EZB-Inflationsdefinition, Mittel zum Zweck

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Der Anstieg der Verbraucherpreise (inkl. Energiepreise) in Deutschland vom November 2016  bis Dezember 2016, also nur in einem Monat,  um 0,9% auf 1,7% ist hauptsächlich auf die deutliche Verteuerung des Öls zum einen wegen des Ölpreisanstiegs an sich  und – da in US$ quotiert wird – wegen des zusätzlich deutlich angestiegenen US- Dollars nach der überraschenden (und für mich unverständlichen) Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zurückzuführen.

Diese Inflationsentwicklung macht wiederum deutlich, wie unsinnig die Geldpolitik der EZB ist und war. Was hat dieser „what ever it takes“-Präsident in den letzten 2 Jahren  nicht alles gemacht, um die Inflation in Richtung 2% zu bewegen, wobei man sich dabei schon die Frage stellen muss, ob eine Zentralbank ihre Hauptaufgabe in der Inflationsbekämpfung oder in der Inflationsförderung  sieht.

Letztlich ist dieser drastische Anstieg der Verbraucherpreise eine extreme Blamage für diesen Herrn Draghi und seinem politisch zusammengesetzten Zentralbankrat ohne entsprechender Wirtschaftsexpertise. Weder hat der Aufkauf nahezu sämtlicher guter Staats- und Unternehmensanleihen noch die Überflutung der Märkte mit Liquidität noch die Einführung des Negativzinses zu der gewünschten  Inflationsentwicklung beigetragen. Diese Geldpolitik wurde von sehr vielen namhaften Ökonomen stets kritisiert, leider haben sie aber kein Gehör fanden.

Man muss sich daher schon die Frage stellen, warum dieser Herr Draghi dann so eine Geldpolitik einführte bzw. bewußt forcierte und damit zum einen die Märkte ausgehebelt durcheinander brachte und zum anderen sämtliche geldpolitischen Pfeile verschoss und somit für weitere Krisen nichts mehr in seinem Köcher hat.

Wie schon mehrmals in diesem Blog dargelegt, kann nur die Antwort lauten, dass Herr Draghi ein anderes Wirtschaftssystem, nämlich ein solches auf der Basis des Investmentbankings, mit aller Macht fördern möchte und daher „whatever it takes“ – alles daran setzt, dieses Ziel zu erreichen. Das erinnert an einen Spieler, der alles auf eine Karte setzt zwecks Erreichung des maximalen Gewinns. Investmentbanker sind Spieler, Herr Draghi und sein oberster Bankenaufseher in der Deutschen Bundesbank, Herr Dombret, sind Investmentbanker.

Sicherlich spielt auch seine Sympathie für die schwachen Südländer eine Rolle und die Angst vor dortigen höheren Zinsen. Aber solche haben diesen Ländern in der Vergangenheit mit zweistelligen Prozentsätzen auch schon verbucht und nicht in die Knie gezwungen.

Die Finanzwelt auf Basis des Investmentbankings sieht keinerlei direkte und sichere Anlagemöglichkeiten mehr vor, sondern nur in Form von intransparenten strukturierten Finanzprodukten, in welchen man sämtliche hohe Risiken der Welt in den Anlageklassen  „Alternative Anlagen“ verstecken kann. Das wäre dann ein System, in welchem man die breite Masse der Anleger abzocken, ausbeuten und um es mit der Fäkalsprache noch zu beschreiben, bescheißen kann, sorry dafür!

Das bedeutet dann nur noch das Angebot von intransparenten Investmentfonds unterschiedlichster Prägung auf Basis von unterschiedlichen Basiswerten, seien es Aktien, Anleihen, Immobilien, Derivate komplexester Art, ETF`s auf wiederum unterschiedlichste Basiswerte oder ein Mischmasch – auch Diversifikation genannt –  daraus oder Zertifikate zwecks Absicherung von großen Depots, welche von den Investmentbankern strukturiert werden und ihnen hohe Provisionseinnahmen sichern. Durch den Aufkauf der guten Anleihen (jedoch keine Bankanleihen, die sieht die EZB als oberster Bankenaufseher vermutlich als zu risikoreich an) durch die EZB verbleiben für die Anleger letztlich nur noch die risikoreichen direkten Anlagen oder die oben beschriebenen strukturierten Finanzprodukte.

Das sind nur ganz grob die wesentlichsten strukturierten Anlageformen, zwischenzeitlich haben allein die genannten  längst die Millionenzahl überschritten und sind daher nicht mehr verifizierbar.

