Falscher Anlagerat

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Mit Blick auf die von der EZB geschaffene Nullzinssituation wacht die Öffentlichkeit aufgrund der sich zunehmend bemerkbar machender negativen Entwicklung auf alle Lebensbereiche zunehmend auf. Die Schlüsse, welche allerdings daraus gezogen werden, sind genau das, was Herr Draghi und sein schwacher Zentralbankrat bezwecken.

Zu dieser Feststellung passt  z. B. ein Beitrag des Wirtschaftsjournalisten Dyrk Scherff in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 17. April 2016, welcher auf die derzeit negativen Sparzinsen sehr dezidiert einging, diese Situation kritisch überprüfte, die Frage stellte, ob Herr Draghi die deutschen Sparer enteignet (kann man nur mit ja beantworten)  und daran erinnerte, dass es in der Vergangenheit bei Inflationsraten, die meistens höher waren als die jeweiligen nominalen Marktzinsen, die negativen Zinsen bereits gab.  Das ist eine Aussage, die rein rechnerisch zwar stimmt, aber nur in Bezug auf die – man kann schon sagen – derzeit offiziell veröffentlichte Inflationsrate (siehe Beitrag „Inflationsrate, eine Irreführung vom 4. Mai 2016!“).

Das Fazit von Herrn Scherff  aus dieser unfassbaren Misere und damit sein Rat an die Anleger ist jedoch, ihr Vermögen doch in rentablere  Anlageformen zu verschieben, wie z.B. in Aktienfonds, in Immobilienfonds und in Riesterfonds, welche in Aktien investieren.

Bei Betrachtung dieser Anlagevorschläge läuft es mir kalt den Rücken hinunter, zumal das alles hochriskante Anlageformen sind. In Aktien bei diesen hohen Indizes zu investieren und für die Altersvorsorge zu reservieren ist schon abenteuerlich, zumal Herr Scherff in seinem Beitrag selbst von der momentanen künstlichen Aufblähung des Marktes durch die Liquiditätsschwemme der EZB eingegangen ist, deren Folge nur ein Absturz sein kann. Und nicht nur die EZB puscht mit ihrer Anlagenotstandspolitik die Aktienkurse, es sind auch die Aktienaufkaufprogramme der Aktiengesellschaften selbst u.a. zwecks Erhöhung der Eigenkapitalrendite, wobei die Herren Vorstände dabei  außer Acht lassen, dass sie damit ihre Eigenkapitalbasis und damit ihre Zukunftsbasis enorm schmälern. Da Aktien des Unternehmens auch für die Entlohnung der Vorstände verwendet werden, liegt der Verdacht auch nahe, dass mit diesen Ankaufprogrammen die Herren Vorstände ihr eigenes Vermögen zu Lasten der Unternehmensstabilität vermehren wollen.

Hinzu kommt, dass Aktien nicht gleich Aktien sind. Sind hier Aktien mittelständischer Unternehmen gemeint oder Aktien ausländischer Gesellschaften, mit welchem Rating, evtl. aus den unverändert  in Mode gekommenen Schwellenländern, oder Aktien von US-Gesellschaften (US-$ Risiko!!) oder sind Internet-Aktien gemeint oder Aktien von Start-ups  usw. usw. Hier kann sich der Anleger eine Menge unterschiedlicher Risiken aussuchen.  Wie viele hoch gejubelten Aktiengesellschaften haben  schon den Gang zum Insolvenzrichter antreten müssen und erhebliches Vermögen, welches für die Altersvorsorge vorgesehen war, vernichtet.

Dann die Aktien noch in Fonds zu packen, welche intransparent, damit schlichtweg nicht verifizierbar und zudem  mit hohen Kosten belastet sind und nur den einen Zweck dienen, nämlich das Fondsmanagement und damit die Mutterbank reicher zu machen, setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Hat sich Herr Scherff noch nie mit der Funktionsweise eines Fonds auseinandergesetzt oder die Fact-sheets solcher Fonds, welche dem Fondsmanagement letztlich alles erlauben, einmal durchgelesen? Ich habe beispielsweise noch keine Bank erlebt, welche ihr eigenes Geld in einen Aktien-Publikumsfonds investiert hat und das aus gutem Grund.

Und dann noch Riesterfonds zu empfehlen, welches den Banken und Versicherungen auf Jahrzehnte hohe Provisionseinnahmen garantieren, ist ebenfalls ein Fall für den Papierkorb.

Bei den Immobilienfonds (meint Herr Scherff jetzt offene oder geschlossene Immobilienfonds?) sieht es nicht anders aus. Diese kaufen in der Regel sehr große Immobilienobjekte, die äußerst komplexe Grundbücher aufweisen, teilweise in verschiedene Immobiliengesellschaften aufgeteilt werden und somit noch schlechter zu verifizieren sind als Aktienfonds. Die Bilanzen solcher Immobilienfonds setzen sich in der Regel zu 60% aus ca. 80 bis 100 komplexen Immobilienbeteiligungen, zu 20% aus direkten Immobilien und zu 20% aus Cash zusammen. Die Bewertungsfrage ist somit eine äußerst schwierige, was in der Vergangenheit die vielen Pleiten gezeigt haben. Banken finanzierten  zudem damit ihre eigengenutzten Häuser und sind nach dem Ende der Mietzeit ausgezogen, die jetzt leer stehen und keiner mehr haben will bzw. haben damit die Fondsanteilsbesitzer im Regen stehen lassen.

