Senkung des Leitzinses auf 0,05%

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Mit der Senkung des Leitzinses auf unscheinbare 0,05% und der Ankündigung, Kreditforderungen der Banken durch die EZB anzukaufen, muss eigentlich nun jedem klar werden, welchen Zweck Herr Draghi (ehemaliger Vizepräsident der Investmentbank  Goldmann Sachs) damit bezweckt.

Meines Erachtens verfolgt er damit nur ein  Ziel, nämlich die Sanierung der Banken in Europa, welche sich von den hoch gelobten angelsächsischen Banken vor der Finanzkrise einen gigantischen  Anlageschrott haben andrehen lassen. Zum Vergleich: Die Summe aller europäischen Bankbilanzsummen ergibt das dreieinhalbfache des europäischen Bruttoinlandsproduktes (nur wenige Billionen Euro geringer als das US-amerikanische). Die Summe aller US-amerikanischen Bankbilanzsummen dagegen beläuft sich nur auf etwa 80% des US-amerikanischen Bruttoinlandsproduktes. Oder ein anderer Hinweis, alle Bad-Banks in Europa, in denen dieser toxische Anlageschrott verbucht ist, soll lt. Presseberichten eine Summe von € 2,5 Billionen  einnehmen, und es bleibt zu befürchten, dass dies nur die Spitze des Eisberges ist.

Mit der Senkung des Leitzinses wird der bestehende Anlagenotstand nochmals erhöht, um die Anleger noch mehr und noch schneller auf mit Renditeversprechungen vollgepfropften  strukturierten Finanzprodukte (i.W. Investmentfonds) zu hieven, in welchen diese toxischen Papiere als Beimischung sehr elegant verteilt werden können. Da dies anscheinend nicht ausreicht, will die EZB Kreditforderungen der Banken  (welche?) aufkaufen, womit das Kreditrisiko der Banken automatisch auf die europäischen Steuerzahler verlagert wird. Außerdem sind jetzt auch noch relativ risikolose Pfandbriefe und Unternehmensanleihen im Gespräch. Will Herr Draghi damit auch noch  die letzten einigermaßen guten direkten Anlagealternativen vom Markt nehmen, um das Anlegerinteresse auf die Anleihen der Banken zu lenken zwecks deren Sanierung?

Und da das anscheinend immer noch nicht ausreicht, wurde die Struktur geschaffen, dass Banken jetzt Negativzinsen einführen können, damit der Leidensdruck noch höher wird, die Anleger schwach werden und  zum Kauf der strukturierten Finanzprodukte noch besser überredet werden können.

Ich erinnere an die Aussage von Herrn Ackermann im Herbst 2007, damals Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bank, während einer Talkshow, die wie folgt lautete: „Wissen Sie, wenn alle Risiken auf dem Finanzmarkt allokiert sind, ist die Finanzkrise vorbei“. Damit hat der Investmentbanker Ackermann die Maßnahmen vorgeben, die der Investmentbanker  Draghi ausführen wird.

Fazit: Von den strukturierten Finanzprodukten und auch Bankanleihen sollte man jetzt sogar noch vermehrt die Finger lassen und nur auf Sicherheit der Rückzahlung des eingesetzten Kapitals achten. Ansonsten geht man grundsätzlich die Option auf einen Totalverlust ein.

2. Dezember 2014

Elmar Emde

Autor des Buches “Die strukturierte Ausbeutung”

Siehe auch http://www.emde-fiveko.de

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