Verwunderlich ist es nur, dass die Wirtschaftspresse diesem Treiben kritiklos zusieht und sich sogar zu dieser Entwicklung in Richtung Investmentbanking noch missbrauchen lässt. Bestes Beispiel ist der heutige Presseartikel des Herr Stocker in der „Welt am Sonntag“ mit der Überschrift „Das große Fressen“, womit das „Auffressen“ der Spareinlagen durch die nun angestiegene Inflation vs. Nullzinsen gemeint ist.

In diesem Artikel werden diverse Vorschläge unterbreitet, wie man dieser Entwicklung entgehen kann, allerdings sind das alles Vorschläge von Produkten, welche die Investmentbanker strukturieren und zwar wie folgt:

Aktien:

Natürlich, wie könnte es anders sein, die werden jetzt bei den derzeitigen Höchstständen sowohl von allen Banken als auch von vielen Wirtschaftsjournalisten empfohlen, aber keine Einzelaktien, von denen rät Herr Stocker ab (siehe unten). Als Begründung für eine Aktienanlage kann man immer wieder die ollen Kammellen lesen,nämlich, dass Sie in den letzten Jahrzehnten trotz der vielen Crashs im Durchschnitt gestiegen sind. Die Frage ist nur, zu welchem Zeitpunkt man eingestiegen  ist. War das bei den Höchstständen, so wie jetzt, stimmt diese Rechnung nicht mehr und der Anleger muss Jahre wenn nicht sogar Jahrzehnte warten, bis er seinen Einstandskurs wieder findet. Bestes Beispiel ist die Allianz Aktie, welche Anfang 2000 einen Kurs von nahezu € 400 vermelden konnte, dann aber auf unter € 40 rutschte und sich jetzt bei € 160 bewegt, und das nach 16 Jahren.

Außerdem sind Aktien nicht gleich Aktien. Eine Wertung der Aktien nach Bonität wurde hier unterlassen. Herr Stocker hätte zur Richtigstellung seiner These die Bonität der Aktiengesellschaft zumindest im Rating A-Bereich erwähnen sollen, denn diese werden nach einem Crash, der alle Aktien in ihrem Kurs nach unten führen wird, sicherlich wieder ansteigen, was dann allerdings auch Jahrzehnte dauern kann, wie an der Allianz-Aktie festgestellt werden kann.

Vermutlich vertraut Herr Stocker auf die “Diversifikation” in den entsprechenden Fonds auf Aktienbasis, welche auch schlechtere Bonitäten zulassen und womit man diese Bonitäts-Betrachtungsweise zurückstellen kann. Das hat sich im Übrigen bei den US-Hypothekenanleihen in 2008 bitter gerächt.

Aktienanlage ja, aber nicht zum jetzigen Zeitpunkt und dann als Einzelaktie und dann bei einer langfristig vorgesehenen Anlage nur in so genannte „blue chips“, d.h. Aktiengesellschaften mit mindestens einem A-Rating von  Standard & Poor oder Moody`s. Solche Aktien kann man dann auch langfristig liegen lassen und deren Entwicklung besser verifizieren und abwarten. Diese werden nicht immer nur steigen und nur eine der jetzigen Krisen der Welt könnte wiederum zu einer Weltwirtschaftskrise führen und somit zu einen enormen Aktiencrash. Nach diesem Gewitter wird es immer wieder Sonnenschein geben und somit einen Anstieg dieser Einzelaktien. Ob strukturierte Finanzprodukte mit ihrem Mischmasch  solche Aktiencrashs überleben, bleibt dahin gestellt.

Strukturierte Finanzprodukte:

Lt. Herrn Stocker sollten – wie schon dargelegt – Sparer Einzelaktien jedoch meiden, dafür aber in einen langfristigen

ETF-Sparplan

investieren. Diese Form der Anlage in ETF`s habe ich in einigen Beiträgen bereits heftig kritisiert (siehe unter „Strukturierte Finanzprodukte“ Buchstabe „E“) und können sich zu Brandbeschleunigern in einem Crash-Szenario entwickeln. Gleichzeitig weist Herr Stocker auf ein Verbraucherportal hin, welches mit mehr als  350 ETF`s die größte Auswahl an kostenlosen Sparplänen bietet.