Die Anlagevorschläge von Herrn Scherff basieren  somit nur auf strukturierte Finanzprodukte, letztlich alles Produkte, welche Herr Draghi mit seinem Ankaufprogramm und damit geschaffenen Anlagenotstand den Anlegern zusammen mit den Bankanleihen, welche er aus guten Grund nicht ankauft, übrig lässt, ich behaupte bewußt und mit voller Absicht übrig lässt.

Unverändert haben wir es in Europa mit labilen und systemimmanenten Großbanken und Landesbanken zu tun, welche sich vor 2008 von den US-Investmentbanken einen sehr großen Umfang von Anlageschrott haben andrehen lassen, welches mit voller Betrugsabsicht geschehen ist. Über Bad-Banks haben die Deutsche Bank, die Commerzbank, die LBBW, die Bayern-LB und die HSH Nordbank einen erheblichen Teil dieser Schrottanlagen separiert. Erschreckend  hierbei ist die Tatsache, dass  die Summe der darin verbuchten und zum Abbau bestimmten Anlagen, also die jeweilige Bilanzsumme einer solchen Bad-Bank, zum Zeitpunkt ihrer Entstehung deutlich höher war, als das Eigenkapital der jeweiligen Mutterbank. Bei der Deutsche Bank belief sich beispielsweise die Bilanzsumme ihrer Bad- Bank auf ca. € 125 Milliarden, ihr Eigenkapital dagegen nahm zu diesem Zeitpunkt nur eine Größe von € 54 Milliarden ein. Ähnliche, bzw. noch deutlich schlechtere Relationen nahmen die anderen vier Bad-Banks mit ihrem jeweiligen Verhältnis Bilanzsumme zu Eigenkapital ihrer jeweiligen Mutterbank ein.

Kurzum, die Aktiva dieser Bad-Banks, auch Abbau-Bank genannt, hätten die fünf Banken unter normalen Umständen abschreiben müssen, allerdings hätte das die Insolvenz dieser fünf Banken bedeutet, hätte man diesen Bad-Bank-Trick mit dem Segen der Aufsichtsämter nicht angewendet.

Zwischenzeitlich wurde die jeweilige Aktiva der Bad Banks erheblich abgebaut. Herr Vetter, Vorstandsvorsitzender der LBBW verkündete bereits sehr stolz, dass die Bilanz seiner Bank mit den Risiken  aus der Vergangenheit nun bereinigt worden wäre. Die anderen Bad-Banks haben dies noch nicht in voller Breite geschafft, dennoch aber einen erheblichen Abbau erreichen können.

Bei diesen Jubelmeldungen stellt sich aber die Frage, wo dieser Anlageschrott hingegangen ist. Und da kommen die von Herrn Scherff gepriesenen Fonds  wieder in Stellung, welche diese Abbauprodukte der Bad-Banks  wiederum verstrukturiert als alternative Anlagen mit hohen Renditeversprechungen aufgenommen  und unter der Rubrik „Beimischungen“ oder „alternative Anlagen“ verbucht haben. Dieser Prozess setzt sich unvermindert fort.

Letztlich ist das eine sehr elegante Lösung, um die europäischen Banken sukzessive wieder stabiler zu machen zu Lasten des Vermögens von Millionen von Anlegern, die sich irgendwann wundern werden, warum das Vermögen ihres Fonds nicht gewachsen, dafür aber ins Minus geraten ist, und warum sich dadurch ihre Altersvorsorge entsprechend geschmälert hat.

Mich wundert es unverändert, warum die Herren der Wirtschaftspresse genau in die von Herr Draghi gestellte Falle permanent tappen.  Egal in welche der Wirtschaftszeitung  man reinliest, die  Empfehlungen der Wirtschaftsjournalisten entsprechen denjenigen von Herrn Scherff. So auch die von Herrn Sommer vom Handelsblatt, welcher sogar ETF`s empfiehlt, die größtenteils auf Derivate aufbauen, also synthetisch strukturiert sind. Das ist  ein Lemminge- Effekt ersten Grades, vielleicht sogar das Ergebnis guter Marketingvorarbeiten der Banken und erinnert sehr stark an die Jubelmeldungen vor der Finanzkrise, welche die “modernen” strukturierten Finanzprodukte der Banken als alleinige Anlagealternativen vorstellten.

Andererseits muss man die Strategie von Herrn Draghi, wie er die Öffentlichkeit mit seiner Inflationsdiskussion an der Nase herumführt und damit in leisen Schritten ein neues System mit seinen Investmentbankfreunden weltweit einführt, schon bewundern. Diese meines Erachtens sehr perfide Strategie einer sukzessiven Enteignung erinnert sehr stark an umgesetzte  Ideologien, welche Gesellschaftsformen entstehen ließen, die ebenfalls Vermögen enteignet haben mit der Folge einer totalen Verarmung des jeweiligen Landes.

5. Mai 2016

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

 

 

 

 

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