens führen niedrige Zinsen zu Kursgewinnen auf die Anleihebestände der Banken

Anmerkungen des Verfassers: Die meisten Banken haben vier wesentliche Ertragsquellen, das ist das Einlagengeschäft, das Kreditgeschäft, das Provisionsgeschäft und die Vermögensverwaltung. Das Investmentbanking tangiert hauptsächlich das Provisionsgeschäft und die Vermögensverwaltung.

Diese vier Bereiche der Banken haben derzeit enorme Probleme, Erträge zu erwirtschaften (von wegen “positive Effekte”).

Das wichtige Einlagengeschäft ist durch die fragliche Negativzinspolitik der EZB weggefallen. Daraufhin haben sich alle Banken auf das Kreditgeschäft, das eigentlich Basisgeschäft der Kreditinstitute, gestürzt mit der Folge einer erheblichen Schrumpfung der Kreditmargen. Außerdem sind die Banken dadurch gezwungen, Bonitäts- und Refinanzierungsrisiken einzugehen, welches erfahrungsgemäß zu künftigen Wertberichtigungen führen wird, trotz aller Regulierungen der EZB-Bankenaufsicht.

Das Provisionsgeschäft, welches aus den Bereichen Zahlungsverkehr, Wertpapier- und Auslandsgeschäft und Wertpapierberatung sowie teilweise aus dem Investmentbanking gespeist wird, erlebt ebenfalls einen erheblichen Ertragsrückgang aus vielerlei Gründen. Im In- und Auslandszahlungsverkehr ist es die Digitalisierung und online-Abwicklung der Zahlungsvorgänge mit der Folge dadurch niedriger Gebühren. Im Wertpapiergeschäft lassen die niedrigen Renditen insbesondere der Anleihen keine  profitablen Kauf- und Verkaufsprovisionen mehr zu, geschweige denn eine auskömmliche Depotgebühr. Und beim Verkauf der strukturierten Finanzprodukte setzen sich die Banken aufgrund der Intransparenz und des Betrugscharakters dieser Produkte, welche zu absehbaren Verlusten dieser Spekulationspapiere führen werden,  somit erheblichen Regressansprüchen aus. Ganz zu schweigen vom Investmentbanking, welches bei vielen Großbanken auf der Welt mit starken Bezug zum  Investmentbanking (Deutsche Bank etc.) zu zahlreichen Prozessen und Strafzahlungen geführt hat.

Auf die Vermögensverwaltung stürzen sich ebenfalls verstärkt ebenfalls alle Banken als Stein der Weisen oder Rettungsanker mit der Folge auch hier fallender Margen und sich künftig ergebender nicht ausbleibender Regressansprüche, da auch hier Verluste absehbar sind mit den von der EZB übrig gelassenen Anlagemöglichkeiten oder es wird spekuliert auf Teufel komm raus und solche Spekulationen sind nie gut ausgegangen.

Vergleichbar ist dieser Zustand mit einem Auto, bei dem sich ein Rad von vieren gelöst hat und die verbleibenden drei Räder einen Platten haben.  Ganz schlaue Kommentatoren meinen jetzt, mit einer Fortschreibung der Bankenunion und größeren Banken könnte man diesen Zustand beheben. Frage ist nur, ob einem LKW mit dem gleichen Reifenzustand besser fährt?  Sicherlich nicht!

Außerdem vergessen diese Schlaumeier, dass dann die verbleibenden Banken neben der erheblichen Marktmacht, die uns allen teuer zu stehen bekommt, auch eine politische Macht erhalten, welche nicht demokratisch legitimiert ist und diesen keinesfalls  zusteht.

Die Äußerungen von Herrn Coeuré scheinen daher aus dem Elfenbeinturm der EZB in Frankfurt  zu kommen und haben mit der Realität nichts zu tun. Diese katastrophale Geldpolitik u.a. mit ansteigenden Kursen der Anleihebestände der Banken zu begründen ist abenteuerlich, zumal solche Kursgewinne relativ schnell wieder zusammenschmelzen können. Gehört die Spekulation jetzt zum Bankgeschäft?

Betrachtet man den Lebenslauf von Herrn Coeuré, fällt einem auf, dass er letztlich eine politische Karriere durchlaufen hat, jedoch ohne direkten Bezug zum Bankgeschäft, dieses somit nur aus der Theorie kennt, wie leider der überaus größte Anteil der Zentralbankmitglieder (siehe Beitrag vom 8.11.2015 „Fachexpertise Zentralbankrat“). Man muss sich daher schon fragen, ob hier Dilettanten am Werk sind, welches  erschreckende Ahnungslosigkeit der EZB begründen könnte

Bei dieser Gemengelage wird ganz vergessen, dass es neben den Banken auch Anleger gibt, insbesondere auch ältere Anleger, welche sich aufgrund ihres Alters auf keinerlei Spekulationen mehr einlassen können, bzw. im Alter vom hart erarbeiteten Vermögen, angelegt in Wertpapieren, abhängig sind. Wie sollen sie diese fällig gewordenen Papiere wieder anlegen?

Aktien künstlich hoch gejubelt und zu volatil, Renten rentieren negativ, strukturierte Finanzprodukte beinhalten hohe Risiken bzw. erlauben es den Banken, ihre Risiken darin zu verstecken, womit grundsätzlich Verluste vorgezeichnet sind.

Also was soll ein solcher Anleger heute tun. Letztlich bleibt neben den derzeit teuren Immobilien und dem volatilen Gold nur das Bunkern der Liquidität auf den Bankkonten übrig. Diese Liquidität wird aber ab gewissen Größen (die auch fallen werden) schon durch den Negativzins sukzessive aufgezehrt und wenn das nicht hilft, hat die Politik über die Festlegung der Haftungskaskade schon dafür gesorgt, dass auch dieses Vermögen ab € 100.000 ins Nirwana verschwindet und wenn das dann immer noch nicht den Banken  hilft, wird diese Grenze per Dekret einfach auf € 50.000 plus minus gesenkt.

Herr Coeuré meinte auch, dass es schlimmer geworden wäre, wenn die EZB nichts unternommen hätte. Sicherlich wäre es schlimm geworden, dann wären aber die Märkte wieder bereinigt gewesen und hätten mit voller Kraft nach vorne schauen können. Jetzt aber sind und bleiben die Märkte verunsichert und leben von der Droge der expansiven Geldpolitik. Das jeder Drogenkonsum ein Ende hat, weiß inzwischen jedes kleines Kind, die EZB-Oberen anscheinend nicht.

2.August 2016

Elmar Emde

Autor des Buches „Die strukturierte Ausbeutung“

Siehe auch www.emde-fiveko.de

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