Da ETF`s als Basiswert einen Index zugrunde legen, könnte das jetzt bedeuten, dass dieses Portal ETF`s mit 350 unterschiedlichsten Indices anbietet. Das könnten beispielsweise sein

  • ETF`s auf Branchenindices (z.B. branchenbezogene Sub-Indices der bekannten Aktienindices)
  • ETF`s auf Regionenindices, d.h. Indices, die sich auf Wirtschaftsregionen beziehen (darunter ETF`s auf Emerging Markets)
  • ETF`s auf so genannte Strategieindices (Vielzahl sehr spezialisierter und dabei sehr unterschiedlicher, meist aktienbezogener Indices /Abgrenzung zu anderen Indextypen somit nicht eindeutig)
  • ETF`s, die sich auf Indices sehr spezialisierrter Branchen beziehen (z.B. auf erneuerbare Energie wie den ÖkoDax)
  • ETF`s auf Indices, deren Zusammensetzung den Gewichtungen sich nach Fundamentaldaten (z.B. FTSE-RAFI-Indices oder solche, die versuchen, Substanzwerte oder Wachstumswerte zu selektieren) oder der Dividendenrendite (z.B. DivDAX) bestimmt
  • ETF`s auf Indices, die bestimmte Handelsstrategien nachbilden, wie z.B. solche, die Shortpositionen, gehebelte Positionen und Optionsstrategien nachbilden.
  • usw. usw. Letztlich sind das schwer nachzuvollziehende Indices und Wetten mit der schönen Verpackung „Diversifikation“. Sollten wir wiederum einen Finanzcrash erleben – wovon auszugehen ist – bin ich gespannt, ob der Sparer dann sein Geld, gerechnet auf eine Zusammenstellung von Aktien, welche größtenteils wiederum über Optionen synthetisch dargestellt werden, zurück bekommt.

Kurzum, das ist alles strukturierter Mischmasch, bei dem die Verifizierung  bei den unterschiedlichsten und sehr exotischen Indices äußerst schwer fällt und man mit Misstrauen belegen sollte, insbesondere nachdem die wichtigsten Indices, der LIBOR und der EURIBOR manipuliert worden waren. Ob man solchen Mischmasch den Sparern nahelegen sollte, ist meines Erachtens fraglich. Außerdem sind diese Fonds in den wenigsten Fällen kostenlos bzw. der Ausgabeaufschlag wird dann eben über den Kurs verarbeitet. Und langfristige Sparverträge haben den Nachteil, dass bei jeder monatlichen Sparleistung die Bank mitverdient und dem Sparer eine Verifizierung seiner Anlage schwer fällt.

Ein weiterer Vorschlag war die Anlage in einen

offenen Investmentfonds,

mal wieder. Hierzu gibt es in diesem Blog ebenfalls einen kritischen Beitrag (siehe unter „Strukturierte Finanzprodukte“ Buchstabe „I“). Dieser darin fixierten Kritik möchte ich noch hinzufügen, dass die dortigen Fondsmanager nicht immer ein glückliches Händchen haben sowohl bei der Auswahl der Immobilien als auch bei der Auswahl der Finanzierung, z. T. auch in Fremdwährungen mit Schweizer Franken. Ich möchte nur daran erinnern, dass vor einigen Jahren um die neun offenen Immobilienfonds von bekannten und ehemals seriösen Initiatoren geschlossen werden mussten und nunmehr viele Anleger sehr viel Geld verloren haben, ganz zu schweigen von den dadurch entstandenen Liquiditätsnöten dieser Anleger.

Besser ist eine eigene und selbst bewohnte Immobilie, welches in meinen Augen die beste Altersvorsorge ist.

Den sonstigen von Herrn Stocker geäußerten Vorsichtsmaßnahmen kann ich nur zustimmen.

Warum kann man nicht einmal lesen, dass man sein Cash zunächst zurück halten sollte, um eine bessere Anlagemöglichkeit abzuwarten. Ein guter Jäger geht auch nicht wild um sich schießend in den Wald und erlegt jedes sich ihm bemerkbares Wild, sondern wartet geduldig ab, bis vor ihm der Zwölfender-Hirsch auftaucht. Derzeit hält selbst der Großinvestor Warren Buffet sein Geld zurück, bzw. versilbert teilweise seine Investments. Ahnt er vielleicht eine maßgebliche Veränderung?

Der Grundsatz sollte heißen, sein sauer Erspartes  nicht unnötig einem Risiko auszusetzen, auch wenn durch die Inflation ein Teil davon aufgefressen wird, was saldiert aber immer noch besser ist, als durch falsche Investments alles zu verlieren.

8. Januar 2016

Elmar Emde

Autor des Buches “Sie strukturierte Ausbeutung”

siehe auch www.emde-fiveko.de

 

 

 

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