Fracking? Bitte nicht!

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„Beim Fracking wird durch eine Bohrung, unter hohem Druck von typischerweise mehreren hundert Bar eine Flüssigkeit („Fracfluid“) in den geologischen Hintergrund, aus dem gefördert werden soll, gepresst. Als Fracfluid dient Wasser, das zumeist mit chemischen Zusätzen und Stützmitteln, wie z. B. Quarzsand, versetzt ist.

Die Zusammensetzung der Fracfluid wird normalerweise von den Bohr- und Servicefirmen zwar gegenüber den Aufsichtsbehörden benannt, aber gegenüber der Öffentlichkeit geheim gehalten“.

Das ist die zusammengefasste Definition lt. Wikipedia.

Das Hauptproblem bei Fracking sind die Fracfluids, deren Zusammensetzung sicherlich keine Trinkwasserqualität besitzen und daher nicht umsonst geheim gehalten wird.  Insofern ist es meines Erachtens unverantwortlich, nur aus einer temporären Gas- und Ölgewinnung – diese Bohrlöcher sollen erfahrungsgemäß nur eine kurze Lebensdauer besitzen – das Risiko einzugehen, unser wertvolles Trinkwasser einer möglichen und äußerst langfristigen Kontaminierung mit solchen Fracfluids auszusetzen.

Eines unserer Haupt Assets in Deutschland ist das saubere Trinkwasser, welches hauptsächlich aus dem Untergrund, dem Grundwasser gewonnen wird. Ohne sauberes Wasser kann keine Volkswirtschaft auf Dauer gesund existieren. Man schaue sich nur das Wasser der Schwellenländer oder ganz zu schweigen das der Entwicklungsländer an. Die Oberschicht trinkt Mineralwasser aus Europa, das einfache Volk verdrecktes und mit vielen Krankheiten belastetes heimisches Wasser, sofern es überhaupt vorhanden ist.

Und selbst in New York schmeckt das Wasser nach Chlor, auch eine bestellte Coca Cola aufgrund des US-amerikanisch typischen hohen Zusatzes von Wassereis.

Warum soll man dann ohne wirkliche Not das Haupt Asset bzw. die Qualität unseres Trinkwassers in Gefahr bringen, zumal Auswirkungen des Frackings in den USA sehr beunruhigen.

Von Mineralwasserfirmen ist mir bekannt, dass es teilweise Jahrhunderte dauert, bis Regenwasser in Gesteinsschichten vordringt, um dann von den Mineralwasserunternehmen gewonnen zu werden. Teilweise kommt eine solche Wasserquelle durch Untergrundströmungen zustande, welche aus den unterschiedlichsten Gegenden stammen. Eine solche Quelle müsste dann geschlossen werden, wenn solche Fracfluids über Untergrundströmungen zu dieser Quelle gelangen.

Somit kann man die restriktive Haltung der Bundesregierung nur begrüßen. Diese stößt jedoch auf den erheblichen Widerstand vor allem der wirtschafts- und technikgläubigen Fraktion unserer Republik. Selbst im Handelsblatt, eine von mir geschätzte Wirtschaftszeitung, wurde diese Haltung mit einem Kommentar von Herrn Thomas Sigmund unter dem Titel „German Angst“, Untertitel „Deutschland ist längst ein Land der Denkverbote“, in die Kategorie „Bedenkenträger“ einsortiert, bzw. diffamiert.

In diesem Zusammenhang nannte er auch sehr umstrittene Projekte wie die Gentechnik, das Vergraben von Kohlendioxid mittels CCS-Technik (anstatt der Vermeidung von Kohlendioxid das Wort zu reden) und der Nanotechnik, welche aufgrund der „German Angst“ auch sehr restriktiv gehandhabt werden.

Ähnliches hat man auch zu der Atomtechnik gehört. Mittlerweile weiß man nicht mehr, wohin mit dem Atomabfall, der sich in den letzten 4 Jahrzehnten auf mindestens  eine halbe Million Tonnen aufsummiert haben soll.

Wo liegt dieser Atomabfall und wie will man diesen entsorgen? Ebenfalls vergraben, wie das Kohlendioxid und künftigen (tausenden von) Generationen hinterlassen? Das ist verantwortungslos!

Ohne Fracking ist Deutschland zu einer der reichsten Nationen geworden und hat seinen Wohlstand auf den Erfindungsreichtum und den Fleiß der dahinter stehenden Bürger aufgebaut und diesen Wohlstand durch den Import von Rohstoffen und Gütern mit anderen Nationen geteilt. Ob eine Verweigerung  von Fracking  den Fortschritt und damit den Wohlstand  im Land schlecht aussehen lassen wird, ist daher äußerst fraglich bzw. lässt dieses Argument sehr in Richtung Lobbyismus gehen.

Außerdem haben wir sowieso einen, von vielen kritisierten Handelsbilanzüberschuss auch ohne Fracking. Soll dieser damit noch höher werden?

Irgendwie erinnert mich diese Fortschrittsgläubigkeit an die Jahre vor der Finanzkrise. Vor allem die Wirtschaftsjournalisten aller renommierten Zeitungen  sahen mit den strukturierten Finanzprodukten und den damit erzielten unverschämt hohen Gewinnen der Banken/ Investmentbanken ein Zeitalter der neuen Glückseligkeiten heraufziehen und stellten alle Kritiker als Bedenkenträger in die Ecke. Jetzt kämpft man schon seit Jahren unvermindert an der Beseitigung dieser, aus dem angelsächsischen Raum kommenden toxischen Papiere, hat damit das weltweite Finanzsystem an den Abgrund geführt bzw. dort belassen und damit die Zentralbanken zum Handlanger der Politik gemacht. Ausgang ungewiss, ich befürchte desaströs!

Gesundes Misstrauen, insbesondere, wenn man die langfristigen Auswirkungen nicht kennt, ist ein Bestandteil jeden Fortschritts. Blinde Fortschritts- und Technikgläubigkeit führt zu teuren und substanzfressenden Sackgassen.

Unseren zukünftigen Generationen haben wir schon zu viel Mist hinterlassen, Fracking sollte nicht dazu gehören.

5. April 2015

Elmar Emde

Autor von “Die strukturierte Ausbeutung”

 Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

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